Der Stoff, aus dem sich Debatten stricken lassen
Also gab es nun Anträge von SPD und Freien Wählern. Zudem hatten sich zwei Bürger mit Anregungen gemeldet. Die Sozialdemokraten wollten alle Jahreszeiten vertreten haben - doch die Straßenzahl reichte nur für Sommer, Frühling und Herbst, nicht für den Winter. Die Freien Wähler dachten an die vorhandenen Gewannnamen und wollten diese erhalten (wofür auch ich war) - hätte auch gepasst, doch weil eine Gewannbezeichnung sich schon in einem Straßennamen im Enzberger Weiler Sengach niedergeschlagen hatte, fehlte plötzlich der dritte Name. Die Verwaltung liebäugelte sofort wieder mit einem Greifvogel und regte Bussardstraße an. Doch so recht gefiel das niemand. Nachdem die Jahreszeiten-Idee der SPD keine Mehrheit fand, kam der Vorschlag der Freien Wähler durch - Sommerberg, Hundsrücken und dann? Na, die beiden Straßen sind schnell namensmäßig zu einer zusammengelegt worden und heißen nun durchgängig Hundsrücken, obwohl der eigentlich nicht im Baugebiet, sondern daneben liegt. Musste eben etwas gerückt werden.
Immerhin passierte dem Verwaltungsausschuss in Mühlacker nicht das, was vor vielen Jahren dem Gemeinderat von Benningen am Neckar unterlief. Nach einer langen und kontroversen Debatte hatte sich dort eine Mehrheit auf einen Namen verständigt, bis jemand merkte: "Mensch, den gibt es doch schon lange."
Nun: Falls die Bebauung des Kanne-/Schuler-Areals im Herz des alten Dürrmenz doch noch zügig abgewickelt werden kann (was zu hoffen ist), lassen sich dort die Namen historischer Persönlichkeiten aus der Dürrmenzer Geschichte unterbringen, wie sie die Scherbabuzzer vorgeschlagen hatten. So wäre also auch dieser Gedanken aufgenommen worden. Nur für den Jahreszeiten-Wunsch der Genossen bleibt nichts übrig. Weil aber die Jahreszeiten alle männlichen Wortgeschlechts sind, wäre das doch nicht mit dem Gender Mainstreaming verträglich, auf den die Sozialdemokraten sonst immer gehörig wert legen (aber nicht nur die).
Man sieht: Straßennamen-Vorschläge sind der Stoff, aus dem sich Debatten stricken lassen. Zum Glück haben wir heute Abend doch rechtzeitig beigedreht. Weil alle merkten: Es war doch nicht die Entscheidung über die Zukunft des Mühlehofes . . . Obwohl man es zunächst hätte meinen können!
Und nicht vergessen . . .
Harald Schmidt, Stuttgrt 21 und was es nicht alles gibt
Zum Beispiel Bündnerfleisch
Apropos Finanzminister. Ob zu so viel Heiterkeit auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble fähig wäre? Es darf gezweifelt werden.
Ein bisschen Gehalts-Ranking gefällig?
Ein bisschen Gehalts-Ranking gefällig? Angela Merkel kommt auf gut 260.000 Euro jährlich, Bundespräsident Christian Wulff auf knapp 200.000 Euro. Und die Intendanten unserer Rundfunkanstalten? Seit für den WDR die Pflicht gilt, das Gehalt offenzulegen, gibt es auch Meldungen aus anderen Rundfunkhäusern. Aber nicht von allen. Manchmal muss (noch) geschätzt werden. Jedenfalls ist ein erste Übersicht möglich, da das Intendanten-Outing inzwischen weiter ging. Danach kommt Thomas Gruber vom Bayrischen Rundfunk auf 310.000 Euro Grundgehalt, WDR-Chefin Monika Piel erhält 308.000 Euro. NDR-Intendant Lutz Marmor erreicht 286.000 Euro im Jahr, Dagmar Reim (RBB) 220.000 Euro, der aus Mühlacker stammende Fritz Raff (SR) 210.000 Euro, Jan Metzger (RB) 297.000 Euro, Peter Boudgoust (SWR) 273.000 Euro. Erik Bettermann von der Deutschen Welle bezieht 207.000 Euro. HR, MDR und BR wollen indes die Einkommen ihrer Intendanten nicht preisgeben. ZDF-Intendant Markus Schächter wird auf 290.000 Euro geschätzt. So wie es aussieht, stellen alle den Bundespräsidenten gehaltsmäßig in den Schatten. Und manche auch die Kanzlerin.
Wessen Verantwortung ist größer? Zugegeben, gegenüber den Ackermännern dieser Republik werden die Intendanten kurz gehalten. Doch die Ackermänner können auch nicht der Maßstab sein. Krankenhaus- oder andere Direktoren vielleicht? Da sind die meisten Intendanten-Einkommen eher Durchschnitt.
Es kommt eben immer auf den Blickwinkel an.
Die Namensschilder haben Pause
In den Vorzimmern der Verwaltungsspitze wird mit halber Kraft gefahren, da muss schon mal der OB selbst Telefondienst machen. "Schneider", heißt es am anderen Ende der Leitung. Garantiert direkter Draht zum Oberbürgermeister.
Ach ja, Mühlackers Gemeinderat macht Ferien. Oder sind es nur Namensschilder, weil es keine Sitzungen gibt? Wohl eher.
Und beim Bloggen darf ich schließlich auch nicht aus der Übung kommen . . .
Mühlhäuser Tafelrunde: Wer ist Artus, wer Mordred?

Die Legende von König Artus und den Rittern der Tafelrunde in Mühlhausen an der Enz neu belebt? Artus schuf um seinen Hof Camelot ein Reich des Guten. Liegt dieses nun in unserem hübschen kleinen Stadtteil? Ist das Weinbaudorf gar das Reich des Guten innerhalb von Mühlacker? Nun, im Schloss zu Mühlhausen gab es eine Tafelrunde, wie die PZ heute berichtete. Jetzt wissen wir auch, dass Neu-Schlossherr Roland Rauschmayer sich gar als Retter der Tafelrunde sieht (oder von der Berichterstatterin als solcher gesehen wird). Dabei ist das beileibe kein reines Ritter-Treffen, es fanden sich sogar Ritterinnen ein (der Emanzipation und Gleichberechtigung geschuldet). Zwei Oberbürgermeister, ein Bundestagsabgeordneter, ein Fraktionsvorsitzender im Landtag, meist in weiblicher Bekleidung. Und alles fein gekleidet, wie es zu einer Tafelrunde gehört.
All dies präsentiert uns, mit Bildergalerie auf der PZ-Internet-Seite (siehe Repro oben), die Berichterstatterin, die auch feinsinnig - im wahrsten Sinne des Wortes - jeden Schritt zum Entstehen des fünfgängigen Menues schildert: Rindertartar, Curry-Kokossuppe mit gebratener Riesengarnele, Trüffel-Tagliatelle, Kalbsrücken mit mediterranem Gemüse und eine Dessertvariation. Geplant sei ein weiteres Treffen in der Vorweihnachtszeit. Dann hole er möglicherweise auch einen Bürger aus der Umgebung hinzu, um Themen aufgreifen zu können, die die Bevölkerung bewegen, wird Rauschmayer zitiert. So ein Mensch aus dem Volk. Ein echter Mühlhäuser, der dem Schlossherrn sagen darf, was zu sagen wäre. Ei, wie fein.
Die Rückkehr des Schlossherrn. Nein, die Rettung der Tafelrunde. Aber, vorsichtig. Artus muss kämpfen. Der bösartige Mordred macht ihm den Thron streitig, Lancelot hilft Artus, doch Artus und Mordred verlieren ihr Leben, auch wenn das Reich gerettet ist. Also, wer ist nun in der Tafelrunde des Schlossherrn von Mühlhausen Artus, wer Mordred? Welcher OB oder Abgeordnete muss um sein Reich fürchten - oder ist es doch der Schlossherr, dem zugesetzt wird? Das kann eine spannende Geschichte werden, wenn sich die Tafelrunde immer wieder trifft. Die Frage ist nur, wer letztlich auf der Strecke bleibt. Schlüpft einer der Abgeordneten in die Rolle des wackren Lancelot? Rülke für Schneider, Krichbaum für Hager? Oder doch - partei-überkreuzend - Rülke für Hager (das wäre die Top-Nachricht). Oder Hager für Rauschmayer (schließlich hat der ihn im Pforzheimer OB-Wahlkampf ganz offen unterstützt). Der Varianten könnten viele entwickelt werden.
Und so staunt der Betrachter, was heutzutage Eingang in die Medien findet. Eine kleine private Runde. Der Nährwert ist (jetzt noch) gleich null. Deshalb: Einfach diese Geschichte weiter drehen. So gesehen kann noch eine ganz spannende Story daraus werden. Mit Mühlhausen als Kulisse, das Schloss stilgerecht als Schauplatz. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Landrat in dieser Seifenoper.
Das globale Thema: Fußball
Passt doch farblich ganz genau: Schwarz, rot, grün und gelb. Die politischen Farben im Landtag von Baden-Württemberg. Ein Bild, entstanden auf dem Weg zur neuen Landesausstellung im Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz. "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann" (Zitat Jürgen Klinsmann). Das globale Thema: Fußball. Und Politik sucht bekanntlich die Nähe zum Volkssport Nummer eins.
Manche mögen die Balltreter-Schau des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg als langweilig empfinden, informativ ist sie auf jeden Fall. Der Besucher muss sich einlassen auf die Texte in der riesigen Rundvitrine. Das bereitet allerdings vor allem Kindern viele Probleme, aber sie können ja als Ausgleich Tipp-Kicker bemalen (Stückpreis: zwei Euro), Tischkipper spielen, sich als Sportreporter am SWR-Platz versuchen und/oder auf dem Soccer-Court bolzen. Was generationsübergreifend begeistert sind der FIFA-Pokal, Erstabguss aus dem Besitz des Stuttgarter Unternehmers Rolf Deyhle, einziges Exponat im Kuppelsaal als Mittelpunkt eines runden roten Teppichs, sowie der Nationalmannschaftsbus für Südafrika vor dem Gebäude.
Bis 11. Juli: Die Geschichte des Fußball in Südwestdeutschland. Ein interessantes Stück Landeshistorie. Es war der Badener Emil Walter von Germania Brötzingen in Pforzheim, der der erste deutsche Fußball-Legionär in Spanien war und für den FC Barcelona spielte. Da ist aber auch die Geschichte von Sepp Herberger, dessen Baupläne für sein Haus in Hohensachsen zu sehen sind, garniert mit Amateurfotos von seinem Familienheim: Herberger, der 1954 die deutsche Nationalmannschaft in Bern zur Weltmeisterschaft führte, der aber schon Trainer der Reichsnationalelf unter den Nazis war. Und da ist der 6. Oktober 1968, als der vom Deutschen Fußballbund noch nicht zugelassene Frauenfußball doch stattfand: bei einem Benefizspiel zwischen dem TSV Affalterbach und dem FSV Weiler zum Stein auf dem alten Sportplatz am Lemberg in Affalterbach (Kreis Ludwigsburg) - Schiedsrichter war der Pfarrer von Affalterbach. Zurück ins Jahr 1909: Karlsruhe - ein Verläufer des heutigen KSC - spielte in Breslau gegen Viktoria Berlin, siegte mit 4 gegen 2 Tore und war deutscher Meister; in einer Zeit ohne Radio und Fernsehen teilte der Spielführer voller Stolz das Resultat per Telegramm dem heimischen Stadtrat mit.
Es sind so viele Geschichten dieser Fußball-Geschichte, die die Ausstellung interessant machen. Noch eine davon aus dem Internet-Blog zur Ausstelllung: Als Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger an diesem Nachmittag aus Stuttgart-Botnang zurückkehrt, hat sie ein Bäckertüte dabei. Das Wissenschaftler-Team, das mit Hochdruck die letzten Vitrinen-Texte für die Fußballausstellung schreibt, freut sich schon: Lecker, jetzt gibt’s Kuchen. Weit gefehlt: In der Tüte ist ein Trikot, und zwar das mit der Nummer 18. Jürgen Klinsmann trug es, als die deutsche Nationalmannschaft 1996 die Europameisterschaft gewann und der Stürmer danach glücklich sprach: Das sind “Gefühle, wo man schwer beschreiben kann”.
Es gäbe noch vieles zu schreiben. Doch besser ist: anschauen! Lohnt sich, meine ich. Auch wenn der Titel zeigt, wie Klinsmann auf Kriegsfuß steht mit dem Genetiv. Aber sind wir Schwaben nicht alle irgendwie Klinsmann. Was den Genetiv betrifft. Zumindest.
Gesammelte Sprüche
So diese Erkenntnis:
Es sind immer wieder nur die einfachen Dinge, die uns faszinieren und die die schönsten Geschichten erzählen
Oder ein starker Spruch von Dieter Hildebrandt:
Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen.
Und von Antoine de Saint-Exupery:
Das, worauf es ankommt, können wir nicht vorausberechnen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet.
Weitere werden folgen...
Hier:
Heinz Erhardt:
Frieden auf Erden - hoffentlich wird es einmal keinen Zaun mehr geben, von dem man einen Streit brechen kann
Curt Goetz:
Gelehrt sind wir genug. Was uns fehlt, ist Freude. Was wir brauchen, ist Hoffnung. Was uns nottut, ist Zuversicht.
Pierre Teilhard de Chardin:
Die Zukunft gehört denen, die der nachfolgenden Generation Grund zur Hoffnung geben.