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Bä's kunterbuntes Wochen-Allerlei (4)

Von 228 Flurstücken im Naturschutzgebiet Felsengärten in Mühlhausen an der Enz befinden sich sechs Flurstücke im Eigentum des Landes Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Drei der nicht verpachteten Flächen werden im Auftrag der Naturschutzverwaltung gepflegt.  Aber auch eines, das ihr gar nicht gehört. Jetzt räumte die Behörde die Panne ein. Das Regierungspräsidium Karlsruhe muss meinem früheren Fraktionskollegen aus Mühlhausen, Wolfgang Schreiber, dankbar sein, dass er auf seiner Meinung beharrt hat. Sonst würde die Behörde womöglich noch jahrelang das falsche Grundstück pflegen lassen.  Das RP ist eben weit weg, sollte deshalb den Kundigen vor Ort mehr vertrauen. Andererseits: Fehler sind menschlich und selbst in unserer Mittelbehörde sitzen eben auch nur Menschen.

Auto-Kennzeichen schaffen, ja verstärken sogar noch die Identität der Menschen mit ihrer Stadt und ihrem Landkreis.  Eine Untersuchung des Ludwig-Uhland-Instituts an der Universität Tübingen belegt dies.Weshalb nutzt der Enzkreis diese Chance immer noch nicht und lässt sich nicht das Kürzel ENZ genehmigen - zusätzlich zu PF für Pforzheim. Dieses Fazit im Blog findet Zustimmung. Dies wird auch durch Diskussionen in den sozialen Medien bestätigt, nachdem ich eine kurze Meldung auf meinen Seiten geteilt habe. Das Thema bewegt die Menschen. Hoffentlich auch bald die Kreispolitik. 

Nicht nur in Prag, sondern auch in der Frauenkirche in Lienzingen steht eine Pieta. Ein Plakat des Stadtmuseums Jena.

Neues Schuljahr, neue Klagen wegen Eltern-Taxis, die vor Schulen und Kindergärten in kurzer Zeit für kurze Zeit massiv auftreten. Jetzt eröffnete das Verkehrsministerium Baden-Württemberg den Kommunen die Möglichkeit, hier verstärkt lenkend einzugreifen. Mit einem neuen Erlass schafft das Land rechtliche Grundlagen, damit Kommunen Schulstraßen und Schulzonen einfach, rechtssicher und ohne großen bürokratischen Aufwand einführen können. Schauen wir mal, wie die Straßenverkehrsbehörden der Städte und Gemeinden das Instrument nutzen. Der Schulweg soll jedenfalls sicherer werden.

Deutschlands größtes Kulturevent nennt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 14. September. Es lohnt sich, auf die Web-Seite der Stiftung zu gehen und zu schauen, wo welche Angebote gemacht werden. Hier hilft auch eine eigene App. Lienzingen allein hat 80 Kulturdenkmale, die zweithöchste Zahl im Enzkreis nach Knittlingen. Stationen der lokalen Denkmal-Tour sind die Frauenkirche mit der Pieta, der Uhlandbau und die Evangelische Albanikirche in Mühlhausen. 

 

 

Von 2 bis 5

Heute Frauenkirche-Dienst. Nach dem bisher immer gleichen Ablaufplan: Hans-Peter Walther vom HAV übernimmt die ersten, ich die zweiten eineinhalb Stunden. Formal, denn sie überschneiden sich und wer bricht schon gerne ab, wenn gerade ein halbes Dutzend Zuhörer einem lauscht. Von 2 bis 5:  Pietà und die jahrhundertealte ehemalige Wallfahrtskirche des Klosters Maulbronn in Lienzingen. Zum Anschauen, Begreifen, Staunen, zur inneren Einkehr, zum Fragen, zum Umhergehen und dabei  in die letzte Nische blickend. Heute zum vierten Mal in diesem Jahr. Extra-Öffnungstermine für alle, die sich die Kirche nicht nur bei Begräbnisgottesdiensten oder Konzerten gönnen wollen. Bleibt sie ansonsten geschlossen? Diese Frage stellte sich im Spätherbst 2022 heftig nach der Enthüllung der Marienstatue aus Holz, ein Duplikat des um 1460 in der Frauenkirche aufgestellten, irgendwann kopflos gewordenen und daher eher unterschätzten Originals. Wie halten wir – Stadt Mühlacker als Eigentümerin der Kirche und der Historisch-Archäologische Verein (HAV) als Ideengeber für das Pietà-Projekt – es mit den Menschen, die sich interessieren? Schnell war die Richtung klar.  Kirche offen – heißt es nun an mehr als einem halben Dutzend im Jahr an einem Sonn- oder Feiertag. Wie heute an Maria Heimsuchung. An all den drei Stunden sind Menschen in diesem Kleinod des Spätmittelalters. Sie sitzen auf einem der Stühle vor der Pietà, berührt von der Statue der Mutter Gottes mit dem toten Jesuskind, schweigen, beten still, meditieren. Innere Einkehr. Inmitten eines Gotteshauses, das allein schon für sich etwas Besonderes ist. In dem selbst hektische Menschen zur Ruhe kommen. Ach, ist schon 5 vorbei. Ich mag gar nicht aufstehen. Sinniere, genieße die Ruhe wie eine Besucherin nebenan. Doch dann: Licht aus, die schwere Holztüre auf der Nordseite abschließen. Weshalb hatten wir (oder andere) die Idee nicht früher?

PS: Wallfahrt und Marienverehrung in der Liebfrauenkirche in Lienzingen, Vortrag von Dr. Andreas Butz, landeskirchlicher Archivar, am Freitag, 14. Juli 2023, 19:00 Uhr, Frauenkirche. Veranstalter: Regionalgruppe Stromberg-Mittlere Enz des Schwäbischen Heimatbundes (SHB) in Kooperation mit der Stadt Mühlacker. Eintritt frei. Anmeldungen unter 07043 900186 oder per Mail an luise.lettmann@t-online.de . Da gibt es auch Antworten, die ich heute schuldig bleiben musste… (bä)

Gelungene Premiere in der Frauenkirche: Zur Pietà eingeladen

Bewundert: Pietà-Replik in der Liebfrauenkirche in Lienzingen

Pietà - Prominenz aus Lienzingen. Doch meist bleibt die Holztüre in ihrem neuen Heim verschlossen. Wer sie sehen will, ist weitgehend auf Konzerte oder Begräbnisgottesdienste angewiesen, die in der der Stadt Mühlacker gehörenden Frauenkirche stattfinden und für die sie aufgeschlossen wird. Pietà als Nebeneffekt. Mir war das zu wenig.

Heute gab es den ersten offiziellen Besuchstag, ganz der Mutter Gottes gewidmet. Und der war gefragt.

Eine Idee wird zum Programm: einmal im Monat an einem Sonntagnachmittag wegen der  Pietà die Lienzinger Frauenkirche öffnen. Das wär’s doch!  Buchstäblich aufzuschließen. Die Replik von Maria, der Mutter Gottes mit dem toten Jesus in den Armen, interessiert nicht nur, sie berührt die Menschen. Seit November 2022 steht die vom Bildhauer Thomas Hildenbrand geschaffene Statue aus Holz links vom Chor auf einem Podest.

Zusammen mit Hans-Peter Walther vom Historisch-Archäologischen Verein (HAV) Mühlacker entstand der Vorschlag für regelmäßige Pietà-Sonntage in der Frauenkirche, ehemalige Wallfahrtskirche des Klosters Maulbronn – doch wer hat den Schlüssel, ist die Stadt überhaupt einverstanden, wer haftet…?

Kruzifix wurde 1977 gestohlen

Die Idee und der Wunsch, die Frauenkirche für die Öffentlichkeit zur Besichtigung der Pietà-Replik zu öffnen, sind bei der Stadtverwaltung auf große Begeisterung gestoßen. Antworten gab prompt Museumsleiterin Dr. Martina Terp-Schunter, die die Idee noch verfeinerte. Nicht ein einziges mal im Monat, sondern an bestimmten Tagen, die meist eine Bedeutung für die Marienverehrung haben:  Karfreitag. Deutscher Museumstag, Maria Heimsuchung (2. Juli), Himmelfahrt (15. August)  und Sonntag nach Maria Himmelfahrt, Maria Empfängnis (8. Dezember). Fünfmal also im Jahr, jeweils von 14 bis 17 Uhr. 

Der nächste Termin: Museumstag, 21. Mai 2023, 14.00 bis 17.00 Uhr. 

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Die Lienzinger Pietà

Das Original geht zunächst auf Reisen - zuerst Karlsruhe, dann möglicherweise Paris. Das Dublikat indessen fand heute Abend seinen endgültigen Platz: in der Frauenkirche. Die  Lienzinger  Pietà. In sechs Blog-Texten wurden die unterschiedlichsten Aspekte beleuchtet, die Akteure vorgestellt. Wie vor fünf Jahrhunderten berührte die Enthüllung der Statue die Menschen. Faszinierend der Rahmen.  Der Chor der um 1485 errichtete Wallfahrtskirche in wechselnde Farben getaucht - zuerst blau, dann rot. Stimmungsvoll präsentierten Stadt und Historisch-Archäologischer Verein die Wiederkehr der Mutter Gottes in das Maria geweihte Gotteshaus, das der Kommune gehört.

Intakt: die Replik der Pietà, die heute Abend in der Frauenkirche aufgestellt wurde.

Zuerst in blau (Bürgermeister Winfried Abicht am Mikrophon) ...
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Das wieder entdeckte Wochenende

Besonderes Flair: der Konrad-Adenauer-Platz als Festles-Quartier - auch in der Schräge

Ob nun die Bauarbeiten an der neuen Herrenwaagbrücke, die Rückkehr einer gewissen Normalität nach Corona oder ob andere Gründe mit hineinspielten: Das letzte Wochenende der Sommerferien 2022 war lebendig wie vormals der Pandemie. Und so ganz nebenbei setzte es auch neue Akzente. Manchmal schadet es eben nicht, wenn etwas neu gedacht werden muss.

Beispiel Straßenfest:

Premiere im 47. Jahr: Der Fassanstich durch den OB vor dem Rathaus auf dem Kelterplatz (Fotos: Günter Bächle)

Die Festmeile - wenn auch diesmal merkbar kürzer und durch gewerbliche Fahrgeschäfte auf eine Mindestgröße gebracht - quasi im Stadtzentrum zu beginnen, war richtig. Als 1975 das erste Straßenfest in Mühlacker stattfand, fehlte noch die neue Stadtmitte, die junge Große Kreisstadt hatte sich gerade nach der letzten Eingemeindung, der von Lienzingen, neuformiert. Das Straßenfest konzentrierte sich auf Waldenserstraße und angrenzende Straßen und Plätze in Dürrmenz.  So blieb es, so schrumpfte die Zahl der teilnehmenden Vereine. Höchste Zeit, auch Neues zu wagen, wenn auch auf sanften Druck von außen.

Der Fassanstich gehört auf den zentralen Platz der Stadt wie sich am Samstag zeigte, den Konrad-Adenauer-Platz zum Festquartier mit eigener Note und dem Flügelschlag zu machen, nicht zuletzt das vergessene Plätzchen hinter der historischen Kelter erstmals zu nutzen, das alles waren für mich Pluspunkte dieses 2022-er Konzepts. Auf das 2023-er dürfen wir gespannt sein. Dahinter zurück darf es nicht. Wer Tradition bewahren will, muss zu Veränderungen bereit sein.

Wir treffen uns am Hurgler hinter der Kelter. So hatte Sender-City geworben. Dieser kleine Park ist etwas ganz besonderes und in einer Woche werden wir seiner Geschichte endlich mal wieder gerecht. ????????Hurgelt euch schon mal ran . . . Leider nur am ersten Tag, doch immerhin.

Der Weinhurgler geht auf eine Spendenaktion des verstorbenen Stadtrates, meines liebeswürdigen Fraktionskollegen  Dr. Detlef Gebauer zurück, die Stadt hatte auch einen Teil der Kosten übernommen, nachdem der Spendenstrom etwas gestockt hatte. 

 

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Pietà in der Röhre

Alte Dame und supermoderne Computerwelt: 42 Stunden lang musste die mehr als 500 Jahre alte und zudem ordentlich lädierte Pietà  aus der Frauenkirche Lienzingen in der Röhre ausharren. Jetzt ist die traurige Mutter Gottes virtuell in Schichten zerlegt. Ein gewaltiger Datenberg wuchs heran.  Über das spätgotische Skulpturenfragment, ihren inneren Zustand (Holzwürmer!) und ihre neue Beweglichkeit plauderte heute Dr. Michael Böhnel, Fraunhofer­ Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Fürth zum Abschluss einer sechsteiligen Veranstaltungsreihe der Volkshochschule Mühlacker.

Das Duplikat der Skulptur aus der Frauenkirche, aber mit Gesicht: Maria, ihren toten Sohn Jesus auf dem Schoß tragend. Die Arbeit von Bildhauer Thomas Hildenbrand (Foto: Günter Bächle_Juli_2022)

Die 1,60 Meter hohe Skulptur aus Lindenholz gehört zu jener Gattung von Kandidaten, die das Maß für einen normalen Computertomographen sprengen. Extra für solch große und schwere Fälle unterhält das Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) des Fraunhofer Instituts e.V. in Fürth seit Jahren eine hochmoderne CT-Anlage, eingesetzt auch für einzigartige Kunst­ und Kulturgüter. So soll  eine zerstörungsfreie Analyse des Aufbaus und der inneren Strukturen ermöglicht werden. Das Institutsteam ermöglicht einen Einblick in die aktuelle CT­Technik und Resultate spannender Objekte aus den Bereichen der Paläontologie, Archäologie und musealen Sammlungen, heißt es denn auch auf der Web-Seite des Instituts.

 

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Der junge Bildhauer und die alte Dame aus der Sakristei

Eigentlich erwartete Thomas Hildenbrand zwar eine in die Jahre gekommene, aber doch recht kleine Dame. So überraschte ihn, wie er jetzt  bekannte, das Längenmaß von einem Meter und 60, als er sie erstmals sah. Die Pietà  aus der Lienzinger Frauenkirche, inzwischen im Heimatmuseum Mühlacker zuhause, war für ihre Zeit, Ende des 15. Jahrhunderts, recht groß, so der Bildhauer am vierten Abend einer Vortragsreihe der Volkshochschule Mühlacker im Museum in der historischen Kelter. 

Thomas Hildenbrand in der historischen Kelter in Mühlacker.

Daran ändert sich auch nichts, dass die Figur - Mutter Gottes und Jesus - inzwischen kopflos ist, seiner Vermutung nach ein Opfer der Bilderstürmerei in den wirren Folgen der Reformation. Noch eine seiner Annahmen: Die Pietà ist ein Produkt der rheinländischen Bildhauerkunst des späten Mittelalters, in Auftrag gegeben vom letzten Abt des Klosters Maulbronn, Johann von Lienzingen für die Muttergottes Maria geweihte Wallfahrtskirche der Zisterzienser in seinem Heimatdorf. Das war vor mehr als einem halben Jahrtausend. Der Künstler? Unbekannt!

Kopie zwei Wochen später. Stand: 2. Juni.
Pietà-Duplikat. Stand: 20. Mai 2022 ...

Etwa 1486 hielt die Pietà Einzug in die Feldkirche, bunt bemalt, stand sie zunächst wohl vor dem Chor, fristet dann in den letzten Jahrzehnten vor ihrem Umzug nach Mühlacker 1977 ein tristes Dasein in der Sakristei - gleich neben den Särgen mit den Toten vor ihrem Begräbnis auf dem Friedhof. 

Der Lack war ab.

Pietà heißt Mitleid. Und das hatte der Historiker Dr. Andreas Butz, als er in seinen Recherchen für das Ortsbuch von Lienzingen, 2016 erschienen, auf die vergessene hochbetagte Dame stieß und quasi die Rettungsaktion.

Bald - wohl am 11. September 2022 - wird die Lienzinger Pietà  wieder in die Frauenkirche an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren - genauer eine Replik davon, aber wieder mit Kopf. 

Stand: 30. Juni 2022.

Im Gespräch: ein Platz vor dem Chorraum - ob das der ursprüngliche war? Ein Rest Unsicherheit bleibt. Für die Besucher wäre dieser aber immer im Blickfeld.  Ein schönes Chorgestühl befand sich noch bis zum, Jahr 1796  in der Kirche, wo es von den hier lagernden österreichischen Soldaten verbrand wurde, schrieb 1911 der Lienzinger Pfarrer Mildenberger mit Bezug auf die Oberamtsbeschreibung Maulbonnn. Und er fügte hinzu: Eine arg verstümmelte in Holz geschnitzte Madonna mit dem Leichnam Jesu ist noch vorhanden. Mildenberger war neben Schultheiß Fallscheer Vorsitzender des Vereins für Erhaltung der Frauenkirche und des Friedhofs.

Zurück ins Jahr 2022: Das Original bleibt im Mühlacker Museum. Ende Juni möchte Hildenbrand das Duplikat fertig geschnitzt haben - aus einem einzigen Lindenholzblock von der Schwäbischen Alb. So ganz dürfte sein persönlicher Terminplan aber dann doch nicht aufgehen.

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Farbenprächtige Lienzinger Pietà

Die Lienzinger Pietà in ihren Anfangszeiten. Farben von Hannah Backes aufgrund der von ihr am Torso noch gefundenen Reste rekonstruiert (Quelle: Präsentation der Ergebnisse bei der VHS-Veranstaltung am 28. April 2022 in der historischen Kelter in Mühlacker)

So prächtig dürfte sie ausgesehen haben, die Pietà aus dem Chor der Frauenkirche, rekonstruiert aus den Farbenresten des Originals. Das Geheimnis lüftete gestern in der historischen Kelter in Mühlacker Hannah Backes. Sie schrieb ihre Masterarbeit im Fach Konservierung und Restaurierung von Gemälden und gefassten Skulpturen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart über die geheimnisvolle Lienzingerin.

Hannah Backes, aufgewachsen in der Nähe von Trier, wechselt jetzt beruflich an die Documenta in Kassel. Sozusagen zwischen Umzugskartons und -terminen lieferte sie im Heimatmuseums Mühlacker komprimiert die in ihrer Meisterarbeit dargestellten Forschungsergebnisse ab - innerhalb der sechsteiligen Veranstaltungsserie der Volkshochschule mit diesmal deutlich höherer Besucherzahl als beim ersten Termin vor einer Woche.

Kunsthistorische Aufarbeitung und kunsttechnologische Untersuchung eines spätgotischen Skulpturen-Fragments nennt sich das Projekt. Pietà steht für Frömmigkeit und  Mitleid, unsere Herrin vom Mitleid. Auch Vesperbild genannt, ist es in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Das wohl bekannteste Beispiel schuf Michelangelo. Doch die Pietà im Petersdom ist aus Marmor gefertigt.

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Die Pietà, der unterschätzte Schatz aus der Frauenkirche - Bald in Paris zu sehen?

Vergessen, unterschätzt, nicht beachtet, nicht einmal einen Hinweis erschien sie wert zu sein: die etwa einen Meter und sechzig Zentimeter hohe Skulptur aus der Frauenkirche in Lienzingen. Als aus dem Gotteshaus inmitten des Lienzinger Friedhofs 1977 das Altarkruzifix gestohlen wurde - das dem in der Maulbronner Klosterkirche ähnlich sah - und bis heute verschollen ist, ließ die Stadtverwaltung dieses Holz-Kunstwerk sicherheitshalber ins Heimatmuseum nach Mühlacker transportieren.

Die Pietà im Mittelpunkt der offenen Werkstatt in der historischen Kelter in Mühlacker. Erster Vortragsabend mit knapp zwei Dutzend Besucher - es könnten mehr werden. Links Martina-Terp-Schunter, die Museumsleiterin (Foto: Günter Bächle).

Vorher stand sie in der Sakristei, in der bis zum Bau der Leichenhalle die Särge mit den Toten vor der Beerdigung aufgebahrt wurden. Das war also nicht gerade der Umschlagplatz für Besucher der ehemaligen Wallfahrtskirche des Klosters Maulbronn. Und so fristete die Pietà im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. Nicht viel anders erging es ihr im Museum in der historischen Kelter in Mühlacker: In einer Vitrine im Obergeschoss, ohne Beschriftung. 

Doch dann entdeckten Mitglieder des Historisch-Archäologischen Vereines um Wolfgang Rieger und Hans Peter Walther den unterschätzten Schatz. Seitdem steht er im Mittelpunkt kunsthistorischer, fast schon kriminalistischer Spurensuche. Ist die Pietà aus der Frauenkirche, eine Skulptur mit Maria, die ihren am Kreuz gestorbenen Sohn Jesus in den Armen hält, wenn auch kopflos bald als Leihgabe im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe und im Centre Pompidou in Paris zu bestaunen? Gespräche laufen jedenfalls.

Jedenfalls beeindruckt ein Hinweis des HAV besonders: Die Pietà stehe seit der Einweihung der Liebfrauenkirche  ums Jahr 1486 in eben dieser.  Wer schlug dem jetzigen Torso einst den Kopf ab? Bilderstürmer in der Reformation? Österreichische Truppen, die 1796 in dem Gotteshaus ihr Quartier aufschlugen und das Gestühl verbrannten?

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Liebfrauenkirche in Lienzingen - herausragendes Beispiel für die Bedeutung der Wallfahrt im Nordschwarzwald

Frauenkirche Lienzingen (alle Fotos: Günter Bächle)

Am südlichen Ortsrand von Lienzingen steht in erhöhter Lage eine ehemalige Wallfahrtskirche, die seit dem späten 15. Jahrhundert existiert und der Ausdruck der spätmittelalterlichen Marienverehrung im Raum Pforzheim ist. Die ältesten Bauteile befinden sich im westlichen Bereich des Langhauses. Dieses wurde dem Stil des Westportals nach zu urteilen, möglicherweise bereits im Zeitraum von 1400 bis 1420 errichtet. Johann Riescher von Ladenburg, der von 1476 bis 1482 Abt des Klosters Maulbronn war, ließ die Kirche ausbauen, sodass sie ihre heutige Gestalt erhielt. Zunächst wurde von 1476 bis 1478 das Langhaus nach Osten erweitert. Offenbar bildete diese Osterweiterung des Langhauses zunächst auch den Abschluss der Kirche, sodass die Ostwand des Langhauses nun zugleich als Chorbereich genutzt wurde.

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