FRAG mit Pandemie-Delle: Lernbegleiter, Bildungspate, Dolmetscher, Mittler und noch viel mehr

Immerhin: Die ganz große Pandemie-Delle blieb zum Glück aus. Die Arbeit der Freiwilligenagentur (FRAG) Pforzheim und Enzkreis brach nicht ein. Im Gegenteil: Es habe auch 2020 zahlreiche Anfragen und Gespräche mit potentiellen Ehrenamtlichen und Institutionen gegeben sowie digitale Fortbildung, berichten die Erste Landesbeamtin Hilde Neidhardt beim Enzkreis und die Koordinatorin im Landratsamt, Angela Gewiese, auf einen Fünf-Fragen-Katalog der CDU-Fraktion im Kreistag. Trotzdem: Da ist noch Luft nach oben.

 

Die Bilanz 2020: 36 Freiwillige mit Wohnort im östlichen Enzkreis sind laut der Antwort vermittelt worden, davon 12 in Mühlacker, sowie zehn aus Pforzheim und 13 aus dem westlichen Enzkreis, also insgesamt 71 – nur elf weniger als im Jahr zuvor.  Im Jahr 2020 bezahlt der Enzkreis rund 61.000 Euro, die Stadt Mühlacker 12.000 Euro.

Corona löste auch in anderen Bereichen plötzlich Hilfsaktionen aus – zum Beispiel bei Hallo e.V. in Lomersheim, in Lienzingen, in Mühlhausen. Termine wurden für die über 80-Jährigen am Computer gebucht und – wenn notwendig – auch die Fahrt von und zum Impfzentrum übernommen. Alles ehrenamtlich. Oder der Fußballverein Lienzingen, der aus eigenem Antrieb ehrenamtlich bei Betagten das Einkaufen übernahm.

Stärkung des Ehrenamtes in schwierigen, vorher unbekannten Zeiten. Wenigstens ein paar positive Folgen durch die Pandemie. Die Freiwilligenagentur hat seit 2017 neue Strukturen. Zahlten sie sich aus? Die Antwort auf die Anfrage ist lesenswert, weil sie ein Bild zeichnet, die die Stärke von Baden-Württemberg als Land - the Länd - des Ehrenamtes ausmacht.

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Frohe Botschaft von der Neckarpri: Doch trotz auch finanziellen Erfolges große Stille im Zeitungswald

Als Mit-Eigentümer der EnBW sitzt die Landespolitik mit am Steuerrat des Konzerns. Dank Mappus.

Gerade vor zehn Jahren lief die Maschinerie der Verdächtigungen, des Vorwurfes des falschen Handels beim Zurückkauf der EnBW-Aktien durch das Land Baden-Württemberg, der auch ganz persönlichen   Attacken von Rot-Grün gegen die Person des vormaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus auf Hochtouren. Drei bis vier Jahre lang Trommelwirbel – die rot-grünen neuen Inhaber der Macht voll gegen den CDU-Mann aus Enzberg.  Von seinem grünen Nachfolger als Regierungschef keine Spur der Ermahnung, trotz berechtigter Kritik nicht auch noch die Person und die Familie zu beschädigen. Der Mann der sonst klugen Worte schwieg. Was blieb?

Vier Jahre danach wurden alle Untersuchungen und Ermittlungen eingestellt. Nichts war dran an den Vorwürfen, falsch gehandelt zu haben bei dem Aktiengeschäft – außer der Feststellung des Staatsgerichtshofs Baden-Württemberg (heute Verfassungsgerichtshof), der Vorgang des Kaufes sei, da am Landtag vorbei, verfassungswidrig gewesen. Da hatte Mappus schon längst Abschied genommen von der Politik, ist einfaches Mitglied der CDU in Pforzheim, seinem ehemaligen Landtagswahlkreis. Er und seine Familie hatten eine beispiellose Kampagne durchstanden, die man niemandem wünscht. Ein Lehrstück des Versuches der politischen Vernichtung -- letztlich spielten auch die eigenen mit, manche stellten die eigene Karriere über die Solidarität. Der Kampf um Stuttgart 21 tat ein Übriges.

Jetzt, zehn Jahre später erntet sein Nachfolger bei der EnBW das, was Mappus gesät hatte.

Eine – zugegeben - durchaus subjektive Betrachtung.

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Die Mär von der GroKo

Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen um Herrn K.? Kann der FDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat von Mühlacker nicht mehr auf exakt zwei zählen? Muss von ihm, immerhin Leiter der Beruflichen Schule des Landkreises in unserer Stadt, das verehrte Publikum dies nicht mehr erwarten dürfen? Fragen über Fragen, die die Welt nicht bewegen. Aber Mühlacker. (Update vopm 3. November 2021 am Schluss).

Jetzt mit Trennscheiben zwischen den Stühlen - der Mühlacker Ratssaal

Wie schrieb er heute (30.10.2021)   in einem Leserbrief im Mühlacker Tagblatt? Eine zunehmende Anzahl an gemeinsamen Anträgen der GroKo (er meint LMU, SPD und CDU) unter Führung der CDU zeige, dass es nur noch um die Durchsetzung der eigenen Interessen gehe– eine Mehrheit habe man ja sicher. Andere Meinungen störten nur, und man sei sich seiner Macht sicher. Die Fraktionsdisziplin werde gewahrt, darauf sei Verlass. Ein inhaltlicher Diskurs finde im Gremium nicht mehr statt.

Wenn Herr K. nur von eigenen Auffassungen, die die Mitglieder der drei Fraktionen durchsetzen wollten, geschrieben hätte, wäre es zu verbuchen gewesen als Kritik eines in der Abstimmung Unterlegenen.   Aber er schrieb schon im kürzlich erschienenen Bericht über die Jahreshauptversammlung der FDP Mühlacker von Interessen, die durchgesetzt werden würden. Damit aber öffnet er den Interpretationen Tür und Tor. Das kann reichen bis zu persönlichen Interessen. Der Kollege von der freidemokratischen Riege im Rat weiß das genau, formuliert wohl bewusst so – und das ist das Perfide daran.

Herr K. weiß: Das trifft nicht die Wirklichkeit.

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Als 14-Jähriger im Uhlandbau erstmals politisch Luft geschnuppert - Bei Kiesinger-Auftritt anno 1964

9. April 1964: Ministerpräsident Kurt-Georg Kiesinger und sein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Mühlacker. Station im Uhlandbau (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, Foto: Hans Losch, MT)

100 Jahre Mühlacker Uhlandbau – am morgigen Donnerstag um 19 Uhr der Festakt als Start ins 100-Jahr-Jubiläum des 1921 als Turn- und Festsaal konzipierten heutigen Kulturdenkmals, dann am Sonntag um 15 Uhr Beginn der Sonderausstellung Dennoch...1921 - Uhlandbau Mühlacker - 2021 im Spiegel der Geschichte in der historischen Kelter. Allesamt Auftakt zu einer Veranstaltungsserie, die sich über mehrere Monate hinzieht. Ein gutes Stück Arbeit, geleistet von Stadtarchiv, Museum und dem Historisch-Archäologischen Verein. Chapeau! Der Kulturtempel wurde in 99 Arbeitstagen in Rekordzeit errichtet, am 28. Oktober 2021 eingeweiht. Die Voraussetzung für eine Finanzierung von 750.000 Reichsmark durch den Mühlacker Fabrikanten Alfred Emrich war somit erfüllt. Ob dies auch ein Rezept gewesen wäre für die neue Mühlacker Feuerwache?

Meine erste (oder zweite?) politische Versammlung besucht: Mit Kiesinger am 9. April 1964 im Uhlandbau. Der Bericht im Mühlacker Tagblatt, Aisgabe vom 11. April 1964

Uhlandbau, was bedeutet mir das dominante Haus auf der Ecke Uhlandstraße und Schillerstraße? Zunächst nichts, weil ich in Lienzingen aufwuchs. Wir nutzten seit 1966 eine damals neue Gemeindehalle, zuvor spielten sich die Dorftreffen im Saal des Gasthauses Hirsch der Familie Geißler ab: Festivitäten, Bürgerversammlungen, Vereinsfeiern - und um 1955 mein missglückter Purzelbaum bei der Weihnachtsfeier des Turnvereins, der demonstrieren wollte, was wir im Kinderturnen gelernt hatten. Ich aber lieferte zur Heiterkeit der Zuschauer auf der Bühne einen Bauchpflatscher. Der Saal tobte, ich aber wusste, dass das nicht geplant war, genierte mich mächtig, verdrückte mich. Der Auftritt beendete so die Feier - im Schnee vor dem Hirsch, fünf Häuser von der Wohnung meiner Eltern entfernt.

Der Uhlandbau im Bild (Festakt zum 100-JahrJubiläum)

Nochmals die Frage: Was bedeutet mir der Uhlandbau?  Nun, ich erlebte dort als noch nicht ganz 14-Jähriger am 9. April 1964 meine erste (oder zweite?) politische Veranstaltung. Kurz vor der Landtagswahl sollte Ministerpräsident Kurt-Georg Kiesinger auf einer CDU-Wahlversammlung reden. Um 20.30 Uhr begann sie. Er traf aber erst zwei Minuten vor 22 Uhr ein, weil seine Wahlversammlung zuvor in Leonberg länger gedauert hatte als geplant.

Bei seinem Eintreffen im vollbesetzten Uhlandbau hätten ihn die Hunderte von Besucher mit anhaltendem Applaus begrüßt und der Gastredner sei dann von Bürgermeister Erich Fuchslocher mit einer silbernen Plakette als Geschenk und der Bitte überrascht worden, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Das notierte sich der legendäre Lokalredakteur Rudolf Pospischil ganz exakt und baute es in den satten Vorspann seines stattlichen Berichts ein, der zwei Tage danach im Mühlacker Tagblatt erschien.

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Digital, weil nicht egal

Das waren noch Zeiten, als die Lokalzeitungen mit größtem Abstand die meisten Haushalte erreichten. Es waren gute Zeiten für die Demokratie, aber auch für unsere Kommunen. Unabhängige Nachrichtenbringer und Kommentatoren, die in den Redaktionsstuben den Lauf der Dinge vor Ort verfolgten. Die Redaktionsstuben gibt es  immer noch, doch häufiger mit weniger Journalisten besetzt als noch zu Zeiten der Wende 1990. Damals feierten die Tageszeitungen Rekorde in den Auflagezahlen. Doch der demographische Wandel machte ihnen danach so zu schaffen, so dass manche Blätter bis jetzt ein Drittel ihrer Auflage verloren. Die Alten sterben weg, weniger Jungen wachsen als Abonnenten nach. Auflage stabil zu halten wird schon als Erfolg gefeiert. Wie bescheiden sind wir - zwangsweise - geworden!

Enzberg: hohberg.blog.de - ein weiterer Bürgerblog zu den rechtlichen Festsetzungen in den Gartenhausgebieten, die geändert werden sollen

In manchen Neugebieten sind die Leser der Zeitungen äußerst rar, Mühlackers relativ hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund - besonders in der Kernstadt - ist nicht gerade ein Nährboden, um viele neue Abos zu schreiben. Der Klick auf Smartphone oder Tablet ist schneller und kostet (meist) nichts. In den sozialen Medien spielt sich spürbar lokaler Diskurs ab, manchmal auch in wirrer Form. Subjektives wird zum Objektiven, obwohl es immer subjektv bleibt. Wer fragt nach Fakten, Fakten, Fakten? Die Tageszeitungen liefern täglich und stündlich Gratis-Häppchen der Neuigkeiten im Netz, die manche schon satt macht. Mein Herz schlägt für das gedruckte Medium. Selbst bei meinen abonnierten E-Paper-Ausgaben drucke ich mir schon mal Seiten aus. Ich finde, dann liest es sich besser.

Bürger-Blogger - oder was?

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Drei Händler und 50 Landwirte: Der Lienzinger Milchvertrag von 1929 - Geschichten rund ums Milchhäusle

Amtsbote Wilhelm Scheck und sein Kuh-Gespann. (Foto: Gerhard Schwab)

Immer die gleiche Zeremonie: Die Kunden reichten das Traggefäß über die Verkaufstheke, eine der Frauen enteilte und füllte es mit dem weißen nahrhaften Produkt der knapp 400 Lienzinger Kühe, kassierte. Der große, gekachelte Raum roch permanent nach Frische, temperaturmäßig kam es einem aber auch sehr frisch vor. Fließend kaltes Wasser, mit dem immer etwas gereinigt wurde, trug zu diesem subjektiven Gefühl bei. Das Milchhäusle in Lienzingen.

Die Zahl der Anlieferer blieb bis Anfang der 1960er Jahre weitgehend stabil mit knapp 80, die jährlich um die 393.000 Liter Milch anlieferten – also mehr als tausend Liter am Tag (Schmollinger, Reiner: Die Milchverwertungsgenossenschaft und das Milchhäusle, in: Dussel, Konrad; Ortsbuch Lienzingen, Verlag Regionalkultur, 2016, S. 185).


Lienzinger Geschichte(n) - heute ein weiterer Beitrag zu meiner Internetserie. Milchhäusle, Milchkannen, Milchbauern und der Mühlacker Boykott gegen Lienzinger Milch. In Akten und Ratsprotokollen der einst selbstständigen Gemeinde Lienzingen gestöbert.


Milchkännle und Milchhäusle gehörten zusammen, bilden noch in der Erinnerung von mehr als einer Generation Lienzinger eine feste Einheit. Auch meine Eltern schickten mich in den frühen Abendstunden mit dem Kännchen los, in dem Gebäude neben der Kelter zwei oder drei Liter frischer Milch zu erstehen. Wir wohnten seinerzeit in dem Fachwerkhaus der Familie Kontzi gleich unterhalb des Gasthauses zum Lamm (heute Knittlinger Straße 8-). Lediglich 200 bis 300 Meter bis zur Milchsammelstelle Lienzingen, aber trotz kurzer Wegstrecke eine Gelegenheit zum Trödeln. Die Gefahr, mit Inhaltsverlust heimzukommen, bestand maximal durch heftiges Schwingen mit der Milchkanne, die zum Glück von einem festsitzenden Deckel verschlossen war, der meist hielt. Doch es konnte passieren … Eine Gefahr drohte bei mir nicht: ein Schluck  (oder mehr) zu nehmen. Noch heute bin ich allergisch gegen Milch.

Lienzingen: Rechts Kelter und angebaute Turnhalle (1926-2015) links Milchhäusle, Zaisersweiherstrasse (Luftbild 1969 von ErichTschoepe, Bremerhaven, im Fundus STAM)

Mit meinen fünf oder acht Lebensjahren bewunderte ich die „älteren“ Dorfjugendlichen, die selbstbewusst und fröhlich auf dem Geländer an der Milchhäusle-Treppe saßen wie Vögel auf den Stromleitungen. Sie zwitscherten, brachten den neuesten Klatsch und Tratsch mit oder kommentierten Passanten. Es war während der Öffnungszeiten einer der beiden Treffpunkte der Dorfjugend, der andere lag ganz in der Nähe am Adler-Eck (damals Gasthaus zum Adler und Metzgerei, heute Bäckerei Schmid).

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