Das gab es schon: 60 Kinder und eine Erzieherin. Doch Lienzingens Bürgermeister würde mit der Kindergärtnerin sofort tauschen

Gerhard Schwab als Pfarrer: Bei der Einweihungsfeier des Kindergartens am Samstag, 23. Mai 1959. (Foto: Smlg. Stadtarchiv Mühlacker, 04-16 (1959-05-23) LI, Volker Ferschel Lienzingen)

Der Satz im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 3. Juli 1945, wenige Wochen nach der Befreiung von Lienzingen durch die Alliierten, überrascht: Der Kindergarten ist im Einverständnis mit dem Bürgermeister vorläufig von der evangelischen Kirche eröffnet worden und wird, wie bisher, von der Gemeindekasse mit 240 Reichsmark unterstützt. Der Gemeinderat behalte sich eine spätere Regelung zwischen der Gemeinde und der evangelischen Kirche vor, sowie das Verfügungsrecht über die Turnhalle. Das Schriftstück trägt die Unterschrift des vom französischen Militär eingesetzten Bürgermeisters Otto Knopf (STAM, Li B 323, S. 10).


Lienzinger Geschichte(n) – die lokale Serie im Blog geht weiter mit der Zusammenarbeit von bürgerlicher und evangelischer Gemeinde. Ein Kapitel in drei Teilen, hier Teil  2.


Der großzügige Spender: Friedrich Münch. Den Ehrenbürgerbrief erhielt er einige Zeit nach der Einweihung im Kindergarten überreicht

Nach Lienzinger Geschichtsschreibung begann das Kindergarten-Zeitalter im Ort erst im Mai 1959 mit der Einweihung des nach dem Mühlacker Unternehmer Friedrich Münch benannten Kindergartens am damaligen Mühlweg, der heutigen Friedrich-Münch-Straße. Karl Frank, seinerzeit Lienzinger Pfarrer, recherchierte dazu anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Friedrich-Münch-Kindergartens am 14. Juni 2009. Das Ergebnis: Während des Zweiten Weltkriegs bestand eine Kinderbetreuung. Dieser so genannte Sommerkindergarten war in der alten Turnhalle, dem inzwischen abgebrochenen Anbau an die Kelter, untergebracht. Das bewirkte, dass nach dem Krieg ein Kindergarten desto schmerzlicher vermisst wurde.

Fabrikant Friedrich Münch hatte mit seiner 45.000-Mark-Spende den Bau erst ermöglicht. Immerhin lässt das Ratsprotokoll von 1945 darauf schließen, dass es den Sommerkindergarten auch in der Zeit nach Kriegsende gab. Wie lange, bleibt allerdings offen. Das Gros der zunächst genannten 75.000 Mark Kosten hatte Münch gespendet, bis zur endgültigen Abrechnung des Projekts stieg der investierte gesamte Betrag auf 103.000 Mark. Letztlich blieben 12.000 Mark an der Kommune hängen, die dafür ein Darlehen aufnahm. In gut einem Jahr wurde 1958/59 das Kindergartengebäude erstellt und so konnte der Kindergarten am 19. Mai 1959 in Betrieb genommen werden (Richtfest: 5. Mai 1958). Die Einweihungsfeier fand am Samstag, 23. Mai 1959 statt – weitgehend im Freien.

Gerhard Schwab als Fotograf: Günter Bächle mit der bächleischen Gans, rechts mit dem Küken Rainer Müller, später Polizeibeamter, leider zu früh verstorben. (Foto aufgenommen von Pfarrer Gerhard Schwab vor dem Evangelischen Pfarrhaus Lienzingen. Smlg. Gerhard Kontzi, so zum 1958)
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Die Schwester mit dem weißen Häubchen versorgte auch den Nachbar Schmie - Lienzingen drohte mit Kündigung, wollte mehr Geld

Marie Schneider, Gemeindeschwester in Lienzingen von Anfang der 50er- bis Ende der 60er-Jahre (Foto: Gerhard Schwab)

Politische Gemeinde und evangelische Kirchengemeinde - beide hatten ihr eigenes Gesicht, das für sie stand: Richard Allmendinger bis 1975, Gerhard Schwab bis 1977. Sie arbeiteten seit 1947 neben- und miteinander, hatten thematische Berührungspunkte - Kindergarten, Glocken, Pfarrholz, eine Brücke und die Hilfe für Kranke.

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Immer wieder ein gemeinsames Thema von politischer und kirchlicher Gemeinde: die Brücke zur Kirchenburg

Eines der immer wiederkehrenden Themen in Lienzingen, bis in die heutige Zeit hinein: die Instandsetzung der Kirchenburgbrücke. Der Gemeinderat inspizierte am 24. April 1959 vor Ort den Zustand vor allem der Fundamente, beauftragte den Maurer Ernst Schmid, aufgrund seines Angebots für 1200 Mark die notwendigen Arbeiten zu erledigen (STAM, Li B 325, S. 263). Die Brücke kehrte als Thema immer wieder auf die Tagesordnung zurück, auch nach der Eingemeindung. Ungeklärt schienen die Eigentumsverhältnisse.

Im Jahr 2020 recherchierte ein Mitarbeiter des Umwelt- und Tiefbauamtes der Stadt Mühlacker, dass der Übergang – trotz allgemeiner öffentlicher Nutzung – der Evangelischen Kirchengemeinde Lienzingen gehört. Nachdem dieser jedoch keine Gelder aus dem Sanierungstopf des Landes zustanden, wiederum die Kirchengemeinde die Investitionen nicht allein stemmen konnte, einigten sich Stadt und Kirche. Der Gemeinderat von Mühlacker stimmte im Dezember 2020 dem Kauf der Brücke durch die Kommune zu, die damit auch den Winterdienst übernahm – damit war ein weiteres Streitobjekt abgeräumt (Vorlage 236/2020 für die Gemeinderatssitzung am 15. Dezember 2020).

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Glaube, Geld, Gemeinsamkeiten: Miteinander nach Lienzinger Art - Politische und Kirchengemeinde in den Nachkriegsjahren

Pfarrer Gerhard Schwab (letzte Reihe, Dritter von rechts, neben Jürgen Luz) mit dem Konfirmandenjahrgnag 1966. Hinten Zweiter von links Günter Bächle. (Smlg. G. Bächle)

Beide zogen mehr als ein Vierteljahrhundert im Dorf die Fäden. Gaben vielen Dingen den Lauf. Doch sie waren keine schwäbische Ausgabe der legendären italienischen Filmgestalten Don Camillo und Peponne - die Chefs im Rat- und im Pfarrhaus. Dazu standen sie auch zu sehr in der Mitte, polarisierten am besten nicht, suchten gemeinsam die besten Lösungen, vermieden möglichst den Konflikt. Beide sorgten für Stabilität und Kontinuität. Die Geschichte des Neben- und Miteinanders der politischen und der kirchlichen Gemeinde im Lienzingen der Nachkriegszeit war auch ihre Geschichte: Die von Gerhard Schwab, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde von 1945 bis 1977, und Richard Allmendinger, Bürgermeister von 1947 bis 1975.


Lienzinger Geschichte(n) – die lokale Serie im Blog geht weiter mit der Zusammenarbeit von bürgerlicher und evangelischer Gemeinde. In seiner 28-jährigen Amtszeit hatte Bürgermeister Richard Allmendinger mit nur einem Ortsgeistlichen zu tun: Gerhard Schwab. Man kannte sich, wusste genau, wie der andere tickt. Das kann auch ein Segen sein. Die Quellen dieser Geschichten: Ratsprotokolle, Akten im Stadtarchiv Mühlacker und persönliche Erinnerungen. Ein Kapitel in drei Teilen, hier Teil  1.


Die große persönliche Freundschaft dürfte es nicht gewesen sein, aber sie arbeiteten gut zusammen, harmonierten letztendlich auch. Zwei Langzeitgediente in Rathaus und Pfarrhaus mit einer überschaubaren Zahl Berührungspunkten: Meist drehten sich die gemeinsamen Themen nicht um den Glauben, sondern ums Geld – ein Zuschuss für Glocken hier, für Renovierungsarbeiten an der Peterskirche dort, die Beteiligung an der von der Kirchengemeinde getragenen Krankenpflegestation, Pfarrholz als Relikt mit Zündstoff althergebrachter Besoldungsregelungen für den Geistlichen und schließlich der Friedrich-Münch-Kindergarten, dessen Betrieb die Kirche nach dem Bau durch die Kommune übernahm.

Feierliche Glockenweihe am 4. September 1950 vor der Peterskirche in Lienzingen. Die freudige Sängerin in der Mitte ist Lotte Hebenstreit, Lehrerin und Gattin des Leiters des Staatlichen Forstamtes Lienzingen (Foto: Kehm, Mühlacker, Smlg. Stadtarchiv Mühlacker).
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Karl-Adolf Deubler: Lienzinger einst Präsident des VfB Stuttgart

Auf Spurensuche. Ein Lienzinger als Präsident des Vereins für Bewegungsspiele (VfB) Stuttgart? Den gab es tatsächlich:  Karl-Adolf Deubler (1888 – 1961). Sein Name steht auf dem vierten Platz der Liste von 16 Männern, von denen jeder einmal die Nummer eins des jetzigen Fußball-Erstligisten war (oder wie Claus Vogt derzeit noch ist).

In Lienzingen geboren, in Köln gestorben: Karl-Adolf Deubler. Auf dieser Lebensstrecke lag Stuttgart und in dieser Stadt der VfB, dessen vierter Präsident nach 1912 er war (Foto: VfB Stuttgart)

Der promovierte Jurist Deubler stand von 1923 bis 1931 an der Spitze des 1912 aus der Fusion zweier Cannstatter Vereine hervorgegangenen VfB 1893 e. V.:  Aus dem Fußballverein Stuttgart, 1893 gegründet, und aus dem Kronenklub, zu dem sich 1897 ehemalige Mitglieder des Cannstatter Fußballclubs zusammenfanden.

Mit seiner achtjährigen Amtszeit liegt der gebürtige Lienzinger in der 109-jährigen VfB-Geschichte auf Rang 3, den er mit Erwin Staudt (2003-2011) teilt, vor ihnen nur Gerhard Mayer-Vorfelder (1975 bis 2000) und Fritz Walter (1944 bis 1968). In den 1920ern, und damit in Deublers Amtszeit, stieg die Mitgliederzahl schnell über 1000 – vor allem Jugendliche waren im Verein aktiv.

Spurensuche nach Deublers in Lienzingen, im Stadtarchiv Mühlacker sowie in den Ortsbüchern, erschienen 1970 (Friedrich Wißmann, Walter-Verlag) und 2016 (Konrad Dussel, Verlag Regionalkultur). Karl-Adolf Deubler erblickte am 26. Februar 1888 in Lienzingen das Licht der Welt. Aus dem im Stadtarchiv Mühlacker aufbewahrten Familienregister Lienzingen Band 1, Blatt 74 geht hervor, dass Karl-Adolf Deublers Eltern der Landwirt und Metzger Christian Jakob Deubler (geboren am 1. November 1857 in Lienzingen) und Julie, geborene Zaiser (geboren am 19. Dezember 1865 in Schwieberdingen) waren. Sie heirateten am 11. Juni 1887 in Schwieberdingen. Karl-Adolf, der Erstgeborene, hatte mit Karl Gustav, Karl, Anna Maria und Elsa vier Geschwister, von denen Bruder Karl Gustav (geboren 20. März 1891 in Lienzingen) im Alter von fünf Monaten an Brechruhr starb. Die Jüngste – Elsa – kam am 8. Oktober 1897 in Lienzingen zur Welt. Die Familie zog 1904 nach Stuttgart.

Der im Fundus des Hauptstaatsarchivs Stuttgart liegende Personalbogen Nummer 8195 des Soldaten und Offiziers Karl-Adolf (Adolf als Rufname) Deubler listet ergänzend die Schul- und Studienstationen in der Rubrik Erziehung auf: Elementarschule Lienzingen, Realschule Dürrmenz, 1906 Abitur an der Oberrealschule Stuttgart, Nachreifeprüfung am Oberrealgymnasium Tübingen, Jura-Studium in Tübingen und Leipzig, erstes juristisches Staatsexamen, Gerichtsreferendar, Promotion, schließlich Anwalt.

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Lienzinger Geschichte(n) vom schrägsten Fußballstadion der Gegend und der erfolgreichen Suche nach neuem Spielfeld

Heute Refugium des Waldkindergartens von Aranäus, von 1950 bis 1964 das Spielfeld des Fußballvereins Lienzingen. Der Fußballplatz jenseits der Bundesstraße hinterm Wald im Gewann Trink.

Eineinhalb Jahrzehnte stand das Thema Sportplatz immer wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats von Lienzingen: Zuerst das Provisorium, dann die endgültige Lösung für den Fußballverein, der am 6. August 1949 im Gasthaus Hirsch gegründet worden war. Dabei bestanden ideale Voraussetzungen für eine kraftvolle Unterstützung durch die Kommune. Schließlich war Bürgermeister Richard Allmendinger Mitglied Nummer eins und gehörte sechs Jahre lang dem Ausschuss an, bis er im Frühjahr 1955 zurücktrat. Der Vorstand blieb all die Jahre prominent besetzt mit Ratsmitgliedern: Erwin Schmollinger, Ladislaus Schwarz, Willy Tochtermann, Hermann Schäfer. Bisweilen entwickelten sich hitzige Debatten im Gemeinderat um Kommune und Fußballer-Wünsche. So steht im Protokoll der Ratssitzung am 27. Oktober 1961, in der sehr lebhaften Aussprache hätten die Beteiligten nicht immer die passenden Worte gefunden.


Lienzinger Geschichte(n) als Serie in meinem Blog. Die letzten 30 Jahre der selbstständigen Gemeinde Lienzingen. Nach Themen, Ereignissen, Personen aufbereitet. Die Zeit, als Richard Allmendinger das Dorf regierte. Diesmal der Bürgermeister als Mitglied Nummer 1 des Fußballvereins Lienzingen, dessen Spieler 14 Jahre lang im schrägsten Stadion der Region (und vielleicht darüber hinaus) ihr Bestes gaben. Quellen: Ratsprotokolle, Festschriften, eigene Erinnerungen.


Erstmals schlug das Thema in der Ratssitzung einen Tag vor Heiligabend 1949 auf. Unter Paragraf 8 zitierte der Schultes aus dem Schreiben des FVL vom 15. Dezember 1949. Die Fußballer baten um die Überlassung eines geeigneten Platzes an der Kohlplatte. Durch den bevorstehenden Bau der Umgehungsstraße (B35) biete sich eine günstige Gelegenheit, den für das Spielfeld abzutragenden Boden abtransportieren zu lassen. Volksschule und Turnverein könnten den Platz auch benützen. Doch ganz überzeugte das Konzept das Gremium nicht. Denn die Kohlplatte lag jenseits der heutigen Bundesstraße 35 in Verlängerung der Schelmenwaldstraße. Was folgte, war ein gemeinsamer Lokaltermin mit Vertretern der Vereine (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, Li B 323, S. 209).

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Sie blieben der Traum des Lienzinger Schultes: Industriegebiet und Flurbereinigung

Im hinteren Brühl 1960 gebaut: Lienzinger Werk des Mühlacker Unternehmens Geissel, Präzisionsdrehteile, Fertigungshalle in der Brühlstraße. Da standen noch keine Wohnhäuser gegenüber (STAM, 07-148 [1960] Li Smlg Fa Geissel).

Immer wieder unternahm der Bürgermeister neue Anläufe, um steuerzahlendes Gewerbe ins Dorf zu holen. So klammerte er sich an jeden Strohhalm. Das zeigte sich in der Sitzung am 9. November 1951. Da informierte Allmendinger den Gemeinderat über einen Vorstoß das Landesplanungsamtes via Landratsamt Vaihingen. Der westlich von Stuttgart liegende Landkreis Vaihingen solle Gelände fürs Wohnen, aber auch fürs Arbeiten suchen. Diese Behörde des damaligen Landes Württemberg-Baden bot an, Möglichkeiten mit den einzelnen Kommunen zu sondieren und sie in puncto Erschließung zu beraten. Lienzingen erhoffte sich davon wertvolle, für die Kommune förderliche Maßnahmen. Denn der Schultes verwies auf die Schwierigkeiten bei der Standortsuche, aber auch bei der Planung insbesondere eines Industriegebietes, das Ortsbild nicht zu stören. Geprägt werde dieses Ortsbild von  der unter Denkmalschutz stehenden Frauenkirche und durch gleichermaßen geschützte alte Fachwerkhäuser, die ein Ensemble bilden. Hier eine Lösung zu finden, sei nicht einfach (STAM Li B 324, S. 103).


Lienzinger Geschichte(n), aus der  Zeit, als das Dorf noch selbstständig war (und auch mal daüber hinaus). Heute über eine Kommune, die auf ansiedlungswillige Betriebe setzte. Ein Schultes, der um die Konflikte mit dem historischen Ortsbild wusste. Und die Landwirtschschaft? Sie wollten partout keine Flurbereinigung. Und dann bringt sie ein bayerischer Käfer um mehrere Hektar. In Protokollen des Gemeinderats von Lienzingen geblättert. Fortsetzungsgeschichten.


Bei einer Ortsbesichtigung legten Vertreter des Landesplanungsamtes ihre Ideen für eine Industrieansiedlung vor. Am 4. August 1952 informierte darüber der Schultes in der Ratssitzung die acht Bürgervertreter. Der  Inhalt der Vorschläge wird in der achtzeiligen Protokollnotiz nicht  erwähnt. Sie endet mit dem lapidaren Satz: Diese Vorschläge fanden allerdings nicht die

Das wusste der Lienzinger Bürgermeister Richard Allmendinger genau: Das Ortsbild - unter anderem mit der Frauenkirche - darf durch ein Industriegebiet nicht gestört werden. Das erschwerte die Suche nach einem Standort.

Zustimmmung des Gemeinderates (STAM, Li B 324, S. 130). In den Gemeindeakten findet sich ein Schreiben des Landratsamtes Vaihingen an das Bürgermeisteramt Lienzingen. Streng auf dem Dienstweg übermittelte das Landesplanungsamt in einem Aktenvermerk seine Vorschläge am 14. Juli und somit eine Woche nach dem Lokaltermin. Zu teuer in der Erschließung und deshalb nicht mehr weiterzuverfolgen sei die Idee des Bürgermeisters, zwischen Brühl und Dauerwiesen beidseits der Bundesstraße 35 ein Industriegebiet zu schaffen. Statt im Westen der Gemeinde empfehle des Landesplanungsamt einen Standort im Südosten, und zwar in den neuen Wiesen auf einem Areal, das die Kommune schon für Festveranstaltungen gepachtet habe. Dort würden sich die Gebäude gut in die Landschaft eingliedern, während dies beim westlichen Standort nicht der Fall wäre. In den neuen Wiesen wurde tatsächlich gebaut - mehr als 20 Jahre später, jedoch Wohnhäuser (STAM, Li A 72).

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Schon im Herbst 1948 warb die Gemeinde um ansiedlungswillige Betriebe. Sie schaltete deshalb eine Annoce in den Stuttgarter Nachrichten. Tatsächlich meldete sich eine größere Anzahl von Interessenten, wie der Bürgermeister in der Ratssitzung am 2. Februar 1948 berichtete. Zusammen mit den sechs anwesenden Ratsmitgliedern sortierte er die Offerten und erhielt den Auftrag, mit den ausgewählten Firmen zunächst unverbindliche Fühlung aufzunehmen. (STAM, Li B 323, S. 60).

Der große Wurf gelang zunächst nicht. Lienzingens gewerbliche Entwicklung ging nur in kleinen Schritten voran. Am 12. August 1949 stimmten die Bürgervertreter zu, dem Gärtner Mannhardt aus Illingen neben der gerade errichteten Gemeindewohnbaracke eine Fläche für zwei Mark pro Ar zunächst zu verpachten, um darauf ein Gewächshaus zu erstellen. Später entwickelte sich dort, zwischen Schelmenwaldstraße und Ortsrandweg an der Wette, ein solider Gartenbaubetrieb. Ein Glücksfall für das Dorf bis heute! (STAM, Li B 323, S. 182).

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