Zukunftsatlas 2016: Enzkreis verliert leicht an Boden


Der Enzkreis verlor an Dynamik. Wer das sagt? Prognos in Basel. Alle drei Jahre nimmt das Basler Forschungsinstitut in einer Studie alle 402 Kreise und Städte in Deutschland unter die Lupe. Das Ergebnis sind Platzierungen anhand von wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren wie Arbeitsmarkt, Demographie, Wohlstand und Innovationen. Der jetzt vorgelegte Prognos Zukunftsatlas 2016 ermittelt die Chancen und Risiken der Landkreise und kreisfreien Städte. Er ist die Aktualisierung und Fortführung der Zukunftsatlanten aus den Jahren 2004, 2007, 2010 und 2013. So besteht laut Prognos das einzige deutschlandweite Ranking, das langfristige regionale Entwicklungslinien erarbeitete. Maßstab: der Zukunftsindex, basierend auf 29 makro- und sozioökonomischen Indikatoren. Zukunftsatlas gibt Orientierung im Standortwettbewerb, so das Institut. Neu ist 2016  der Digitalisierungskompass – das 5-Sterne-Rating zur Digitalisierung als Chance für Regionen. Der Kompass besteht aus drei weiteren Indikatoren, die nicht im Gesamtindex des Zukunftsatlasses enthalten sind. Sie zeigen, wie gut die Regionen beim Thema Digitalisierung liegen. 

Wie schneidet der Enzkreis ab? Wenn wir die Spitze der Kreisverwaltung hören, sind wir vielfacher Klassenbester. So belegt durch den European Energy Award. Und was bringt die Prognos-Studie ans Licht? Der Enzkreis verlor gegenüber 2013 mit Rang 104 leicht an Boden (2013: 94. Platz), erzielte aber trotzdem seinen zweithöchsten Wert seit 2004. Und unsere Nachbarn? Der Kreis Ludwigsburg schob sich auf die 12. Stelle vor und verpasste um einen Platz die Champions League. Wiederum der Kreis Calw machte im Zukunftsatlas einen deutlichen Sprung nach oben (von 212 auf 124). Und Pforzheim? Der Stadtkreis überrundete ganz überraschend den Enzkreis und nimmt nun den 87. Platz ein. Dass Pforzheim als zukunftstauglicher gilt im Vergleich zum Enzkreis wundert angesichts der ständigen Schlagzeilen über die Struktur- und Finanzprobleme der Stadt. Noch ein paar 2016-er Werte, die über dem des Enzkreises liegen: Kreis Böblingen Rang 4, Kreis Heilbronn 16., Kreis Esslingen 21., Rhein-Neckar-Kreis 31., Kreis Tübingen 43, Stadt Karlsruhe 46., Kreis Karlsruhe 47. und Rems-Murr-Kreis 78 Platz. Schlechter steht  der Kreis Freudenstadt (201. Stelle) da. Der 402. und damit bundesweites Schlusslicht: der Kreis Stendal in Sachsen-Anhalt.


Je heller, um so schlechter der Platz. Reproausschnitt: Prognos-Karte

Noch ein Blick auf die einzelnen Parameter beim Enzkreis. Prognos stufte ihn wieder in die Klasse 4 ein: leichte Chancen. Boden verloren hat der Kreis gegenüber 2013 bei der Demographie (265. statt 240. Rang), bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt (von 219. auf 265. Stelle). Das Minus wiegt stärker als das Plus: Wettbewerb und Innovation vom 92. auf den 76. Platz, Wohlstand und soziale Lage von 23 auf 12. Im Stärke-Rang verbesserte sich der Enzkreis vom 88. auf den 76. Platz (Pforzheim 117). Doch bei der Dynamik reicht es nur zum 276. von 402, abgedriftet ins dritte Drittel, während die Stadt Pforzheim 36. ist: Vor drei Jahren galt der Enzkreis noch dynamischer als jetzt, lag aber auch damals schon hinter der Stadt (160. / Pforzheim 101.). Ein dickes Minus. Entscheidend für den Wert-Verlust gegenüber 2013? Das bleibt offen. Müsste man mal Prognos fragen.

Immerhin reicht es bei der Digitalisierung sowohl Pforzheim als auch dem Enzkreis zu drei Sternen.

Gerade noch in das Top-10-Ranking rutscht die Baden-Württembergische Landeshauptstadt. Stuttgart punktet in erster Linie mit einem großen Anteil von Hochqualifizierten, zahlreichen mittelständischen Unternehmen sowie High-Tech-Konzernen. Bundesweit die absolute Nummer 1: der Landkreis München. Die Maße: Demografie 86., Arbeitsmarkt 5., Innovation und Wohlstand je 2., Stärke-Rang 1., Dynamik 14. Deutschlandweit am dynamischsten ist Ingolstadt, auch Primus bei der Innovation. Den jeweils ersten Rang halten die Stadt Heidelberg (Gesamtrang 14), bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt, die Stadt Leipzig (Gesamtrang 137) bei der Demographie, der Landkreis Starnberg (Gesamtrang acht) bei Wohlstand und soziale Lage. Es könnte sich lohnen, die Besten zu befragen. 

"Was auf den ersten Blick aussieht wie eine harmlose Wetterkarte, ist tatsächlich ein Dokument, das die Spaltung des Landes illustriert: Im Süden leuchtet es orange und blau – die Farben stehen für Reichtum und eine prosperierende Zukunft. Der Osten hingegen und Teile von Norddeutschland werden dominiert vom kalten Schwarz der Perspektivlosigkeit. Reicher Süden und ärmerer Norden, soziale Probleme in ehemaligen industriellen Zentren wie dem Ruhrgebiet und ostdeutsche Regionen, die von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt sind." So beschreibt DIE WELT die Lage der Nation. Diese Befunde sind nicht neu, bemerkenswert sei aber, dass diese Unterschiede sich verfestigen, sagt Studienleiter Peter Kaiser: "Die Entwicklung, die wir seit zehn Jahren beobachten, verstetigt sich: Das Gefälle zwischen Nord und Süd ist weiterhin groß. Der Abstand des Südens vom Rest der Republik ist immens, und die anderen Regionen haben es seit 2004 nicht geschafft aufzuholen."

So gesehen geht es uns gut im Enzkreis. Entscheidend ist immer der Blickwinkel. Trotzdem: Wie kann der Enzkreis dynamischer werden?

Trackbacks

Trackback-URL für diesen Eintrag

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!


Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.