Wandernde Baustellen und trotzdem die richtigen Fahrpläne

Erinnert Ihr Euch?? Ich bloggte hier am 23.August über Pannen und Pleiten bei der Ausschilderung von Ersatz-Haltestellen und Umleitungsstrecken der Regionalbuslinien 700 und 702 in Lienzingen - die Folge von Tiefbauarbeiten im Zusammenhang mit dem Ausbau des Breitbandnetzes durch die Stadtwerke Mühlacker. Fahrgäste warteten an den falschen Haltestellen. Denn sie wurden mit falschen Fahrplänen in die falsche Richtung geschickt - so denn auch der Titel der Geschichte, die entstand aufgrund eines Briefes von Matthias Lieb, des Qualitätsanwaltes für die Fahgäste in Baden-Württemberg, an den Linien-Betreiber Bus-Engel in Mühlacker und die Stadt Mühlacker.
Absichtlich geschah das sowieso nicht. Sicherlich ist es ein großer zeitlicher Aufwand, die Fahrpläne an den Haltestellen zur richtigen Richtung zu bringen, zumal die Baustellen wandern. Dass Bewegung drin ist, nehmen wir täglich - derzeit in der Friedenstraße - wahr. .Wer muss dese Aktualisierung eigentlich erledigen? Ich bat als Kreisrat das Landratsamt um Klärung. Die Antwort kam prompt: Bus-Engel, der Linien-700- und -702-befahrer. Jedenfalls hätten sich Engel und der Verkehrsverbund Pforzheim/Enzkreis (VPE) darauf geeinigt.

Dass dies wirklich eine diffiziele Aufgabe ist, schildert eine Mitarbeiterin des Busunternehmens Engel unter der Mail-Adresse info@stadtverkehr-muehlacker.de anschaulich in ihrer Antwort an Lieb, der die Darstellung bestätigte und auch, dass alle Pläne richtig sitzen:
- An den Haltestellen Lienzingen Kelter haben wir entsprechende Fahrgastinformationen angebracht.
- Die Haltestelle Lienzingen Friedenstraße ist seit Donnerstag 27.08.2026 wieder bedienbar, daher haben wir dort die Fahrpläne wieder angebracht.
- Die Haltestelle Lienzingen Schule haben wir wieder außer Kraft gesetzt, jedoch vorrübergehend eine Fahrgastinformation angebracht, dass wieder regulär die Haltestelle Lienzingen Friedenstraße bedient wird.
- Die alte Fahrgastinformation an der Ersatzhaltestelle in der Brühlstraße haben wir entfernt.
- Die Verkehrsmeldung unter VPE.de sollte nach einem Telefonat mit Herr Zechiel heute auch aktualisiert worden sein.
Da sich die der Verlauf der Baumaßnahmen fast täglich ändert, es zu Verzögerungen oder zu kurzfristigen Änderungen kommt, von denen Engel meist erst einen Tag vorher oder erst auf eigene Nachfrage Bescheid bekomme, könne Engel die Fahrgäste in vielen Fällen nicht fristgerecht informieren.
Grundsätzlich kann eine Fahrwegplanung und eine Fahrgastinformation nur garantiert werden, wenn uns die Informationen mindestens eine Woche vorher vorliegen. Dieser Vorlauf ist auch deshalb dringend notwendig, um die Daten der Auskunftssysteme rechtzeitig aktualisieren zu können.

Wenn man sich um so einen falsch hängenden Fahrplan kümmert und seinem Weg nachspürt, als Laie denkt, nur eine bestimmte Person oder eine einzige Stelle trage die Schuld für ein Versäumnis und die sei schnell ermittelt, springt man zu kurz. Das ist mir inzwischen klar. Eigentlich ist es ein ganzes Personen-Netz, das für einen störungsfreien Informationslauf sorgen muss. Wo ist der Beginn, wo das Ende?
Bleiben wir beim Fall Fahrplan. An erster Stelle steht der Antrag der Tiefbaufirma auf eine verkehrsrechtliche Genehmigung. Dazu muss die Polizei gehört werden. Wenn die Straßenverkehrsbehörde der Stadt dem Begehren ganz oder abgeändert statt gibt, dann ist die Baustelle meist noch nicht eingerichtet. Wer sagt wem, wer wann wo arbeitet und womöglich die Straße X ganz oder halbseitig sperren muss? Damit wissen aber noch nichts VPE, Engel oder .. aber die brauchen einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf, was wiederum nachzuvollziehen ist. Die Kern-Frage: Existiert ein Ablauf-Plan, ein Schema, eine Matrix oder was sonst noch Ordnungsfaktoren aufweist? Oder reicht es, nur miteinander zu schwätzen? Kommunizieren nun rechtzeitig Baufirma, Stadt, Busunternehmer - oder verlaufe ich mich gerade argumentationsmäßig?
Ein Fall für die nächste Endbürokratisierungstruppe! Oder doch nicht? Wenn Sie mal Zeit haben – ich bin auf des Rätsels Lösung gespannt. Eines ist klar: Wenn die Fahrpläne in die falsche Richtung zeigen, entsteht ein Ärgernis. Und das frisst wiederum Zeit, kostet Nerven. Zumindest das steht fest.
Wie es in der Praxis abläuft? Das schildert Thomas Etzel, Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes der Stadt Mühlacker und als solcher auch zuständig für die städtische Straßenverkehrsbehörde als untere staatliche Verwaltungsbehörde (deshalb der Zuständigkeit des Gemeinderates entzogen) auf meine Frage auch in Blog:
"Vielen Dank für die Schilderungen und Ihre Rückfragen bezüglich des Prozesses.
Das Verfahren bei Baustellen läuft folgendermaßen ab: Der Bauunternehmer stellt einen Antrag und dieser wird dann von der Straßenverkehrsbehörde bearbeitet. Diese beteiligt dann zum Beispiel auch den ÖPNV und die Polizei. Anschließend wird eine verkehrsrechtliche Anordnung erteilt und an den Unternehmer aber auch an alle anderen Beteiligten übersendet. Anhand dieser verkehrsrechtlichen Anordnung und dem Bauzeitenplan kann der ÖPNV dann auch Umleitungen oder Haltestellenversetzungen planen. Gelegentlich kommt es hier dann aber auch zu Verschiebungen, wenn sich die Baumaßnahme verzögert – allerdings werden hier dann auch wieder alle Beteiligten informiert.
Im konkreten Fall in Lienzingen wurde sich auch an diesen Ablauf gehalten und die Firma Engel wurde hier auch frühzeitig beteiligt. Es gab auch einen gemeinsamen Termin mit der Firma Engel und der Firma MSG (von den Stadtwerken Mühlacker mit den Arbeiten beauftragte Tiefbaufirma, Anmerkung des Autors) bei welchem alle Bauzeitenpläne besprochen wurden. Die genannten Probleme der Firma Engel waren der Straßenverkehrsbehörde bis zu Ihrer Mail nicht bekannt. Wir werden auf die Firma Engel zugehen und abklären, warum es hier zu Problemen kam."
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