60 Jahre Baden-Württemberg



Die drei Löwen machen'S.

Herzlichen Glückwunsch, liebes Heimatbundesland. Von einem echten Baden-Württemberger - mit einem Südbadner als Vater und einer Württembergerin als Mutter. Ging sechs Jahrzehnte ganz gut, auch wenn sich die Badner zunächst schwer taten mit dem gemeinsamen Bundesland. Und manche Karlsruher fühlen sich immer noch benachteiligt. Wir könnten auch meckern, wenn uns die nationalen Medien zur badischen Kleinstadt erklären, nur weil wir zum Regierungsbezirk Karlsruhe gehören. Dabei verläuft die alte Grenze hinter Enzberg. Aber als Ehren-Badner fühlen wir uns doch auch ganz wohl. Musterland sind wir gemeinsam geworden. Heiter bis stürmisch geht es zu im Ländle. Und auf unsere wirtschaftlichen und bildungspolitischen Daten können wir gewaltig stolz sein. Vom Rostbraten, der Kehrwoche und Anerkennung schrieb heute die RNZ in Heidelberg (die Zeitung, die mit Theodor Heuss einst einen Schwaben als Chefredakteur hatte) über die Mannheimerin Julie Dutkowski (33), die einige Jahre im württembergischen Heilbronn gelebt hat, und dem aus Mühlacker stammenden Alexander Albrecht (35), der 2010 nach Mannheim gezogen ist. Sie erzählten augenzwinkernd vom Kulturschock, den sie in der "Fremde" erlebt haben. Dabei liegt Mannheim in der Kurpfalz (auch wenn es im Badnerlied rümend erwähnt wird: In Karlsruh’ ist die Residenz/in Mannheim die Fabrik./In Rastatt ist die Festung/und das ist Badens Glück). Ach ja, Franken haben wir auch, Hohenzollern nicht zu vergessen. Ein gutes Miteinander! Wie sagt der Ex-Mühlackerer in dem Gespräch: "Ich lebe also wirklich sehr gerne hier, aber das Badener Lied würde ich nicht singen. Damit tue ich mir doch schwer." Das wirkliche Miteinander zeigte sich, als in vielen badischen Stadt- und Landkreisen für Stuttgart 21 gestimmt wurde. Das verbindet nun wirklich im Bindestrich-Land.

Wildschweine und Mais oder Die Folgen des Atomausstiegs

Sie sind sehr kräftig, haben ein Gebiss mit 44 Zähnen, gelten als angriffslustig und richten Schäden an, wenn sie ihre Hauer einsetzen: die Wildschweine. Sie können harmlosen Spaziergängern einen kräftigen Schrecken einjagen. Doch inzwischen kreuzen sie nicht nur in Wald oder Flur den Weg der Menschen – sie stürzen sich durch geschlossene Terrassentüren, stürmen Geschäfte oder flanieren am helllichten Tag im Ort (nicht in Mühlacker, aber anderswo im Ländle, glaubt man dem Landesjagdverband Baden-Württemberg).
Damit steht fest: Nicht nur wer Schwein hat, trifft mal auf eine Sau. Der Landesjagdverband sieht schon die Wildschweine auf den heimischen Sofas sitzen. Wird künftig mit einem heftigen Grunzen begrüßt, wer abends nach Hause kommt?
Immer häufiger treibt es die Sau durchs Dorf. Das ist jedenfalls die Erkenntnis der Jäger. Und alles nur wegen erneuerbarer Energie, die die Kernkraft ersetzen soll. Denn Biogasanlagen mästen die Wildschweine. Schließlich brauchen Biogasanlagen Mais. Viel Mais. Das Borstenvieh kann frohlocken: Der Tisch ist immer reichlicher gedeckt. Mais ist eben eine Energiepflanze, aus der sich gut Methangas gewinnen lässt, das zu Strom und Wärme veredelt wird.
Die immer ausgedehnteren Maisfelder und auch das mildere Klima sorgen für wohlgeratene Schweine, die sich dann auch kräftig vermehren. Weil ihnen aber die natürlichen Feinde fehlen, müssen eben die Jäger ran. Das fordert der Landesjagdverband. Sein Appell: Die Waidmänner und -frauen sollen jede freie Minute nutzen, um das Gewehr anzulegen und ihnen auf die Schwarte zu rücken.
Damit aber wird klar: Der Atomausstieg hat eine leckere Seite. Und die heißt: Mehr Wildschweinbraten kommen auf den Tisch.