Das vergessene Buch

1979 erschienen

Nacht und Nebel - Die Geschichte von Floris B. Bakels (1915-2000), der durch die Hölle der KZ ging. Wobei ihm sein christlicher Glaube half. So Jesus Worte: Er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein sollen.

Mit drei Geschwistern in der Geborgenheit einer großbürgerlichen Familie in Den Haag aufgewachsen, studiert Floris in Leiden, wird 1939 wie der Vater Jurist, tritt in eine Kanzlei ein. Der Vater wendet sich später der Malerei zu, die Mutter organisiert den Familienbetrieb, stammt aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie. Die Bakels sind, wie viele andere auch, deutsch orientiert: literarisch mit Goethe, Schiller, musikalisch mit Beethoven, Mozart und Brahms. Man nahm Gesangsunterricht in Leipzig und Dresden. Man fuhr in die Ferien nach Wiesbaden und Heidelberg. Man kleidete sich in Hannover ein und tanzte in Bentheim.

Später verwendet er häufig das Schimpfwort für die Deutschen: Mof und in der Mehrzahl Moffen. Es wird zu seinem Wort-Repertoire. Bakels macht aus seinen Überzeugungen und Empfindungen kein Hehl. Er kann nicht vergessen, Unverzeihliches nicht verzeihen. Er zeigt schonungslos, was von deutschen Besetzern dem niederländischen Volk angetan wurde und wie problematisch der niederländische Widerstand war, er hat ihm angehört. Über Leben, Unleben und Tod, viele Tode in den Konzentrationslagern gibt er genauen Bericht: auch über den Kampf ums Überleben, den grausamen biologischen Ausleseprozess, nicht zuletzt aber über die rettende Kraft des Glaubens.

Wir haben eine gewisse Grenze überschritten, kamen in ein Reich, das ein Mensch eigentlich nicht betreten darf, und wir sind dort Emotionen begegnet, die nur sehr schwer zu ertragen sind. Wir sind aus diesem Reich zurückgekehrt. Wir haben wieder zu und selbst gefunden – so gut wie möglich. Wir haben unser Leben wieder zu leben begonnen. Diesseits.

Am 10. Mai 1940 marschiert die deutsche Wehrmacht in den Niederlanden ein, fünf Tage lang hält die kleine Armee des Königsreichs dem Ansturm Stand, Königin Wilhelmina und die Regierung fliehen nach London.  Vier Tage darauf steht Rotterdam in Flammen. Eine ihm sich bietende Möglichkeit, mit einem Boot auch nach Großbritannien zu fliehen, lehnt Floris B. Bakels ab, schließt sich der holländischen Widerstandsgruppe Leeuwengard (Löwengharde) an. Am 9. April 1942 wird er morgens um 6.30 Uhr in seinem Haus durch einen billigen Hin-zu-und-Her-Gong geweckt, sein Bruder Hans öffnet die Tür, zwei Herren von der deutschen Polizei durchwühlen Schränke und Koffer, behalten ihre Hüte auf. Ihr Mann kommt mal mit. Vielleicht ist er heute Abend schon zurück, sagt einer zu seiner Frau. Der Mercedes, in der er einsteigen muss, hat das Kennzeichen POL-1A 9807. Aber heimkehren wird er nicht am selben Abend, sondern erst im Mai 1945 und somit drei Jahre später.  Mit der Festnahme durch die beiden Gestapo-Männer beginnt für den niederländischen Patrioten, Rechtsanwalt und Christ eine Zeit des Martyriums.

Sie verhören ihn im Deutschen Gefängnis in Scheveningen. Gangster nennt Bakels sie später in seinem Buch über die folgenden Jahre. Danach bringt man ihn ins Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort, das Kriegswehrmachtgefängnis Utrecht, es folgen die Konzentrationslager Natzweiler und Dachau, die Außenkommandos Dautmergen und Vaihingen/ Enz des Lagers Natzweiler und, kurz vor Kriegsende, am 5. April 1945 noch einmal das KZ Dachau.

Floris Bertold Bakels

In den drei Jahren seiner Leidenszeit gehört Bakels zu denjenigen, die heimlich Tagebuch schreiben. Nein, niemals darf die Welt vergessen, wir alle werden uns dafür einsetzen, wir werden schreiben, notiert er in sein Tagebuch, und: Es ist sinnlos, etwas zu erleben, ohne darüber zu schreiben. Er schreibt heimlich auf von Zementsäcken abgerissenen Papierfetzen und versteckt die Zettel bei Durchsuchungen an seinem Körper. An die dreitausend Eintragungen können so – auch mit Unterstützung von Helfern und Helfershelfern – gerettet werden, ein Teil geht verloren. Die Ehefrau eines Arztes tippt die Aufzeichnungen nach seiner glücklichen Heimkehr ab, während Bakels in einer Klinik in seiner Heimat behandelt wird – er leidet zeitweise unter 40 Grad Celsius Fieber. Allein sein Utrechters Tagebuch umfasst etwa 1000 Blatt Toilettenpapier.

Bakels schreibt selbst, der Leser solle einen wahrheitsgetreuen Eindruck erhalten, eine sachliche Auseinandersetzung mit der KZ-Existenz. 1947 erscheint Bakels’ Tagebuch aus dem Konzentrationslager unter dem Titel Verbeelding als Wapen (Phantasie als Waffe). Nacht und Nebel folgt unter diesem Titel 1977 als erste Auflage der niederländischen Ausgabe. Für die deutsche Ausgabe fand sich 1977 einzig der Verlag S. Fischer in Frankfurt. Neun Verlage antworten auf Bakels Anfrage gar nicht oder lehnen ab.

Keine einzige – wirklich nicht eine einzige – Sekunde des Tages und der Nacht sei ein Häftling seines Lebens sicher gewesen. Ein KZ sei nicht beschreibbar. Es gehöre einer anderen Welt an, es sei ein fremder Planet, schreibt Bakels.  Immer konnte alles geschehen, und man konnte es sich nicht schrecklich genug vorstellen, denn die Wirklichkeit übertraf jede Vorstellung. Wir wurden mit vollster Absicht und dauernd von der Lagerleitung terrorisiert. Vollzogen worden sei dieser Terror durch Leute, die reine Verbrecher gewesen seien – Verbrecher, entsprungen aus Alpträumen. Zusammen hätten sie eine satanische Macht geformt. Jedes Schamgefühl sei abhandengekommen. Durchfall, immer und überall an der Tages- und Nachtordnung.

Seine Beschreibungen lassen den Gefangenen ihre Würde, ohne die Wahrheit auszugrenzen. Hungersnot, Krankheit, Elend, trotzdem harte Arbeit in Steinbrüchen und an Straßen, Schleppen von Steinen, Balken, Zementsäcken und Schmalspurgleisen. Wer sich bei der Arbeit nicht wunschgemäß benimmt, riskiert eine Meldung und wird, zurück im Lager, mit 25 oder mehr Peitschenhieben bestraft. Ohne Freundschaften hätte man, wie Bakels schreibt, ein Moffenlager nicht überleben können. Sind SS-Leute Teufel? Auf diese Frage eines Mit-Häftlings in Natzweiler gibt Bakels eine überraschende Antwort: Nein, sie sind Besessene. Sie seien vom Satan besessen, von Dämonen.  Und auf die Gegenfrage, ob denn auch in den SS-Leuten der Teufel sei:  Ja. Der Schöpfer ist in allen Kreaturen. Man könne ja manchmal feststellen, dass sogar in den SS-Leuten noch ein Rest Gutes stecke, eine Erinnerung an das Gute. Wir beten um ihre Erlösung von dem Bösen. Wir dürfen sie nicht hassen – es kostet uns unendliche Mühe, diese Mitmenschen nicht zu hassen.

Dann Station sieben von acht, vom 21. November 1944 bis 2. April 1945, Vaihingen an der Enz, Außenkommando von Natzweiler. 46 Seiten dazu in Nacht und Nebel. Bei einem Besuch Jahre nach dem Krieg nennt Bakels Vaihingen eine Villenstadt.

Ursprünglich befinden sich in dem Lager dort nur polnische Juden aus Radom und Krakau. Aus verschiedenen Lagern werden Krankentransporte nach Vaihingen geschickt, dreiviertel der Lagerinsassen sind ständig krank, schreibt Bakels.  Die Läuseplage habe geradezu unbeschreibliche Formen angenommen. In Vaihingen sei ein großer Teil der Häftlinge, darunter fast alle Holländer, zugrunde gegangen. Zunehmende Zahl der Luftangriffe, die Front kommt näher – und die Befreiung durch die Amerikaner?   Am 2. Januar 1945 schreibt Blakes in sein Tagebuch: Heute bin ich seit tausend Tagen in Gefangenschaft. Wie gut, dass ich es nicht früher gewusst habe.

Ende Februar greift der Tod in Vaihingen wieder einmal nach Blakes, wie er schreibt. Im Lager sei die Zahl der Kleiderläuse, die die Übertragung des Fleckfiebers oder Flecktyphus sind, auf einige Trillionen angestiegen. Die Läuse sind allgegenwärtig, auch auf der Brotrinde, die man gerade isst. Die grauen Pferdedecken total verlaust. Hunderte von Häftlingen liegen dort in allen Stadien des Fleckfiebers krepierend, schreiend, stöhnend, phantasierend, kackend, pissend, quer durch die drei übereinander angeordneten Pritschenreihen.  Er hat 40,8 Grad Fieber.

Dann schildert der Autor eine Nacht, die die furchtbarste für ihn werden sollte, wie er empfindet. Am Abend starben noch viele Fleckfieberkranke (oder eher: verreckt). Sie werden zum Mittelgang der Baracke geschleift, nicht weiter, denn die Leichenträger dürfen im Dunklen nicht ausrücken. Während dieser Nacht muss Blakes wieder ganz dringend nach draußen. Da mir die Kraft fehlte, auf eine normale Weise aus der Pritsche nach unten zu gelangen, ließ ich mich mehr oder minder rollend und mich festklammernd fallen. Ich tastete mich an den Pritschen mit den Sterbenden vorbei, fand die Tür zum Gang. An Ende des Ganges sah ich einen – gelblich – leuchtenden Schein, dort wo die Türen zum Kübel sein musste.

 Doch unter seinen Füßen spürt er eine große, eisige, schlüpfrige Masse. Der Holzboden scheint ihm wie eingeseift, so glatt ist er. Als er nach einem festen Halt greift, vernimmt  er das klatschende Geräusch von Armen und Beinen, die von dem Berg herunter gleiten. Er stolpert und fällt mit seinem gelben, glühenden, gespaltenen Schädel zwischen die Gliedmaßen. Doch schließlich erreichte ich den Scheißkübel, und in der eisigen Kälte klatschte wieder ein Stück Leben aus mir neben der Tonne in den Dreck.

Der Eintrag am 8. März 1945: Zum Schreiben zu krank. Jetzt 38, 37,6 Grad, das ist gut, Krise hinter mir. Aber grausiger Durchfall mit Dreck im Bett. Auch Kotzen. Und bodenlose Niedergeschlagenheit.

6. März: Also vor 2 Jahren haben sie mich geholt. Ich bin Gott sei Dank wieder aus Block 4 heraus und wieder in 2 - welch eine Anstrengung! Erst nur kotzen wegen des Gestanks. Dann Suppe, aber gleichzeitig Riesenhunger auf alles und Ekel vor allem Lageressen. Jetzt, ein ergreifender Triumphzug durchs Frühjahr. Heulte um Steinerweichen. Verschont!

Glück, Gottvertrauen, Robustheit?

KZ Vaihingen bei der Befreiung Ende April 1945 durch die Franzosen

Von Vaihingen nach Dachau, seine letzte Station als Häftling der NS-Schergen.

Am 29. April 1945 wird das Konzentrationslager Dachau von amerikanischen Truppen befreit. Zehn Tage später setzt sich Floris Bertold Bakels ab und gelangt nach einer zweiwöchigen Irrfahrt wieder in seine niederländische Heimat, wo er mehrere Monate im Krankenhaus verbringt und anschließend ein halbes Jahr zur Erholung in die Schweiz geht.

Seit zwanzig Jahren steht Nacht und Nebel von Floris B. Bakels (1915-2000) in meinem Bücherschrank. 387 Seiten ungelesen! Immer wieder schob ich die Lektüre auf. Denn diese Geschichte ist nicht einfach zu verarbeiten. Bakels' Erfahrungen in deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs, so der Untertitel.

Jetzt legte ich das Buch endlich ganz oben auf den Stapel.  Bakels' authentische Dokumentation von Not, Glaube und Rettung erschüttert. Es ist der Bericht eines Überlebenden des sadistischen und mörderischen Nazi-Systems, ein direkter Einblick in die Hölle, der über den Kampf ums Überleben und schreckliche Momente sachlich und gut beschreibt – eine schwer zu verkraftende Lektüre. Das Buch belastet einen auch emotional, der Leser erlebt Momente, in denen er es beiseitelegen möchte. Aber dies käme einer Flucht vor der Realität gleich. Solche Zeugnisse sind besonders in der aktuellen politischen Diskussion über die Stärkung und Sicherung von Demokratie, Freiheit und Frieden unverzichtbar. Nie wieder ist jetzt.

Floris B. Bakels: Nacht und Nebel, Der Bericht eines holländischen Christen aus deutschen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Aus dem Niederländischen übersetzt von Suzanne Koranyi. 387 S., 23 cm. S. Fischer Verlag. 1979: 3-10-004706-0. 2016: ISBN 978-3-10-561357-3. Taschenbuch, 1982.  ISBN: 3596234689

Ludwigsburger Kreiszeitung, 13. April 2003: Vaihingen hält das Gedenken an die NS-Mordopfer wach

Auf den Einzelfall kommt es an

Das Land Baden-Württemberg legte schon 2023 einen 36-seitigen „Wegweiser für (Groß-)Veranstaltungen“ vor - auch als Ergänzung der zwei Jahre zuvor veröffentlichten Handreichung Schutz vor Überfahrtaten. Beide inzwischen grundlegend überarbeiteten Leitfäden richten sich an Kommunen und Veranstalter, schreibt Innenminister Thomas Strobl. Als Stadt- und Kreisrat hatte ich mich wegen den für Veranstaltungen in den Kommunen notwendigen Sicherheitskonzepten an den Minister gewandt.

Minister Thomas Strobl

Auch Baden-Württemberg geht - wie Rheinland-Pfalz und Hessen -  von Prüfungen des Einzelfalles aus, lässt sich dem Antwortbrief von Strobl entnehmen. Stadtfeste, Weihnachtsmärkte und eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen würden das kulturelle Leben in Baden-Württemberg prägten und seien Ausdruck einer gelebten Tradition. Dem Schutz dieser (Groß-)Veranstaltungen sowie der Gewährleistung von Sicherheit für die Besucherinnen und Besucher komme eine herausragende Bedeutung zu. Die Planung und Durchführung von Veranstaltungen stellten - insbesondere auch für ehrenamtliche Vereine und die Kommunen - häufig eine besondere Herausforderung in vielerlei Hinsicht dar. 

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Der Schrecken am Sonntag: Mit der Axt gegen Polizisten

Heute kurz vor 12 auf der Zaisersweiherstraße (Foto: R. Straub)

Heute in Lienzingen, kurz vor zwölf Uhr mittags, in der Zaisersweiherstraße, zwischen der Einmündung der Friedrich-Münch-Straße und der Straße hoch zum Wohngebiet Vordere Raith: Kein Durchkommen mehr, die Polizei sperrte die Straße hermetisch ab. Jemand, der zufälllig vorbei kam,  schickt mir ein Foto auf WhatsApp, liefert gleich die harten Fakten mit. Er zählt zehn Polizeiautos,  zwei Hunde, das Sondereinsatzkommando (SEK),  zwei Notärzte, zwei Krankenwagen. Auf meine Rückfrage, ob es um G. gehe, die Rückmeldung: Genau! Um 14.07 Uhr dann seine erlösende Nachricht: SEK hat G. herausgeholt. Ist auf dem Weg nach Hirsau.

Der Polizei-Einsatz ist abgeschlossen. Auch die Zaisersweiherstraße ist nun wieder freigegeben. Noch gibt es keine Mitteilung der Polizeizentrale in Pforzheim über den Fall. Aber dafür läuft der WhatsApp-Kanal  Lienzinger Schneckenpost über: Eindrücke, Vermutungen, Hinweise, wie man die Sperrung umfahren kann. Der Schreck am Sonntag im ansonten friedlichen Lienzingen steckt manchen in den Knochen: Oh man ey wird ja immer schlimmer. 

Um 16.05 Uhr dann die Meldung des Polizeipräsidiums Pforzheim unter der Überschrift Mit einer Axt angegriffen und verletzt hat ein 65-Jähriger am Sonntag zwei Polizeibeamte in Mühlacker-Lienzingen.

Der Text:

(ots) - Dem derzeitigen Stand der Ermittlungen zufolge war der Mann trotz eines gerichtlichen Betretungsverbots gegen 10:45 Uhr in ein Wohnhaus eingedrungen. Als die in der Folge hinzugerufenen Polizisten mit dem Mann Kontakt aufnehmen wollten, flüchtete er zunächst in ein Zimmer des Wohnhauses und griff die Einsatzkräfte von dort aus unvermittelt mit einer Axt an. Zwei Polizisten erlitten dabei leichte Verletzungen. Daraufhin verbarrikadierte sich der Täter in dem Zimmer. Polizeilichen Spezialkräften gelang es, zu dem Täter vorzudringen und ihn zu überwältigen. Weitere Personen wurden nicht verletzt, eine Gefahr für Unbeteiligte bestand nicht. Da sich deutliche Hinweise auf eine akute psychische Beeinträchtigung des Täters ergaben, wurde er im Anschluss in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Außerdem sieht er nun einem Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung sowie wegen des offensichtlich illegalen Eindringens in das Wohnhaus entgegen. Neben mehreren Einsatzkräften der Polizei war auch der Rettungsdienst im Einsatz.

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Schlammschlacht um Zaisersweihers Chefposten - Fünf Jahre lang Nebenjob für Lienzinger Schultes - Zwei Halbtagsstelle

Karl Brodbeck Ende August 1932 zur Zaisersweiher Bürgermeisterwahl
Das Angebot des Konkurrent Otto Pfister aus Schönaich 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Harte Bandagen legten die beiden Lager an. Deshalb stand der 602-Einwohner-Ort Zaisersweiher angesichts der Wahl eines Ortsvorstehers am 4. September 1932 vor einer Zerreißprobe. Die einen – allen voran die Gemeinderäte – wollten auch künftig mit Karl Brodbeck (46) einen gemeinsamen Bürgermeister mit Lienzingen, die anderen stritten heftig für einen eigenen Schultes, den sie mit Otto Pfister aus Schönaich als Gegenkandidaten fanden. Er war, ebenso wie Brodbeck, Verwaltungsfachmann, hatte aber als Rathauschef in Widdern (Kreis Heilbronn) die Neuwahl nicht überstanden.

Bald spitzte sich der Streit zu auf die Frage: Wer kostet den Steuerzahler mehr? Was Pfister zur Erklärung veranlasste, er mache die Arbeit zum gleichen Geld wie Brodbeck. Dieser lebe in Lienzingen im eigenen Haus.

Der heftige Streit brachte Gemeinderat Wilhelm Ebser – ein Brodbeck-Vertrauter – die Einbestellung auf den Polizeiposten ein, denn ein Pfister-Anhänger hatte ihn wegen angeblichen Diebstahls von Viehsalz angezeigt. Seinen Kritikern waren offensichtlich alle Mittel recht. Das Ergebnis der Wahl: 189 Stimmen für Brodbeck, ein klarer, aber nicht aufregender Vorsprung gegenüber den 161 für Pfisterer. Auf einem Stimmzettel stand der Name eines Bürgers, der gar nicht angetreten war. Doch mit dieser Entscheidung endeten die Meinungsschlachten nicht. Nach der Wahlanfechtungen berief der Gemeinderat den Lienzinger erneut zum Amtsverweser, erst am 16. Dezember 1933 folgte die offizielle Einsetzung als Ortsvorsteher.

Lienzinger Geschichte(n): Der Vierteiler zu Karl Brodbeck, gemeinschaftlicher Bürgermeister von Lienzingen und Zaisersweiher. Reichliche Ausbeute einer Spurensuche
Amtseinführung 15 Monate nach der Wahl

Teil zwei dieses Brodbeck-Vierteilers innerhalb der Web-Serie Lienzinger Geschichte(n) dreht sich deshalb auch um den Nachbarort Zaisersweiher, um Brodbecks Besoldung und seine Krankheit, also mehr um seine eigenen Befindlichkeiten, seine Karriere.

Mehrere Akten finden sich im Fundus des Staatsarchivs Ludwigsburg mit der Signatur StAL FL 20--18 I_Bü 73 und E 180 II_Bü 3968: je eine des Oberamtes Maulbronn zur Ortsvorsteherwahl 1932 in Zaisersweiher in Grün mit der Nummer 1201/2 und zur Besoldung Brodbecks in Orange (1330/5) sowie eine der Ministerialabteilung für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung des Innenministeriums von Württemberg zu Bürgermeister Brodbeck (3968) in dunklem Rot. Die Ministerialabteilung für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung war die dem Innenministerium angegliederte Mittelinstanz, 1924 gebildet, vergleichbar mit den heutigen Regierungspräsidien.

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Die Angst des Landratsamtes vor dem Zahlenvergleich

Diese Zeilen an die Pressestelle des Enzkreises konnte ich mir doch nicht verkneifen:

Zugegeben, nicht jede/r ist ein/eine Freund/in von Zahlen. Zugegeben, ich liebe Statistiken und Vergleiche von Daten. Und zugegeben, Pressesprecher müssen sprechen für Positionen, die Linie des Hauses sind.

Aber trotzdem: Die Begründung Ihrer Ablehnung der Bekanntgabe von lokalen Inzidenz-Quoten in einem Schreiben an einen Bürger hat mich schon erstaunt zurückgelassen. Dieser Satz ist es:  Eine kleinräumige Regelung, orientiert an Inzidenzwerten z.B. in Mühlacker, Illingen oder Ötisheim, wäre weder sinnvoll zu kommunizieren (...)

Gerade dies wäre sinnvoll. Es geht darum, die Dinge ins Verhältnis zu setzen. Nicht umsonst wurde die jahrelange Kriminalstatistik seit längerem schon ergänzt durch die Statistik der Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner. Natürlich sind solche Daten aussagekräftiger als die nackten Zahlen pro Gemeinde, wenn sie nicht in einen Bezug gesetzt werden. 

Was Sie mir nicht abnehmen, akzeptieren Sie vielleicht, wenn ich von einer Webseite des NDR zitiere: 

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169,8! Offener Brief an Landrat und OB: Ich setze auf Einsicht und tägliche Mühlacker 7-Tage-Inzidenz-Werte

Maskenpflicht - wer nimmt sie ernst? Fotos: Pixabay
Nochmals der Versuch, dass die 7-Tage-Inzidenzen für Mühlacker vom Enzkreis öffentlich gemacht werden. In einem gemeinsamen Schreiben – auch namens der Fraktion - an Landrat und Oberbürgermeister sowie in getrennten Anfragen an die beiden Verwaltungen stütze ich mich auf die Handhabungen zum Beispiel in Ludwigsburg, auf eine Auskunft des Robert-Koch-Instituts sowie ergänzend auf das Informationsfreiheitsgesetz des Landes Baden-Württemberg, das jedem Einwohner das Recht einräumt – ob nun Mandatsträger oder nicht –, bei den Behörden vorhandene Daten zu erhalten. Die CDU-Gemeinderatsfraktion Mühlacker hat sich am Wochenende bei einer digitalen Sitzung mit dem Sachstand befasst.

Der Rückgang der Inzidenz-Werte im Enzkreis ist fragil. Einerseits ist es das Ziel, diese Werte weiter abzusenken, und dies nachhaltig. Alles was diesem Ziel dient, sollt getan werden, auch um die Lockerungen dauerhaft abzusichern beziehungsweise zu einem normalen Leben zurückzukehren. Ich versuche in diesem zweiten Anlauf den Landrat und den Oberbürgermeister davon zu überzeugen, dass auch lokale Werte veröffentlicht werden und griff gleichzeitig die Themen Kontrollen und Migranten sowie Betriebe auf.

Ich setze auf Einsicht. Bei einem Mühlacker-Wert von 169,8 (Enzkreis: 66,1). Wie lange bleibt der Mühlacker OB auf Landkreis-Kurs?

Doch wenn das Kreis-Gesundheitsamt weiterhin so bockig ist, werden wir eben selbst die Werte ausrechnen müssen auf der Grundlage der aktuellen absoluten Zahlen pro Kommune. Aktuell am 31. Mai heißt beim Landratsamt: 28. Mai 2021 (!) Also 45:26.500x100.000=169,8. Aber eigentlich haben Bürger und Bürgerinnen Anspruch auf amtliche Zahlen.

"An den Landrat des Enzkreises und an den Oberbürgermeister der Stadt Mühlacker

Dass meine Forderungen bezüglich einer Veröffentlichung der 7-Tage-Inzidenzen für Mühlacker auf Ablehnung gestoßen sind bei den Verwaltungen, bedaure ich. Sie waren ja nicht als Kritik gemeint am Verfahren, sondern als Zeichen des Bemühens, die Argumentation in der Öffentlichkeit verstärken zu können, sich nicht in einer falschen Sicherheit zu wiegen angesichts der besseren Zahlen des Enzkreises.  Die Verwaltungen müssen mir die Werte aus den vergangenen Wochen und Monaten nennen, darauf habe ich als Kreis- und Stadtrat m.E. einen rechtlichen Anspruch. Ich kann die Verwaltungen allerdings nicht zwingen, sie täglich oder zumindest zweimal in der Woche von sich aus der Öffentlichkeit bekanntzugeben, kündige aber an, dass ich mindestens zweimal in der Woche eine entsprechende Anfrage einreichen werde sowohl auf der Basis des Kommunalverfassungsrechts als auch des Informationsfreiheitsgesetzes Baden-Württemberg.

Da der Enzkreis die absoluten Zahlen der Neuinfizierten  pro Kommune nicht täglich veröffentlicht, lässt sich kein tagesaktueller 7-Tage-Inzidenz-Wert für Mühlacker oder andere Kreisgemeinden selbst berechnen.

Unter www.ludwigsburg.de finden Sie seit 1. Dezember 2020 täglich

Corona 7-Tage-Inzidenz (Stand 30.05.2021, 16 Uhr)
Landkreis Ludwigsburg 55,0
Stadt Ludwigsburg 74,8

Corona 7-Tage-Inzidenz (Stand 29.05.2021, 16 Uhr)
Landkreis Ludwigsburg 53,5
Stadt Ludwigsburg 79,1

Corona 7-Tage-Inzidenz (Stand 28.05.2021, 16 Uhr)
Landkreis Ludwigsburg 51,2
Stadt Ludwigsburg 72,6

Geht also.

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Fragen an den Landrat: Fakten gefordert statt der ewigen Leier vom diffusen Infektionsgeschehen in Mühlacker

Bin um 16°° mit dem Fahrrad durch die Enzgärten gefahren. Und konnte es nicht glauben, wieviele Personen dichtgedrängt sich ohne Maske und dergleichen aufgehalten haben. Der Bericht entspricht der Wirklichkeit, schrieb mir heute mein Fraktionskollege im Gemeinderat, Theo Bellon. Er bestätigte somit, was kurz vorher eine Bürgerin mailte, die Alarm schlug: Pfingstsonntag ca. 15 Uhr in den Enzgärten neben dem Skaterpark, ca 20 bis 25 Personen auf Bänken und Steinen eng beieinander sitzend und kein einziger trug eine Maske. Aber es kann sich ja keiner vorstellen woher die hohen Inzidenzwerte kommen?

Zumindest zu den beiden Zeitpunkten keine Kontrolle in den Enzgärten. Dabei wissen alle, dass das ehemalige Gartenschaugelände an schönen Tagen wie ein Magnet wirkt.

Sollen wir von Menschen anderes erwarten, denen täglich die sinkenden Werte der 7-Tage-Inzidenz für den Enzkreis verkündet werden?  Von 144 am vergangenen Montag die Talfahrt auf heute 87,19. Auch wenn erst am Freitag mit 96 die 100er-Schwelle unterschritten war, reicht es nicht zu Lockerungen. Da sind mindestens 100 minus X sieben Tage lang am Stück notwendig. Trotzdem.

Doch die Werte in Mühlacker liegen etwa doppelt so hoch wie die Enzkreis-Zahlen. Am Freitag bei 180. Aber die Zahl taucht in keiner amtlichen Statistik auf, weil sich das Kreis-Gesundheitsamt beharrlich weigert, dies mit dem jeweils aktuellen durchschnittlichen Enzkreis-Stand zu veröffentlichen. Da wird Sternenfels mit seinen 2800 Einwohnern einfach mit Mühlacker und seinen 26.000 Einwohnern verglichen. Manche nehmen’s humorvoll, andere ärgern sich mächtig über diese Verniedlichungspolitik des Gesundheitsamtes - eine Praktik, die der Landrat leider seit Wochen verteidigt.

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Wolf im Schafspelz: Die Lienzinger mochten ihn - Der Fall Hermann Oppenländer

Aufstellen zum Umzug beim Kinderfest anlässlich der Heimattage Lienzingen Anfang Juli 1958 mt Lehrer Hermann Oppenländer (helle Kopfbedeckung). Foto: Smlg. Roland Straub

Als Erst- und Zweitklässler hatten wir in der Volksschule Lienzingen einen Lehrer, den wohl alle mochten: Hermann Oppenländer. Nicht nur wir Sieben- oder Achtjährige erlebten ihn als freundlich, gingen gerne zu ihm in den Unterricht. Selbst bei der Aufsicht  in der großen Pause auf der Straße vor der Schule, bei  der sich die Mädchen und Jungen austobten, behielt er die Ruhe, wenn ein Auto oder ein Fuhrwerk diesen ungewöhnlichen Pausenhof passieren wollte. Denn unsere Schule an der heutigen Kirchenburggasse fehlte ein eigenes Pausengelände. Ein hochgewachsen, leicht beleibter, jovialer Mensch vom Typ Familienvater. Der 56-Jährige wohnte in der Bannholz-Siedlung in Mühlacker. Sein Auto – ich meine, ein DKW – parkte er während des Unterrichts im Hof schräg gegenüber vor einer Scheune.


Lienzinger Geschichte(n) mit einem Beitrag über Hermann Oppenländer, der von 1956 bis 1959 dritter von drei Lehrern an der Volksschule in Lienzingen war. Auf einer Stelle, die das Obeschulamt 1955 streichen wollte, wogegen sich der Lienzinger Gemeinderat heftig und letztlich erfolgreich wehrte. Wegen seiner NS-Vergangenheit entwickelte sich Oppenländer zu einem Fall der Landespolitik. Somit reicht der Beitrag zur Blog-Serie über unser Dorf hinaus - ein beklemmendes Stück auch lokaler Nachkriegsgeschichte


Doch von einem Tag auf den anderen blieb Hermann Oppenländer weg. Wir konnten uns keinen Reim darauf machen, weshalb er fortan die Volksschule in Lienzingen meiden werde. Keiner sagte zunächst, offen und ehrlich, was Sache ist. Aber die Fakten hätten wir wohl in diesem Alter in der ganzen Dimension nicht voll begriffen. Heute noch gilt der Vorgang bei jenen, die sich erinnern können, als rätselhaft. Dabei gab Oppenländer eigentlich keine Rätsel auf all jenen, die sich informieren wollten. Der Lehrer trug eine schwere persönliche Last: Er war vor 1945 eine regionale Nazi-Größe mit nun allen für ihn zurecht beschwerlichen Folgen, die er aber partout nicht akzeptieren wollte. Er sah sich ohne persönliche Schuld.

  • Dienstunfähig nach Nervenzusammenbruch 

Er sei krank und werde auch nicht wieder kommen. So kurz und bündig die dann doch offizielle Absage eines weiteren Gastspiels ihres Kollegen durch die beiden verbliebenen Lehrer, Wilhelm Wagner und Karl Kießling. Diese Botschaft haftet heute noch in meinem Gedächtnis. Jedoch hält sich hartnäckig das Gerücht, Oppenländer (Jahrgang 1900) sei während des Unterrichts in der Klasse verhaftet worden wegen nicht näher benannter Straftaten zu Zeiten der Nazi-Diktatur. Die Wahrheit: Er erlitt im Herbst 1959 durch den Stress um seine Person einen Nervenzusammenbruch. Sein Mühlacker Hausarzt  schrieb ihn daraufhin dienstunfähig. Da aber war zumindest für ihn klar, dass seine Zeit an der Lienzinger Schule endgültig abgelaufen war. Denn er wusste um die Strippen, die andere wegen seiner Arbeitsstelle an der Lienzinger Bildungseinrichtung zogen: Der Fall Oppenländer drohte zum Zündstoff für die baden-württembergische Landespolitik zu werden. Zwei Minister waren bereits damit befasst: der für Justiz und sein Kollege vom Kultusbereich.

  • Kultusministerium auf Schadensbegrenzung aus

All das wussten wir Lienzinger Erst- und Zweitklässler nicht. Kinder, denen die Verbrechen in der Nazi-Zeit noch wenig sagten. Und wohl die wenigsten Eltern lasen seinerzeit eine der Stuttgarter Tageszeitungen, in denen der Fall schon seit einigen Monaten des Jahres 1959 für Aufregung sorgte – der Fall des Hermann Oppenländer aus Mühlacker, aufgewachsen in Dürrmenz, ehemaliger hauptamtlicher NSDAP-Kreisleiter in Schwäbisch Gmünd, von der Spruchkammer als Hauptbelasteter eingestuft, zwölf Jahre Zuchthausstrafe (von denen er nur drei Jahre abzusitzen hatte), weil er mit einem anderen Verantwortlichen einen Tag vor dem Einmarsch der US-Truppen in Gmünd zwei Männer erschießen ließ, da sie auf der Straße lautstark  – und betrunken – Parolen gegen Hitler schrieen. Und jener Oppenländer unterrichtete nun wieder - wie ein Wolf im Schafspelz - Kinder wie vor 1937, diesmal an der Volksschule Lienzingen. Das rief Widerspruch hervor. Nicht in Lienzingen. Doch es sprach sich bis nach Stuttgart herum und drohte, hohe Wellen zu schlagen. Schadensbegrenzung lautete das Ziel der Schulbehörden bis hinauf ins Ministerium. 

  • Heimatfest Juli 1958: Der Lehrer lief als Begleiter beim Umzug mit 
Hermann Oppenländer (rechts) auch beim Umzug 1958. Foto; Smlg. Roland Straub

Offen bleibt im Rückblick für mich, was Eltern und Kollegen im Dorf von der Oppenländer-Welt wussten. Uns Schulanfängern war das Thema noch weitgehend unbekannt. Einzig das Gerücht, da sei etwas im „Dritten Reich“ mit Oppenländer vorgefallen, waberte durch den Ort.  So blieb es zunächst – und Oppenländer versank allmählich in der Vergessenheit. Er hatte nur drei Jahre an der Lienzinger Schule unterrichtet. Sein Name taucht jedoch sporadisch auf vor allem bei jenen, die bei ihm – wie ich - die Schulbank drückten. So bei einem Fotonachmittag in der vollbesetzten Gemeindehalle des Ortes am 6. Januar 2016 und damit zu Beginn des Jubiläumsjahres 1250 Jahre Lienzingen. Dabei zeigte der örtliche Historien-Mann Roland Straub – auch einer der Schüler von Oppenländer - vor mehr als 300 Besuchern alte Aufnahmen vom Leben früher im heute 2100 Einwohner zählenden Ort, seit 1975 Stadtteil von Mühlacker. Darunter Fotos vom Kinderumzug beim Heimatfest Anfang Juli 1958 mit Hermann Oppenländer, wie er neben Schülergruppen lief. Oppenländer sei, so Straub, im Klassenzimmer festgenommen worden, als gerade die Zweitklässler unterrichtet habe. Wir waren schockiert. Danach haben wir ihn nicht mehr gesehen. Doch: Die Aktenlage spricht nicht dafür. Auch in der Personalakte beim Oberschulamt Nordwürttemberg steht nichts von einer Verhaftung.

Was wussten die Lienzinger über Oppenländer? Angeblich nicht viel oder sie redeten nicht gerne darüber. Doch der gelernte Lehrer, geboren in Mühlacker als Sohn eines Lokomotivführers aus Dürrmenz, war von 1934 bis 1937 nebenamtlich Chef der NSDAP im damaligen Kreis Vaihingen. Und die Rolle des Kreisleiters spielte er sicherlich nicht im Geheimen. Wer was wusste, nicht wusste oder nicht wissen wollte? Fragen blieben bis jetzt ohne Antworten.

Kirchenburggasse als Pausenhof bis 1960, aufgenommen 1927. (Quelle: Stadtarchiv Mühlacker=STAM, Smlg. Roland Straub)
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Senioren und Familien: Gute Noten für den Enzkreis

Wo in Deutschland sind die Lebensverhältnisse für Senioren und Familien besonders gut? Die Dokus und Ergebnisse der großen Deutschland-Studie - die Daten und Bewertungen für 401 Stadt- und Landkreise bietet jetzt das ZDF. Stoff, der sich in einem Internet-Portal studieren lässt, und zwar für jeden Kreis. Und somit auch für unseren.

Alt, aber mobil - das gilt heute für viele Senioren. Aber sie möchten auch vernünftige Mieten und den Supermarkt um die Ecke. Jena und Suhl  – Städte im Osten Deutschlands nehmen bei der Deutschland-Studie des ZDF im Bereich Senioren die besten Plätze ein. Unter den ersten zehn Kreisen und kreisfreien Städten finden sich aber auch die Kreise Ludwigsburg, Enzkreis, Böblingen und Rhein-Neckar-Kreis (Rang 7 bis 10). Sie schneiden nach dem Hochtaunuskreis (3.) am besten in den alten Bundesländern ab. Schlusslicht und damit auf Rang 401: der Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Senioren: 20 Lebensbereiche gewertet

Die Studie hat auch untersucht, ob es sich für Senioren auf dem Land oder in der Stadt besser lebt. In besonders abgelegenen Regionen sind die Entfernungen zum Arzt oder Krankenhaus oft viel zu weit. Gleiches gilt für den nächsten Supermarkt: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist beispielsweise die nächste Einkaufsmöglichkeit durchschnittlich 3,3 Kilometer entfernt - ein Negativ-Rekord. Übrigens: Pforzheim ist Fünfzigster. Insgesamt 20 Lebensbereiche sind in die Wertung bei diesem Regionen-Vergleich mit eingeflossen.

Es ist eine wissenschaftlich Auswertung von Daten aus allen 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland. Gut gemacht, schrieb mir ein Kernstädter, der mich auf die Ergebnisse aufmerksam machte. Danke! Sarkastisch fügte er aber hinzu vor dem Hintergrund der Entscheidung des Gemeinderats, das ENZival 2020 auszusetzen (gegen die Stimmen der sechs CDU- und weiterer vier Stadträte): Auf Grund der genialen Vorbereitung und Planung der Stadtverwaltung des Mittelzentrums Mühlacker im Enzkreis und der dazu passenden Abstimmung des Gemeinderates, zur Reduzierung künftiger hörbarer Freiluftveranstaltungen, wird Mühlacker stiller werden und zur seniorenfreundlichen Silent-City mutieren.

Die Resultate der Senioren-Studie verdienen Aufmerksamkeit. Im Gesamtranking liegt der Enzkreis auf Platz 8 (in Baden-Württemberg 2. von 44 Plätzen). In der Anreissmeldung wird auf Highlights verwiesen: Die Faust-Stadt Knittlingen gilt als Geburtsort der berühmten Romanfigur Goethes. Neben dem Faust-Museum kann man in dem Weltkulturerbe Kloster Maulbronn Geschichte erleben. Hohe Werte gibt es für Lebenserwartung, Sicherheit, gutes Einkommen, Beschäftigungsmöglichkeiten. Deutlich schwächer, aber trotzdem noch meist in der ersten Hälfte ist der Enzkreis bei Breitbandversorgung, Erreichbarkeit von Bahn und Bus sowie bei der Ärzteversorgung.

Bei der Familien-Studie auf Rang 91

Job, Kinderbetreuung, bezahlbares Wohnen - Alltagsthemen vieler Familien. Wo lässt sich das am besten vereinbaren? Diese ZDF-Studie nimmt ganz Deutschland unter die Lupe. Bei der Familienstudie glänzt der Hochtaunuskreis als Nummer 1 - vor Baden-Baden, Starnberg, Speyer, Neustadt an der Weinstraße, Main-Taunus-Kreis, Landkreis München, Landkreis Mainz-Bingen sowie den kreisfreien Städten Suhl und Potsdam. Der Enzkreis taucht auf dem 91. Rang auf (30. in Baden-Württemberg). Die rote Laterne hält das Jerichower Land. Der Stadtkreis Pforzheim: 127. Die Statistiker bescheinigen dem Enzkreis auch hier eine hohe Lebenserwartung der Menschen, ein hohes Maß an Sicherheit, deutliche Abschläge nahmen die Statistiker bei Freizeit, Kultur und Kinderbetreuung vor.

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Die Welt der kleinen Zahlen

Schneckentempo ist noch untertrieben: Die neuesten Zulassungszahlen im Enzkreis für reine Strom- und Hybridautos lassen einen leicht ratlos zurück. 158.830 Kraftfahrzeuge sind laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg 2019 in unserem Landkreis zugelassen, davon 130.447 Pkw. Bei gut 400 von ihnen sorgt nur Strom für die Energie zum Fahren. Doch diese neue Statistik aus dem Landratsamt zeigt: Die Strom-Alternativen sind zwischen Illingen und Neuenbürg kein Verkaufsschlager. Nicht nur hier. 

Die Politik in Bund und Ländern legt sich ins Zeug. So soll durch eine Gesetzesreform der Bau privater Ladestationen in der eigenen Garage erleichtert werden.

 

 

 

Wenn schon, denn schon, aber nicht ganz. Das Sicherheitsverlangen siegt bei den meisten, die durchaus den alternativen Antriebsarbeiten eine Chance geben wollen. Die Angst, dass der Strom ausgeht, keine Steckdose in der Nähe ist und schon gar keine Schnellladestation, man also strandet mit seinem E-Mobil, gibt den Ausschlag für einen Hybrid, meist in der Kombination Strom/Benzin, weniger Strom/Diesel. Den Zusatz "E" am amtlichen Kennzeichen darf sich der Besitzer trotzdem ans Auto hängen.

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