Zuerst abrechnen, dann Antrag stellen: Zweites Sanierungsgebiet für den historischen Ortskern

Auch ein Vorzeigeprojekt des auslaufenden Sanierungsprogrammes für den Ortskern Lienzingen: Kelter saniert, Vorplatz und damit Treffpunkt geschaffen. (Foto: G. Bächle)

Bevor ein neues und damit zweites Sanierungsgebiet für den historischen Ortskern von Lienzingen genehmigt wird, muss zuerst das bisherige abgerechnet werden, so Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder auf meine Nachfrage als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Mühlacker Gemeinderat. Ein nahtloser Übergang von einem zum anderen Sanierungsprogramm noch 2022 sei fraglich, so die Chefin der staatlichen Mittelbehörde. Das bisherige Gebiet soll bis April 2022 abgerechnet sein. Ich hatte die Möglichkeit der Überlappung ventiliert, freue mich jedenfalls über das von Felder bekräftigte klare Signale aus dem Karlsruher Regierungspräsidium für ein neues Sanierungsgebiet, auch wenn nicht überlappt wird.

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder antwortet zum Sanierungsgebiet Lienzingen

Die Städtebauförderung unterliege wie alle Förderungen bestimmten Regeln. Die jährliche Programmausschreibung durch das Ministerium enthalte Vorgaben für die antragstellenden Kommunen, die auch Geltung für die Bewilligungsstellen hätten, wozu ihre Behörde zähle, so die Präsidentin. Sie zitiert dabei aus den Richtlinien, wonach Gebietsteile, die bereits Gegenstand eines Sanierungsverfahrens gewesen seien, nur dann in ein neues Sanierungsgebiet einbezogen werden könnten, wenn die alte Maßnahme vorher mit Schlussbescheid abgerechnet und die frühere Sanierungssatzung aufgehoben worden sei, aber weiterhin städtebauliche Missstände vorliegen. Maßgeblich für ein neues Sanierungsgebiet sei zunächst das Vorliegen städtebaulicher Missstände, welche auch bei einem Etterdorf vorhanden sein müssten.

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Deutsch-polnische Ideen-Sammlung: Best Practice

Deutsch-polnischer Ausschuss im Mosaiksaal des Neuen Rathauses in Hannover

Die junge Frau redet sich nicht in Rage, aber trotzdem ausgesprochen engagiert. Sie spricht perfekt Deutsch und Polnisch. Nach dem ersten Tag des Herbst-Treffens des deutsch-polnischen Ausschusses des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) beschäftigt sie die Frage, weshalb in den Medien von schlechten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen geschrieben werde. Denn das betreffe nur die Lage auf nationaler Ebene und diese mache lediglich ein Fünftel der Beziehungen der beiden Nachbarn aus, sei gezeichnet von den Rechtsstaatsverfahren der Europäischen Union gegen die nationalkonservative Regierung in Warschau. Aber darunter prägten gute Verbindungen zwischen den zwei Staaten und gegenseitige Besuche das Verhältnis, sagt sie bei einem Bier.

Sie arbeitet für das deutsch-polnische Jugendwerk, die Freundschaft zwischen Deutschen und Polen sind ihr ein Herzensanliegen. Dass die Beziehungen unterhalb des obersten Fünftels und damit zu vier Fünfteln stimmten, ist ihrer Meinung nach den Kommunen zu verdanken. Deren Austausche und Kontakte sind goldwert, hebt sie hervor. Die Opposition im polnischen Parlament regiere zahlreiche Kommunen, habe hier Handlungsmöglichkeiten, gerade auch in der Kulturpolitik. Warschau kann nicht durchregieren. Doch dies falle in den Medien unter den Tisch, wodurch ein einseitiges Bild entstehe. Die Gegenstrategie?  Tue Gutes und rede darüber, rät sie und bringt Kommunalvertreter aus beiden Ländern, die mit am Tisch sitzen, ins Nachdenken. Auch der Enzkreis ist gefordert.

Dass das Miteinander auf kommunaler Ebene störungsfrei funktioniert, zeigen die zwei Tage im Neuen Rathaus Hannover. Nichts zu spüren von Belastungen und Missstimmungen. Im Gegenteil: Der Austausch klappt. Der deutsch-polnische Ausschuss versteht sich als Einheit mit ähnlich gelagerten Sorgen, Aufgaben, Anliegen, Debatten. Für mich ist dies die erste Sitzung in dem Gremium, dem ich für die nächsten drei Jahre angehöre. Zusammen mit dem Ersten Landesbeamten Wolfgang Herz als Enzkreis-Duo. Sacharbeit, dicht getaktet, Erfahrungsaustausch. Wie beim Stichwort Jugendbeteiligung.

Adressat und Absender in einem: die Jugend. Wie können junge Menschen in der Kommunalpolitik mitreden?   Welche Möglichkeiten gibt es, welche Formate erreichen die Jugendlichen? Eine Ideen-Kiste für die Städte, Gemeinden und Landkreis füllte sich an einem Nachmittag. Jugend-Partizipation war Schwerpunkt des ersten Teiles der zweitägigen Sitzung des deutsch-polnischen Ausschusses des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) im Neuen Rathaus in Hannover. Dabei wurden Beispiele dargestellt von Vertreterinnen aus Krefeld - ein Jugendbeirat der Stadt - und Danzig (Jolanta Murawska), ähnlich strukturiert, gewählt von Vertretern der Schulen, die zuvor in den einzelnen Schulen gewählt worden waren. Der Enzkreis präsentierte  Beispiele seiner und der Gemeinden Jugendbeteiligung, unter anderem mit einem Video über die Jugendkonferenz. Erster Landesbeamter Wolfgang Herz vom Landratsamt in Pforzheim schilderte auch die gesetzliche Lage - wenn Jugendliche einen Jugendgemeinderat wählen wollen, muss die Kommune diesen Vorschlag umsetzen, festgelegt in der Gemeindeordnung Baden-Württemberg, die auch eine Kinderbeteiligung als Soll-Vorschrift beinhaltet.

 

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„Genießen Sie Galettes und Moules!“ - Aus dem Bretonen-Land (8/10)

Freundliche Begrüßung: Chez Max, 8 rue de Parc, am Quai gegenüber der Präfektur in Quimper

Nein, den Gastro-Kritiker will ich nicht geben. Mein Beitrag in diesem Teil der Serie über das Bretonen-Land ist, zwei unterschiedliche Lokale gegenüber zu stellen, die wir mit der Familie besucht haben. Chez Max in der Regional-Hauptstadt Quimper als Vertreterin der französischen Küche und die Creperie in dem Dörfchen Saint-Nic.

Tomate-Gemüse-Steak mit Senfkranz

Der Tipp für Quimper-Besucher: die Adresse 8 rue de Parc, am Quai gegenüber der Präfektur. Dort lädt das Restaurant Chez Max quasi in den Hinterhof ein: ins Geburtshaus des Schriftstellers und Malers Max Jacob (1876 - 1944). Das Gebäude 2007 saniert, aber nicht aus seiner früheren Zeit gefallen - ein Maximum von Originalteilen und Möbel mitsamt anderen Einrichtungsgegenständen gesichert. Nix mit Modetrends, obwohl dort vor Jahrzehnten Modegeschichte geschrieben wurde. Auch die Küche meidet, schnellen  Trends zu folgen, ohne antiquiert zu sein. Ein traditionelles Restaurant, ausgezeichnet vom College Culinaire de France. Nichtsdestotrotz kommen auch Veganer (oder solche, die wie ich es einmal probieren wollten) auf ihre Kosten. Zu empfehlen  Gelbwurz-Auberginen-Fondue-Tartar, Tomate-Gemüse-Steak mit Senfkranz, dunkle Schokoladen-Mousse mit einer Prise Salz. Guten Appetit. Lecker, nicht alltäglich, vorzüglich und preislich in Ordnung. Einfach probieren und begeistert sein. Doch als ich vor wenigen Tagen im Chez Max wieder dort einkehrte, war es eine veganerfreie Zone. Es ist eben unterschiedlich.

Das kulinarische Kontrastprogramm: Aufgesetzt oder umgeschlagen, die Nationalspeisen der Bretonen - Crêpes und Galette zum Beispiel in Saint Come. Dazu Cidre trocken (Brut). Heute in einer  urigen Creperie im 750-Seelen-Dorf Saint-Nic. Auch hier gilt Ludwig Erhards Appell zum Maßhalten, denn man neigt als Besucher der Bretagne zur kulinarischen Fortsetzungsgeschichte. Die Gefahr besteht, kurz vor der Heimfahrt  Crepes und Galettes nicht mehr sehen zu können.

Umgeschlagen - ein Galette

„Genießen Sie Galettes und Moules!“ So verabschiedete mich ein Bekannter in den Urlaub in der Bretagne. Galettes und Muscheln, damit ist vieles gesagt über die bretonische Küche. Aber sicherlich nicht alles. Herzhafte Crêpes heißen in der Bretagne Galettes und sie werden aus Buchweizenmehl (sarrasin) anstatt aus Weizenmehl zubereitet. Buchweizenmehl, Wasser und Salz. Traditionell ist die Galette „complète“ mit Schinken, Käse und Ei belegt.

Crêpes bleiben den süßen Sachen vorbehalten. Das bietet geradezu eine feine und ausgeklügelte Kombination in der Reihenfolge an. Selten ist der Gast mit nur einem Galette oder Crêpe zufrieden. Dem früheren Staatspräsidenten Charles de Gaulle wird der Satz zugeschrieben, es gebe in Frankreich mindestens 365 verschiedene Käsesorten. Also für jeden Tag im Jahr eine. Wenn ich mir die Karten mit den angebotenen Varianten des Belags von Galettes und Crêpes anschaue, so verstärkt sich der Eindruck, dass es ähnlich ist wie beim Käse. Einfach-Belag, zwei Belagsarten, drei und vier - Grenzen setzt maximal der Geldbeutel. Und der Magen.

Update August 2020:

Wieder im Chez Max. Vor wenigen Monaten wechselten die Eigentümer. Menüs für Veganer nicht mehr auf der Karte. Gibt es nur auf Anfrage beim Chefkoch. Zwei Happen Ratatouille, Pommes, Salat. Das war es. Die anderen, die nach der Speisentafel (keine Karte) wählten, waren zufrieden. Wieder freundlich bedient.

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Schroff, gewaltig, begeisternd - Aus dem Bretonen-Land (5/10)

 

Beliebtes Fotomotiv: die drei Erbsen

Pointe de Penn Hir - grandios, gewaltig, begeisternd. Wohin soll man zuerst hinschauen? Ein felsiges Kap auf der Halbinsel Crozon. Gehört zur Gemeinde Camaret-sur-Mer, es liegt südwestlich von ihr. Beliebtes Fotomotiv sind die

Das Lothringer Kreuz auf Penn Hir

Erbseninseln - wie Böpsel liegen sie vor dem Felsmassiv.  Eine Landzunge mit Panoramablick und Kletterfelsen, einer natürlichen und ungestörten Vegetation. Zu Füßen ein zerklüftetes Moor und zerklüftete Klippen, die fast 70 Meter unterhalb in das Meer von Iroise münden.

Was heißt aber der Name Pointe de Penn Hir? Eine Bezeichnung, die auch noch unterschiedliche Varianten der Schreibweise kennt. Die Antworten in den einschlägigen Nachschlagebüchern - meist online - sind eher spärlich. Auf einer regionalen Tourismus-Homepage wird es konkreter (in französischer Sprache zwar, aber die Google-Übersetzungsmaschine will auch genutzt werden). Zwar seien sich die Etymologen auch nicht sicher, doch es gebe die Version „Spitze des Brachlandes“. Hier sei das Ende der Welt mit wilden Felsen. Nun ja. Jedenfalls ist hier ein Natur- und

Neugierige Möwe

Vogelschutzgebiet, das das Nisten von Seevögeln wie die schwarzbeinigen Dreizehnmöwen und die Zotteln ungestört erlauben. Gegenüber des Pointe ein langgestrecktes Felsenensemble, die Tas de Pois.

Monument der Bretagne

Auf einer Seite zum Meer hin ragt imposant in die Höhe das Monument der Bretagne für die Freiheit Frankreichs, das Lothringer Kreuz, in Erinnerung an die Unterstützung der Bretonen für General de Gaulle und dessen Freiheitskampf gegen Nazi-Deutschland. Es Dank an die Briten, die 1940 den Aufruf vom 18. Juni 1940 zur Befreiung Frankreichs im Radiosender BBC ermöglichten. Das gigantische Werk aus Granit entwarf der Architekt JB Mathon, die stilisierten eingebauten Skulpturen F. Bazin, darunter eine Frau, die ihre Ketten gebrochen hat.Auf einer versiegelten Platte auf der Rückseite des Denkmals steht „Freier Mann, werden Sie immer schätzen das Meer, erste Zeile eines Gedichts von Charles Baudelaire

Badeort mit 2500 Einwohnern

400 Einwohner mehr als mein Mühlacker  Heimatstadtteil Lienzingen, aber mit UNESCO-Weltkulturerbe: Camaret-sur-Mer, ein Hafenstädtchen im Westen der Bretagne auf der Halbinsel Crozon. Der Turm der Festungsanlagen von Vauban steht in der UNESCO-Liste. Ein Touristenort, ganz anziehend. Doch wer an der Hauptstraße beim Hafen vor einem der zahlreichen Cafés und Bistros sein Eis genießt, an dem rauschen die Fahrzeuge vorbei. Ob das alle schätzen? Mich erinnert das an Diskussionen im Mühlacker Gemeinderat, ob die Kunden bis vor den Laden hinfahren dürfen/müssen oder ob sie nicht auch ein Stück laufen könnten. 

Camaret-sur-Mer

Ansonsten: einfach ein schönes Städtchen, auch wenn es "nur" eine Gemeinde ist. Überschaubar - bei 2500 Einwohnern und trotz weit mehr Touristen. Einer der faszinierten Orte der Bretagne, schwärmt ein Autor auf dieser Website. Die Lage an einem natürlichen Rückzugsort am Meer - sowohl geschützt als auch offen - sei  ideal gewesen für den Bau eines Hafens. 1694 versuchten die Briten an diesem Eingang zur Meerenge von Brest zu landen, wurden aber zurückgeschlagen.

Zuerst spezialisierten sich die Fischer auf Sardinen, dann auf Hummer (von 1961 an). Doch Ende der Achtziger Jahre ging die Fang-Konjunkur wie in anderen Hafenstädten der Bretagne zurück, jetzt sind es Sportboote, die im Hafen anlegen. Zeitweise war der Ort auch beliebter Aufenthaltsort von Künstlern. 

Schiffsfriedhof im Hafen von Camaret-sur-Mer

Seit etwa 30 Jahren liegen sie dort - das halbe Dutzend Wracks ehemaliger Fischkutter. Der Schiffsfriedhof von Camaret-sur-Mer ist zur Touristenattraktion im Hafen des 2600 Einwohner zählenden Ortes geworden. Die Fischer legten die Kutter um 1990 aufs Trockene als sich die Langustenfischerei nicht mehr lohnte, die Schwerpunkt für sie war. Vor einem Jahr sah ich die maroden Boote erstmals, seitdem sind die ausgemusterten Objekte auf dem Kiesbett am Deich noch mehr zum Gerippe verkommen. Morbider Charme? Wann kommt das wirkliche Ende? 

 

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Breizh sieht Schwarz und Weiß - Aus dem Bretonen-Land Teil 2

Zweisprachig die Straßenschilder: Oben Französisch, unten Bretonisch.So wird aus Quimper nun Kemper

Bretagne, das etwas andere Frankreich. Sie erinnere Landschaft und Häuserstil schon leicht an England, besonders an Cornwall sagt meine Frau, denn sie war schon öfters auf der Insel, im Gegensatz zu mir. Aber auch die eigene Sprache, das Bretonische, trägt ihren Teil dazu bei. 200.000 Menschen in der Bretagne sprechen auch bretonisch, erzählt der Stadtführer - ich habe es nicht überprüfen können. Bei 3,3 Millionen Einwohnern wäre das ein relativ geringer Anteil. Laut Wikipedia sind es weniger als 290.000 Menschen, die Bretonisch verstehen. Die Zahl der Personen, die es tatsächlich sprechen können, werde auf 250.000 geschätzt. Fachleute des Schulfunkprogramms von SWF und WDR gaben in einer Sendung an, dass höchstens noch etwa 300.000 zumeist ältere Menschen Bretonisch sprechen und etwa 600.000 es zumindest verstehen. Allesamt Daten, die mehr als zehn Jahre alt sind. 

Jedenfalls sind die Ortsschilder zweisprachig, das regionale Radio- und Fernsehprogramm ebenso. In den Schulen wird die Sprache der Bretonen unterrichtet, in der ihr Land „Breizh“ heißt. Sie ist als weitere Amtssprache vom französischen Staat anerkannt. Bretonisch ist - so erfahren wir - keine romanische, sondern eine eigenständige keltische Sprache, die im Unterschied zum Französischen nicht nasal gesprochen wird. Innerhalb des Keltischen gehört das "brezhoneg" mit dem Kornischen und dem Walisischen zum britannischen Zweig, im Unterschied zum Gälischen, das in Schottland und Irland gesprochen wird. Die Bretagne ist der einzige keltische Sprachraum auf dem europäischen Festland. 

Keltisches steht jedenfalls hoch im Kurs in der Musik, bei den  Souvenir-Händlern, bei Biermarken, in Veranstaltungen, bei Grafikern und Autoren. Druiden als spirituelle Führer der Kelten, die Artussage und irgendwie auch der Gallier Asterix regen die Phantasie immer noch an. Und alles nur, weil anno 450 nach Christus den geschlagenen Römern, die zuerst die Gallier besiegt hatten (bis auf besagtes Dorf ganz oben..) bereits christianisierte Kelten folgten: Sie fielen aus Großbritannien ein und gaben der Bretagne ihren Namen. Im Englischen heißt die Bretagne heute noch "Brittany". 

Die Bretonen schlagen einen eigenen Ton an. Und das darf wörtlich verstanden werden. Doch die bretonische Volksmusik ist in den Ohren mancher Touristen gewöhnungsbedürftig, die den Gesang als eher eintönig und sich mehr oder minder immer wiederholend empfinden.  Instrumental kommt sie dagegen eher durchdringend und grell daher, dank Dudelsack und Bombarde, was einem Zuhören manchmal zeitlich Grenzen setzt, weil sie einem irgendwann auf den Geist geht. Sowohl bei der Musik als auch bei Brauchtum pflegen die Bretonen ihre eigene Marke. 

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Gesammeltes aus dem Bretonen-Land - eine Serie

Das Auge von Plomodiern - in der Strandmauer von Pors ar Vag

„In der Mauer, auf der Lauer, glotzt des kalte Auge“, twitterte ich, leicht despektierlich, über das einsame Auge in der Strandmauer von Plomodiern in der Bretagne. Erst Ende Juli enthüllte der Künstler Pierre Chanteau dieses mosaikartige Auge, das aus vom Meer polierten Fayence-Fragmenten besteht, an der  Festung von Pors Ar Vag, einem winzigen Stück des kommunalen Flickenteppichs, der  Plomodiern heißt.  Diese Glas- und Steingutarbeit soll eine künstlerische Hommage an die Tausenden von Frauen und Männern sein, die Seeleute in Schwierigkeiten getragen und gerettet haben.Dieses Auge stellt das Bild dar, das in der Antike den Bug der Boote schmückte, um die Besatzungen zu schützen. 

Werfen wir damit auch ein Auge auf diese bretonische Gemeinde, zu der Pors Ar Vag gehört und versuchen, sie einzuordnen, ein (Größen-)Vergleich zwischen drei Kommunen in Bretagne, Württemberg und Thüringen - ein Trio, das mir aus nachvollziehbaren Gründen naheliegt. Den Anstoß dazu gab ausgerechnet ein grafisch gut gestalteter Stadt- respektive Gemeindeplan in Strandnähe von Pors Ar Vag. Ein bisschen Statistik gefällig? Die Gemarkung von Lienzingen ist elf Quadratkilometer groß und darauf leben etwa 2100 Menschen, demnach 190 auf einem Quadratkilometer. In der Gesamtstadt Mühlacker kommen auf einen Quadratkilometer (insgesamt 54,32 sind es) laut Statistik 480 Personen (zusammen gut 26.000 Einwohner). In unserer thüringischen Partnerstadt Schmölln wohnen 12.200 Menschen - bei einer Gesamtmarkung von 94,7 Quadratkilometer ergibt dies pro Quadratkilometer 145 Leute. Im bretonischen ländlichen Plomodiern sieht die Welt ganz anders aus: 46,7 Quadratkilometer Gemarkung und 45 Personen je Quadratkilometer ergibt 2100 Einwohner- so viel wie Lienzingen, aber dessen Gemarkung passt fünfmal in die des Badeortes an der Atlantikküste. Mühlacker zählt sechs Stadtteile, Schmölln 44 Orte - und Plomodiern? 

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