Schon 1966: Mühlacker gegen "Bürgermeister zur Probe" und für den einzigen kommunalen Verwaltungsfachmann

Wiederholt sich Geschichte? Nein! Doch manche Ereignisse ähneln sich. Zum Beispiel die Bürgermeisterwahl im Jahr 1966 und die OB-Wahl 2025 in Mühlacker weisen gewisse Parallelen auf.

1966 mit Neuauflage im Jahr 2025

Ein Rückblick: 1966 wechselte Erich Fuchslocher (FDP), damals Bürgermeister von Mühlacker, als Landrat nach Vaihingen an der Enz. In den heimischen Rathauskreisen war bereits klar: Der damalige Bürgermeister von Sersheim, Gerhard Knapp, der auch einflussreicher Kreisverordneter der Freien Wähler im Vaihinger Kreistag war, sollte ihm nachfolgen. Er trat zur Wahl an und schien potenzielle Konkurrenten abzuschrecken.

März 1966 (Repro: Stadtarchiv Mühlacker)

Am Ende standen nur drei Namen auf dem Wahlzettel: Gerhard Knapp (37 Jahre), Bürgermeister, Sersheim; Gunter O. Mülker (35 Jahre) Diplom-Volkswirt, Verwaltungsassessor beim Landesarbeitsamt Baden-Württemberg, Steinheim an der Murr sowie Dr. Leo Peichl (48 Jahre), Diplom-Landwirt, Sachverständiger bei der Finanzverwaltung des Landes, Ludwigsburg-Oßweil. In der Lokalpresse stand, ein weiterer ersthafter Interessent, der noch am Tag zuvor in Mühlacker gewesen sei - es handle sich um einen Bürgermeister von außerhalb - habe sich in beinahe letzter Minute entschieden, seine Bewerbung nicht einzureichen. Hans Blauth (27 Jahre), Stadtinspektor bei der Stadt Worms, wohnhaft in Pleidelsheim, zog seine Bewerbung wieder zurück.

Angesichts dieser begrenzten Auswahl an Kandidaten musste der Gemeinderat sich öffentlich verteidigen. Stadtrat Adam beklagte, dass fälschlicherweise in der Öffentlichkeit die Meinung vertreten wurde, der Gemeinderat trage die Schuld an der geringen Anzahl von Bewerbern. Sein Kollege Craiß warf die Frage auf, ob vielleicht der Kreisrat oder der Kreistag seine Hand im Spiel hatte und ob bereits entschieden war, dass nur ein Fachmann gewählt werden soll, was auf eine gezielte Personalentscheidung hindeutete. Stadtrat Wißmann schloss sich diesen Äußerungen an und wies darauf hin, dass vermutet wurde, der Gemeinderat oder die Stadtverwaltung hätten Maßnahmen ergriffen, um potenzielle Bewerber abzuschrecken.

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Mein Top-Tipp: Heimatroman der besonderen Art

Zwanzig Leseproben von zwanzig Autoren, die für den Deutschen Buchpreis 2025 vorgeschlagen wurden. Kostproben im handlichen Auswahlbändchen, darunter aus dem Roman Russische Spezialitäten von Dimitrij Kapitelman. Diese literarischen Spezialitäten machten neugierig. Drei Seiten, die ahnen ließen, dass das neueste Buch des 1986 in Kiew geborenen und seit 1994 in Deutschland lebenden Schriftstellers heiter, traurig und unterhaltend ist.  Mein Top-Tipp an der Lektüre der 183 Seiten: einfach lesen!

Gleich der Einstieg lässt Freude am geschriebenen Wort des in Berlin lebenden Autors aufkommen.: Der russische Wetterreporter warnt das russische Fernsehvolk. Und somit auch meine russisch fernsehvölkische Mutter. Die seit Jahren vom sichersten aller Ostdeutschlands aus an der russischen Welt teilnimmt, Leipzig.

Dmitrij Kapitelmans Roman trägt autobiografische Züge.  Im Mittelpunkt seine ukrainisch-stämmige Familie in Leipzig, deren politische Auffassungen sich widersprechen. Die Eltern. Die Mutter: Kettenraucherin, kyjiw-kompatibel geschminkt, also üppig, und mit der Gabe, Sterne vom Himmel zu pflücken. Der Vater: ambitioniert, tiefhängende Hose, schlaganfallgebeutelt, jüdisch und auf Du mit den toten Fischen in der Frischetheke. Die scheinen ihn nämlich unaufhörlich fröhlich anzuquasseln. Die Brüche in der Familie werden deutlich.

Die Mutter neigt zu pro-Putin-Haltungen, der Sohn positioniert sich klar gegen den Überfall auf sein Heimatland, die Ukraine.  Der Schriftsteller nutzt in den beiden Teilen des Romans – der eine spielt im Raum Leipzig, der andere in Kyjiw – seine Sprachkunst, die (Un-)Möglichkeit der Verständigung in Zeiten alter und neuer Kriege fast schon heiter, zärtlich und auch komisch aufzuschreiben. Sprachlich brillant.  Bittersüß und zutiefst politisch, nennt das der Hanser-Verlag, in dem der Roman erschien. Kein Widerspruch!

Die Familie aus Kyjiw verkauft in Kleinzschocher bei Leipzig im eigenen Magasin russische Spezialitäten. Wodka, Pelmeni, Kaviar, gezuckerte Kondensmilch, Flusskrebse in Tomatensauce, SIM-Karten, Matrosenshirts – und ein irgendwie osteuropäisches Zusammengehörigkeitsgefühl.  Jeden Tag kommt Genadij, der Mann mit seltsam kindlichen Knopfaugen, und jeden Tag der gleiche Dialog: Und was kostet das Eis heute dann? / Für Sie fünfzig Cent, Genadiji, / Nein, das ist zu wenig, ich gebe Ihnen einen Euro. Und jeden Tag zieht er mit einem Eis ab. Wobei Letzteres seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr zu haben ist.

Dimitrij Kapitelman © Paula Winkler

Die Mutter steht an der Seite Putins. Russische Propaganda glaubt sie aufs Wort, weshalb sie meint, dass an der aktuellen Lage der Ukraine nicht etwa Putin, sondern Selenski Schuld trägt.  Und ihr Sohn, der keine Sprache mehr als die russische liebt, keinen Menschen mehr als seine Mutter, aber auch keine Stadt mehr als Kyjiw, verzweifelt. Klug ist es nicht von ihm, mitten im Krieg in die Ukraine zurückzufahren. Aber was soll er tun, wenn es nun einmal keinen anderen Weg gibt, um Mama vom Faschismus und den irren russischen Fernsehlügen zurückzuholen? Er konfrontiert die paranoiden Vorstellungen der Mutter mit der Realität. An der Grenze bewahrt ihn sein deutscher Pass, von den Grenzkontrolleuren zur ukrainischen Armee zwangsverpflichtet zu werden.

Ein Heimatroman der unerwarteten Art.

Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kyjiw geboren, kam im Alter von acht Jahren als jüdischer Kontingentflüchtling mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Leipzig und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute arbeitet er als freier Journalist. 2016 erschien sein erstes, erfolgreiches Buch Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters, für das er den Klaus-Michael Kühne-Preis gewann. 2021 folgte Eine Formalie in Kiew, für das er mit dem Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet wurde.

Dmitrij Kapitelman: Russische Spezialitäten. Hanser-Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783446282476. Gebunden, 192 Seiten, 23,00 EUR

Nach der OB-Entscheidung: Die Sache mit der Wahlbeteiligung

Wie war sie nun, die Beteiligung an der Wahl des neuen Oberbürgermeisters in Mühlacker?  Schlecht, gut oder im Vergleich besonders gut respektive besonders niedrig. Die Antwort: je nach Sichtweise gut, mittelmäßig oder schlecht.  Die nachstehende Grafik für alle Kommunalwahlen in Mühlacker seit mehr als 50 Jahren beweisst: Sie war durchwachsen:

Dazu passst eine Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vor wenigen Tagen. Danach lag 2024 der Durchschnitt in Baden-Württemberg bei knapp 53 Prozent. Die niedrigste Wahlbeteiligung verzeichnete mit 16,3 Prozent - nur Amtsinhaber Jürgen Großmann (CDU) am Start - die Stadt Nagold (Landkreis Calw) bei der Hauptwahl am 22. September 2024, die höchste mit 89,9 Prozent die Gemeinde Böllen (Landkreis Lörrach), die kleinste Kommune des Landes, bei der Hauptwahl am 10. November 2024. Mühlacker hatte im ersten Wahlgang 49,68 Prozent, im zweiten 44,4 Prozent. 

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Hahne gegen Ideologie und Idiotie

Was ist los in unserem Land? Schüler können nicht mehr lesen und schreiben. Wer sich für Diplomatie einsetzt, gilt als Verräter. Peter Hahne ganzer Spott gilt der Gender-Debatte. Gendergerechte Sprache im Zug und auf Beipackzetteln, aber nicht genug Medikamente und keine funktionierende Bahn. Wir sollen blechen für Prunk-Kanzleramt oder Politiker-Protz-Fotos. Corona bleibt unaufgeklärt. Der frühere ZDF-Mann wendet sich gegen Idiotie und Ideologie. Und kritisiert Ex-Kanzlerin Merkel und ihr Wir schaffen das.

Peter Hahne legt mit Ist das Euer Ernst?! eine pointierte Bestandsaufnahme der politischen und medialen Landschaft vor. Reines Lesevergnügen. Das ist Hahnes Markenzeichen. Auch das Buch schaffte den Sprung auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Er hinterfragt gängige Narrative, entlarvt Oberflächlichkeiten und fordert mehr Transparenz sowie Verantwortungsbewusstsein von Politikern, Journalisten und der Gesellschaft. Dabei bleibt der Ton sachlich, gelegentlich humorvoll, und zielt darauf ab, Debatten anzustoßen statt zu polarisieren. Hahne formuliert seine Thesen deutlich, ohne ins Diffuse abzurutschen, und nutzt humorvolle, leicht spitze Passagen, um komplexe Sachverhalte zugänglicher zu machen, ohne deren Ernsthaftigkeit zu verwässern.

Das Buch deckt ein breites Spektrum ab: Medienszene, politische Entscheidungsprozesse und den Wandel gesellschaftlicher Werte stehen im Fokus. Es richtet sich an Leserinnen und Leser, die klare Positionierung schätzen, zugleich aber eine Portion Humor als Anker für die eigene Reflexion wünschen – ideal auch für Lesekreise, Seminare oder Debattenrunden, die Debatten mit einer zugänglichen, aber anspruchsvollen Perspektive bereichern möchten. Kurz gesagt, Ist das Euer Ernst?! ist kein neutrales Handbuch, sondern ein Anstoß zur Debattenkultur – sachlich fundiert, mit witzigen Momenten versehen und gut geeignet, Debatten in Bildungs- oder Kulturformaten anzustoßen.

Peter Hahne, Ist das euer Ernst?! - 2024. Quadriga, 142 Seiten. ISBN 978-3-86995-141-6. Preis: 12 Euro

Lienzingens letzter Gemeindepfleger - und seine beiden Vorgänger

Gemeindepfleger? Gibt es sie noch? Jedenfalls hatte Lienzingen einen - bis zur unfreiwilligen Eingliederung des Dorfes in die Stadt Mühlacker im Jahr 1975. Walter Vogt, der 1961 sein Amt antrat und 14 Jahre später nach dem verlorenen Unabhängigkeitskampf des 1750-Einwohner-Dorfes die  Verwaltungsübergabe an die Stadt Mühlacker abwickeln musste. 

Rathaus Lienzingen, zweites Stockwerk, schräg links: Gemeindepfleger Walter Vogt am Schreibtisch, hinter ihm der Tresor. Rechts ging es zum Bürgermeister. Spartanische Ausstattung (Foto: Archiv der Familie Vogt)

In der Gemeinde Lienzingen besaß der Bürgermeister die Qualifikation als Fachbeamter im Finanzwesen, weshalb der Gemeindepfleger als Kassenverwalter und rechte Hand des Schultes fungierte. Als Vogt überraschend im Alter von 49 Jahren am 1. Februar 1980 verstarb, war er noch für die Stadt Mühlacker tätig als Chef der Rathaus-Außenstelle und gleichzeitig ehrenamtlicher Vorsitzender des Männergesangvereins "Freundschaft Lienzingen".

Gemeindepfleger kümmern sich darum, dass die Menschen möglichst lange mobil bleiben und gut versorgt zu Hause leben können. Sie sorgen sich  ganzheitlich um die Bedürfnisse der Menschen. Diese Informationen erhält der User aktuell, wenn diese Berufsbezeichnung bei einer Suchmaschine wie Google eingegeben wird. Besonders in hessischen Landkreisen sind derzeit offenbar zahlreiche  Stellen für Gemeindepfleger (m/d/d) zu besetzen.

Offensichtlich erweitert das Bundesland seinen Bereich für ambulante Pflege. Allerdings führt die Suchmaschine die Nutzer in die Irre, da nicht der ambulante Gesundheitspfleger gemeint ist, sondern eine andere Art von Gemeindepfleger: Eine Person, die die Finanzen einer Gemeinde pflegt, also fürs Kassen- und Rechnungswesen verantwortlich ist. Der Begriff des Gemeinde- oder Stadtpflegers geriet in den vergangenen  Jahren fast in Vergessenheit, die Bezeichnung ist zudem eine süddeutsche Besonderheit.


Lienzinger Geschichte(n)  - nach längerer Pause wieder ein neuer Beitrag. Diesmal über den fast unbekannten Beruf des Gemeindepflegers. Drei hatte Lienzingen zwischen 1919 und 1975

 

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Zweimal 50 Jahre - Doppeljubiläum im Gemeinderat von Mühlacker

Eine kommunalpolitische Rarität: Noch nie dürfte jemand so lange dem Gemeinderat von Mühlacker angehört haben wie Rolf Leo und ich. 50 Jagre und kein  Tag weniger. In völliger Eintracht feierten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und Freien Wählern ein außergewöhnliches Doppeljubiläum: Macht zusammen ein volles Jahrhundert Stadtpolitik. Oberbürgermeister Frank Schneider, der als Anerkennung an beide Routiniers die Senderstadt-Medaille verlieh, ordnete die Leistung mit Hilfe von zwei anschaulichen Daten ein, wie das MT schrieb. Vor 95 Jahren, erinnerte der Rathauschef, sei Mühlacker das Stadtrecht verliehen worden: In der Geschichte unserer Stadt, so Schneider, können wir also bereits auf mehr Jahre mit Herrn Leo und Herrn Bächle als Stadträte zurückblicken, als dies ohne die beiden der Fall ist. Als zweiten Anhaltspunkt bediente sich der OB bei der Demografie. Laut den jüngsten Erhebungen von 2023 liege das Durchschnittsalter der Mühlacker Bevölkerung bei etwa 44 Jahren. Schlussfolgerung: Der heutige fiktive Durchschnittsbürger oder die -bürgerin der Senderstadt war noch gar nicht geboren, da waren Bächle und Leo bereits das erste Mahl wiedergewählt.

Von Links: Rolf Leo, Günter Bächle und Frank Schneider. Foto: Philipp Schad
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Lebens(mehr)wert für alle Generationen

Jana Geiger beschäftigt sich als eine von zwölf Autorinnen mit Wohnen im Wandel - Lebensqualität im Alter, so der Titel ihres 196-seitigen Buches. Die Innenarchitektin aus Lienzingen sagt, es sei sehr wichtig, alle (Jung und Alt) in der Stadt- und Dorfentwicklung mitzudenken und mitzunehmen. Einzelbereiche zu bearbeiten, statt das Ganze im Zusammenhang zu betrachten, scheint ihr zu kurz gedacht.

Ihr Credo: Wohnen ist mehr als ein Ort – es ist Ausdruck unserer Persönlichkeit, Quelle von Sicherheit und Voraussetzung für Lebensqualität. Gerade im Alter, wenn sich Lebensumstände und Bedürfnisse verändern, spielt die Wohnsituation eine entscheidende Rolle für Wohlbefinden, Gesundheit und soziale Teilhabe.

Dieses Buch beleuchtet das Thema Wohnen im Alter aus psychologischer, biologischer, gesellschaftlicher und praktischer Perspektive – und bietet neue Impulse für eine selbstbestimmte und würdevolle Wohnzukunft. Die Gesellschaft altert. Wohnen im Alter wird dadurch zunehmend ein wichtiges Thema.

Ihre Kernbotschaft lautet: Gutes Wohnen ist flexibel, sozial eingebunden und zukunftsorientiert – unabhängig vom Alter. In ihrem Beitrag Jung & Alt – zusammen mit Stefanie Mathis geschrieben – macht Jana Geiger deutlich, wie sich die Lebensqualität mit den verschiedenen Lebensphasen verändert und wie dabei das Zuhause eine zentrale Rolle spielt.

In einer Bestandsaufnahme weist sie auf viele Wohnformen hin, die eher Vereinzelung als Miteinander fördern. Stadtverdichtung verdränge Spielflächen, der halböffentliche Raum werde so zur reinen Verkehrsfläche, auf der sich niemand länger als unbedingt notwendig aufhalte.

Sie bringt viele gute, begeisternde Anregungen wie generationenübergreifende Gemeinschaftsgärten oder -parks. Begegnungsorte, an denen die Alten nicht nur unter sich sind und die Jungen nicht nur ihresgleichen suchen.  Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen, heißt es in einem afrikanischen Sprichwort.

Flexibilität als Leitprinzip: Geiger plädiert für Räume, die sich anpassen können, um den ständigen Neukauf einer neuen Umgebung zu vermeiden. Wohnzimmer sollen multifunktional nutzbar sein, Küchen zu Orten gemeinsamer Aktivitäten werden und Bäder barrierefrei bleiben. Das Ziel ist ein kontinuierliches Wachstum, angefangen von einer Wohngemeinschaft bis hin zu kompakten Wohnformen im Alter. Soziale Vernetzung als Maß für Lebensqualität: Wohnen wird zum sozialen Fixpunkt. Gemeinschaftliche Nutzflächen, Mehrgenerationenhäuser und Nachbarschaftstreffs fördern das Gemeinschaftsgefühl und das Sicherheitsgefühl. Der Zugang zu sozialen Kontakten ist oft genauso wichtig wie der Zugang zu physischen Annehmlichkeiten. Räume, die Begegnungen erleichtern, stärken das Wohlbefinden über Generationen hinweg.

Autorin Jana Geiger

Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden: Sicherheit umfasst mehr als nur den Schutz vor Einbrüchen. Barrierefreiheit, gute Beleuchtung, klare Orientierung und gesunde Materialien spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Expertin betont die Bedeutung einer sanften, aber stabilen Umgebung, die die verschiedenen Lebensphasen begleitet. Bewegungsfreiheit, gute Belüftung und eine geringe Lärmexposition tragen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bei.

Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung: Nachhaltigkeit beinhaltet auch die Planung über Generationen hinweg. Ökologische Materialien, effiziente Systeme und kurze Wege sind Teil dieses Ansatzes. Junge Erwachsene suchen bezahlbare und flexible Rahmenbedingungen, während ältere Menschen Wert auf Wartungsarmut und Sicherheit legen. Architekturen und Planungen sollten die Anpassbarkeit als Standard verstehen, um individuelle Lebensentwürfe und Gemeinschaften gleichermaßen zu stärken.

Finanzielle Dimensionen: Lebensqualität ist eng mit finanzieller Belastbarkeit verbunden. Modelle wie gemeinschaftliche Nutzflächen, Mietstützen und barrierefreie Förderprogramme mildern finanzielle Belastungen und gewährleisten die Teilhabe über Generationen hinweg.

Fazit: Lebens(mehr)wert für alle Generationen. Gemeinschaftlich statt gegeneinander: Jung & Alt zeigt, dass Lebensqualität dynamisch ist. Wer an flexibles, barrierefreies, sozial integriertes und ökologisches Wohnen denkt, schafft Räume, von denen alle Generationen profitieren können. Die Zukunft des Wohnens liegt in hybriden Formen, die Vielfalt respektieren und die Gemeinschaft stärken.

Herausgeputzt: Wohngebäude an der Wette in Lienzingen, Baujahr

Jana Geiger restaurierte zusammen mit ihrem Mann, auch Architekt, vor Jahren ein heruntergekommenesFachwerkhaus (Baujahr 1747) an der Wette in Lienzingen, das ihr inzwischen Heimat geworden ist. Es wurde zum Schmuckstück am Rand des historischen Ortskerns. Die 47-jährige, zwei Kinder, wuchs in Rostock auf, studierte in Berlin Architektur,zog vor 22 Jahren in den Raum Stuttgart.  Geiger arbeitet am Institut für Wohn- und Architekturpsychologie (IWAP), ist Gründerin der IWAP-Fachgruppe Lebensraum Kinder. Sie engagierte sich in Lienzingen bei der Betreuung der zeitweise in der Gemeindehalle untergebrachten ukrainischen Flüchtlingen, ist aktiv bei Herzenssache Lienzingen und bei der Organisation der Weihnachtsgaden. Sie lebt vor, was sie auch öffentlich vertritt. Und greift Themen zum Thema auf.

Wohnen im Wandel - Lebensqualität im Alter: Wie wir unsere Wohn- und Lebensräume gestalten können, um im Alter selbstbestimmt und zufrieden zu leben - Feldmer-Metzger, Monika; Schröder-Bauerfeind, Annelie. Softcover und Hardcover. ISBN 10: 3931641279 ISBN 13: 9783931641276. Verlag: Paschke Media, 2025. Preis: 20 Euro.

 

Erinnerung an den Anfang – Konrad Adenauer 1945–1953

Günter Bächle, 1965 schrieb ich auf das erste Innenblatt des rund 580 Seiten umfassenden Bandes, der in jenem Jahr bei der – mittlerweile nicht mehr existierenden – Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart erschien. Konrad Adenauers erste Erinnerungen kaufte ich als 15-Jähriger. Jetzt, fünfzig Jahre später, las ich ihn erstmals, fand ihn höchst interessant und entdeckte Gemeinsamkeiten mit der Politik von heute. Debatten um die Höhe des deutschen Verteidigungsbeitrags, die Anfänge der Europäischen Union, Sicherheitsgarantien der USA für Europa, die Sehnsucht nach Frieden und die sowjetische Bedrohung.

Hat sich etwas geändert? Jedenfalls nicht meine Begeisterung für den ersten Kanzler der Bundesrepublik, der mich so faszinierte, dass ich den Weg in die Union fand und Adenauer-Fan blieb.

Der geschichtliche Hintergrund war ein anderer. Nach dem Zusammenbruch des Zweiten Weltkriegs steht Deutschland vor einer neuen politischen Herausforderung: Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Stabilität gleichzeitig zu etablieren. Adenauer sieht sich als Architekt einer Westbindung, die nicht nur die Außenpolitik bestimmt, sondern auch den inneren Sinn politischer Verantwortung klar darlegt. Die Zukunft gehört denen, die sie gestalten – so lässt sich seine Grundstimmung in dieser Zeit zusammenfassen: pragmatisch, verantwortungsvoll, oft realpolitisch, aber stets über den reinen Machtstrukturen transzendental.

Die Jahre 1945 bis 1949 markieren den Aufbau einer demokratischen Ordnung in fragmentierter Heimat. Adenauer schärft den Blick auf eine normative Linie: Rechtsstaatlichkeit, Würde des Einzelnen, sowie der Wille, Deutschlands Wiederkehr in die Freiheit nicht durch Zwang, sondern durch Rechtsstaatlichkeit zu legitimieren. In dieser Phase wird die CDU/CSU zu einer verlässlichen Brücke zwischen Zerstörung und Erneuerung, zwischen Entnazifizierung und politischer Neubestimmung. Sein Anspruch: Deutschland müsse sich selbst neu begründen, ohne die Verantwortung gegenüber der Vergangenheit zu verleugnen.

Das Grundgesetz und die Bundesrepublik erscheinen als logische Folge einer politischen Logik, die auf Westbindung, europäischer Stabilität und transatlantischer Sicherheit beruht. Adenauer betont den Zusammenhang von wirtschaftlicher Erholung und politischer Ordnung: Wirtschaftswunder ist kein altes Privileg, sondern der praktische Beweis, dass Freiheit und Marktordnung zusammengehören. Die Verbindung zu Frankreich, die Aufnahme in die NATO, die Öffnung Europas – all das wird von ihm als notwendige Bedingungen gesehen, damit Deutschland nicht erneut in Isolation verfällt, sondern als verlässlicher Partner mitgestaltet.

Innenpolitik bleibt eine Geduldsprobe: Wiedergutmachung, Entnazifizierung, Wiederaufbauinstitutionen – all das braucht Zeit, klare Prinzipien und den Willen zu Kompromissen. Die Memoiren vermitteln eine Haltung, die an Prinzipien festhält, auch wenn die Umstände widrig sind: Rechtsstaat zuerst, dann politische Gestaltung im engen Bündnis mit den Westmächten. Die frühen Jahre zeigen eine Kernidee: Deutschlands Grundordnung muss europäisch sein und im Bündnis mit den USA und Frankreich Wirklichkeit werden.

Was bleibt, ist der Eindruck einer verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Politik, die aus der Vergangenheit lernen will, ohne in ihr zu erstarren. Adenauers Erinnerungen an diese Zeit klingen wie eine Einladung: Handeln im Gegenüber von Zwängen, aber mit Blick auf eine gemeinsame, friedliche Ordnung in Europa. Die Gründung der CDU, die Überwindung des Besatzungsstatutes durch den Deutschlandvertrag und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), die später scheiterte.  Friedensstifter wie der Lothringer Robert Schumann, Frankreichs Außenminister, der die Montan-Union anstieß – Deutschland sollte sowohl mit seiner Armee als auch mit Kohle und Stahl, die Produktionsmittel für die Kriege, eingebunden werden.

Adenauer – Der mit 74 Jahren ins Amt des Kanzlers gekommene frühere Kölner Oberbürgermeister blieb zwölf Jahre Regierungschef. Ihn zeichnete ein klares Konzept aus, die großen Linien, ein festes Bild von der Zukunft Europas in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Bei der SPD fiel das unschöne Wort von Adenauer als dem Kanzler der Alliierten (Kurt Schumacher). Die Außenpolitik in dieser Periode war geprägt von einer grundlegenden Spannung: Adenauers Vision eines stabilen, westlich ausgerichteten Deutschlands gegenüber einer SPD, die soziale Sicherung, demokratische Teilhabe und eine kritisch-wohlwollende Ostpolitik forderte. 

Diese Erinnerungen bringen viele seiner Gespräche in ungewohnter Breite wieder, macht seine Memoiren zu einer wichtigen Geschichtsquelle - der aktuellen Politik sehr zu empfehlen.

Mit dem Deutschlandvertrag sei im Mai 1952 mehr abgeschlossen worden als die Nachkriegsphase der letzten sieben Jahre. Eine ganze Epoche wurde beendet, die Epoche der Feindschaften und Kriege zwischen den Völkern des Westens. An diesem tragischen Nebeneinander waren Frankreich und Deutschland besonders stark beteiligt gewesen. Für den Schlussstrich unter diese Vergangenheit war die Unterzeichnung in Bonn und Paris ein Symbol. Die SPD jedoch verweigerte sich. Adenauer:  Die von mir angeführten, tief verletzenden Ausführungen Dr. Schumachers verrieten eine erschütternde Unkenntnis der ganzen politischen Situation. Dass die Vertreter der SPD dem Akt der feierlichen Unterzeichnung des Deutschlandvertrages am 26. Mai 1952 in Bonn fernblieben, war noch erschütternder. Dabei endete damit – sieben Jahre nach Kriegsende – das Besatzungsregime der Alliierten in Westdeutschland.

Im April 1953 reiste Adenauer zum ersten Mal in die USA. Ich will drei Passagen über Stationen seines Besuches zitieren, die mich berührten.

Im Auswärtigen Ausschuss des Senats: Bemerkenswert fand ich eine Äußerung, die Senator Mansfield, ein Demokrat aus Montana im Anschluss an meine Ausführungen machte. Er sagte, das amerikanische Volk hätte mit Genugtuung von der Stetigkeit Kenntnis genommen, mit der Deutschland zur europäischen Verteidigungsgemeinschaft stünde, und er hoffe, der Tag möge nicht mehr fern sein, an dem Deutschland Mitglied der Nato würde, seine Einheit zurückgewinne, alle Besatzungstruppen abgezogen werden könnten und Deutschland wieder ein vollkomme sicherer Teil der europäischen Gemeinschaft würde (Seite 588).

Grab des unbekannten Soldaten: Ich hatte die Absicht geäußert am Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Nationalfriedhof in Arlington einen Kranz niederzulegen. Die amerikanische Administration gestaltete diese Kranzniederlegung zu einer überaus eindrucksvollen Zeremonie. Sie nahm sie zum Anlass, in einer sehr zu Herzen gehenden Weise einen Schlussstrich zu ziehen unter die Jahre der Feindschaft, vor der ganzen Welt zu zeigen, dass diese Zeit vorüber sei, dass nun eine Ära der Freundschaft begonnen habe, und dass die Bundesrepublik Deutschland wieder aufgenommen in den Kreis und in die Gemeinschaft der freien Völker. (…)

Am Grabmal legte ich, während Kommandos durch die Luft halten, einen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife nieder, er galt den Toten beider Völker. Eine amerikanische Militärkapelle spielte die deutsche Nationalhymne. Ich sah, wie einem meiner Begleiter die Tränen herunterliefen, und auch ich war von tiefer Bewegung ergriffen. Es war ein weiter und harter Weg von dem totalen Zusammenbruch von des Jahrs 1945 bis zu diesem Augenblick des Jahres 1953, in dem die deutsche Nationalhymne auf dem Ehrenfriedhof der Vereinigten Staaten erklang (S. 589)

Es war die Zeit, als Staatsbesuche in den USA ein großes Ereignis waren, angetreten auch per Schiff.

Am 2. April 1953 begann die Reise nach Amerika von Le Havre aus mit der United States, zur damaligen Zeit das schnellste Passagierschiff der Welt, wie der Kanzler notierte.  Es war vollständig aus feuerfestem Material gebaut, zum größten Teil aus Leichtmetall, schreibt Adenauer. Die Überfahrt war äußerst stürmisch. Er zitiert den Kapitän, wonach die Wogen nach Abflauen des Sturmes, der am ersten und zweiten Tag der fünftägigen Reise tobte, eine Höhe bis zu 14 Metern erreichten. Da das ganze Schiff nur aus Metall bestand, war der Lärm, der durch die Erschütterungen verursacht wurde, wenn eine der Schiffsschrauben aus dem Wasser herausragte, unbeschreiblich groß. Ich hatte mir von der Schiffreise eine kleine Erholung erhofft. Doch daraus wurde nicht viel. Fast alle Mitglieder seiner Begleitung waren seekrank und wünschten die Stunde der Landung in New York am 6. April. Beim Einlaufen der United States gab es ohrenbetäubendes Hupen. Adenauer vermerkte eine eindrucksvolle Begrüßungszeremonie, die, wie ihm gesagt worden sei, außergewöhnlich gewesen sei.

konrad-adenauer.de: Den Band 1 zum Herunterladen

Das Rathaus, das das Verkaufsfieber im Mühlacker Stadtparlament überstand

Die Etterdorfstube steht für uns als gesamte Stadtgemeinschaft, für unsere Geschichte, unser kulturelles Erbe und unsere Verbundenheit mit unserer Heimat. Diese Worte unseres Oberbürgermeisteras Frank Schneider berührten mich. Bei der sonntäglichen Eröffnung der Etterdorfstube im alten Rathaus, in der Friedenstraße 10, war ich ihm auch noch nachträglich dankbar, dass er sich seinerzeit nicht anstecken ließ vom Verkaufsfieber vor allem sozialdemokratischer Stadträte, später eines freidemokratischen  Ratsmitgliedes.

Das grüne Sofa in der Stube: Museumsleiterin Dr. Martina Terp-Schunter, Oberbürgermeister Frank Schneider und der Autor (Foto: Stefan Friedrich)

Ausgelöst durch die erfolgreiche Vermarktung des Rathauses im Stadtteil Großlattbach sahen vor allem diese Mandatsträger darin die Chance, den städtischen Finanzen durch den Verkauf auch der Stadtteil-Rathäuser in Lienzingen, Lomersheim, Mühlhausen und Enzberg Gutes zu tun. Als Nummer eins auf der Liste stand bei ihnen Lienzingen. Inzwischen waren Verwaltungsaußenstelle und Kinderbücherei in die Grundschule umgezogen. Der Unterschied zu Großglattbach indessen war, dass dort die Stadt die alte Schule für 1,2 Millionen Euro sanieren ließ und damit auch neue Räume für die Verwaltungsaußenstelle entstanden, jedoch für das alte Rathaus an der Vaihinger Straße dadurch keine öffentliche Verwendung mehr vorhanden war. 

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Ur-Vater der Mühlacker Kommunalpolitik oder Bä`s Wochen-Allerlei

Jetzt stehen sie fest: Die Kandidierenden für die Nachfolge von Frank Schneider als Oberbürgermeister der Stadt Mühlacker. Der Gemeindewahlausschuss ließ sie zur Wahl am 19. Oktober zu. Sechs an der Zahl. Nur einer ist das, was Klaus Schönfeld bei der Wahl 1993 über sich plakatieren ließ - ein gelernter Bürgermeister, der den Beruf, mit dem Studium an der Hochschule für öffentliche Verwatung, von der Pike auf erlernte: Stephan Retter. Schönfeld war von 1994 bis 2002 Chef im Mühlacker Rathaus. Alle anderen betrieben bisher Kommunalpolitik im Ehrenamt oder garnicht. 

Manche, die sich sonst gerne als Demokraten, um nicht spitzfündig zu sagen, als Ober-Demokraten generieren, stören sich daran, dass sich jetzt in Mühlacker das Angebot an die Wählenden durch einen externen Fachmann verbreitert. Da wird mies gemacht, weil das Kochen im eigenen (Kandidaten-)Saft plötzlich gestört wird. Wehe, jemand gab dem einen Tipp, er solle sich doch in Mühlacker bewerben. Ich tat’s, andere auch. Der in einer Demokratie normale Vorgang wird verteufelt. Dieser normale demokratische Prozess wird verteufelt. Gleichzeitig wird auch von solchen Leuten zur Langen Nacht der Demokratie in Mühlacker eingeladen, finanziert vom Steuerzahler. Ein widersprüchliches Verhalten!

Mit Konrad Hudt, 1368 Schultheiß in Dürrmenz, beginnt die sechsseitige Liste der Schultheißen und Bürgermeister und endete aktuell mit Frank Schneider. Zu finden ist diese Fleißarbeit auf der Web-Seite des Historisch-Archäologischen Vereines Mühlacker.

Vielen Dank, geschätzte Doris Binder aus Wiernsheim, für Ihren Leserbrief im MT. Ich frage mich zwar, warum sich Personen aus Maulbronn und Wiernsheim in den Wahlkampf für das Amt des Oberbürgermeisters in Mühlacker einmischen. Gerade sie sollten doch erst einmal vor ihrer eigenen Haustür kehren. Doris Binder bezeichnet mich als den Ur-Vater der Mühlacker Kommunalpolitik. Ob dies positiv oder negativ gemeint ist, sei dahingestellt: Ich betrachte es als Ehrentitel. Dieser muss man sich verdienen. Vielen Dank!

Georg Stefan Troller verstarb heute im Alter von 103 Jahren in Paris. Der Sohn aus einer jüdischen Pelzhändlerfamilie floh 1938 vor den Nazis aus Wien und konnte selbst kaum glauben, dass er ein solches Alter erreichte, wie er einmal der Wochenzeitung Die Zeit verriet. Sein Name stand für das Pariser Journal, einer Serie im Ersten. Als er 1962 mit der TV-Reihe startete, besaß unsere Familie noch keinen Fernseher; erst fast zehn Jahre später kam einer hinzu. Ich verpasste keine seiner Sendungen. Georg Stefan Troller, dessen Lebenserinnerungen ich förmlich verschlang, war Journalist, Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Autor. Der Jahrhundertmensch. Er führte etwa 2.000 Interviews und drehte über 170 Filme - eine Reporterlegende. Heutzutage gibt es heute wohl keinen mehr von seiner Klasse. Schade!

Dr. Michael Blume (rechts) und der Autor. (Foto: Johanna Molitor)

Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland verdreifacht. Dr. Michael Blume, Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, sprach am Mittwoch Abend in der Musikschule Gutmann über die Ursachen für diesen Hass, der längst nicht mehr nur jüdische Mitbürger betrifft. Laut Blume lebten acht Juden in Mühlacker, von denen fünf ermordet wurden. Jahrzehnte später fragt man sich, was die Menschen nicht begriffen haben und warum der Antisemitismus wieder aufkeimt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist es ihm wichtig, vor Ort präsent zu sein. Mir war es wichtig, ihn für einen öffentlichen Gesprächsabend der CDU Mühlacker zu gewinnen. Es hat sich gelohnt.