Enzberg: Der wort-lose Stein und die Originaltüre der alten Schule aus der Kaiserzeit

Auf kleiner Historientour durch Enzberg: altes Schulhaus aus der Kaiserzeit, dann der wortleere Stein im Höhen-Weiler Sengach. Was wird nach dem jüngsten Eigentümerwechsel aus dem alten Enzberger Schulhaus? Nach einem gemeinsamen Ortstermin mit unserem rührigen christdemokratischen Ortsverband Enzberg brachte ich im Gemeinderat eine Anfrage zu dem Gebäude Dr. Simons-Straße 12 ein. Wir müssen auf bauliche Zeugnisse unserer Ortsgeschichte achtgeben und sie wertschätzen.

Vor der Originaltür des 1907 erbauten Schulhauses in Enzberg (Foto: Daniela Steudle, Dr. Peter Metz, Günter Bächle und Sascha Werner, v. l.)

Alte Schule: Das Gebäude Dr.-Simons-Str. 12 steht nach Angaben der Stadtverwaltung auf eine frühere Anfrage von mir als Gesamtanlage unter Schutz. In der Denkmalliste heißt es demnach: Dr.-Simons-Straße 12, 12/1, 16 Schule, Toilettengebäude – vor zehn Jahren abgebrochen, wie Altstadtrat und Nachbar Dr. Peter Metz beim Lokaltermin erläuterte - und Lehrerhaus. Am Eingang der Schule ist noch erhalten der Schriftzug Schulhaus Enzberg Erbaut 1907, die Eingangstür ist im Originalzustand, am Lehrerwohnhaus heißt es auch 1907. Das Gebäude diente bis 1935 als Schulhaus. Die Kommune hat dann seinerzeit an der Schiedstraße eine neue Schule errichtet, in der seit 2007 das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung – die Enzberger Schule - untergebracht ist, das sich vor allem an Kinder aus dem Enzkreis und der Stadt Pforzheim richtet. Bei der Einweihung 1935 benannte der Gemeinderat die Schule nach Adolf Hitler (nach 1945 Waldschule).

Fassade zur Dr.-Simons-Straße

Prägnant bei der Immobilie Dr. Simons-Straße 12, seit 1951 in Privatbesitz: das hohe Walmdach mit einer Gaube zur Straße hin. Der Massivbau mit Steingewändern umlaufend an Fenstern und Eingangstüren, hat zudem eine große Treppenanlage mit Zwischenpodest im Inneren, verfügt über hohe und große Räume, steht derzeit leer, war zuvor für Industriezwecke und im oberen Geschoss fürs Wohnen genutzt worden.

Nach einem Eigentümerwechsel rückte das historische Gebäude auch bei den anderen Anwohnern der Straße verstärkt ins Blickfeld. Immer wieder würden Dachziegel zu Boden fallen. Ein Blick aufs Dach zeige, dass Ziegel locker seien. Ist der denkmalrechtliche Antrag inzwischen gestellt worden, welche Nutzung in dem Kulturdenkmal stattfinden solle, ob der Anbau im rückwärtigen Bereich einstmals mit Zustimmung des Landesdenkmalamtes (LDA) erfolgt sei und dieser bleiben werde, welchen Stellenwert das LDA dem alten Schulhaus einräume – das alles sind Inhalt meiner Anfrage an die Stadtverwaltung.

Leerer Gedenkstein im Sengach: Schon einmal Thema im Blog, nämlich am 25. Oktober 2009. Die Geschichte eines rätselhaften Gedenksteins im östlichen Teil des Weilers Sengach. Er steht inmitten einer Hagbuchhecke. Allerdings ist der Zweck des Steins - Adresse Hauptstraße 35 – vor Passanten nicht auf einen Blick erkennbar. Im Erfassungsbogen des Kreisarchivs Enzkreis aus der Dokumentation der Kleindenkmale (Signatur X 15, 154-121), ausgefüllt von Erika und Oswald Schneider aus Enzberg am 9. März 2004, heißt es: Unvollendetes Kriegerdenkmal, erbaut aus Bundsandstein zwischen 1920 und 1925. Der im Schotterbett stehende Sockel ist einen halben Meter hoch, 1,55 Meter tief und 1,90 Meter breit. Darauf sitzt der 1,40 Meter hohe Sandstein – 1,07 Meter breit und 72 Zentimeter tief.

Der wort-lose Stein im Sengach

Der Stein, 1935 vom Sengacher Ortsvorsteher Karl Engel als Kriegerdenkmal für die vom Sengach stammenden Gefallenen des Ersten Weltkrieges initiiert, hat eine eigenartige Geschichte. Der Gemeinderat von Enzberg wollte dieses Vorhaben aus finanziellen Gründen nicht unterstützen und verlangte einen Plan vor Beginn der Arbeiten (GR-Protokoll vom 25. März 1935). Engel handelte jedoch eigenmächtig, ließ den Stein vorläufig ohne Namenstafeln errichten und mit einem Fest im Juni 1935 einweihen. Daraufhin untersagten sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch das Kulturamt der NSDAP-Gauleitung in Stuttgart eine Fortführung der Arbeiten, da das Werk nicht ihren NS-Vorstellungen entsprach und Engel kein Mitglied der NSDAP-Kunstkammer war (GR-Protokoll vom 2. Juli 1935). So wortlos steht der Stein bis heute. Im Stadtarchiv Mühlacker sind sowohl ein Foto des Steins als auch die Umstände seiner Entstehung dokumentiert (FA 14/40). Hier Weiteres zur Historie.

Diskutiert wurde im Herbst 2012 bei der Stadtverwaltung, Wanderrouten zu diesen historischen Stätten zu beschreiben und aufzulegen. Im Rahmen der Beschreibung sollen die Informationen zu Stein und Burg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es ist dabei an Hinweisschilder vor Ort gedacht sowie an Flyer mit Beschreibungen möglicher Wanderrouten. Arbeitstitel für das Projekt vorläufig: Mühlacker Geschichtles-Wegle. Da die Verwaltung zunächst sukzessiv intensiver mit den Vorbereitungen der Gartenschau 2015 beschäftigt war, gedieh die Umsetzung der Projektidee bedauerlicherweise nicht weiter. Sie sollte 2015 wieder aufgegriffen und zu gegebener Zeit auch im Gremium vorgestellt werden. Könnte auch ein bürgerschaftliches Projekt werden.

 

 

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