In Mühlackers Genuss-Treff: Zukunftsweine, schwäbischer Nebbiolo und Enzgärten-Dickkopf - Ein Probenabend

Waldenso - Ein schwäbischer Nebbiolo

Nix ist unmöglich, selbst in Mühlacker nicht. Obwohl hier viele nicht mit dem Unmöglichen rechnen, passiert es doch, und dies ausgerechnet in der unteren Bahnhofstraße – die Fußgängerzone mit dem herben Charme. Und dies auch noch nach Ladenschluss.

Doch wer dennoch dort das Unmögliche sucht, fand es am Freitagabend in Haus Nummer 19. Die Stätte zur Hebung der Lebensfreude und der guten Stimmung. Zwar zeichnet sich die Fußgängerzone als Teil der Senderstädter Einkaufsmeile zur Abendstund‘ nicht gerade durch pulsierendes Leben aus: Arg ruhig ist’s meist in diesem Zipfel der Mühlacker Pracht-Straße und somit kaum anziehend. Oder doch? Jedenfalls starteten zwei örtliche Geschäftsleute in diesem Rahmen ein gemeinsames Projekt: die große Weinprobe. Kein Schnell-Kosten im Vorüber-Huschen. Kein Discounter-Test-Tropfen auf den letzten Schluck. Just jetzt war es zum zweitenmal soweit.

Der Erfolg des Genuss-Treffs zeigt, dass es auch anders geht - und man nicht nur auf die Stadtpolitik warten soll, sondern sein Ding einfach machen, aber auch besser machen muss. Zwei, die das beherrschen, heißen Oli und Manfred. In ihrer Umtriebigkeit stehen sich der Mühlhäuser Oliver Höhner und der Ur-Dürrmenzer Manfred Rapp in nichts nach. Beide lieben ihre Heimat, machen Unmööögliches möööglich.

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Der Russland-Politik auf der Spur

Gut 720 Seiten Buch – um das zu lesen, braucht’s Geduld und Ausdauer. Oder einen Reha-Aufenthalt nach einer Knie-OP. Oder einfach hohes Interesse an dem Thema: Geschichte der deutschen Russlandpolitik seit 1990 bietet eine umfassende Analyse der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges. Es beleuchtet die verschiedenen Phasen dieser Beziehungen, angefangen von der Euphorie der Wiedervereinigung bis hin zu den aktuellen Spannungen und Herausforderungen. Autor Bastian Matteo Scianna ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam. Er untersucht die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte dieser bilateralen Beziehungen und zeigt auf, wie sich die deutsche Russlandpolitik im Laufe der Jahre entwickelt hat. Dabei werden sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge dieser Politik kritisch hinterfragt und analysiert. Das Buch ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich für die deutsch-russischen Beziehungen und die europäische Außenpolitik interessieren.

Seit dem Überfall von Russland auf Ungarn steht die deutsche Russlandpolitik vor einem Scherbenhaufen. Ihre Strategien sind gescheitert. Ihre Grundüberzeugungen erschüttert. In Deutschland und international wird heftig über sie gestritten. War sie von Anfang an verfehlt? Wie weit reichte der Einfluss Russlands und seiner Netzwerke? Befand sich die Bundesrepublik auf einem Sonderweg?

Bastian Matteo Scianna hat bislang unzugängliche Archivbestände ausgewertet und legt die erste wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung zu einem der umstrittensten Themen der deutschen Zeitgeschichte vor. Er tut dies ausgesprochen penibel. Der Autor hatte Zugang zu unbekanntem Archivmaterial aus dem In- und Ausland, unter anderem zu den Akten des Kanzleramts unter Helmut Kohl, zu den Protokollen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion oder Gesprächsmitschriften aus britischen und amerikanischen Quellen.

Seine grundlegende Analyse zeigt, dass die Geschichte viel komplexer ist als manchmal dargestellt. Die deutsch-russischen Beziehungen waren besonders und genossen einen hohen Stellenwert. Es fuhr daher ein Sonderzug nach Moskau. Doch stand die Bundesrepublik in Europa keineswegs allein und war nicht nur blind und naiv, wie manche Kritiker behaupten. Andere Länder glaubten ebenfalls an Wandel durch Handel und wollten mit Russland zusammenarbeiten: Die Utopie der Verflechtung war keinesfalls ausschließlich Made in Germany, zumal dies – wie der Verfasser aufzeigt mit den unterschiedlichen Personen und Charaktere zusammenhing. Kohl verstand sich gut mit Gorbatschow und Jelzin. Der Kanzler wusste, genauso wie Merkel, um die Empfindlichkeit der russischen Seele. Aber er warf sich den russischen Präsidenten nicht an den Hals wie Politiker von SPD und Grüne, Gerhard Schröder und Joschka Fischer.  

Die Beziehungen zwischen der SPD und Russland sowie der CDU und Russland haben sich im Laufe der Jahre unterschiedlich entwickelt und waren von verschiedenen politischen Ansätzen und historischen Kontexten geprägt.

Die SPD hat traditionell eine eher dialogorientierte und kooperative Haltung gegenüber Russland eingenommen. Diese Politik geht auf die Ostpolitik von Willy Brandt in den 1970er Jahren zurück, die darauf abzielte, die Beziehungen zu den osteuropäischen Staaten, einschließlich der Sowjetunion, zu verbessern. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges setzte die SPD auf eine Politik des Dialogs und der Zusammenarbeit mit Russland, um Stabilität und Sicherheit in Europa zu fördern.

Im Gegensatz dazu hat die CDU eine eher kritischere und zurückhaltendere Haltung gegenüber Russland eingenommen. Besonders in den letzten Jahren, angesichts der Annexion der Krim und des Konflikts in der Ukraine, hat die CDU eine härtere Linie verfolgt und sich für Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Die CDU betont die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen und die Zusammenarbeit mit den westlichen Verbündeten, insbesondere den USA, in der Russlandpolitik.

Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln sich auch in den politischen Maßnahmen und Initiativen wider, die von den jeweiligen Parteien ergriffen wurden, um die Beziehungen zu Russland zu gestalten. Während die SPD auf Dialog und Kooperation setzt, verfolgt die CDU eine Politik der Abschreckung und Sanktionen, um russische Aggressionen einzudämmen. Der Sonderzug nach Moskau wurde 2024 aufs Gleis gesetzt, soll heißen: Die Politik hat sich seit dem Erscheinen des Buches weiter verändert – Trump II, Vance…  (bä)

Scianna, Bastian Matteo: Sonderzug nach Moskau, Geschichte der deutschen Russlandpolitik seit 1990. Monografie, 720 Seiten. C.H.Beck, ISBN 978-3-406-82210-0. Preis: 34,00 Euro

 

Längst nicht mehr die grüne Sparkasse: Die Stadt und der Forst - Beispiel Mühlacker

Einen Arbeitskreis Wald des Gemeinderats von Mühlacker, drei Stellen für Forstarbeit und im September 2023 bestellt: ein Forstschlepper mit funkferngesteuerter Anbauseilwinde und Rückekran für den Forstbetrieb der Stadt zum Preis von 385.683 Euro, nach monatelangem Hin-und-her zwischen zwei Fachämtern, im September 2023 bestellt bei der Firma Kotschenreuther Forst- und Landtechnik GmbH & Co. KG, 96349 Steinwiesen. Die Kommune und der Forst, ein interessantes Kapitel, wie sich jetzt auch einer Pressemitteilung des Enzkreises zu entnehmen lässt. 

Angelegte Tümpel sollen lange genug Wasser halten, um Tieren auch über längere Dürrephasen im Sommer einen Lebensraum zu bieten.

Mit Hilfe dieses Forstschleppers, der voraussichtlich im Frühjahr 2025 geliefert wird, könne man in Mühlacker künftig Holz vermehrt in Eigenregie aus dem Wald befördern, lobt das Kreisforstamt. Damit sei man bei der Holzernte noch flexibler und könne schonender auf die Witterung und empfindliche Waldböden Rücksicht nehmen. Möglich gemacht habe dies der Gemeinderat von Mühlacker, der sich damit zum Erhalt des Waldes und zu seinen vielfältigen Ökosystemleistungen bekannt hat, loben Wald-Experten aus dem Landratsamt in Pforzheim. 

Doch der durch Hitze gestresste Wald, das Waldsterben - die Sache bleibt aktuell

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Wie wir mit Ausnahmen den Umweltschutz aushebeln und die Ausgleichsmaßnahmen vergessen

Wie viel ist Natur wert? Der Fall der Alten Ziegelei in Mühlacker zeigt, dass eine naturschutz- und planungsrechtliche Einschätzung des Naturwertes nicht trivial ist.

Eine von mehreren Ausgleichsmaßnahmen in den Waldäckern und im Aischbühl in Mühlacker: Neues Zuhause für Zauneidechsen.

Aktuell gilt: Unter der Annahme, dass ein Eingriff in den Naturhaushalt ausgeglichen werden kann, sind Eingriffe unter Umständen genehmigungsfähig. Die Bewertung liegt in der Bauleitplanung im Ermessensspielraum von Gemeinderat und Verwaltung, zunehmend auch bei den Gerichten.

Eingriffshierarchie und Wert der Natur

Am Anfang der Eingriffshierarchie steht immer das Gebot der Vermeidung und Minimierung. Erst dann folgt das Ausgleichsgebot (Kompensation). Ein Ausgleich muss im räumlichen und funktionalen Zusammenhang zum Eingriff stehen. Die letzte Möglichkeit stellen Ersatzmaßnahmen dar, die nicht im räumlichen und funktionalen Zusammenhang stehen, aber qualitativ gleichwertig sein müssen. Ein großes Problem stellt dabei die Bewertung dar.

Was ist die Natur wert, die wir zerstören? Was für Arten kommen vor? Wie wirkt sich der Verlust auf die Gebiete drum herum aus? Und wie bewerten wir den sogenannten Time-lag? Beispielsweise können gewachsene Strukturen und alte Bäume nicht in wenigen Jahren und Jahrzehnten (Time-lag) kompensiert werden. 

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OB-Barometer 2023: Flüchtlinge und Klima

Laut OB-Barometer 2023, der repräsentativen Jahresbefragung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), ist Flüchtlingshilfe die aktuell drängendste Aufgabe der Kommunen. Für die Zukunft nennen die Stadtspitzen die Klimathematik unangefochten als wichtigstes Handlungsfeld. 

Themenverschiebungen (Grafik: Difu)

In der diesjährigen Befragung der Stadtspitzen für das OB-Barometer des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) spielte die Corona-Pandemie keine Rolle mehr. Stattdessen stehen die Kommunen zunehmend vor der Herausforderung, verschiedene Krisen gleichzeitig bewältigen zu müssen: Für Städte und Gemeinden ist Krisenbewältigung zu einer Art Dauerzustand geworden.

Die seit 2022 wieder stark gewachsene Flüchtlingszuwanderung wird von den befragten Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern als aktuell drängendste zu bewältigende Aufgabe angesehen. Für mehr als die Hälfte der Stadtspitzen ist das Thema zentral, ebenso der dringende Wunsch nach einer Unterstützung durch Bund und Länder. Auch den Themen Wohnen und Finanzen wird aktuell eine steigende Dringlichkeit beigemessen. So sahen die Resultate 2021 aus.

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Einen Einundzwanziger beim Onkel Gustav

Einer seiner vielen Stationen in Maulbronn. Im Jahr 1923, in sonnigen Herbsttagen, hielt sich ein 39-jähriger Redakteur und Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin wieder einmal in dem Oberamtsstädtchen auf. Maulbronn war ihm ans Herz gewachsen, dem liberalen Politiker Theodor Heuss. Ein Jahr später rückte der Politiker in den Deutschen Reichstag ein.

Der Mann aus dem Zabergäu, in Brackenheim groß geworden, verband die Lust an der Politik mit der Lust an der Poesie. Er schaffte ein enormes Redner-Pensum pro Tag, hielt seine Eindrücke auf dem Papier fest, schuf so literarische Genussstücke. Eines davon fiel mir vor mehr als einem halben Jahrhundert in die Hände. Seinerzeit entstand daraus ein Beitrag für das Württembergische Abendblatt, erschienen in der Ausgabe vom 27. August 1970. Er ist das Kernstück der heutigen Geschichte.

Für Maulbronn hatte er viel übrig. Das zeigen seine Aufzeichnungen über die Spaziergänge im Städtle, am Elfingerberg, auf der Reichshalde. Beides auch Lagen, auf denen – welch Glück nicht nur für ihn! - Reben wachsen, Trauben gedeihen. Der Politiker und Poet rühmte diese Produkte aus den Weinbergen. Er wusste um die guten Tropfen. Der spätere Bundespräsident widmete sich bei seinem Besuch in den Herbsttagen 1923 dem Kloster, im zwölften Jahrhundert von Zisterzienser-Mönchen gegründet.  In seinen Erinnerungen, mit Herbsttagen in Maulbronn betitelt, führte er über den Wein in die Landschaft ein.

In einer milden Sonne zum See hinab

Theodor Heuss’ Herbsttage erschienen im Jahr 1959 im Tübinger Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins im Rahmen des 309-seitigen Bandes Von Ort zu Ort, Wanderungen mit Stift und Feder.  Einfühlsam sein Stil, keiner der versucht, auf der Glatze noch Locken zu drehen. So schildert Theodor Heuss zuerst die wein- und wasserspendende Umgebung von Maulbronn.

Aber den Eilfinger Berg stiegen wir in einer milden Sonne zum See hinab, zwischen den Rebstöcken, in einiger Sorge, dass Regen und Sonne an den Trauben noch ihr gutes Werk tun.

Theodor Heuss 1924 - Foto aus dem Abgeordnetenausweises des Reichstags

Ein paar Hundert Meter weiter liegt die Reichshälde. Und wir grüßten sie dankbar; sie ist nicht ganz so berühmt, und von ihrem Gewächs gab’s in der behaglichen Wirtsstube beim Onkel Gustav einen Einundzwanziger. Der Eilfinger aus diesem gesegneten Jahr ist weggetrunken. oder, schnöde genug, da einer göttlichen Gabe dies geschehen darf, zur Kapitalanlage verwandelt: in ein paar Häusern und Kellern bewahrt man ihn noch als feierliche Familienlegende. Über den Reichshäldener haben sie keine Gedichte gemacht, er wird auch nicht etikettiert; deshalb blieb einiges für uns davon übrig.

Seltsame Geister

Der Redakteur schreibt von seltsamen Geistern, die sich in dieser Ecke Württembergs, die zum nördlichen Schwarzwald guckt und in den badischen Kraichgau ihre Hügel laufen lässt, nach Bretten und Bruchsal begegnen. Theodor Heuss zeigt sich als ein profunder Weinkenner, der die Maulbronner Gegend richtig einstuft: Sie ist dem eigentlichen Weinland schon etwas entrückt; aber mit einer letzten Anstrengung haben es die schwäbischen Weine hier erreicht, flaschenreif zu werden und ihre Spitze zu finden. Die wichtigste Weinlage sei Krongut mit pfleglichster Behandlung gewesen: In einer liebenswürdigen Bewegung habe die junge Republik sie dem letzten König bei der Finanzauseinandersetzung zum Familiengut geschlagen. Also der heutigen Hofkammer.

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Die großen Geheimnisse des Lienzinger Herzahäusles

Die Südseite des Herzenhäusles mit Fachwerk (2021)

So unscheinbar das Gebäude Friedenstraße 26/1 ist, so sehr beschäftigt das die Lienzinger. Das Herzenhäusle birgt aber auch mehr Geheimnisse als ursprünglich gedacht. Es dürfte früher errichtet worden sein als das in meinem ersten Blogbeitrag genannte Baujahr 1867. Denn Mühlackers Stadtarchivarin Marlis Lippik stieß in den alten Listen der Feuerversicherung auf weitere, überraschende Spuren. Eine Fortsetzungsgeschichte über ein Heuhaus, eine Brennhütte und ein Wohngebäude, das seit Jahren leer steht.

Das älteste Dokument über Friedenstraße 26/1 aus 1848 (Repro Stadtarchiv Mühlacker)

Hier passen zwei interessante Reaktionen auf meiner Facebookseite, auf der ich den Text in der Reihe Lienzinger Geschichten angerissen hatte:  Bei uns als direkte Anwohner heißt das nicht nur „Herze-Häusle“…, sondern der Weg auch „Herze-Gässle“... und das war schon als Kind immer spannend - so die Erinnerung von Katja Aichele. Und Jenny Mannhardt, Chefin der Gärtnerei, ergänzte: Ich glaube, da hat jede/r einen eigenen Namen. Bei uns heißt es s Wegle, ich habe auch schon Gärtnerweg gehört. Ich habe als Kind auch immer Hexahäusle verstanden, bis ich dann genauer zugehört und auch die Herza Marie herausgehört habe, die ihr Geld immer in den Socken mit sich herumgetragen hat.

Marie Herz - nach der letzten Bewohnerin heißt das marode Gebäude am Bachweg im Volksmund Herzenhäusle.  Jetzt soll es im Laufe des Jahres 2021 abgebrochen werden, steht in der Antwort der Stadtverwaltung auf meine Anfrage im Gemeinderat. Die Vorbereitung zur Angebotseinholung läuft, so das Fachamt. Im Lichte der neuen Erkenntnisse versprach OB Frank Schneider inzwischen, dass es zunächst stehen bleibt – zwecks Dokumentation. Mittelalterarchäologe Tillmann Marstaller, mit der Lienzinger Historie in besonderem Maße vertraut, brachte in einem Telefonat mit mir die Möglichkeit ins Gespräch, mit seinen Studenten von der Universität Tübingen im Sommer 2022 das Herzahäusle zum Mittelpunkt einer Lehrveranstaltung zu machen. Dazu gehört, in Text, Bild und Zeichnung das Gebäude für künftige Generationen zu erfassen, bevor es der Spitzhacke zum Opfer fällt. Ein schöner Zug!

Das älteste Dokument über das Gebäude stammt nachgewiesen von 1842 – da ist es neu eingeschätzt worden. Da hatte das Haus die laufende Nummer 111 A in den Listen der Feuerversicherung, danach die Nummer 111 B und schließlich die Nummer 127, so die Bezeichnung als Wohngebäude seit 1863.

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Fragen an den Landrat: Fakten gefordert statt der ewigen Leier vom diffusen Infektionsgeschehen in Mühlacker

Bin um 16°° mit dem Fahrrad durch die Enzgärten gefahren. Und konnte es nicht glauben, wieviele Personen dichtgedrängt sich ohne Maske und dergleichen aufgehalten haben. Der Bericht entspricht der Wirklichkeit, schrieb mir heute mein Fraktionskollege im Gemeinderat, Theo Bellon. Er bestätigte somit, was kurz vorher eine Bürgerin mailte, die Alarm schlug: Pfingstsonntag ca. 15 Uhr in den Enzgärten neben dem Skaterpark, ca 20 bis 25 Personen auf Bänken und Steinen eng beieinander sitzend und kein einziger trug eine Maske. Aber es kann sich ja keiner vorstellen woher die hohen Inzidenzwerte kommen?

Zumindest zu den beiden Zeitpunkten keine Kontrolle in den Enzgärten. Dabei wissen alle, dass das ehemalige Gartenschaugelände an schönen Tagen wie ein Magnet wirkt.

Sollen wir von Menschen anderes erwarten, denen täglich die sinkenden Werte der 7-Tage-Inzidenz für den Enzkreis verkündet werden?  Von 144 am vergangenen Montag die Talfahrt auf heute 87,19. Auch wenn erst am Freitag mit 96 die 100er-Schwelle unterschritten war, reicht es nicht zu Lockerungen. Da sind mindestens 100 minus X sieben Tage lang am Stück notwendig. Trotzdem.

Doch die Werte in Mühlacker liegen etwa doppelt so hoch wie die Enzkreis-Zahlen. Am Freitag bei 180. Aber die Zahl taucht in keiner amtlichen Statistik auf, weil sich das Kreis-Gesundheitsamt beharrlich weigert, dies mit dem jeweils aktuellen durchschnittlichen Enzkreis-Stand zu veröffentlichen. Da wird Sternenfels mit seinen 2800 Einwohnern einfach mit Mühlacker und seinen 26.000 Einwohnern verglichen. Manche nehmen’s humorvoll, andere ärgern sich mächtig über diese Verniedlichungspolitik des Gesundheitsamtes - eine Praktik, die der Landrat leider seit Wochen verteidigt.

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Die Geschichte hinter der Geschichte: Fotovoltaik, kommunaler Wärmeplan und Neustart von Grün-Schwarz

Über den Gartenzaun zu schauen, schadet auch in der Politik nicht. Das ist besser, als in der eigenen Blase zu leben. Und so entsteht auch schon einmal ein Antrag durch einen Anstoß quasi aus der Nachbarschaft. In diesem Fall durch ein gut einstündiges Gespräch im typischen Kommunikationsformat der Corona-Zeit mit Dr. Jann Binder vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Er warb im digitalen Kaffeekränzchen für den Ausbau von Fotovoltaikanlagen, speziell mit intelligenten Lösungen auf freien Flächen, die die weitere Nutzung der Fläche unter den Voltaik-Modulen erlauben. Daraus entstand ein Antrag der CDU-Fraktion im Mühlacker Gemeinderat, den das Gremium jetzt in einer Videokonferenz mit 20 von 25 Stimmen annahm. Nur FDP und Freie Wähler taten sich mit der Idee etwas schwer. Erwachsen ist aus dieser Initiative eine aufschlussreiche Vorlage des Leiters des Baurechts- und Planungsamtes der Senderstadt, Armin Dauner, für Gemeinderat und Öffentlichkeit. Eine gute Bestandsaufnahme: Photovoltaik_Flaechen_Sitzung-Gemeinderat-vom-30.03.2021-11.pdf

 

Fotovoltaik aufgeständert. Foto: Pixabay

Digitales Kaffeekränzchen? Hört sich putzig an, ist es aber nicht. Corona mag uns physisch trennen - aber der politische Diskurs soll und muss weitergehen, sagte sich die Landtagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Waiblingen, Swantje  Sperling, und bittet seit dem 23. März 2020 zu Swantjes Digitales Kaffeekränzchen, inzwischen als Landtagsabgeordnete. Eine überparteiliche und interdisziplinäre Debatte mit wechselnden  Expert(inn)en zu verschiedensten Themen. Sperling kenne ich noch aus meiner Ressortleiter-Zeit bei der Ludwigsburger Kreiszeitung, als sie zuerst in den Gemeinderat von Remseck und dann in den Ludwigsburger Kreistag einzog, jedoch als Landtagskandidatin im Sommer in ihren Wahlkreis wechselte und deshalb die Kommunalmandate abgab.

Gute Konkurrenz belebt die Sache. Man solle sich immer überlegen, ob sich aus dem, was andere tun, für sich Honig saugen lässt, lautete einer der klugen Ratschläge fürs Leben meines LKZ-Verlegers Konrad Ulmer. Swantje Sperling war bisher Büroleiterin der Enzkreis-Abgeordneten Stefanie Seemann und als solche organisierten wir die gemeinsame CDU- und Grünen-(Koalitions-)Veranstaltung Anfang 2020 in Mühlhausen an der Enz mit Landesumweltminister Franz Untersteller.

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Mühlacker wieder Sonnenstadt: Siebter auf der Liste der Top 10

Siebter Platz in der bundesweiten Sonnen-Hitliste. Mühlacker ....
Das sonnige Mühlacker in Konkurrenz zu Rügen, Usedom, Kap Arkona, Fehmarn, Traunstein? Im ersten Moment ist ob dieser Nachricht der Leser höchst irritiert und zweifelt heftig die Sache und den Wahrheitsgehalt an. Doch es ist kein Fake. Sie alle (und einige mehr) wetteifern seit einigen Jahren um den Platz 1 in der Hitliste der Orte Deutschlands, in denen die Sonne am längsten scheint. Der  Deutsche Wetterdienst wertete seine, seit 30 Jahren gesammelten Daten unter Einbeziehung der Stundenzahlen von 2019 aus, als Auftragsarbeit von Trevelbooks, einem Reisemagazin. Das passt.

Was ist die Sonnenscheindauer?  Sie iwird definiert als die tatsächliche Dauer der direkten Sonneneinstrahlung an einem bestimmten Ort innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Sie gibt also an, wie lange die Sonne tatsächlich scheint, erläutert die Diplom-Meterologin Rebkka Krampitz in einem Blog. Eine solche Statistik für 2019 legte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor. Mühlacker verteidigte seinen siebten Platz in Folge der Orte in Deutschland mit der längsten Sonnenschein-Dauer.

An durchschnittlich 1749,5 Stunden schien voriges Jahr die Sonne über die Senderstadt - genausoviel wie im Jahr zuvor. Und bei der Präsentation auf  Travelbooks Webseiten steht als Platzhalter für Mühlacker ein Bild mit dem  Fachwerkhaus-Ensembles in der Knittlinger Straße in Lienzingen - nicht von ungefähr, denn die DWD-Messstation mit der ID-Nummer 3362 arbeitet auf 244,0 Metern Höhe überm Meer bei der Kläranlage Lienzingen. Wo Mühlacker drauf steht, ist Lienzinger Wetter drin. Pluspunkte der Stadt laut Travelbooks: Urlauber können die Umgebung, etwa den Naturpark Stromberg, zum Wandern oder Radfahren nutzen. Und: Einen tollen Blick über das naheliegende Enztal gibt’s von der Burgruine Löffelstelz.

Platz 1 im 2019er-Ranking hält Zinnowitz, die Gemeinde auf Usedom, mit durchschnittlich 1917,5 Sonnenstunden im Jahr. Den zehnten und zumindest in dieser Liste letzten Rang schaffte eine weitere Gemeinde aus Baden-Württemberg: Oberrotweil in Südbaden mit  1739,3 Stunden.

Am meisten Sonnenstunden haben 2019 dabei der Nordosten, insbesondere Usedom und Rügen. Laut dem Diplom-Meteorologen Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst hängt das vor allem damit zusammen, dass es dort in den Sommermonaten, wenn die Sonne im Norden steht, auch recht trocken ist. Es bilden sich daher vergleichsweise wenige Wolken oder Nebel. Bedingt durch den meist offenen Horizont, können zusätzlich auch frühmorgens und spätabends noch einige Sonnenstunden registriert werden.

Überhaupt: Über Deutschland scheint immer länger die Sonne. Aber dies ist eine andere Geschichte, die hier steht.

... gemessen auf der DWD-Wetterstation an der Kläranlage Lienzingen.

Die höchste Gutes-Wetter-Wahrscheinlichkeit - das neueste Ranking

  • 1. Zinnowitz, Gemeinde auf Usedom, 1917,5 Sonnenstunden im Jahr
  • 2. Greifswalder Oie, Ostseeinsel, 1826,4 Sonnenstunden im Jahr
  • 3. Kap Arkona, Steilküste im Norden Rügens, 1805,3 Sonnenstunden im Jahr
  • 4. Traunstein mit den Ortsteilen Axdorf, Sparz und Geissing, 1776 bzw. 1766,1 bzw. 1744,6 Sonnenstunden im Jahr
  • 5. Wieck, Ortsteil der Stadt Greifswald, 1767 Sonnenstunden im Jahr
  • 6. Herlazhofen, Ortsteil von Leutkirch im Allgäu, 1755 Sonnenstunden im Jahr
  • 7. Mühlacker, 1749,5 Sonnenstunden im Jahr
  • 8. Fürstenzell, Marktgemeinde in Niederbayern, 1741 Sonnenstunden im Jahr
  • 9. Fehmarn, Ostseeinsel in Schleswig-Holstein, 1740,7 Sonnenstunden im Jahr
  • 10. Oberrotweil, Ortsteil der Stadt Vogtsburg in Südbaden, 1739,3 Sonnenstunden im Jahr.