Ménez-Hom, der heilige Berg - Aus dem Bretonen-Land (3/10)

Beliebt: Der heilige Berg der Bretonen als Start- und Landeplatz für Gleitflieger.

Ménez-Hom, der heilige Berg der Bretonen, hat Symbolkraft für Breizh. Er ist unser erstes Ziel. Mit gewaltigem Rundumblick von 330 Meter aus, der höchsten Erhebung im Land der Bretonen, auf die Crozon-Halbinsel, die Buchten von Brest und Douarnenez sowie das Gebirgsmassiv der Monts d’Arrée. Eine schmale Straße führt bis auf wenige Meter von Süden her an den Berggipfel heran. Dort befindet sich ein steinerner Tisch.

Der Steinblock des Geografischen nationalen Instituts auf dem Ménez-Hom.

Ganz oben eine geschotterte, etwas unebene Aussichtsplattform mit dem „Tisch“, im rückwärtigen Bereich, einen Steinwurf entfernt, ein voluminöser Steinblock, bei dem nur noch ein Teil der eingemeißelten Schrift - darunter die Jahreszahl „1957“ - zu lesen ist und den Kinder gerne zum Klettern benutzen. Deutlich zu sehen ist dagegen ein angeschraubtes ovales Messingschild, angebracht durchs Nationale Institut für Geografie Frankreichs, versehen mit dem Hinweis auf das französische geodätische Netzwerk, weshalb Beschädigungen eine Straftat seien. Es ist wohl ein Punkt der Landesvermessung. Vor Jahren besprühten Bretonen mit Parolen gegen Paris den Stein, sie träumten vom eigenen Staat, untermauerten zeitweise ihre Autonomiebestrebungen mit Waffengewalt. Inzwischen herrscht Ruhe. 

Der Ménez-Hom ist ein erloschener Vulkan, der aus verwitterungsresistentem Quarzit besteht. Er ist der höchste Berg der Bretagne außerhalb des Gebirgsmassivs  der Monts d’Arrée und Bestandteil des Regionalen Naturparks Armoriqu. Der 1969 gegründete Naturpark umfasst eine Fläche von 112.000 Hektar, davon sind 60.000 Hektar Meeresfläche. 39 Gemeinden bilden den Park. Inzwischen ist der Berg auch von Menschen entdeckt worden, die eine leise Sportart betreiben: Wenn das Wetter passt, herrscht buntes Treiben über und um den ehemals heiligen Berg, denn er ist heute ein beliebtes Ziel für Gleitschirmflieger

Seit Jahren fühlen sich auch die Flugmodell-Hobbyisten dort zuhause. Der Ménez-Hom bietet ihnen verschiedene Hänge für Start und Landung in fünf Himmelsrichtungen. Öfters können Besucher des Berges ihnen und ihren Modellen zuschauen, so gestern. Fliegen mit Blick auf den Atlantik findet die Gruppe höchst attraktiv. 

Um Berg mit dem eher kahlen Kopf ranken sich keltische Sagen. Der legendäre König Marc’h von Cornouailles (dessen Name das bretonische Wort für „Pferd“ ist), Opfer eines Fluchs, wurde hier mit Pferdeohren verunstaltet. Nachdem er diese losgeworden war und beschlossen hatte, sich eine Frau zu nehmen, schickte er seinen Neffen Tristan los, um die schöne Isolde – eigentlich für ihn selbst mittels eines Zaubertranks – zu erobern. Daraus entstand die heute bekannte und tragische Liebesgeschichte von Tristan und Isolde.

Angekommen! Am steinernen Tisch
Wenige Kilometer entfernt am Bergesfuß steht die Kirche Sainte-Marie-du-Ménez-Hom, die zur Flächengemeinde  Plomodiern gehört. Ein umfriedeter Pfarrbezirk, typisch für die Bretagne. Erbaut im 17. Jahrhundert. In der Kapelle wurden von September bis Oktober 1943 während der deutschen Besatzung 18 britische und US-Piloten versteckt. Dank der lokalen Bevölkerung und den Widerstandskämpfern des Netzwerks Bordeaux Loupiac gelang allen die Flucht mit Schiffen aus Camaret und Douarnenez nach Großbritannien. Nach einer Woche schwerer Kämpfe gelang es den „Forces Françaises de Bretagne“ den befestigten Ort des Ménez-Hom am 1. September 1944 zu erobern, einen Schlüsselort für die Verteidigung der Halbinsel von Crozon. Viele bretonischen Städte  wurden nach 1945 mit der Medaille der Résistance ausgezeichnet – das Morbihan ist eines der Departements mit den meisten Auszeichnungen in Frankreich. General de Gaulles Appell vom 18. Juni (der bereits am 24. Juni in bretonischer Sprache gesendet wurde) im britischen Sender BBC hatte die Bevölkerung stark mobilisiert:  „Frankreich hat eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg!“  Ob von der Ile de Sein, von Paimpol, Carantec oder vom Fischerhafen Douarnenez aus; hunderte von Menschen setzten 1940 nach Großbritannien über. Sie bildeten den Kern der FFI, die Französischen Streitkräfte des Inneren waren der militärische Arm der Résistance. (Quelle: Projekt „Gedenkorte Europa“ des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933–1945)

Nach dem Rücktritt auf den Ménez-Hom

Charles de Gaulle lebte eine starke Verbundenheit mit der Bretagne. Als er 1968 nach Studentenunruhen und einer verlorenen Volksabstimmung über eine Verwaltungsreform überraschend als Staatspräsident zurücktrat, ging er anderntags in der Frühe auf den Ménez-Hom. Ein Politiker mit Sinn für Symbolik und Dankbarkeit. 1951 hatte de Gaulle ein Komitee zur Förderung der Interessen der Bretagne eingesetzt und sowohl Kultur als auch Sprache gefördert, was sich auch wirtschaftlich positiv ausgewirkt haben soll.

Im Naturpark: Der Ménez-Hom bietet eine bunte Pflanzenwelt, an der sich Naturliebhaber erfreuen können, und phantastische Blicke auf die Bretagne

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