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Was es nicht alles gab: Lienzingern impotenten Ziegenbock untergejubelt

Ziegen, Bock und Halter - einst in einem Bauerndorf wie Lienzingen auch ein kommunalpolitisches Thema.

Treueprämie für Farren- und Eberhalter Eberhard Pfullinger anno 1969: 100 Mark und ein Geschenkkorb, denn fast 45 Jahre lang waren vor allem die Ställe der Landwirtsfamilie die Luststätten für  viele Vierbeiner. Sauen und Rinder. Höchst notwendig in einem Bauerndorf. Das zeigen Zahlen über die Viehhaltung in Lienzingen: 1950 (in Klammer: 1961) Pferde 50 (20), Rinder 420 (477), Schweine 273 (217). Die Statistik wies die Zahlen von Schafen und Ziegen nicht aus (aus: Konrad Dussel, Lienzingen, Altes Haufendorf - moderne Gemeinde, 2016, Verlag Regionalkultur, S. 206).

Bei mehr als hundert landwirtschaftlichen Betrieben im Dorf  gehörten deren Anliegen zum festen Teil der Kommunalpolitik, sie schlugen sich in Themen nieder, die heutzutage eher skurril wirken oder ein Schmunzeln abringen. Tiernachwuchs als kommunale Pflichtaufgabe.  Noch keine künstliche Besamung gab's, die tierische Weiblichkeit wurde dem Bock, Eber oder Farren - letzterer ein geschlechtsreifes männliches Hausrind - zugetrieben. Für sie alle galt: Allzeit bereit.


In den Lienzinger Geschichte(n): Bock-, Eber- und Farrenhaltung - eine Kommunalaufgabe: mal heiter, mal ernst, mal skurril. Bulle Planer wegen Bösartigkeit abgeschafft, Verletzung beim Liebesakt brachte Farren in den Schlachthof, nichtöffentlicher Streit im Gemeinderat sprach sich im Flecken herum. Mühlacker Bock betörte auch Lienzinger Ziegen-Damen. Dies und weitere Details wie Pfullingers Ställe als tierische Luststätten in der Blog-Serie.


So stehen im Protokoll der

  • Gemeinderatssitzung vom 14. April 1948 unter § 6, Wiese für die Bockhaltung, und als § 8, Farrenhaltung,

zwei Mitteilungen des Bürgermeisters:

- Wegen der Verwendung der seitherigen Bockwiese als Sportplatzgelände sei die Frage der Gewinnung eines Ersatzgrundstücks akut geworden. Es solle versucht werden, von dem Pächter Gotthilf Bristle (wahrscheinlich: Brüstle, Anm. d. Verf.), hier, eine von ihm von der Gemeinde gepachtete Wiese im Illinger Tal zurückzugewinnen.

- Eine Farren-Hauptkörung finde am 20. Mai 1948 statt. Zur Vornahme der Farrenschau wurden beauftragt: Ortsobmann Bonnet sowie die Gemeinderäte Häcker und Ross (wahrscheinlich: Roos, Anm. d. Verf.) (STAM, Li B 323,  S. 82).

  • GR 20. Juli 1957, § 7, Ergebnis der Farrenkörung

Die Farren stehen in guter Pflege, bescheinigte das Staatliche Tierzuchtamt Ludwigsburg bei ihrer Körung am 9. Juli 1957 laut Ratsprotokoll. Der vor zwei Jahren abgekörte Farren Kuno sei wieder in die Zuchtwertklasse II einbezogen worden. Dagegen habe leider der am 14. September 1956 in Herrenberg gekaufte Farren Proteus L 1099/5 wieder abgeschafft werden müssen, da er sich zu seinem Nachteil entwickelt habe. Welcher Art dieser Nachteil war, wird in den Aufzeichnungen über die Sitzung nicht erwähnt (STAM, Li B 325, S.157).

Selbst den Kauf eines Ziegenbockes mussten die Gemeinderäte genehmigen. Das geschah zum Beispiel in der Sitzung am 5. September 1958 (§ 5). Der Kaufpreis: 470 Mark und 25 Pfennige. Bockhalter und Landwirt Artur Benzenhöfer hatte Ende August bei einer Versteigerung in Heilbronn den Bock der Zuchtwertklasse III erstanden, sozusagen der Gemeinde-Bock, dem die Ziegen aus dem Flecken zwecks Nachwuchszeugung zugeführt wurden (STAM, Li B 325, S. 224).

Verpflegungs- und Sprunggeld

Den Ziegenbockhalter entlohnte die Kommune mit Verpflegungsgeld für das Tier und Sprunggeld. Einen neuen Vertrag über die Entlohnung genehmigte der Gemeinderat am 9. November 1951, ebenso eine Vereinbarung mit Farren- und Eberhalter Pfullinger, dem sozusagen als Fressensgeld  360 Mark pro Eber zugebilligt wurden plus 80 Mark Nutzungsentschädigung für 79 ar und 14 qm Wiesen. Da Landwirt Pfullinger den Farren Profoss der Zuchtwertklasse III selbst aufzog, dessen Wert bei der Körung mit 1350 Mark ermittelt wurde, entschädigte ihn die Gemeinde mit einem Viertel des Betrags und somit 337,50 Mark. Worauf noch zurückzukommen sein wird (STAM, Li B 324,  S. 103).

Übrigens: Am 16. Juni 1959 verabschiedete der Gemeinderat eine Farrenstallordnung nach einer auf Landesebene erarbeiteten Muster-Ordnung (STAM, Li B 325, S. 270).

  • Impotenter Ziegenbock sorgte für Streit mit Zaisersweiher: Gemeinde Lienzingen fühlte sich vom Nachbarn hereingelegt und forderte 300 Mark Schadensersatz

Einen delikaten Fall verhandelte der Gemeinderat am 15. Dezember 1952 gleich unter dem ersten Punkt der Tagesordnung. Der Ziegenbock-Tausch mit Zaisersweiher endete im Streit - denn die Nachbarn hatten ihren impotenten Bock den Lienzingern untergejubelt. Bis dies der Lienzinger Bockhalter bemerkte, war es zu spät. Daraufhin recherchierte er heftig und kam zum Ergebnis: Die machten's mit Absicht. Was blieb, war eine Schadensersatzrechnung, die im Zaisersweiher Rathaus landete. Dem Protokolleintrag zu § 1 von Bürgermeister Richard Allmendinger über die Sitzung, zu der sich drei der acht Gemeinderäte hatten entschuldigen lassen, entbehrt nicht einer gewissen Komik, die sich zur allgemeinen Heiterkeit auswachsen kann. Hier im Original:

Der Ziegenbock musste auf Veranlassung des Tierzuchtamtes Ludwigsburg bei der letzten Körung in Zaisersweiher zur Vermeidung von Inzuchtschäden  mit dem der Gemeinde Zaisersweiher  ausgetauscht werden. Ein gegenseitiges Aufgeld wurde nicht vereinbart, also gleichauf ausgetauscht. Da der Ziegenbock der Gemeinde Zaisersweiher gekört wurde, musste davon ausgegangen werden, dass der Bock zuchttauglich war. Es hat sich jedoch gezeigt, dass diese Annahme nicht der Wirklichkeit entspricht und letzthin angestellte  Nachforschungen  des hiesigen Bockhalters Artur Benzenhöfer brachten eindeutig den Beweis, dass der Bock bereits im letzten Jahr  bei 4 und mehr Sprüngen  nicht befruchtete, also bei seinem Eintausch schon zuchtuntauglich war. Seitens des Bockhalters von Zaisersweiher wurde diese Tatsache offensichtlich verschwiegen, denn sonst wäre der Bock abgekört worden. Es liegt demzufolge auf der Hand, dass sich die Gemeinde Zaisersweiher gegenüber der Gemeinde Lienzingen schadensersatzpflichtig gemacht hat, was auch das Tierzuchtamt Ludwigsburg mit Schreiben vom 3.12.1952 eindeutig bestätigte. Eine Zurücknahme des Bocks kommt allerdings nicht mehr in Frage, weshalb der Gemeinderat beschließt, von der Gemeinde Zaisersweiher Schadensersatz in Höhe von 300 Mark zu fordern (STAM, Li B 324, S. 146).

Für Laien: Körung der Farren heißt nichts anderes als die  Auswahl junger Stiere zur Zucht. Womit auch dies geklärt wäre.

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Lienzinger Männerclub: Landwirt Bonnets einsamer Stimmenrekord und sein Sturz nach 18 Jahren

Den letzten habhaften Beschluss fasste der Gemeinderat am 9. Mai 1975 hinter verschlossenen Türen: Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den scheidenden Bürgermeister Richard Allmendinger. Bei der Verleihung mit Ehefrau Elsa. (Foto: STAM, W Barth MT

Ich werde in Zukunft Briefmarken sammeln und mich nicht mehr wegen ein paar Pfennigen mit den Gemeinderäten herumschlagen, zürnte Richard Allmendinger, als er gerade eine Niederlage in seinem Gremium erlitten hatte. Obwohl er in all den Jahren, in denen er Lienzinger Bürgermeister war, keineswegs oft den Saal im ersten Stock des Rathauses als Verlierer verließ, saß der Widerstand der zehn Ratsmitglieder im Frühjahr 1971 gegen eine leichte Anhebung der Entwässerungsbeiträge tief. Doch er blieb, ging erst am 4. Juli 1975 und damit einen Tag vor dem unfreiwilligen Anschluss an Mühlacker von Bord. Zum Schluss stand  er fast allein auf der Brücke. Seine zehn Ratsmitglieder protestierten gegen das für Lienzingen negative Urteil des Staatsgerichtshofs mit ihrem gesammelten Rücktritt in der Sitzung vom 24. Mai, in den folgenden drei letzten Sitzungen blieb der Schultes allein im Ratssaal. Den letzten habhaften Beschluss fasste das Gremium am 9. Mai, wie 15 Tage später eim Rücktritt hinter verschlossenen Türen: Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den scheidenden Bürgermeister. Ein freundlicher Akt (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, Li B, 327, S. 359 und 364).

Der Schultes und der Gemeinderat: Gerade von der ersten demokratischen Wahl nach Kriegsende, die im Januar 1946 stattfand, und der Zwangseingemeindung von Lienzingen nach Mühlacker im Juli 1975, lebte die kommunale Selbstverwaltung des Dorfes vom ehrenamtlichen Engagement von insgesamt 43 Ratsmitgliedern in 29 Jahren. Mit Ausnahme der Jahre 1962 bis 1964 reine Männerrunden. Zuerst acht, dann zehn Räte jeweils plus Bürgermeister. Die Tische meist in U-Form gestellt, saßen Schultes – Vorsitzender und Protokollführer in einem – und der Gemeindepfleger an der Stirnseite zur heutigen Friedensstraße hin.


Lienzinger Geschichte(n) als Serie im Blog. Heute mit viel Atmosphäre und einer Portion Statistik: Über den Gemeinderat, dem in fast drei Jahrzenten und zehn Wahlperioden 43 Mitglieder angehörten. Von Erwin Bonnet als dem Gesamt-Stimmenkönig, Krach um die Erhöhung der Erschließungsbeiträge inclusive Rücktrittsdrohung des Bürgermeisters. In Protokollen und Akten geblättert, vor allem aber in meinen Gemeinderatsberichten. Den ersten schrieb ich 1966 – mit 16 Jahren.


Bei kontrovers diskutierten Themen herrschte meist ein Durcheinander. Es redete, wer gerade wollte, da ging es nicht mehr nach der Reihenfolge der Wortmeldungen. Da konnte sich schon einmal in rasendem Tempo ein starker Lärmpegel entwickeln. Allmendinger ließ den Disput, dem die Zuhörer nicht immer leicht folgen konnten, zunächst freien Lauf, bis die Kröpfe geleert waren, hob dann plötzlich seine Stimme, rief Meine Herren, Ruhe bitte! und dann war klar: Jetzt redet nur der Bürgermeister. Irgendwann wurde dann auch abgestimmt. Dann forderte er zum Handaufheben auf, wenn er den günstigsten Zeitpunkt für gekommen ansah. Ein schwäbisches Schlitzohr, dieser gebürtige Horrheimer!

  • Die Rolle des Chronisten der dörflichen Kommunalpolitik

Februar 1946: Auftaktsitzung des ersten frei gewählten Lienzinger Gemeinderats nach den Jahren der Gleichschaltung durch die Nazi-Diktatur.

18. Juni 1975: Letzte Sitzung des Gemeinderats Lienzingen vor der Zwangseingemeindung nach Mühlacker am 5. Juli 1975 - doch ohne Gemeinderäte (Repro: Protokoll-Köpfe (Stadtarchiv Mühlacker)

Die letzten neun Jahre vor dem Verlust der Selbstständigkeit erlebte ich die Bürgervertretung in der Rolle des Berichterstatters zuerst nur für das legendäre Württembergische Abendblatt (WAB) in Vaihingen an der Enz, heutige Ausgabe Mühlacker der Pforzheimer Zeitung, dann auch für Mühlacker Tagblatt und dem Teil Nachbarkreise der Stuttgarter Zeitung, deren Redakteur in Ludwigsburg saß. Zuerst freier Mitarbeiter mit Zeilengeld, dann von 1969 bis 1971 als Volontär bei der Pforzheimer Zeitung/WAB, schließlich vom Juli 1971 an als Redakteur der Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ). Auch wenn Lienzingen nicht zum Verbreitungsgebiet der LKZ gehörte, schlüpfte ich zu Ratssitzungen in die Rolle des Chronisten der dörflichen Kommunalpolitik. Selbst war (und bin) ich Gemeinderat erst nach dem Anschluss an die Senderstadt.

Die Treffen des Lienzinger Ortsparlamentes hatten Informations-, aber auch manchmal Unterhaltungscharakter (soll es auch gelegentlich in Mühlacker geben). So rief ein Rat einem anderen über den Tisch zu, als es um die Lagebezeichnung für die Weinbergen am Eichelberg ging: Dei Wein isch so schlecht, den koisch selber saufa. Für einen ermahnenden Ordnungsruf reichte das bei Allmendinger nicht aus. Ob er sich innerlich dieser Wertung anschloss? Wir werden’s nicht ergründen.

Ein Graus waren die Haushaltsplan-Beratungen. Sitzungsvorlage? Fehlanzeige! Der Bürgermeister rasselte ohne Pause die wichtigsten Positionen herunter. Nicht nur die Zuhörer schauten sich unverständlich an, auch die Gemeinderäte mussten tief durchatmen, in noch einigermaßen in der ganzen Materie durchzublicken. Ich kann leider nicht so schnell mitschreiben wie sie sprechen, rief ein Ratsmitglied dazwischen (WAB, 19. Mai 1969, S. 4). Einigkeit demonstrierten Bürgermeister und Räte bei der Abwehr von Forderungen von Behörden, deren Umsetzung nur unnötige Ausgaben verursachen würden. So verlangte das Staatliche Gesundheitsamt Mühlacker 1968, den Zementboden in der Pumpstation in der Wette herauszureißen und Platten zu verlegen. Seit 1916 nahm niemand an dem Zementboden Anstoß. Ich sehe nicht ein, dass dies auf einmal unhygienisch sein sollte, wehrte der Schultes ab (WAB, 10. Juni 1968, S. 3).

Dorftheater in bestem Sinne lieferte der Gemeinderat an einem April-Abend im Jahr 1971. Es drohte zeitweise gar zu einem Drama auszuwachsen. Der Streitpunkt: Die vom Bürgermeister beantragte Erhöhung des Entwässerungsbeitrags bei Baulanderschließungen von zehn auf fünfzehn Mark je Frontmeter und von einer Mark auf 1,50 Mark pro Quadratmeter. Das Gremium, Verteuerungen von Abgaben, Steuern und Gebühren gegenüber abhold, erlebte an diesem Abend den zweiten Anlauf von Allmendinger, die vorgeschlagenen Sätze doch noch durchzusetzen. Das war sozusagen Grundlage des ganzen Ärgers. Wir werden zu Hampelmännern, rief ein empörtes Ratsmitglied in die Runde. Tatsächlich schrieb das Gesetz vor, dass - wenn keine neuen Argumente auftauchen – ein abgelehnter Antrag erst nach sechs Monaten wieder auf die Tagesordnung kommen darf. Doch der Verwaltungschef bekannte sich auch sonst zu seinem Grundsatz, der Erfolg versprach: Immer wieder nachfassen!

  • Kredite für die Räte genauso ein rotes Tuch wie höhere Gebühren

Der Schultes hatte erst drei Wochen zuvor eine Niederlage in dieser Sache erlitten. Nun versuchte er also wieder mit Engelszungen, die Ratsmehrheit auf seine Seite zu ziehen. Lienzingen liege mit seinen Sätzen im Landkreis Vaihingen bei 38 Kommunen einsam am Ende der Statistik. Wenn das nicht korrigiert werde, müssten künftige Baulanderschließungen über Darlehen finanziert werden – doch Kredite waren für Lienzingens Räte genauso ein rotes Tuch wie höhere Gebühren. Ihr Rezept: aller größte Sparsamkeit. Ein Teufelskreis, der mich in meinem Bericht über Sitzung zu dem – zugegeben sehr pauschalen und gewagten – Urteil verführte: Dass er (der Tagesordnungspunkt) die Gemüter in Wallung brachte, lag sicherlich nicht zuletzt an der Gepflogenheit einiger Volksvertreter, logische Gedankengänge zu ignorieren. Die beantragte Anhebung sei maßvoll, Lienzingen wäre im Vergleich mit dem Gros der anderen Kreiskommunen immer noch günstiger gewesen, was den Bürgermeister veranlasste, gleich zu Beginn der Beratung eines deutlich zu machen: Bei einer Ablehnung sehe er sich außerstande, seine Tätigkeit fortzusetzen.

  • Drückende Stille und die Rücktrittsdrohung des Bürgermeisters
Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 9. Mai 1975

Mehr als 23 Jahre war Allmendinger schon Schultes der prosperierenden Gemeinde, seine Amtszeit lief noch bis 1978. Aber mit seiner Drohung hatte der damals 61-Jährige den Teufel geritten. Die Sitzung drohte schließlich zu platzen, als sich die Gemeinderäte schließlich gegenseitig mit unschönen Ausdrücken belegten, die teilweise noch in Gebrüll untergingen, hielt ich damals die dramatische Situation in meinem Bericht fest (WAB, 3. Mai 1971, Seite 9). Ich lasse mir von Dir nichts sagen, brüllte einer seinem Kollegen zu. Ein anderer vermutete hinter der Haltung der Oppositionellen eigennützige Motive (Mir kommt es vor, als geht es hier nur um die eigenen Nachteile), Ruhe versuchte schließlich einer mit der Drohung zu erreichen, heimzugehen, wenn das nicht gleich aufhört. Geheim wurde sogar abgestimmt und Vize-Bürgermeister Wilhelm Tochtermann gab in seiner ruhigen Art das Ergebnis bekannt: fünf dafür, fünf dagegen. Und Stimmengleichheit bedeutete nach dem Gesetz Ablehnung. Eine drückende Stille, die Ratsherren fühlten sich in der eigenen Haut nicht wohl.

  • Einen Tag danach: Brisante Post aus dem Mühlacker Rathaus

Die Rücktrittsdrohung des Bürgermeisters stand im Raum. Nicht auszuschließen war, dass Richard Allmendinger im Herbst 1971 den Worten auch die Tat folgen ließ. Doch wie es der Zufall so will: Einen Tag nach der Sitzung brachte ihm der Briefträger brisante Post aus dem Mühlacker Rathaus. Kollege Gerhard Knapp schickte den Text der gerade abgeschlossenen Vereinbarung über die Eingliederung von Lomersheim in die Stadt Mühlacker, die erste von letztlich fünf, wie wir heute wissen. Knapp sah in Lienzingen den nächsten, in seine Strategie passenden Kandidaten. Doch just dieser Kandidat machte ihm einen Strich durch die Rechnung. So war eben der Lienzinger Gemeinderat auch: Bei aller gelegentlichen Lust am Streit stand er geschlossen für das Dorf ein. Alle wollten sie Herr im eigenen Rathaus bleiben. Und so redete bald niemand mehr vom Rücktritt des Schultes – auch er nicht. In Allmendinger Worten: Wir wollen die Lösung unserer Probleme, ohne äußeren Einfluss, weiterhin selbst in die Hand nehmen (WAB, 19./20. Januar 1974, S.11).

Obwohl Allmendinger ein Jahr zuvor, am 14. April 1970, bei einer nichtöffentlichen Beratung des Gemeinderats über die Gebietsreform deutlich gemacht hatte, man brauche auf seine Person keine Rücksicht zu nehmen, denn er wolle später nicht dem Vorwurf ausgesetzt werden, den Zusammenschluss der Gemeinde mit der Stadt Mühlacker wegen persönlicher Interessen verhindert zu haben. Eine noble Haltung! Denn da lag die Berechnung der Senderstadt auf dem Tisch, bei einem freiwilligen Anschluss innert fünf Jahren vom Land eine Eingemeindungsprämie von 2,14 Millionen Mark zu erhalten. Diese Summe könne für anstehende Projekte wie Flugbereinigung, Baulanderschließung und Sicherung der Trinkwasserversorgung eingesetzt werden, sagte Allmendinger (STAM, Li B 328, S. 24). Eigentlich hätte das den aufs Geld schauenden Gemeinderat überzeugen können. Doch da gab es für ihn einen höheren Wert, die hieß: Selbstständigkeit.

  • Erwin Bonnet, Viktor Geiger, Erwin Schmollinger und Eberhard Pfullinger dienten am Längsten
Geleitwort des Bürgermeisters auch namens des Gemeinderats zum Heimatfest 1958 (Smlg. Günter Bächle)

Der Gemeinderat von Lienzingen: 43 Mitglieder in knapp 30 Jahren. Gut 30 gehörten dem Gremium nur eine Wahlperiode an. Da galt noch das vom Landtag 1974 aufgehobene rollierende System: Alle drei Jahre stand die Hälfte des Gremiums zur Disposition, die Amtszeit des einzelnen Rates ging somit über sechs Jahre. Zwei Amtsperioden saßen fünf Räte in der Runde, drei sogar sechs. In diesen drei Jahrzehnten waren Erwin Bonnet (1947 bis 1965) und Viktor Geiger (1953 bis 1971) jeweils 18 Jahre dabei, je 17 Jahre Erwin Schmollinger (1951 bis 1968) sowie Eberhard Pfullinger (1951 bis 1956, 1959 bis 1971). Gewicht hatten im Gremium die Landwirte, denn diesem Berufsstand gehörte rund ein Dutzend der Räte in drei Jahrzehnten an. Es gab mit Richard Zink (1968 bis 1970) nur einen Lehrer, genauer: einen Landwirtschaftsoberlehrer. Zwei Kaufleute wirkten mit, doch das Gros der Bürgervertreter arbeitete in Technischen Berufen als Meister (6), sonstiger Angestellter oder Arbeiter.

Einsamer Stimmenkönig, danach über alle 29 Jahre hinweg nie wieder von einem Kandidaten erreicht: Erwin Bonnet, Landwirt und Ortsobmann der Bauern, 1947 mit 704 Stimmen auf der Liste DVP, CDU und Landwirte erstmals gewählt – in den folgenden Wahlen erzielte er dieses Spitzenresultat nicht annähernd mehr, 1965 wählten die Lienzinger ihn sogar ab.

Vize-Stimmenkönig in all den fast 30 Jahren: Ulrich Bäuerle, der 1971 auf Anhieb 514 Stimmen holte. Neun hatten es je einmal über 400 Stimmen geschafft: Viktor Geiger (1965), Friedrich Häcker (1953), Emil Hafner (1962), Friedrich Heinzmann (1946), Reinhold Heinzmann (1956), Hans Lepple (1971), Eberhard Pfullinger (1965), Erwin Schmollinger (1956) und Wilhelm Tochtermann (1968).

Erwin Bonnet schied also nicht freiwillig aus, er scheiterte knapp bei der Gemeinderatswahl im Herbst 1965. Bei der Verabschiedung am 3. Dezember 1965 mutmaßte Bürgermeister Allmendinger laut Protokoll, Bonnet sei wahrscheinlich in den letzten Jahren verfolgten persönlichen Interessen zum Opfer gefallen. Es habe aber auch schon Zeiten gegeben, in der er jedem in Bedrängnis gestandenen Berufskollegen hilfreich beigestanden. Bonnet blieb der Zeremonie fern (STAM, Li B 328, S. 57).

Der Schultes kombinierte meist jeweils Verabschiedung der ausscheidenden Räte und Verpflichtung der wieder- oder neu gewählten in einer Sitzung, legte gleichsam eine Bilanz der geleisteten Arbeit ab. Am 10. Dezember 1956 dankte er für eine ersprießliche Zusammenarbeit zum Wohle der Gemeinde. Dass es dabei auch gelegentlich gewisse Meinungsverschiedenheiten gegeben habe, könne nicht als Beeinträchtigung angesehen werde, denn Arbeit und Erfolg würde man dadurch erkennen, dass in der Gemeinde etwas geleistet worden sei. Drei Jahre später ähnliche Worte: Zwar seien die Meinungen manchmal hart aufeinander gestoßen, aber am Schluss habe man sich immer wieder ausgesöhnt, was anschließend das zuvor verabschiedete Ratsmitglied Rommel bestätigte.

Das Ehrenamt brächte, so Allmendinger an die Neuen am 11. Dezember 1959,  auch Schwierigkeiten. Auch wenn der einzelne Bürger von einem gewissen Hineinleuchten rede, so bestehe doch zwischen Theorie und Praxis oft ein sehr großer Unterschied. Immer wieder betonte der Bürgermeister eines: Das gesetzlich festgelegte Wahlsystem gibt einem möglichst breiten Kreis die Gelegenheit, das Wesen der gemeindlichen Selbstverwaltung kennenzulernen, um so dadurch einen besseren Einblick in die Aufgaben einer Gemeinde zu erhalten (STAM, Li B 325, S. 119, 307). Am 14. November 1971 war wieder ein Wechsel angesagt. Obwohl bisher in der Gemeinde sehr viel getan worden sei, hätten die Räte auch Tadel und Kritik hinnehmen müssen. Aber das Bewusstsein, ein öffentliches Amt in großer Verantwortung getragen zu haben, überwiege die Kritik. Der Außenstehende mache sich oftmals keine Vorstellung darüber, wie schwer manche Entscheidung jedem Mitglied des Gemeinderats falle, denn es müssten oftmals sehr unpopuläre Maßnahmen getroffen werden (STAM, Li B 328, S. 124).

Aber dies war keine Lienzinger Spezialität – eine Erkenntnis, die zudem zeitlos ist.

Einer, der nur von 1968 bis 1970 dabei war: Landwirtschaftsoberlehrer Richard Zink (1939 - 1994), ein Hohenloher, der Ende 1970 nach Ludwigsburg umzog und deshalb sein Mandat niederlegen musste. Er trat 1971 in die CDU ein, wurde 1974 als 35-Jähriger mit 212 von 309 Stimmen zum Vorsitzenden der Christdemokraten im Kreis Ludwigsburg gewählt (LKZ, 18. März 1974, S. 3). Sein Versuch, 1984 die frühere Sozialministerin Annemarie Griesinger als Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Vaihingen an der Enz, zu beerben, scheiterte. Die Mehrheit stimmte für Günther Oettinger, späterer Ministerpräsident. Er war Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat von Ludwigsburg.

  • Unter den 43 nur eine Frau: Die streitbare Charlotte Kussbach
Charlotte Kussbach (Aus: Ortsbuch Lienzingen, 2016)

Der Gemeinderat blieb über all die Jahre reine Männersache. In den 29 Jahren trat bei zehn Wahlen nur ein einziges Mal eine Frau an. Das war 1962 und die Bewerberin holte sich auf Anhieb ein Mandat. Diese einzige Ausnahme: Charlotte Kussbach (1907 – 1992), die in der Brühlstraße wohnte, zog 1962 über die Vertriebenenliste mit 212 Stimmen in den Gemeinderat ein. Die Kriegerwitwe aus Sachsen wohnte seit 1953 in Lienzingen. Sie wechselte 1964 als Pflegerin einer alten Dame nach Bad Säckingen, arbeitete später noch als im Krankenhaus Mühlacker. Im November 1964 gab sie ihr Mandat ab, ihren Nachfolger Volker Ferschel hatte sie 1962 aus dem Ortsparlament verdrängt. Sie galt als selbstbewusst und streitbar (Marlies Lippik in: Lienzingen, Altes Haufendorf, moderne Gemeinde. 2016, Verlag Regionalkultur, S. 192). Ein Portrait.

Aufwandsentschädigung gab es auch für die Räte. In der Hauptsatzung vom 18. Oktober 1946 wurden festgelegt vier Zwei-Stunden-Staffeln, beginnend mit 1,50 Reichsmark und maximal 6 Reichsmark für acht und mehr Stunden an einem Tag. Sätze, die später angepasst wurden. Die Gelder wollten die Bürgervertreter das Jahr über ansammeln und dann für gemeinnützige Zwecke spenden, beschloss das Gremium am 24. August 1948 auf Antrag von Gemeinderat Christian Aichelberger. Am Jahrsende 1948 teilten sie den Betrag erstmals auf, die Hälfte erhielt die Kirchengemeinde für den Kauf eines Ofens im Gotteshaus und für eine neue Glocke, ein Teil floss in die Reserve für Notfälle (STAM, Li B 323, S. 109 und 128).

  • Erste freie Gemeinderatswahl nach Kriegsende im Januar 1946
Stimmzettel der Gemeinderatswahl 1953 in Lienzingen

Nach Kriegsende im Frühjahr 1945 hatte es zunächst keinen Bruch in der örtlichen Kommunalpolitik gegeben: Zwar wurde Bürgermeister Karl Brodbeck von den Franzosen abgesetzt und interniert, aber die von den Nazis im Zuge der Gleichschaltung 1935  eingesetzten Räte blieben im Amt, ergänzt um zwei neu berufene. Am 3. Juli 1945 gab es die erste Sitzung nach der Befreiung. Das Protokoll unterschrieben fünf der sechs alten Beigeordneten und Gemeinderäte: Töpfer Otto Knopf (seit 1935 der 2. Beigeordnete, nun von den Franzosen berufener Bürgermeister), Emil Geißler (seit 1934 Beigeordneter, nach 1945 Gemeindepfleger), Bäckermeister Gustav Kontzi (1933 – 1945, NSDAP), Landwirt Josef Rueß (1919 – 1945, zuerst SPD, später auf der NSDAP-Liste) und Wilhelm Link 1931/33 und 1935/45).

Die letzten freien Kommunalwahlen vor dem Krieg hatten am 25. April 1933 stattgefunden. Von den sechs Ratssitzen in Lienzingen gingen 4 an die NSDAP (Josef Gaupp, Gustav Kontzi, Gottlob Pfullinger und Josef Rueß), 2 an das Bündnis Bauern- und Weingärtnerbund/Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (Karl Schneider und Richard Geißler). 1935 schalteten die Nazis alle, Berlin nachgeordneten Instanzen gleich – hinab bis in die letzte Ratsstube. Kommunale Wahlen waren in diesem System nicht vorgesehen, sondern Ernennungen durch die NSDAP (STAM, Li A 2).

  • Parteien nur bei den beiden ersten Gemeinderatswahlen
Die letzten freien Gemeinderatswahlen vor 1945 am 25. April 1933: Protokolliert das Ergebnis in Lienzingen (STAM, Li A 2)

Genau 1964 Stimmen erhielt der Wahlvorschlag Christlich-demokratische Wählervereinigung und damit fünf Sitze in der ersten freien Kommunalwahl im Januar 1946. Und 946 Stimmen entfielen auf den Wahlvorschlag der Demokratischen Einheitsliste und somit drei Mandate. Schon am 7. Dezember 1947 hatte es landesweit die zweite Wahl neuer Gemeinderäte gegeben. In Lienzingen lag die Wahlbeteiligung bei 84 Prozent. Jetzt gab es die Liste DVP, CDU und Landwirte, die sechs statt fünf Sitze holte. Je ein Mandat entfiel auf Vereinte Wählerschaft und Freie Wählergemeinschaft. CDU und DVP (heute FDP) hatten jedoch keine Lienzinger Ortsgruppen. Das zeigt sich auch daran, dass von der 1951er-Wahl an – außer den Vertriebenen-Listen - nur Wählervereinigungen antraten mit Bezeichnungen, die allein der Unterscheidung der zwei, drei oder vier Listen dienten und die keine programmatischen Unterschiede bedeuteten: Freie Wählervereinigung, Vereinigte Wählerschaft, Vereinigte Wählervereinigung, Freie Wähler.

Und wie ging der Streit um die Erhöhung des Entwässerungsbeitrags aus? Lehnte sie der Gemeinderat im April 1971 zweimal ab, so startete Allmendinger im Januar 1972 mit einem leicht modifzierten Antrag den dirtten Versuch und der endete für ihn siegreich: sieben dafür, drei dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Also! (STAM, Li B 325, S. 140 f)

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Lienzingen vor 75 Jahren - Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach

Bürgermeister Allmendinger im Herbst 1948 zu den letzten Kriegstagen 1945 (Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 170 Bü 19 [Lienzingen])
Lienzingen vor 75 Jahren. Die Besetzung durch feindliche französische Truppen fand am 7. April 1945 vormittags 9 Uhr statt. Es waren Fremdenlegionäre (de Gaulle Truppen). Viele Vergewaltigungen kamen vor. 

Dreieinhalb Jahre nach dem Tag der Befreiung schrieb Bürgermeister Richard Allmendinger, sachlich und nüchtern, zur geschichtlichen Darstellung der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Anlass: Eine Umfrage des Landratsamtes Vaihingen an der Enz im Herbst 1948.

Kriegsende. Die 2. Marokkanische und 3. Algerische Division überquerten Ende März auf breiter Front den Rhein und drängten auf deutscher Seite die 16. und 17. Volksgrenadierdivision über die Enz zurück. Ohne auf große Widerstände zu stoßen, besetzten sie am 6. April Maulbronn und Ötisheim, anderntags folgten Schmie und Lienzingen. Mit dem Einmarsch französischer und US-amerikanischer Truppen ging zwischen dem 27. März und dem 30. April 1945 in Württemberg, Baden und Hohenzollern der Zweite Weltkrieg zu Ende – noch vor der offiziellen, bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Mai 1945.

  • Antworten des Bürgermeisters von 1948 jetzt online

Einen Fragebogen schickte das Landratsamt Vaihingen im Herbst 1948 den Bürgermeistern der 42 Kreisgemeinden zu. Ihre Schilderungen und viele weitere Unterlagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs sind vom Landesarchiv Baden-Württemberg digitalisiert und online zugänglich gemacht. Kurz und knapp die Antworten von Allmendinger, seit Ende 1947 im Amt, die auf Zeugenaussagen basierten. Der gebürtige Horrheimer (Jahrgang 1910) erlebte das Ende des Zweiten Weltkriegs als Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Wernau am Neckar.

Unser Ort blieb von Luftangriffen ganz verschont. Des Nachts haben wir bei

Jakob Straub (1882 - 1961), 1945 bis 1947 Bürgermeister von Lienzingen, lange Jahr auch Vorsitzender des Männergesangvereins Lienzingen. Aufgenommren um 1940 (STAM, Smlg Rolf Schäfer)

feindlichen Einflügen immer die elektrischen Leitungen ausgeschaltet und es fiel, da kein Licht zu sehen war, keine einzige Bombe im Ort. Wohl auf der Markung. Beim Einmarsch fiel nur eine Scheune in der Lienzinger Mühle dem Brand zum Opfer,weil dort noch deutsche Soldaten gesehen wurden, notierte der Bürgermeister. Artilleriebeschießung fand nicht statt. Brücken wurden keine gesprengt.


Lienzinger Geschichte(n): Heute aus Anlass des Kriegsendes am 8. Mai 1945. Was geschah in Lienzingen? Was kam nach der Befreiung von der Diktatur? Eine kommunale Selbstverwaltung, die wieder relativ zügig in Gang kam mit Otto Knopf, Jakob Straub (Großvater des späteren Stadtrats Rolf Schäfer (SPD), der für Lienzingen von 1984 bis 1999 im Mühlacker Gemeinderat saß), Gottlob Hermle und Richard Allmendinger - alle als Bürgermeister. Dazu nicht nur in Lienzinger Ratsprotokollen geblättert


Panzersperren seien beim Einmarsch am Ortseingang und im Ort durch deutsche Truppen errichtet worden. Da das Dorf freigegeben worden sei, seien Plünderungen an der Tagesordnung gewesen.

Die Bevölkerung habe anfangs Hausverbot (gemeint war wohl ein ganztägiges Ausgangsverbot, Anm. des Autors), nachher sei der Ausgang bis 19 Uhr zur Felderbestellung erlaubt worden.

Zu Evakuierungen gab Allmendinger an, diese hätten gleich 1940 stattgefunden. Es seien Leute aus dem badischen Mörsch, dann auch 1943 aus dem Elsass, von der Saar und vom Rheinland in Lienzingen evakuiert gewesen. Von hier wurde niemand evakuiert. Die Kirchenglocke aus dem Jahr 1777 war, so der Bürgermeister auf die neunte und damit letzte Frage, 1942 durch Deutsche abmontiert worden (HStAS J 170 Bü 107 [Lienzingen]).

  • Am 7. April 1945 rückten französische Soldaten ein
Das erste Mal nach Kriegsende 1945 tagte am 3. Juli 1945 wieder der Lienzinger Gemeinderat (Quelle: STAM, Li B 323)

Richard Geißler und Otto Knopf waren den französischen Truppen in Richtung Schmie entgegen gegangen und trugen ein weißes Tuch mit sich als Zeichen, dass sich der Ort ergibt, erinnert sich Marianne Straub, Enkelin von Knopf (Gespräch mit dem Autor, 26. Mai 2021). Die Franzosen setzten noch am 7. April Karl Brodbeck als Bürgermeister ab, seit Ende 1920 im Amt. Otto Knopf, den vormaligen zweiten Beigeordneten, verpflichteten sie als neuen Rathauschef.

Otto Knopf (um 1927), erster Bürgermeister von Lienzingen nach Kriegsende (04 bis 07/1945). Der Töpfer war schon 1919 für die SPD in den Gemeinderat gewählt worden (bis 1925). (Foto: Familienbesitz)

Otto Knopf hatte durchaus kommunalpolitische Erfahrung. Der gelernte Töpfer, beschäftigt beim Ziegelwerk in Mühlacker, stammte aus Baden Oos, kam in jungen Jahren nach Lienzingen. 1919 wählten die Lienzinger ihn als einen von drei Sozialdemokraten in den zehnköpfigen Gemeinderat. Das Gremium verließ er 1925 wegen Wegzugs, kehrte aber 1927 in den Ort zurück (Konrad Dussel, Ortsbuch Lienzingen, 2016. S. 288). 1935 wurde Knopf zweiter Beigeordneter und blieb dies bis Kriegsende.

Zuerst gehörte Lienzingen zur französischen Besatzungszone, dann übernahmen die  Amerikaner, die Knopf schon am 25. Juli 1945 seines Amtes enthoben und als Nachfolger Stellwerkmeister im Ruhestand, Jakob Straub ins Amt brachten. Knopf habe sich darob recht irritiert gezeigt, schreibt Dussel (S. 187 f). Im Gegensatz zu Knopf war Straub nie Gemeinderat, aber wie Knopf vor 1933 Sozialdemokrat (STAM, Gemeinderäte im heutigen Mühlacker, Wahltermine 1885 bis 2014).

Fünf der sechs Beigeordneten und Gemeinderäte, unter dem NS-Regime 1935 eingesetzt, behielten ihre Funktionen, darunter der Erste Beigeordnete und spätere Gemeindepfleger Emil Geißler. Als neue Gemeinderäte benannten die Amerikaner Friedrich Heinzmann und Friedrich Kälber. Unterdessen war Karl Brodbeck (1886 – 1967) interniert worden und kam  erst im September 1947 wieder frei. Brodbeck amtierte von 1933 bis 1937 gleichzeitig auch als Bürgermeister von Zaisersweiher, gab diese zweite Funktion aus gesundheitlichen Gründen ab, worauf in dem Nachbarort der Landwirt August Glöckler zum ehrenamtlich tätigen Nachfolger berufen wurde (Konrad Dussel, Lienzingen – Altes Haufendorf, moderne Gemeinde, Ortsbuch, 2016. Verlag Regionalkultur, S. 172 f und 184 ff).

  • Entscheidungen des Bürgermeisters

Rund 90 Prozent der Lienzingen wählten, als es am 28. Januar 1946 um den neuen, seit mehr als zwölf Jahren erstmals wieder demokratisch bestimmten Gemeinderat ging. 1964 Stimmen erhielt der Wahlvorschlag Christlich-demokratische Wählervereinigung und damit fünf Sitze. 946 Stimmen entfielen auf den Wahlvorschlag der demokratischen Einheitsliste, die damit drei Mandate holte (STAM).

Die Stimmenzahlen der Kandidaten bei der Gemeinderatswahl 1946 - fein mit Bleistift festgehalten (STAM).

Offenbar zum letzten Mal vor der Befreiung hatte der Lienzinger Gemeinderat - ohne Gemeinderäte - am 31. Dezember 1944 getagt, wobei im Protokoll der Passus Entscheidungen mit den Gemeinderäten gestrichen wurde. Denn anwesend war nur Bürgermeister Brodbeck, dessen Unterschrift denn auch  als einzige unter dem Protokoll stand. Eine Ratssitzung an Silvester als Farce. Die Entscheidungen des Bürgermeisters - so in der Kopfzeile der Niederschrift -  stehen auf zwei Seiten und umfassen drei Punkte. Top 1: Nachdem Amtsbote Wilhelm Scheck am 4. September 1944 zur Wehrmacht eingezogen worden sei, habe an diesem Tag Karl Reiß stellvertretend die Aufgabe des Ausrufers der amtlichen Bekanntmachungen übernommen und erhalte als Belohnung jährlich 200 Mark, auszuzahlen in vier Raten. Top 2: Die Unterbringung von Evakuierten, so von Lieselotte Schlangen aus Leverkusen mit zwei Kindern im Gemeindehaus für monatlich zehn Reichsmark sowie als Top 3 die Information über die Beschäftigung von 20 Zivilfranzosen als Holzhauer im Gemeindewald, da 1300 Festmeter Holz einzuschlagen seien. Der Gemeinde fehlten die notwendigen Kräfte, das Ziegelwerk habe aus Kohleknappheit nicht mehr genügend Arbeit.

Die  vom Regime zwangsrekrutierten Fremdarbeiter wurden in der Turnhalle, dem Kelter-Anbau, untergebracht, die Betten stellte das Ziegelwerk (STAM, Li B 323, S. 08).

  • Schneller Schultes-Wechsel - Erste Ratssitzung am 3. Juli 1945

Lienzingen am Kriegsende. 940 Einwohner, landwirtschaftlich geprägt, belastet durch den Durchgangsverkehr der Reichsstraße 35 (heute Bundesstraße 35). Die Kommunalpolitik lief nach kurzer Pause wieder an. Am 3. Juli 1945 tagte der

Gemeinderat erstmals wieder, um fünf Entscheidungen zu treffen: Das Krankengeld von Amtsdiener Wilhelm Scheck, der wieder von der Wehrmacht entlassen wurde, auf die Gemeindekasse zu übernehmen. Zudem bewilligte das Gremium Ausrufer Karl Reiß eine Abfindung von 120 Reichsmark, denn er hatte Scheck während dessen Soldatenzeit vertreten. Die  Evangelischen Kirchengemeinde betrieb inzwischen wieder in der, an die Kelter angebauten Turnhalle den Kindergarten - der Gemeinderat sagte einen jährlichen Zuschuss von 240 Reichsmark zu. Beim vierten Punkt der Tagesordnung beschloss der Rat, das Gemeindeobst in öffentlichem Aufstreich abzugeben. Abschließend legte das Gremium fest, die Gemeindekrankenschwester Marie Orth zu behalten, bis eine andere Schwester zur Verfügung gestellt wird. Für die Niederschrift über die Beratungen des Bürgermeisters Kopf und des Beigeordneten Geißler mit den drei anwesenden Gemeinderäten Kontzi,  Rueß und (Unterschrift unleserlich) diente noch die gleiche Vorlage aus der Formulardruckerei Salach wie vor dem Kriegsende (STAM Li B 323, S. 10).

Das Ratsprotokoll der der nächsten Sitzung vom 18. August 1945 trug erstmals die Unterschrift von Bürgermeister Jakob Straub. Am  20. Dezember 1945 tagte Straub mit sich alleine. Er traf die Entschließung über Weihnachtszuwendungen an die Gefolgsleute, ein Begriff, den er aus der Zeit vor Kriegsende übernahm. Die Liste der Empfänger von jeweils 20 Reichsmark gibt gleichzeitig Aufschluss, wer seinerzeit Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung von Lienzingen war: Bürgermeister Straub, Gemeindepfleger Geißler, Amtsbote Scheck sowie die Schreibgehilfinnen Lehner, Brodbeck und Schmollinger (STAM Li B 323, S. 14).

"Lienzingen vor 75 Jahren - Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach" vollständig lesen

Wohnungsnot und Zwangseinweisung: Otto Schneider tobte und Hilde Geißler räumte das letzte Zimmer frei

Sieben Bände: Lienzinger Ratsprotokolle von 1925 bis 1975. Ein halbes Jahrhundert Geschichte, verwahrt im Stadtarchiv Mühlacker. Aus diesem Fundus entsteht die Blog-Serie Lienzinger Geschichte(n). Ein Schwerpunkt in den Jahren nach 1945 die Wohnungsnot sowie die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen. (Foto: Günter Bächle)

Wohnungsmangel: Das Problem Nummer 1 in der Nachkriegszeit. Ein Problem, mit dem sich Richard Allmendinger, seit November 1947 Bürgermeister der 1000-Einwohner-Gemeinde Lienzingen, allein gelassen fühlte. Nicht nur musste vielen erst einmal ein Dach überm Kopf zugewiesen werden. Selbst der kleinste Gebrauchsgegenstand war bewirtschaftet, wurde amtlich zugeteilt. Ausschüsse für diese Aufgabe bildete der Gemeinderat. Doch weil die Arbeit unpopulär war, fanden sich nach kurzer Zeit im Rat keine Mitarbeiter mehr, die Zuweisungen vornahmen. Sie blieben letztlich am Schultes hängen, erinnerte er sich in dem Kapitel, das er zum 1970 erschienenen ersten Ortsbuch von Lienzingen - jenem mit dem kräftig roten Einband - schrieb.


Lienzinger Geschichte(n): Ein neues Kapitel, aber in drei Teilen, in der Blog-Serie über die Zeit, als noch Bürgermeister Richard Allmendinger im Rathaus regierte.  Wohnraumnot. Gemeinderäte, die sich um die unpopuläre Zuweisung von Wohnraum drückten, obwohl immer mehr Flüchtlinge kamen. Von einer Wohnbaracke und schnellen Baugenehmigungen.


Flüchtlinge mussten aufgenommen werden, die Zuweisungen schienen kein Ende zu nehmen. Jeder nur verfügbare Raum sei mit Menschen aus Ost- oder Südosteuropa belegt gewesen. Ungute Verhältnisse seien dadurch entstanden. Das Zusammenleben auf engstem Raum habe Belastungen mit sich gebracht, die nur schwerlich zu beseitigen gewesen seien, erinnerte sich der Bürgermeister (in: Friedrich Wißmann, Ortsbuch Lienzingen, 1970, Walter-Verlag, S. 324).

Durchgangslager Friedland 1953: Zwischenstation für Vertriebene und Flüchtlinge (Foto: bpa)

Durchschnittlich 18 Prozent der Einwohner im Land Württemberg-Baden, das aus dem Norden Württembergs und Badens bestand, sowie im Kreis Vaihingen waren Flüchtlinge und Heimatvertriebene, wie die Volkszählung 1950 ergab, auf die sich in seinem Beitrag zum zweiten Ortsbuch der Historiker Konrad Dussel stützte. Doch Lienzingen hatte 24 Prozent - 241 von 1000 brachte just diese Volkszählung als Ergebnis. Tatsächlich lag der Anteil noch höher.  Dussel wertete die Namenslisten aus. Das Resultat: 135 Familien mit insgesamt 367 Personen. Somit betrug der Anteil von Flüchtlingen und Vertriebenen im Dorf mindestens 30 Prozent (Konrad Dussel, Lienzingen - Altes Haufendorf, moderne Gemeinde, 2016, Verlag Regionalkultur, S. 193 ff).

  • Otto Schneider: Grundstücke gegen Zwangszuweisung oder Wer begütert war, hatte es leichter

Dass Zwangsbewirtschaftung und -zuweisung von Wohnraum seltsame Blüten treiben konnte, zeigte sich im Dezember 1948. Auf Anordnung des Staatsbeauftragten für das Flüchtlingswesen musste der Landkreis Vaihingen an der Enz zusätzliche Familien aufnehmen. Bei der anschließenden Verteilung auf die einzelnen Kreisgemeinden berücksichtigte das Landratsamt zunächst, wo sich schon Angehörige oder Verwandte der weiteren Flüchtlinge befanden. Also wurden sie dieser Kommune zugewiesen. Lienzingen musste vier Personen unterbringen. Bürgermeister Allmendinger stand unter riesigem Druck: Kein einziger Raum war mehr frei. Deshalb ordnete er die zwangsweise Unterbringung der Flüchtlinge in zwei Räumen des Hauses von Dr. Otto Schneider an.

Doch der prominente und begüterte Lienzinger tobte und wehrte sich heftig. Im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 16. Dezember 1948 liest sich die weitere Geschichte so:  Daraufhin führte Dr. Schneider bei allen möglichen übergeordneten Stellen Beschwerde. Als letzterer einsah, dass seine Beschwerdeführung sich als grundsätzlich haltlos erwies, bot er der Gemeinde eines seiner Grundstücke als Schenkung an. Vorausgesetzt, sie verzichte auf die Beschlagnahme seines Wohn- und Schlafzimmers. Nun geriet der Bürgermeister in einen Gewissenskonflikt. Einerseits wollte er nicht den Eindruck entstehen lassen, da werde nur deshalb jemand anders und besser behandelt, weil er vermögend ist, andererseits lockte bei dem Pragmatiker doch zu sehr die Aussicht auf künftiges Bauland für die Gemeinde, dessen Bedarf ebenfalls dringend war. Das Problem: Kein Zimmer war frei! Oder doch?  Man müsse sich schon überlegen, sagte er in der Sitzung, ob das Anerbieten des Dr. Schneider nicht doch der bessere Weg wäre für die Gemeinde. Deshalb sei es notwendig, ein geeignetes Zimmer ausfindig zu machen, aber des werde sehr schwierig sein.

  • Gemeinderäte Bonnet und Häcker fanden Ersatzunterkunft für vier zugewiesene Flüchtlinge

Der Gemeinderat vertagte das Thema auf den folgenden Tag. In der Zwischenzeit bemühten sich die Gemeinderäte Erwin Bonnet und Fritz Häcker, eine Ersatzunterkunft für diese Flüchtlinge zu finden. Und das gelang auch. Hilde Geißler - sie wohnte im Obergeschoss des heutigen Nachtwächters - machte ein Zimmer frei. Gleichzeitig erklärte sich Schneider bereit, seine Grundstücke beim Schafhaus und in den Hayengärten an die Gemeinde kaufweise abzutreten, zusätzlich zu der von ihm beabsichtigten Schenkung eines seiner Grundstücke. Also beschloss der Gemeinderat am 17. Dezember 1948, auf die Beschlagnahme des von Schneider selbst bewohnten Zimmers zu verzichten, machte aber zur Bedingung ein Entgegenkommen in der Grundstücksangelegenheit. Der Freikauf Schneiders gelang! Ein leicht anrüchiger Tausch, zumal es in den Protokollen der folgenden Ratssitzungen keine Hinweise gibt, dass Otto Schneider ein Grundstück der Gemeinde tatsächlich schenkte. Nach seinem Tod 1952 verkauften seine Erben fast ihren gesamten Immobilien- und Landbesitz in Lienzingen der  Kommune, die einen Tel weiterveräußerte und dabei einen Gewinn von mehr als 18.000 Mark machte - sehr zum Ärger der Erben (STAM, Li B 323, S. 131 ff).

  • Fünf Familien wollten bauen, doch staatlicher Zuschuss reichte nicht mal für zwei Häuser

Von einer wesentlichen Linderung der Wohnungsnot könne nicht gesprochen werden, sagte das Ortsoberhaupt am 5. Februar 1950 den Bürgervertretern. Er schlug vor, die gesamte Einwohnerschaft zur Zeichnung von Bausteinen aufzufordern und mit diesen Geldern ein Zweifamilienhaus zu errichten. Die künftigen Mieter sollten bei diesem Projekt Arbeitseinsätze leisten (STAM, Li B 324, S. 9). Wie die erhoffte staatliche Unterstützung konkret ausfiel, machte Allmendinger in der Sitzung am 31. März 1950 zur Enttäuschung aller deutlich. Nach einem Erlass des Landratsamtes Vaihingen könne Lienzingen mit 4700 Mark für private Bauherren rechnen. Fünf Familien in der Gemeinde warteten auf einen Zuschuss. Die Verteilung sei äußerst schwierig, denn das Geld reiche kaum für zwei Bauten - der Rat empfahl, die Betroffenen einzuladen und mit ihnen zusammen eine tragbare Lösung zu veranlassen (STAM, Li B 324, S. 18).

Der Wegfall der Zwangsbewirtschaftung zeichnete sich im Frühjahr 1950 ab. Doch der Wohnraummangel endete damit nicht. Die Wohnungsnot bedeutet für den Bürgermeister nach wie vor eine große Belastung, die wohl am meisten unliebsame Folgen mit sich bringt, schreibt Allmendinger in das Protokoll der Ratssitzung vom 19. Dezember 1950. Sobald auch nur die geringste Hoffnung aufs Freiwerden einer Wohnung besteht, laufen sämtliche Wohnungssuchende aufs Rathaus. Man weiß bald nicht, welcher Fall der dringendste ist und man kommt bald in die größten Schwierigkeiten. Er nannte konkret fünf Familien, die auf eine ausreichende Unterkunft hofften. Die noch neue Baugemeinschaft der Neubürger brachte wohl auch nicht den erwünschten Erfolg, sie sei finanziell noch schwach, könne gerade ein Wohnhaus errichten, dies aber auch nur mit Unterstützung der Gemeinde. Diese wiederum wurde auch mit anderen Fordeungen konfrontiert - Allmendinger nannte den Wunsch nach dem Bau einer Kleinkinderschule (STAM, Li B 324, S. 53).

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Fernfahrer mussten nun das gefährliche Lienzinger Adler-Eck nicht mehr fürchten

Noch von Hand gemacht: das Lienzinger Straßennetz im November 1951. Der Plan ist Bestandteil des Vertrags vom 5.11.1951 zwischen Land und Gemeinde, in dem geregelt wurde, wer für welche Straße zuständig ist: Kommune, Land, Bund. (Foto: STAM Li A 95)

Nicht nur die Lienzinger atmeten nach vielen Jahren des Wartens und Hoffens auf. Auch den  Fernfahrern blieb nun das gefährliche Adler-Eck mitten im Flecken erspart - die Haarnadelkurve an der heutigen Bäckerei Schmid, an der sich die Ortsstraße in zwei Richtungen spaltet: links nach  Knittlingen, rechts nach Zaisersweiher. Und auf der es des öfteren krachte. Nach Jahrhunderten querte der immer dichter gewordene  Durchgangsverkehr künftig nicht mehr den Ort: Seit 1. November 1951 nimmt die etwa einen Kilometer lange Umgehung den Verkehr auf, die südwestlich parallel zum Ort verläuft.


Die lange Lienzinger Geschichte(n) heute mit  visionärem Schultheiß, dem Vertrag von 1940, angedrohtem Steuerstreik, dem verärgerten Bürgermeister, einem hilfreichen Abgeordneten und einem Zeugen für Obstbaum-Existenz, vor allem aber mit einem Jahrhundertprojekt für Lienzingen: Wie es 1951 zur Ortsumgehung kam. Zuvor rollte der Bundesstraßen-Verkehr quer durch das Dorf. In Akten und Ratsprotokollen geblättert (Serie)

Ein Vertrag von 1940 zwischen dem Neubaubüro des Technischen Landesamtes Württembergs in Ludwigsburg und der Gemeinde Lienzingen schuf die Grundlage für das Projekt, das dann aber zunächst kriegsbedingt stecken blieb und erst 1951 vollendet werden konnte. So lange führte die Bundesstraße 35 (vormals Reichsstraße 35) von Illingen her noch wie schon immer über die jetzige Friedenstraße und Knittlinger Straße quer durch das Dorf oben hinaus Richtung Knittlingen. Eine schwere Last!

  • "Uralte Verkehrsstraße" - Verbindung an den Main
Zuerst Reichs-, dann Bundes- und inzwischen Kreisstraße: Heutige Knittlinger Straße und Außenstrecke

Auf der Bundesstraße 35 sind aktuell an Werktagen mehr als 10.000 Kraftfahrzeuge unterwegs, davon über 2100 Schwerlaster. Es ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung im Land, auch historisch gesehen. Lienzingen: Seine Lage ist schwerwiegend bestimmt durch die uralte Verkehrsstraße, die sich durch die Ortschaft zieht, schrieb Dr. R. W. Schmidt, Konservator beim Württembergischen Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart, im Jahr 1927 in "Lienzingen, ein Dorfbild im Unterland". Schon die Römer schätzten diese Strecke, so Schmidt weiter. Die Straße war vom frühen Mittelalter bis in die neuere Zeit eine der wichtigsten und beliebtesten Verbindungslinien von Süddeutschland an den Main (in: Schwäbisches Heimatbuch, Stuttgart, 1927, S. 112-126).

Lienzingen litt gewaltig unter dem Durchgangsverkehr. Das Dorf zählte damals rund 750 Einwohner. Bürgermeister Karl Brodbeck, seit 1920 im Amt, forderte in einem Schreiben vom 29. August 1928 an das Straßen- und Wasserbauamt Ludwigsburg eine "Auto-Umgehungsstraße". Der Verkehr habe sich in den vergangenen Jahren sehr gesteigert und werde sich noch viel, viel mehr steigern. Der Verkehr, insbesondere an der scharfen Kurve am Gasthaus Adler, sei direkt unsicherer und gefährlicher geworden. Wenn einmal Menschenleben zu beklagen sind, ist es zu spät! Zudem würden durch die schweren Lastwagen die Häuser derart erschüttert, dass an diesen Risse entstünden.

  • Scharfe "Adler"-Kurve nervte nicht nur die Lastwagenfahrer

Doch die Ludwigsburger Behörde wiegelte in ihrer Antwort zunächst ab. Zwar räumte sie die Notwendigkeit einer Verbesserung an der scharfen Kurve am "Adler" ein, doch sei dies in erster Linie eine Sache der Gemeinde. Ihrer Bitte, das Bauamt möge einen Entwurf für eine Umgehungsstraße (...) aufstellen und dem Schultheißenamt zur Kenntnis unterbreiten, kann das Bauamt mit dem besten Willen nicht entsprechen. Noch über Monate hinaus sei sein technisches Personal mit anderen dringenden Aufgaben  vollauf beschäftigt. Zudem vermisste das Amt eine Aussage der Gemeinde, sich an den Kosten der Ausarbeitung des Entwurfs zu beteiligen. Schließlich gebe es auch keinen Auftrag des Ministeriums für eine solche Planung. Allerdings riet der Verfasser der Antwort, Binder, der Kommune, die allernötigsten und unaufschiebbaren Vorarbeiten schleunigst in Angriff zu nehmen und bot an, dem Schultheißen einen älteren, zurzeit sofort verfügbaren Regierungsbaumeister zu benennen, der bereit sei, vermutlich für 10 bis 15 Reichsmark pro Tag  diese Vorarbeiten zu erledigen. Natürlich alles auf Kosten der Gemeinde. Er wolle gerne nach dort kommen und alles Weitere mit den Herren Gemeindevertretern besprechen (Stadtarchiv Mühlacker, STAM Li A 97).

Unfall am Adler-Eck, als Lienzingen noch keine Umgehungsstraße (B35) hatte. Im Gebäude des damaligen Gasthauses Adler mit Metzgerei ist heute die Bäckerei Schmid. (Foto: STAM, Smlg. R. Straub)

Jedenfalls erhielt die Hauptstraße 1930 eine für die damaligen Verhältnisse vorzügliche Straßendecke. Von den 80.000 Mark Baukosten übernahm der Staat 50.000 Mark, weil sie vom Durchgangsverkehr der Reichsstraße 35 stark belastet war (Friedrich Wißmann in: Das Ortsbuch von Lienzingen, 1970, Walter-Verlag, S. 322).

  • Plan für Lienzingens Umgehung im Juni 1939 fertig

Neun Jahre später schien die Umgehungsstraße doch noch Realität zu werden. Mit Datum vom 21. Juni 1939 legte das Neubaubüro des Technischen Landesamtes in Ludwigsburg den Entwurf eines Planes über den Ausbau der Reichsstraße 35 zwischen Illingen und der württembergischen Landesgrenze bei Knittlingen vor. Ein Teilstück: die künftige Umgehung Lienzingens. Sie sollte endlich verwirklicht werden. Und so beschrieben die Planer ihren Trassenverlauf: Sie  verlässt die bestehende Reichsstraße am Beginn der Rechtskrümmung vor der Einmündung der Landstraße Erster Ordnung Nr. 134 von Mühlacker, führt rund 100 Meter südlich der Frauenkirche vorbei und erreicht die bestehende Reichsstraße wieder bei Kilometer 32 westlich von Lienzingen, ist rund  einen Kilometer lang.

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Lienzinger Geschichte(n): Bauen, um zu dreschen - Stress wegen kommunalem Serviceangebot

Draufgesetzt zum Entlüften - Dach der einstigen Dreschhalle. (Fotos: Antonia Bächle)

Was dem Mühlacker Gemeinderat über Jahre der Mühlehof, war den Ratsmitgliedern der bis 1975 selbstständigen Gemeinde Lienzingen bis 1966 die Dreschhalle. Kein anderes Projekt zog sich 20 Jahre lang wie ein roter Faden durch die Sitzungsprotokolle: Lienzingens Dreschhallen-Geschichte ist lang und trotzdem spannend. Für die seinerzeitigen Protagonisten brachte sie Stress. Was heute nicht mehr viele wissen: Die drei Hallen stehen noch. Eine lässt  durch ihren länglichen typischen Entlüftungsdachaufsatz und den Feldscheunen-Charakter den einstigen Zweck erahnen. Die Adresse: Brühlstraße 34, seit  1966 Lienzinger Betriebsstätte des Bauunternehmens Straub. Die andere ist - auch für mich überraschend - der Kelter-Vorbau an der Zaisersweiherstraße, vor 100 Jahren gebaut, um darin zu dreschen. Zudem ist an der  Raithstraße eine ehemals private Dreschhalle zu einer "normalen" Scheune mutiert.

Brühlstraße 34, heute Lagerstätte eines Bauunternehmens, doch 1956 gebaut als kommunale Dreschhalle für Lienzingen, 1966 verkauft. Denn Mähdrescher machten den Dreschmaschinen Konkurrenz

Ende der sechziger Jahre kamen Dreschmaschinen und damit auch -hallen außer Mode. Bei den Dreschmaschinen karrten die Bauern ihr  geschnittenes und dann noch auf dem Acker zu Garben gebundenes Getreide an, um die Körner in der meist scheunenähnlichen Halle maschinell  herausschlagen zu lassen.  Sie mussten das dabei vom Halm gelöste Korn anschließend  genauso zu ihrem Hof abtransportieren wie die nun ährenlosen Strohballen. Mehrere Arbeitsgänge, die Zeit und Nerven kosteten. Dagegen erledigen Mähdrescher fast alles schon auf dem Feld, bieten somit mehr Komfort und ein Rund-um-Sorglos-Paket.

Lienzingen, ein Bauerndorf: Noch 1950 erfasste die Gemeindestatistik unter 537 Erwerbspersonen 249 in der Landwirtschaft Tätige, damit 46 Prozent. Der gravierende Wandel zeigt sich daran, dass es 1961 noch 15 Prozent waren, zehn Jahre später gut fünf Prozent. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe schrumpfte in dieser Zeit von 155 auf 41, mit zwei bis fünf Hektar Fläche von 63 auf 6, die Betriebe mit mehr als 20 Hektar stiegen von Null auf fünf. Zeichen der Konzentration. (Konrad Dussel, „Lienzingen“, Ortsbuch, 2016, Verlag Regionalkultur, S. 204 ff) Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg gibt in der amtlichen Agrarstruktur-Statistik für 2016 noch sieben Betriebe an, davon fünf mit 50 und mehr Hektar Fläche, zwei mit zwei bis fünf Hektar.

Kelter um Dreschhalle erweitert
Eine Dreschhalle war demnach noch in den fünfziger und beginnenden sechziger Jahren ein für Lienzingen wichtiges kommunalpolitisches Thema. Ein Dauer-Brenner. Und zuvor erst recht. Die Geschichte des maschinellen Dreschens an einem zentralen Ort beginnt denn auch schon nach dem Ersten Weltkrieg. 1919 liefen die Vorarbeiten für den Bau der ersten kommunalen Dreschhalle an: Am 16. Juli schrieb Lienzingens Schultheiß Adolf Fallscheer dem Baumeister des Oberamts

Die 1932 genehmigte private Dreschhalle des Landwirtes Josef Rueß, heute normale Scheune

Maulbronn,  Aeckerle, wegen der notwendigen Genehmigung eines Grundstücksgeschäftes mit der Forstdirektion Stuttgart, das Voraussetzung dafür war, die Kelter für eine solche Halle zu erweitern. Schon drei Tage später ging die Zustimmung der Behörde im Rathaus ein.

Im Juli 1921 legte die Gemeinde Lienzingen ein Baugesuch „betreffs Erbauung einer Dreschhalle“ am Ortsweg (heute Zaisersweiherstraße) als elf Meter breiter und 10,50 Meter langer Vorbau an der Kelter vor, gefertigt von Architekt Aeckerle, unterschrieben vom 1920 eingesetzten neuen Schultheiß Karl Brodbeck. Sein Vorgänger hatte schon Angebote eingeholt, darunter vom Gemeinde-Verband Elektrizitätswerk Enzberg (später EVS), das am 11. Juni 1919 einen Drehstrom-Motor fürs Dreschen mit 15 PS für 3900 Mark, mit 17 PS für 4270 Mark offerierte, freilich ohne Installation. Ein Motor offener Bauart mit Schleifringanker Aluminiumwicklung, mit normaler Riemenscheibe samt Anlasser für Volllastenlauf (Quelle. Stadtarchiv Mühlacker, STAM, Li A 8, Li A 79/36).

Landwirt Rueß baut später
Eine privat betriebene Dreschhalle baute zu Beginn der dreißiger Jahr der Dreschmaschinenbesitzer und Landwirt Josef Rueß aus Lienzingen am Feldweg Nummer 23 (heute Raithstraße) auf der Parzelle Nummer 1329/1 des Karl und Otto Stahl. Am 31. Juli 1932 stellte ihm die Gemeinde Lienzingen die Genehmigung gegen eine Gebühr von 12 Reichsmark aus. Besondere Auflage: Die Umfassungswände seien durchweg mit Bretterverschalung auszuführen, welche mit Deckleisten zu versehen seien. Bei einer Baukontrolle im September 1932 beanstandete der Mitarbeiter des Oberamtes Maulbronn, dass die vollständige Verschalung noch fehle und setzte eine Frist bis 1. Oktober 1932. Das Gebäude steht heute noch und wird als Scheune genutzt (Quellen: Stadtarchiv Mühlacker, Li A 80/19).

Wo die Lienzinger heute Feste feiern
Unter dem Vordach der Kelter, das die Lienzinger heutzutage bei Festen schätzen, wurde also in der Erntezeit das Getreide maschinell gedroschen. Sehr zum Ärger der Nachbarn auf der gegenüber liegenden Straßenseite, weshalb der Betrieb 1941 eingestellt werden sollte. Doch das blieb Theorie.

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Lienzinger Geschichte(n): Der Heidenwäldle-Deal

Die Karte über den Tausch von 1963 über den aktuellen Stadtplan gelegt. Links die rote Fläche, die Lienzingen an Mühlacker abgab, rechts die blaue Fläche, die Lienzingen dafür bekam. Jeweils 8,7 ha. Montage: Stadtverwaltung Mühlacker (Geoinformation)
Ex-Lienzinger Markungsteil nördlich Beliner Ring. (2020) Bild: Antonia Bächle

Lienzinger Geschichte(n):  Erst der nördliche Nachbar macht das "Heidenwäldle" in seiner jetzigen Größe möglich. Taktik, Störfeuer, Unmut und dann doch 1964 Zustimmung nach mehr als  dreijährigen Vertragsverhandlungen. Das größte Grundstücksgeschäft der Gemeinde Lienzingen seit Jahrhunderten dürfte das gewesen sein. Trotzdem passte das Kernstück der Vereinbarung auf eineinhalb Seiten der Größe DIN A 4, getippt auf der Schreibmaschine mit mehreren Durchschlägen. Im zweiten Schriftstück ging es ums Geld. Am 12. November 1965 unterschrieben die Bürgermeister von Lienzingen und Mühlacker, Richard Allmendinger und Erich Fuchslocher, das kommunale Abkommen über einen Markungstausch von 8,7 Hektar. Der kleinere Partner ließ sich den Handel mit gut einer Million Mark entschädigen. Und finanzierte damit 1966 den Bau seiner Gemeindehalle.

Mit einer „Bekanntmachung“ vom 12. Januar 1966 teilte das Regierungspräsidium Nordwürttemberg in Stuttgart im Gesetzblatt auf Seite 26 der Öffentlichkeit seine Genehmigung unter der Nummer 14 - 512/35 Mühlacker-Lienzingen/1 mit: die Umgemeindung eines unbewohnten Gebietsteils der Gemeinde Lienzingen von 8 ha 70 ar 32 qm in das Gebiet der Stadt Mühlacker und eines unbewohnten Gebietsteils der Stadt Mühlacker von 8 ha 70 ar 6 qm in das Gebiet der Gemeinde Lienzingen. Rechtswirksam wurde der Tausch dieser zweier Kommunen des Landkreises Vaihingen am 1. Februar 1966.

Willkommen in der Waldsiedlung 2020. Bild: Antonia Bächle

So stehen die Häuser nördlich der Ernst-Reuter-Straße, des Berliner Rings (hier springt an einer Stelle die alte Markungsgrenze etwas zurück), an der Louise-Schroeder-Straße und östlich des Berliner Rings bis kurz vor der dreispurigen Zufahrtsstraße sowie die Reihenhäuser zwischen Berliner Ring und katholischem Gemeindezentrum auf ehemals Lienzinger Markung. Hier sind die Karten zum Tauschvertrag und der heutige Stadtplan von der Geo-Information der Stadtverwaltung Mühlacker übereinander gelegt: 1963_Flaechentausch_Heidenwaeldle_Plan_mit_KAT_2019.pdf

Zuerst Fläche vom Land

Um die Siedlung realisieren zu können, tauschten schon 1962 Staatsforstverwaltung und Stadt Mühlacker jeweils 27,7 ha Fläche. Zudem musste die Kommune für das dem Heidenwäldle vorgelagerte, 2,54 ha große Flurstück Nr. 2413/2 dem Land Baden-Württemberg 223.432 Mark bezahlen, schon abgezogen ein  Sozialrabatt von 2,50 Euro pro Quadratmeter, den die Stadt nachträglich bezahlen müsse, wenn es nicht innerhalb von drei Jahren für den öffentlich geförderten Wohnungsbau verwendet werde, hieß es am 29. Oktober 1963 im Gemeinderat, der einstimmig dafür war (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, GR 73, S.112).

Doch die mit dem Land getauschte und gekaufte Fläche reichte nicht. In seiner Sitzung vom 16. Juli 1963 ließ Bürgermeister Fuchslocher den Mühlacker Gemeinderat wissen, der vom Gremium am 10. Oktober 1961 genehmigte Bebauungsvorschlag des Baudirektors Gerber von der Regionalen Planungsgemeinschaft Württemberg-Mitte (RPW) mache einen Markungstausch von je rund 8,3 ha mit Lienzingen erforderlich (STAM, GR 79, S. 56).

Der Bebauungsplan Heidenwäldle (1964)
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