Nicht auf allen Straßen rollen mehr Autos

Die neuesten Zahlen des Landes über die Entwicklung des Verkehrsaufkommens auf den Bundes- und Landesstraßen seit 2010  bieten ein uneinheitliches Bild für die Große Kreisstadt. Das Land hat die jüngsten Zahlen, die 2015 erhoben wurden, erst vor einiger Zeit veröffentlicht. Je zwei Zählstellen an der Bundesstraße 10 weisen Zunahmen und Rückgänge auf. Bei den Landesstraßen steht einem Minus in Großglattbach und auf der Enzstraße, ein Plus in der Ortsdurchfahrt Lienzingen, auf den Abschnitten Enzberg/Ötisheim, Dürrmenz/Lomersheim und Dürrmenz/Pinache sowie auf der Osttangente gegenüber.

Die Verkehrsmengen zeigen nach Meinung der Stadtverwaltung Mühlacker deutlich, dass diese mit der Zunahme der Wirtschaftsleistung seit 2010 in Verbindung stehen. Nach Einschätzung der Straßenverkehrsbehörde ist bei einem weiteren Wachstum der Wirtschaft auch mit einem weiteren Plus des Gesamtverkehrs zu rechnen auch im Hinblick auf die Mühlacker Lage in der Nähe zum Ballungszentrum Stuttgart.

Durchwachsen ist demnach die Belastung an den vier Zählstellen an der Bundesstraße 10 in Mühlacker: Seit 2010  Zunahme bei   Enzberg von 17746 auf 18885 und in der Stadtmitte von 17498 auf 18243, Rückgang  von 19950 auf 17094 am westlichen Stadteingang sowie von 14712 auf 13248 am   Stadteingang aus Richtung Illingen. Die Zahlen lägen insgesamt nun beinahe auf dem Niveau des Jahres 2005, so die Stadt in ihrer jetzt vorgenommenen Auswertung. Auf der Bundesstraße 35 bei Lienzingen seien die Zahlen im Wesentlichen stabil geblieben (von 7469 auf 7833); hier sei der Schwerverkehrsanteil wieder gesunken, bewege sich aber dennoch mit 17  Prozent auf einem hohen Niveau. Dies stelle  dennoch einen Rückgang um vier Prozent und  um zirka 330  Lkw pro Tag dar. Die Entwicklung nordöstlich von Schmie: 9518 statt 9355.

 

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Im Heckengäu gehen die Busse ab

Das Heckengäu-Liniennetz.

Kalt war's und trist dazu. Dabei hätte die  Sonne scheinen müssen, denn endlich gab es das offizielle Startzeichen für die Umsetzung eines mehrfach verschobenen Projekts: das Buskonzept Heckengäu. Ganz nach dem Geschmack des Kreistags bringt es mehr Busse auf die Straßen. Hoffentlich kommen nun auch die zusätzlichen Fahrgäste, wünschte sich Busunternehmer Alf Seitter zum Abschluss eines Pressegesprächs stilgerecht in einem seiner Busse. Zu der Runde hatte der Verkehrsverbund Pforzheim/Enzkreis (VPE) gebeten, der das Konzept entwickelt hat. 2015 legte der Verbund den Heckengäu-Bürgermeistern das erste Papier vor, verdonnerte sie jedoch zur Vertraulichkeit. Vertrug es zunächst das Schnaufen nicht? Zuerst erwies es sich als fragiles Gebilde, denn mit Porsche und Bertrandt solten zwei Unternehmen als Partner ins Boot geholt werden. Alles dauerte seine Zeit, Starttermine mussten verschoben werden. Mindestens drei Jahre verstrichen, bis die Realisierungsphase nun erreicht wurde. In der Zwischenzeit boomen die Gewerbegebiete von Heimsheim, Friolzheim, Wimsheim und Mönsheim - die Nähe zur Autobahn wirkt wie ein Magnet. Porsche erweitert sein Entwicklungszentrum Weissach in den Enzkreis hinein, Bertrandt siedelte sich an und expandierte. Die Folge: Mehr Autos auf den eh schon überlasteten Heckengäu-Straßen. Die Gegenstrategie heißt ÖPNV und passt in den Schwung, mit dem die Kreistagsfraktionen Druck machen auf Kreisverwaltung und VPE, um den Nahverkehr auszubauen (manchmal habe ich den Eindruck, als hätten beide nur darauf gewartet). Das Heckengäu-Bus-Paket bietet mehr als nur zusätzliche Buskilometer um 20 Prozent auf 953.000 und ein um 300.000 Euro höherer Zuschussbedarf (der Enzkreis trägt 60, die Stadt Pforzheim 40 Prozent, so der allgemeine Schlüssel im VPE). Es sind die Zutaten, die den Reiz des vorbildhaften Rezepts ausmachen: Porsche oder Bertrandt und andere Firmen lassen sich zu den Hauptverkehrszeiten in einem 30-Minuten-Takt erreichen. Porsche biete nun zusätzlich den Mitarbeitern ein Jobticket in den Enzkreis an (nach dem Vorbild im VVS), die Fahrpläne sind enger getaktet, die Busse lassen Kreisgrenzen (die Kunden orientieren sich nicht an solchen)  hinter sich und steuern den S-Bahnhof Leonberg  an (quasi als Brückenkopf in den Großraum Stuttgart), die Querverbindungen (ab Mönsheim) nach Pforzheim werden verbessert. Nebenprodukt ist eine neue Linie im Biet als Verbindung zwischen Neuhausen und Tiefenbronn, die zusätzliche Attraktivität erreicht, weil Tiefenbronn  erstmals Anschluss an das Heckengäu und an Leonberg erhält.

Attraktive Angebote sollen Autofahrer vom Nahverkehr überzeugen. Das Heckengäu-Bus-Paket ruft nach weiteren Fortschritten auch in anderen Kreisteilen. Mehr Fahrgäste (Umsteiger!) bei dem neuen Projekt wären ein zusätzlicher Anreiz.

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Um Mühlhausen gewachsen

Die Trendwende ist geschafft, die ursprünglichen Prognosen der Statistiker können in die Tonne getreten werden: Mühlacker wächst wieder. Mit einem Plus von 4,1 Prozent liegt die Senderstadt kreisweit im Mittelfeld, aber deutlich über dem Enzkreis-Wert (+ 2,9 Prozent) und exakt im Durchschnitt des Landes Baden-Württemberg. Von 2011 bis 2016 vergrößerte sich Mühlacker um ein 1000-Seelen-Dorf und damit mehr als in der Größe von Mühlhausen

Mit einem 8,4 Prozent hält Friolzheim den Zuwachsrekord im Enzkreis, gefolgt von Neuenbürg und Wimsheim. 21 Kreiskommunen melden jeweils ein Plus, das mehr oder minder deutlich über einem Prozent liegt.  Vier stagnieren weitgehend. Leicht im Minus stehen drei: Sternenfels, Ötisheim und Birkenfeld. 
Zum Vergleich: Stadtkreis Pforzheim +7,3 Prozent. Unsere weiteren Nachbarn befinden sich auch stärker auf Wachstumskurs als der Enzkreis: die Kreise Böblingen +5,5 Prozent, Ludwigsburg +5,1 Prozent, Heilbronn +4,2 Prozent, Karlsruhe 3,8 und Calw 3,2 Prozent. Die Bevölkerungszahl in Baden-Württemberg stieg nach Angaben des Statistischen Landesamtes innerhalb von fünf Jahren um 432.000 auf 10,9 Millionen. Die Statistiker: Das Gros des Anstiegs entfiel auf die ausländische Bevölkerung (+422.000), die Zahl der Deutschen nahm in diesem Zeitraum um knapp 10.000 zu. Im Enzkreis leben jetzt 197.029 Menschen (5561 mehr als 2011), in Mühlacker  25.751  - fast ein Fünftel des Kreis-Zuwachses in absoluten Zahlen geht aufs Konto der einzigen großen Kreisstadt. Spiegelt sich darin ein landesweiter Trend wider?

 

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Zweieinhalb Jahre und kein Schritt weiter

Pferchäcker nördlich von Vorderer Raith
Neue Wohnbauflächen für den Eigenbedarf gesteht die Stadt Mühlacker in ihrem Flächennutzungsplan den Stadtteilen zu.  Für Lienzingen sind gut zwei Hektar in den "Pferchäckern" ausgewiesen - nördlich des Wohngebiet "Vordere Raith" zur Schützinger Straße hin. Doch die Absicht wird zur Farce, wenn kein Bebauungsplan auf den Weg gebracht wird. Im März 2015 informierte die Stadtverwaltung in der Bürgerversammlung in Lienzingen über den Plan. Seitdem ist bei Bauinteressenten das große Warten angesagt, auf Nachfragen von Grundstückseigentümern im Rathaus gibt es Antworten, die nur im Ungefähren bleiben. Noch vor einem Jahr hieß es, die Stadtverwaltung bereite die Ausschreibung des Erschließungsträger-Auftrags vor. Geschen ist nichts. Dabei hatte der Gemeinderat im Dezember 2015 den städtebaulichen Überlegungen zugestimmt. Ein Jahr dauerte es aber (5. Dezember 2016), bis ein städtebaulicher Entwurf dem Rat vorgelegt wurde, der ihn passieren ließ. Jetzt begründet die Verwaltung die Verzögerungen mit einer Debatte im Februar 2017 über Baulücken: Im Gemeinderat waren Stimmen laut geworden, künftig nur noch Wohngebiete zu erschließen, bei denen die Kommune vorher die gesamte Fläche aufgekauft hat. Dann könnten die Bauplätze mit einer zeitlich fixierten Überbauungsverpflichtung verkauft und damit Baulücken vermieden werden. (In der "Vorderen Raith" gibt es zurzeit etwa zehn erschlossene Bauplätze, die dem Markt nicht zur Verfügung stehen.) Jetzt sagte der OB aufgrund eines CDU-Antrags kürzlich im zuständigen Ratsausschuss zu, im Oktober 2017 eine Vorlage ins Stadtparlament einzubringen, damit ein eventueller Paradigmenwechsel geklärt werden kann. Zu hoffen ist, dass der Terminplan eingehalten wird, auch um in den "Pferchäckern" weiterzukommen. Denn seit der Bürgerversammlung verstrichen bis jetzt zweieinhalb Jahre ohne substanzielle Fortschritte. Trotz städtebaulichen Entwurfs startete nicht einmal das Bebauungsplanverfahren. Da können wir nur mit Neid zu unserem Nachbarn Wiernsheim schauen: Trotz kleinerer Verwaltung hätte Bürgermeister Öhler in dieser Zeit schon eineinhalb Neubaugebiete realisiert - mit vorherigem Aufkauf der Flächen durch die Kommune.

Wer sich trauen will - die Suche nach dem Trauzimmer

Ganz hinten im ersten Stock im Mühlacker Rathaus

Ja, wo ist es denn? Wer auf den Wegweisern im Mühlacker Rathaus danach sucht, kann glatt meinen, so etwas gebe es nicht. Denn darauf taucht es nicht auf - das Trauzimmer. Doch es gibt den Raum für den besonderen Anlass im Leben von Menschen tatsächlich: im ersten Stock, Zimmer 121, hinter Personalstelle und Rechnungsprüfungsamtes. Ganz versteckt. Die schwarze Tafel rechts neben der braunen Tür ist der einzige Hinweis. Aber wer sich trauen will, traut sich auch vorher, im Standesamt nach dem Weg zu fragen. Es soll sich noch niemand verlaufen haben, maximal später in der Ehe. Obwohl das Trauzimmer im Raumprogramm für den  Rathausbau gefordert worden war, musste ich zuerst nachfragen, ob es nun tatsächlich noch vorhanden ist, zumal bei größeren Hochzeitsgesellschaften in den großen Ratssaal ausgewichen wird. 


Damit keine Gerüchte auftauchen: Ich habe keinen Bedarf am Trauzimmer. Aber eine junge Frau aus Mühlacker, die sich übers Outfit des Raumes Nummer 121 beklagte.  Sie sei erschrocken als sie das Mühlacker Trauzimmer gesehen habe. "Trotzdem heiraten wir hier, weil es unser Lebensmittelpunkt ist. Aber wir waren doch kurz am überlegen, ob wir nach Wiernsheim ausweichen." Sie fand deshalb die Idee meines Fraktionskollegen Matthias Trück toll, standesamtliche Trauungen auch auf der Burgruine Löffelstelz anzubieten. Der CDU-Antrag liegt jetzt im Rathaus und wird im Gemeinderat behandelt. Die Nachricht löste schon einmal eine muntere Debatte auf meiner Facebookseite aus.  "Wäre toll, aber deshalb werde ich nicht mehr heiraten", machte ein User seinen Standpunkt klar. Eine Ludwigsburgerin findet auch Gefallen daran und tippte mit einem Augenzwinkern in die Tastatur: "Dann könnte ich ja endlich auch mal..." Vor einem kleinen roten Herzchen die Hoffnung einer Mühlackerin: "Bitte vor dem 14. Juli realisieren. Das wäre wirklich ein Herzenswunsch!"


Noch ein Kommentar: "Also, ich find die Idee klasse und die Löffelstelz war vor vielen Jahren mal im Fernsehen zu sehen bei Traumhochzeit, da hatte jemand seiner Angebeteten einen Heiratsantrag gemacht. Fand ich super romantisch." Da steht der Mann sicherlich nicht allein. Ganz in seiner   beruflichen Rolle reagiert der Citymanager: "Soweit mir bekannt ist, ist es in Mühlacker leider schwierig an einem Samstag oder Sonntag standesamtlich zu heiraten. Vielleicht sollte dies im ersten Schritt erweitert werden, damit auch wieder die City belebt wird. Viele heiraten nämlich deshalb außerhalb. Natürlich wäre dann eine Heirats-Location wie die Burg toll!" Er muss sich aber in einem Punkt korrigieren lassen: "Von Mai bis Oktober an einem Samstag im Monat sind standesamtliche Hochzeiten in Mühlacker möglich." Das sei eben zu wenig.


Die Burg Löffelstelz bietet wahrlich eine romantische Kulisse. Wenn sich künftig Verliebte dort auch das Ja-Wort geben können, muss dieses (weitere) Trauzimmer niemand suchen. Denn diese Adresse kennen alle.


Kein Massengeschäft sind Trauungen. 90 gab es 2016 in Mühlacker - 65 im Rathaus, 25 im Schloss Mühlhausen. Im Park des Schlosses in Mühlhausen darf geheiratet werden - mit garantierter Ausweichmöglichkeit im Trockenen. Wer sich für das Ambiente des ehemaligen Adelssitzes entscheidet, muss doppelt bezahlen: der Stadt für den Auftritt ihrer Standesbeamtin, dem Schlosseigentümer für die Überlassung von Raum und Räumen. Bei der Löffelstelz wäre pekunärer Nutznießer allein die Stadtkasse. Ein kleiner Nebeneffekt. 

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Bebauungspläne pfundweise

In Aischbühl-Ost: Die Bauplätze gingen weg wie frische Wecken
Las gerade in Franks Blog den ersten Teil eines Erfahrungsberichts übr die Suche nach dem richtigen Bauplatz. Bin auf die Fortsetzungsgeschichte gespannt. Herrlich dieser Passus: Bebauungspläne sind die Pest. Durch sie werden selbst die schönsten Bauplätze zu einem unbrauchbaren Stück Land. Am Anfang unserer Suche habe ich mir über das Thema überhaupt keine Gedanken gemacht ... Das erinnerte mich an den Vorstoß meiner Fraktion im Mühlacker Gemeinderat vor 13 Jahre für schlanke Bebauungspläne. Der Antrag versandete. Ja, wenn eine Verwaltung nicht will! Mich dünkt, die Bebauungspläne werden immer detailwütiger aufgestellt, brauchen mehr Zeit. Die Vorlagen für die Stadträte bei einem Bebauungsplanverfahren gibt's pfundweise. Hier eine vom Gesetzgeber verlangte Untersuchung, dort noch eine Prüfung und  der Planer will sich noch verewigen. Hier erwächst daraus eine Vorschrift, dort ein Hinweis. 
Zudem soll möglichst viel geregelt werden, denn irgend ein Nachbarschaftsstreit kommt bestimmt - da kann dann jede Seite auf "ihre" Regelung pochen. Gleichzeitig wollen Politiker die Vorschriften entrümpeln - doch Achtung: Lässt jede Entbürokratisierung die Zahl der Vorschriften nicht sogar noch wachsen? Wir brauchen aber nicht dicke Bebauungspläne, sondern Bauplätze. Der Run darauf ist ungebrochen. Wir können als Kommune nicht so schnell liefern, wie nachgefragt wird. Im zweiten Bauabschnitt am Sommerberg und in Aischbühl-Ost hätten wir die Grundstücke mehrfach verkaufen können. Für 28 städtische Bauplätze im "Pforzheimer Weg" im Stadtteil Großglattbach lagen zeitweise bis zu 80 Vormerkungen vor.
 Mühlacker braucht teilweise zu lange für seine Bebauungspläne. Zu empfehlen ist das Wiernsheimer Zeit-Maß - unsere Nachbarn benötigen eineinhalb Jahre vom Aufstellungsbeschluss bis zur Erschließung, und die Gemeinde kauft die Fläche auch noch vorher auf, veräußert mit einer Überbauungsverpflichtung. Ein Kurs, den Mühlacker noch nicht eingeschlagen hat (uns fallen Bauplätze vor allem durch den Flächenabzug zu). Die Folge: Aktuell stehen in der gesamten Stadt 219 voll erschlossene private Grundstücke dem Markt nicht zur Verfügung, werden für die Enkel zurückgehalten oder nicht verkauft, "weil wir das Geld nicht brauchen". Zusammn sind dies 126.328 Quadratmeter (hier die neueste Vorlage der Stadtverwaltung dazu: 2016-12-15_GR_Top11_Vorlage1.pdf "Bebauungspläne pfundweise" vollständig lesen