Gehoben, geläutert und geprüft

Fast 400 Seiten dick: Das große Kraichgau-Stromberg-Weinlesebuch, erschienen als Band 256 in Lindemanns Bibliothek, einer Reihe des Info-Verlags in Bretten. Ein Buch für 24,80 Euro mit doppelseitiger Übersichtskarte der Region und 17 kleinen Routenkarten. Johannes Hucke (50), Schriftsteller und Theaterautor, widmet sich der Erforschung halb verborgener Genussregionen. Als eine der erfreulichsten Entdeckungen bezeichnet er das Gebiet Kraichgau-Stromberg, dem er sein erstes von vier Weinlesebüchern gewidmet hat (nun in dritter und aktualisierter Auflage). Gert Steinheimer (72), Mannheimer Regisseur, Drehbuchautor, Grimme-Preisträger und Fotograf, erlebte während der Recherchen zu diesem Buch eine Regionalisierung seiner Trinkgewohnheiten, wie er selbst sagt. Hucke erzählt Geschichten von Menschen und Orten auch aus dem Enztal bei Vaihingen, bringt Stromberger G’schichten aus dem Revier rund um Hohenhaslach und Ochsenbach. Er schwärmt vom Glück im Verborgenen, rühmt Meisterköche und Besenküche gleichermaßen, lässt Weingüter hochleben, vergisst die Bierbrauer nicht. In seinen „atmosphärischen Annäherungen mit Gebrauchswert“  gibt’s Erbauliches, Tipps für das Zusammenstellen von Ausflugstouren für Familie, Freunde, Vereine. Die 17 Routen lassen häppchenweise das von Wiesloch bis Besigheim, von Durlach bis Lauffen reichende württembergisch-badisch-kurpfälzische Gebiet erschließen. Beispiel Route 10: In den Stromberger Alpen mit Diefenbach, Sternenfels und Kürnbach. Oder Route 13: die Leber Schwabens - von Mühlhausen über Roßwag und Gündelbach nach Schützingen. O-Ton: „Wer beladen mit all dem Dreck , den unsere urbane Zivilisation so überreich über uns ausschüttet, in Mühlhausen ankommt, durch die Terrassenanlagen spaziert, in Roßwag einkehrt, sich in den Gündelbacher Weinhöfen umtut und auch Schützingen nicht auslässt, dürfte gehoben, geläutert und geprüft seinen Lebensweg fortsetzen.“ Wenn dies keine originelle Liebeserklärung an einen Landstrich ist! Wichtige Zutaten im Buch: Tipps für Spaziergänge, Infos zu Gasthöfen, Sehenswürdigkeiten, Weingütern, garniert mit Rezepten. Ein Buch zum Lesen und für unterwegs. Piktogramme erleichtern die Orientierung, Literaturhinweise und Adressen ergänzen die Kapitel. Mühlacker wird ausschließlich definiert und präsentiert durch Mühlhausen und Lienzingen. Als Tipp auf Seite 298 das Hotel-Restaurant Nachtwächter in Lienzingen, Teil einer Genuss-Region, die längst nicht nur im Verborgenen blüht. Ein Lesebuch zum Schmökern und Staunen mit Fotos zum Vergnügen.


Das Tor zum Lembergerland





Um vier- bis fünfmal aufwendiger ist die Bewirtschaftung von Weinbergen in steilen Lagen, sagte Rolf Allmendinger, Vorstand der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen, am Freitagabend bei einem Spaziergang mit Mühlacker CDU-Gemeinderatskandidaten und interessierten Bürgern durch die Mühlhäuser Weinberge.  Umso wichtiger sei es, diese in Jahrtausenden erstandene Kulturlandschaft zu erhalten. Dazu gehöre, dass der Verbraucher die Produkte aus diesen Lagen auch über den Kaufpreis honoriert. Ein gelungener Versuch, dies zu erreichen, sei die 401er-Serie der Genossenschaft aus Lemberger,  auch zu haben als reiner Traubensaft. 
Stationen machte Allmendinger mit den Spaziergängern, darunter auch Mühlhäuser Wengerter, entlang des mittleren Weinbergweges, von wo aus auch die Aussicht auf die Bilderbuch-Landschaft mit den Enzschleifen genossen wurde. Es war rasch klar. „Auch die Kommunen müssen eine solche Landschaft und deren Produkte stärker ins Stadtmarketing einbeziehen“, so Allmendinger. Dass die Weinberge teilweise im neuen Naturschutzgebiet „Felsengärten“ liegen, wertete er als Vermarktungsvorteil des dort wachsenden Weines. Stadtrat Wolfgang Schreiber informierte über das Naturschutzgebiet mit dem Felsengürtel, das auch davon lebe, dass die Landschaft bewirtschaftet wird und keine Brachflächen entstehen. Das Naturschutzgebiet sei bei den Mühlhäusern positiv aufgenommen worden. 


Als ein besonderes Merkmal der Mühlhäuser Weinberge gelten die insgesamt 35 Kilometer langen Trockenmauern. 400 Euro koste die Herstellung eines Meters, sagte Allmendinger. Der Betrag lasse sich nicht voll über den Weinverkaufspreis refinanzieren, weshalb Kommunen im Neckartal zunehmend dazu übergingen, Zuschüsse für den Wiederaufbau zu geben. Die Roßwag-Mühlhäuser Genossenschaft lasse in Roßwag Trockenmauern über die Flächenagentur Baden-Württemberg durch Öko-Punkte finanzieren, die erworben werden, um Eingriffe in die Landschaft an anderer Stelle auszugleichen. Das koste den Steuerzahler keinen Cent. 


Derzeit bestehen, so Allmendinger, im Enztal erste Bestrebungen, in Form einer interkommunalen Zusammenarbeit ein integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) zu erarbeiten, um dadurch auch Zuschüsse der Europäischen Union (EU) zu erhalten mit dem Ziel, diese Kulturlandschaft und ihre terrassierten Lagen zu stärken – die Palette reiche vom Tourismus, über den Naturschutz bis zum Weinbau und zur Landwirtschaft. Ziel sei, dieses Konzept zusammen mit den Betroffenen zu entwickeln. Nachdem Vaihingen mitmacht, ist auch die Teilnahme der Stadt Mühlacker wichtig. Die CDU unterstützt einen solchen Antrag. 


Einigkeit herrschte darüber, dass sich aus dem Naturschutzgebiet, der  Kulturlandschaft mit ihren steilen Lagen und dem Wein als ihr typisches und qualitätsvolles Produkt sowie der  Freude der Menschen am Genuss ein Marketingpaket schnüren lässt, das auch den wirtschaftlichen Ertrag für die Menschen, die die Mehrarbeit in den Steillagen auf sich nehmen, hebt. Eine Chance, so Allmendinger, sei auch die Gartenschau Enzgärten 2015: „Schließlich ist Mühlacker das Tor zum Lembergerland“ – die Bezeichnung, die die WG Roßwag-Mühlhausen für die Weinbaulandschaft zwischen Markgröningen und Mühlhausen erfand, und zwar über Kreis- und Regionsgrenzen hinweg. 


Abschluss des Spazierganges war eine kleine Weinprobe oberhalb der Weinberge. Besonders beliebt: der 401er. 




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Die Feldscheunen kehren zurück

Feldscheunen gehörten zum Dorf als Aufbewahrungsort für ungedroschenes Getreide, Stroh und auch Heu: früher meist auf entlegenen Feldern errichtet, um während der arbeitsreichen Erntezeit zeitraubende Transporte zu vermeiden. Über Scheunen im Allgemeinen findet sich manches im Internet, so auch dieses. Es gibt demnach alte Scheunen, aber auch anlehnungsbedürftige Scheunen und Scheunenviertel. Gleich drei neue Scheunen, aufgereiht wie Perlen auf der Schnur, stehen am Rande des Vaihinger Stadtteils Roßwag (Bild), um Nebenerwerbslandwirten und -wengertern die Möglichkeit zu geben, landwirtschaftliche Geräte unterzubringen.

Ein Thema, das auch in unserem Stadtteil Mühlhausen aktuell ist. Im vergangenen Herbst stellte die CDU-Gemeinderatsfraktion den Antrag, den Bau von Unterstellmöglichkeiten für Gerätschaften von Nebenerwerbslandwirten zu erlauben. Der Vorstoß bekam eine Mehrheit. Gleichzeitig erhob der Obst- und Gartenbauverein Mühlhausen/Enz den Bedarf. Rund zehn Bürger zeigten Interesse. Bei einem Lokaltermin mit den beiden örtlichen Stadträten suchten Vertreter der Stadtverwaltung nach möglichen Standorten - zunächst ohne den erhofften Erfolg. Inzwischen taten sich vier Interessenten zusammen, fanden einen Grundstückseigentümer und reichten nun den Antrag auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ein, der jetzt dem Gemeinderat vorlag. Der Grundstücksbesitzer will gleichzeitig die Möglichkeit nutzen, eine Fotovoltaikanlage aufs Dach des Schuppens montieren zu lassen. (Vorlage: MhlhausenSchuppen.pdf)

Der Gemeinderat gab jetzt die Planung in die Behördenanhörung, gleichzeitig wird die Öffentlichkeit beteiligt. Doch das Problem der fehlenden Unterstellmöglichkeiten für Traktoren, Anhänger etc. ist damit in Mühlhausen nicht für alle gelöst. Wir brauchen eine Gesamtlösung, die nun parallel weiter gesucht wird. Die Zeit soll genutzt werden. Doch ein Signal sandte der Gemeinderat auch aus: Solche Schuppen dürfen nicht gewerblich genutzt, land- oder forstwirtschaftliche Erzeugnisse nur kurzfristig gelagert werden. Denn inzwischen werden auch kritische Stimmen im Stadtteil laut, die befürchten, dass die jetzt geplante Unterstellmöglichkeit zweckentfremdet wird - für Holzaufbereitung und ähnliches.

Immerhin: Die Feldscheunen kehren zurück.

Jetzt ist es fertig: Das Naturparkzentrum

Das Naturparkzentrum Stromberg-Heuchelberg an der Ehmetsklinge in Zaberfeld präsentierte sich heute erstmals der Öffentlichkeit. Rund 1,1 Millionen Euro hat es gekostet und ist das neue Schaufenster unseres Naturparks, zu dem auch Mühlacker gehört - genauer Lienzingen. Denn die südliche Grenze dieses Naturparks verläuft über die Lienzinger Markung. Und so präsentiert sich auch die Stadt Mühlacker in einem großen Buch der Mitglieds-Kommunen. Der Nachtwächter und die Frauenkirche von Lienzingen, die Enz bei Mühlhausen - neben der Löffelstelz sind dies die fotografischen Visitenkarten, die sich auf den beiden Blättern finden. Und im Beiprogramm zu den beiden Tagen der offenen Tür (heute und morgen) präsentierten sich auch Falkner von Tripsdrill.

Der Stromberg-Heuchelberg zählt mit einer Fläche von 330 Quadratkilometer zu den kleineren Naturparken in Baden-Württemberg und Deutschland. Das Motto "Wein, Wald, Wohlfühlen" spiegelt sich auch in der Dauerausstellung im Naturpartzentrum wider, für das Geothermie und Photovoltaik Wärme, Kühlung und Strom liefern. Die großen Fensterfronten wirken wie Bilderrahmen. Motive liefert die Landschaft rund um das Gebäude und die Ehmetsklinge, einem auch zum Baden beliebten Stausee. Alle Facetten einer wunderschönen Region erschließen sich den Besuchern. Die Öffnungszeiten von Mai bis Oktober: mittwochs bis sonntags und feiertags jeweils 10 bis 17 Uhr.

Der Besuch lohnt. Wie kann es anders sein - schon am ersten Tag gab es auch Besucher aus Mühlacker.

Naturparkzentrum in Zaberfeld

Nachtwächter, Frauenkirche und Enz auf Mühlackers Visitenkarte

Heute ein Zaungast aus Tripsdrill

Lomersheimer Kelter in Vereinsregie? Ein Lokaltermin

Heute Lokaltermin in der Kelter in Lomersheim: Mitglieder des Heimatvereins Lomersheim stellten ihr Konzept für den zukünftigen Kelterbetrieb vor. Kernpunkt: Der Verein betreibt künftig die Kelter. Das Thema steht nächsten Dienstag auf der Tagesordnung des Gemeinderatsausschusses für Umwelt und Technik. Mitglieder der CDU-Fraktion wollten sich vor Ort informieren. Das Gespräch hat sich gelohnt. Es ist klar geworden, dass gestandene Frauen und Männer hier bereit sind, eine öffentliche Aufgabe zu übernehmen. Ein gutes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements für den eigenen Flecken. Mich - und sicherlich auch meine Kollegen - hat der Vorschlag überzeugt.

Wir sind für die Erhaltung der Keltern, die wir haben: in Lomersheim, Lienzingen, Mühlhausen und Großglattbach. Das muss nicht unbedingt in eigener Regie der Stadt sein. Wenn ein Verein bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen, ist das eine interessante Alternative.

Hier die Vorlage: show_pdf.pdf

Nagolder Mosterlass oder Sind wir froh, dass bei uns auch Trauben wachsen

Nagolds Oberbürgermeister legt Wert auf typisch Regionales: Rainer Prewo erließ deshalb einen Mosterlass. Bei städtischen Veranstaltungen darf nur Apfelmost - in diversen Formen - ausgeschenkt werden. Most statt Sekt, heißt es nun. Da sind wir in Mühlacker doch froh, dass bei uns nicht nur Äpfel wachsen, sondern auch Trauben. Deshalb darf es weiterhin Wein und Sekt geben, wenn die Stadt Mühlacker einlädt - denn beides sind doch typische Produkte unserer Region. Wiewohl auch ein schwäbischer Most nicht zu verachten ist. Aber dann doch eher zum Vesper -natürlich! - regionaler Produkte. Die friedliche Koexistenz zwischen Apfel und Reben im Enztal in Mühlhausen, in Lienzingen im Stromberg oder an den Stöckach-Hängen verhindert bei uns den Sekt-Verzicht. Dank auch der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen und vieler Wengerter, die für Wein- und Sekt-Vergnügen sorgen - auch im Mühlacker Rathaus. Da wäre den Nagoldern doch eine kleine Rebfläche zu gönnen!