Ein ganz normaler Sommer-Sonntag in den Enzgärten

Maulbeerbäume, Spielplatz, Skateranlage..

Sitzen unter Bäumen...

 

Mächtig Betrieb in den Enzgärten. Menschen chillen unter den großen Bäumen zwischen Musikschule Gutmann und dem einstigen Anwesen Kefer, Kinder erfreuen sich am Wasser auf dem Fontänenplatz, viele Pedaleure huschen vorbei. Spiel- und Skaterplatz sind bevölkert, die CDU lässt auf Bierbänken im Schatten vor dem Gebäude der Musikschule eine Radtour auf Mühlackers Wegen mit dem Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum ausklingen. Leute spazieren vorbei. Gemütlich ist's. Ein Wohlfühl-Gefühl wie auf der Gartenschau vor sechs Jahren. Dabei ist es ein ganz normaler Sonnen-Sontag auf den Enzgärten also. So fühlt sich Nachhaltigkeit an. Parkplätze und Toiletten sind stark frequentiert.

Und das Lokal in 1a-Lage? Es hat immer noch geschlossen. Die neuen Haupt- und Unterpächter sind noch nicht so weit...

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Abschied vom Herzenhäusle

Manche/r mag beim Anblick das heruntergekommene Gebäude mit dem Zuhause einer Hexe assoziieren, schon gar, wenn die Person gerne Märchen liest. Aber das Wörtchen Hexenhäusle erweist sich in diesem Fall als Hörfehler und eigentlich war Herzenhäusle damit gemeint. Jedenfalls: Zu einem Märchen gehört die Behausung nicht, die in Lienzingen am Beginn der entlang der Schmie sich erstreckenden Schrebergärtenreihe – von der Friedenstraße her – seit gut 160 Jahren steht. Und märchenhaft ist sie auch nicht.

Friedenstraße 26/1 - das Herzenhäusle 2021 vor dem Abbruch (Fotos: Günter Bächle)

Nach der letzten Bewohnerin heißt das marode Gebäude am Bachweg in Lienzingen im Volksmund Herzenhäusle. Jetzt soll es im Laufe des Jahres 2021 abgebrochen werden, steht in der Antwort der Stadtverwaltung auf meine Anfrage im Gemeinderat. Die Vorbereitung zur Angebotseinholung läuft, so das Fachamt.


Lienzinger Geschichte(n): Heute mal eine Kurzgeschichte in meiner Web-Serie. Und zwar zum Gebäude Friedenstraße 26/1. Es soll abgebrochen werden. In Akten und Ratsprotokollen geblättert.


Die Stadt Mühlacker ist Eigentümerin, seit sie für das rund 900 Quadratmeter große Grundstück im Mai 2018 ihr Vorkaufsrecht ausübte. Das Anwesen auf den Flurstücken 182/7 und 181 erstreckt sich zwischen Bachweg (Lienzingern auch geläufig unter der Bezeichnung Wette) und Schmiebach. Der Bachweg erinnert an den Bach, der dort verläuft, der aber Mitte der 19-sechziger Jahre bei der Kanalisierung des Dorfes zugeschüttet wurde.

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Achtung, politisch vermintes Gelände: Vorstoß zeitigt nach sechs Jahren unerwartete und umstrittene Resultate

Mancher Kleinbau ist dezent versteckt - eines der Beispiele aus der Kernstadt

Der Kommentar des Briefschreibers aus Dürrmenz fiel eindeutig aus: Das ist eine klassische Fehlleistung der Verwaltung. Dem Fachbereich sollte dezent gezeigt werden, dass es so nicht geht. Gemeint sind die geänderten textlichen Festsetzungen in zehn Bebauungsplänen für Gartenhausgebiete in Mühlacker. Um den Schrecken zu mindern: Sie sind noch nicht in Kraft. Der Entwurf befindet sich in der Offenlage, wie in diesem Fall die Bürgerbeteiligung heißt. Und für mich und die Fraktion steht fest: Wir werden in den weiteren Beratungen die Giftzähne ziehen müssen.

Selbst ein früherer stellvertretender Leiter des Baurechts- und Stadtplanungsamtes meldete sich schon frühzeitig in einem Leserbrief zu Wort: Anstelle einer angestrebten Verwaltungsvereinfachung wird hier ein nicht nachvollziehbares Vorschriftenmonster geboren, kritisierte er die Änderungen, die allein 14 Din-A-4-Seiten textlicher Festsetzungen umfassen – und das zehn Mal. Eigentlich dem Bürger nicht zumutbar. Seine eher rhetorische Frage: Wie sollen Baumgrundstücke durch immer neue Auflagen erhalten werden? Es ist nicht mal mehr erlaubt, Baum- und Strauchschnitt auf dem eigenen Grundstück zu verbrennen. Wer dann keinen Anhänger und keine entsprechende Kupplung an seinem Auto hat, weiß nicht, wie er sein Material vorschriftsgemäß auf den Schnittgutplatz bringen soll.

Derzeit sind die Unterlagen für zehn Änderungsverfahren von Gartenhausgebieten in der zweiten Etage des Rathauses ausgelegt, genauer aufgehängt

Anno 2004 beantragte meine Fraktion, künftig Bebauungspläne schlank zu halten. Das Gegenteil ist inzwischen der Fall. Aber die Schuld dafür liegt nicht nur im Rathaus, sondern an immer mehr Vorgaben staatlicher Instanzen, aber auch an den Menschen, die meinen, alles müsse geregelt werden, damit sich keine Konflikte wegen Auslegungsdeutungen entzünden.

Fazit des einst im Rathaus beschäftigten Fachmannes: Die Änderungsentwürfe sind in anerkennender Weise eine große Fleißarbeit, die aber nutzlos ist, da sie nicht durchsetz- und kontrollierbar sein wird.

Gartenhausgebiete, Geschirrhütten, Gartenhäuser, Kleinbauten – Bezeichnungen, die die schaffigen Württemberger (und auch Badener) elektrisieren. Schon dann, wenn die Baubehörde mit Abbruch- oder Rückbauverfügung operiert, weil die rechtlichen Vorgaben nicht eingehalten worden sind. Kleinlich und Kleingeister, die dem rechtschaffenden Schwaben die Freizeit in der Natur vergällen wollen – das sind noch die harmlosesten Schimpfworte.

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Lienzinger Premiere anno 1928: Erste Tankstelle im Dorf, zweite folgte im Jahr drauf - Durchgangsverkehr brachte den Umsatz

Zeitgenössische Bilder mit baugleichen Zapfsäulen wie in Lienzingen: Olex TS Hamburg Heidenkampsweg 1928 (Album) - BFo. Von der Anlage in Lienzingen gibt es keine Fotos: (© Historisches Archiv BP/Aral)

Zwei Tankstellen, und das bei zwei Kraftfahrzeugen im Ort? Kein Witz, keine Satire, sondern Realität.  Eine Milchhändlerin, die auch Benzin anbietet. Was wie diese Kombination skurril wirkt, gehört zu einer Momentaufnahme von Lienzingen anno 1937. Und ist ein Stück weitgehend unbekannter Ortsgeschichte: Das landwirtschaftlich geprägte 700-Einwohner-Dorf, die Motorisierungswelle und ihre Auswirkungen im Alltag. Antworten auf Fragen nach diesen ungewöhnlichen Folgen finden sich in einem Aktenbündel im Staatsarchiv Ludwigsburg, das Überraschendes zutage fördert. Ein halbes Jahrhundert lokaler Historie, dokumentiert durch Anträge auf Genehmigung von Zapfsäulen, Pläne, Schriftwechsel zwischen Mineralölkonzernen, Gemeinde, Oberamt und Behörden, alles beginnend 1926. Eher durch Zufall entdeckt – bei meiner Online-Suche auf der Webseite des Landesarchivs Baden-Württemberg (StAL FL 20--18_Bü 214).


Lienzinger Geschichte(n) – die Fortsetzung mit einem weitgehend unbekannten Kapitel: Das Dorf und seine Tankstellen. Folgen der Motorisierung - Erfolgreich im Fundus des Staatsarchivs Ludwigsburg und im Stadtarchiv Mühlacker gestöbert.


Das Oberamt Maulbronn genehmigte 1926 die Aufstellung eines Benzin-Fasses im Hause von Emil Ölschläger, Fahrradhändler in Lienzingen (wenn nichts anderes vermerkt: Repro aus dem Fundus des Staatsarchivs Ludwigsburg, Signatur StAL FL 20--18_Bü 214).

Genau genommen begann das Kapitel vom Bauerndorf und dem Kraftstoff schon am 17. Juli 1926 – mit einem Benzinfass. Ein Sekretär des württembergischen Oberamtes Maulbronn legte eine neue Akte an unter der Nummer 3999/1. Benzinlagerung bei Emil Oelschläger, Lienzingen, stand auf dem Deckblatt. Der Fahrradhändler Oelschläger hatte am 17. Juni 1926 im Rathaus den Wunsch vorgebracht, ein Fass mit 190 bis 200 Liter Benzin der Marke Strax von Olex aufstellen zu dürfen. Aber offensichtlich nicht für eine Tankstelle, sondern als Betriebsstoff für das eigene Geschäft im Haus seiner Mutter (heute Schützinger Straße/Ecke Zaisersweiherstraße).

Das Schultheißenamt reichte den Antrag an das Oberamt weiter, das wiederum Oberamtsbaumeister Aeckerle in Mühlacker um eine Stellungnahme bat. Bereits einen Monat später traf bei dem Antragsteller via Gemeinde nicht nur ein Merkblatt ein mit der Überschrift Vorschriften betreffend Lagerung von Benzinmengen unter 600 Kilogramm, sondern auch die Erlaubnis zur Lagerung von 200 Liter Benzin-Betriebsstoff. Laut Punkt 8 durften in Wohnräumen, Küchen und den anschließenden Vorratsräumen, Geschäftsräumen und Werkstätten nicht mehr als 2 kg in dichten Gefäßen aufbewahrt werden.

Im Jahr 1928 erlebte Lienzingen eine Premiere: die erste Zapfsäule, ein Jahr später die zweite, beide an der damaligen Hauptstraße, Nummer 16 und 111 (heute Friedensstraße 12 und 26). Pläne, diese zweite Anlage 1937/38 zu erweitern, scheiterten am Nein des Generalinspekteurs für das deutsche Straßenwesen. Die beiden Sprit-Ladestationen überdauerten das Kriegsende von 1945 nicht.  In den Akten finden sich keine Hinweise darauf, wann genau der letzte Liter Benzin verkauft wurde. Nach einer längeren Pause in den ersten Nachkriegsjahren folgte das zweite Kapital: 1959 an der Zaisersweiherstraße. Es endete 1980. Pläne, an der Bundesstraße 35 eine Tankstelle einzurichten, scheiterten. Nach 52 Jahren war alles vorbei. Das Dorf hatte endgültig keine Zapfstelle mehr. Was blieb, sind Akten im Staatsarchiv Ludwigsburg, teilweise auch im Stadtarchiv Mühlacker

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Alles Lienzingen

Was wir alles haben. Lienzinger Produkte, extra am Fuße der Rebenhänge auf einem rustikalen Holztisch fürs Foto drapiert. Zwei Weine des Jahrgangs 2018, die als einzige (neben einem Sekt) ein Etikett auf der Flasche tragen, das den Inhalt als Erzeugnis von den Südhängen des Eichelbergs ausweist: einen Riesling vom Weingut Uwe Huber sowie einen Spätburgunder mit Lemberger von der Weingärtnergenossenschaft Diefenbach, bei der Lienzinger Wengerter Trauben anliefern und die deshalb den roten Lienzinger auf der Karte hat. Erstmals 2016 zum 1250-Jahr-Ortsjubiläum des Dorfes. Eichelberg -  nicht nur Name der Erhebung nordwestlich der Gemeinde, sondern seit Sommer 1971 amtlich auch in der Weinbergrolle beim Regierungspräsidium Stuttgart als Lagebezeichnung eingetragen. Die kleine Lage zählt zur Großlage Stromberg.

Lienzinger Produkte als Fotomodels (Bilder: Günter Bächle)

Weiter aus dem Bild: Linksaußen das Lienzinger Bier "1882" mit einem Anteil Wildhopfen, geerntet vom Bierkeller- und Kulturvrein e.V. an Schmie- und Scherbentalbac. Anknüpfend an die rund achtzigjährige Brautradition im Ort im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert.

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Noch 'ne Statistik: Bei der Heiratslust hält der Enzkreis baden-württembergischen Rekord

Noch'n Gedicht, kündigte Heinz Erhardt immer an. Heute heißt's hier im Blog: noch 'ne Statistik. Diesmal zum Veheiratetsein. Die überraschende Erkenntnis: Bei der Heiratslust hält der Enzkreis den baden-württembergischen Rekord. Weshalb der Drang aufs Standesamt bei uns stärker ist, sagen die Daten-Menschen allerdings nicht.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 08/2021

Während in einigen Landkreisen immerhin annähernd 60 Prozent der Erwachsenen verheiratet sind – Spitzenreiter sind der Enzkreis und der Alb-Donau-Kreis mit jeweils 58 Prozent –, sind es im universitär geprägten Stadtkreis Heidelberg lediglich 38 Prozent.

Wenig erstaunlich ist, schreibt das Statistische Landesamt, dass die Kur- und Bäderstadt Baden-Baden, die von den 44 Stadt- und Landkreisen des Landes die mit Abstand älteste Bevölkerung aufweist, den höchsten Verwitwetenanteil hat (9 Prozent). Aber auch der Anteil Geschiedener ist mit 11 Prozent landesweit der höchste. Die wenigsten Verwitweten gibt es in Heidelberg und in Freiburg im Breisgau.

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