Umleitungen lassen Bus-Fahrgäste in Lienzingen leiden: Mit falschen Fahrplänen in die falsche Richtung geschickt
Der flächenhafte Ausbau der Breitbandversorgung in Mühlacker – ein 40-Millionen-Euro-Projekt - verlangt Stadtwerken, Tiefbauunternehmen und Straßenverkehrsbehörden alles ab. Stark gefordert sind jedoch auch die Fahrplan-Macher, denn die immer wieder neuen Umleitungsstrecken müssen für die Linienbusse an-, die Strecken angepasst werden. Wir können das gerade in diesen Wochen in Lienzingen beobachten. Ersatz-Strecken, Ersatz-Haltestellen. Da müssen der Verkehrsverbund Pforzheim/Enzkreis (VPE), genauer sein Rest, sowie Verkehrsunternehmen wie Engel und auch die Stadt darauf achten, dass Theorie und Praxis nicht auseinanderdriften.

Ein mitfühlender Mensch stellte einen Bürostuhl an die Ersatz-Haltestelle in der Lienzinger Brühlstraße. Im oberen Kasten der Hinweis zum Wochenende ist veraltet, wer dem Hinweis folgt, wird in die Irre geschickt
(Fotos: Matthias Lieb)Das geschah aber bei diesem Fall, der belegt, dass manches nicht rund läuft. Der Fahrer des Regionalbusses aus Richtung Maulbronn - von der Bundesstraße 35 kommend - missachtete den Umleitungsstreckenplan, steuerte am Ortseingang schnurstracks weiter über Knittlinger Straße und Zaisersweiherstraße bis zur Haltestelle Friedrich-Münch-Straße (bei der Schule) und erreichte schließlich die Friedenstraße, passierte dort gleich die Einmündung Brühlstraße und rauschte nun, jetzt wieder plangerecht, Richtung Mühlacker davon.
Doch eigentlich hätte er am Ortseingang von Lienzingen in die Schelmenwaldstraße abbiegen müssen, um dann über die Brühlstraße zur Friedenstraße zu gelangen – so aber ließ er die Ersatz-Haltestelle Brühlstraße rechts liegen und die potenziellen Kunden vergeblich warten, was bei diesen nicht gerade Begeisterung über den ÖPNV auslöste. Von anderen Fahrgästen darauf angesprochen, murmelte er irgendwas vor sich hin. Die in der Brühlstraße ausharrenden Leute hatten er nicht auf seinem Zettel und sie deshalb das Nachsehen. Ob dort deshalb jemand einen Bürostuhl platziert hat, der die Tage bisher überdauerte – für allzu lange Warte-Fälle?
Überhaupt: Das Umleitungsmanagement lässt mächtig zu wünschen übrig. Das belegt der Erfahrungsbericht von Matthias Lieb, Qualitätsanwalt für die Fahrgäste in Baden-Württemberg, angesiedelt beim Verkehrsministerium Baden-Württemberg - vor allem aber ein Lienzinger, auch wenn er inzwischen im Heidenwäldle wohnt. Als er jetzt in unserem Flecken unterwegs war, staunte er nicht schlecht über Pech und Pannen. Seine Umleitungserfahrungen notierte er, schickte die inzwischen an VPE und Bus-Engel. Ein Fachmann mit Blick fürs Richtige und Falsche, aber auch fürs Detail, der eben auch sein Lienzingen kennt.

Aufgrund von Bauarbeiten gibt es bei den Buslinien 700 und 702 im Etterdorf Lienzingen Umleitungen mit Ersatzhaltestellen, schreibt Lieb. Leider, so fand er heraus, ist sowohl die Verkehrsmeldung unter VPE.de verwirrend als auch die Umsetzung vor Ort fehlerhaft, so dass Fahrgäste an den falschen Haltestellen warten. Ortskenntnisse in Pforzheim, Mühlacker? Wohl eher spärlich vorhanden. Denn, so listete Lieb auf:
- Die Hinweisschilder an der aufgehobenen Haltestelle Friedenstrasse aus Richtung Mühlacker beziehen sich fälschlich nur auf Fahrten Richtung Zaisersweiher, dabei sind alle Fahrten betroffen.
- An der Haltestelle Kelter in Fahrtrichtung Mühlacker befinden sich weiterhin die Fahrpläne in Richtung Mühlacker, obwohl dort umleitungsbedingt nur die Busse der Gegenrichtung vorbeifahren.
- Es ist unklar, ob die Busse in Gegenrichtung an der Haltestelle Kelter oder an der Haltestelle Knittlinger Straße halten, denn an der Haltestelle Knittlinger Straße hängt der Fahrplanaushang für die Haltestelle Kelter mit dem Fahrplan der Linie 702 zusätzlich zum Fahrplan der Linie 700 (in Richtung Schmie).
- Bei der Ersatzhaltestellen in der Brühlstraße hängen drei Fahrpläne, dabei ist beim Fahrplan der Linie 700 am rechten oberen Rand ein inzwischen nicht mehr gültiger Verweis angegeben, der die Fahrgäste am Wochenende an eine inzwischen aufgehobene Ersatzhaltestellen verweist.
Der Hinweis bei den Verkehrsmeldungen unter VPE.de erklärt widersprüchlich, welche Haltestellen aufgehoben sind, außerdem fehlt dort der Verweis auf die Ersatzhaltestelle Schule, stattdessen wird nur auf die Brühlstraße verwiesen, die aber nur in eine Richtung bedient wird. Hilfreich wäre an den aufgegebenen Haltestellen auch ein Lageplan mit Fußweg zu den Ersatzhaltestellen, empfiehlt Lieb.
Er bittet abschließend hier dringend um eine umgehende Fehlerkorrektur bei den Aushängen und im Internet. Wiederum ich frage mich auch als Stadt- und Kreisrat, wer solche Pannen produziert. Wer hängt die Fahrpläne auf? Wer kontrolliert? Wer aktualisiert? Können die Menschen darauf vertrauen, dass die Umleitungsstrecken und Ersatzhaltestellen keine Farce sind, sondern penibel eingehalten werden?

Mal hören, was der Aufgabenträger dazu sagt. Das ist unser Landratsamt.
Lassen wir uns doch auf der Zunge zergehen, was sich auf der Web-Seite von enzkreis.de dazu findet:
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit seinen Bussen und Bahnen ist für viele Menschen Grundpfeiler ihrer täglichen Mobilität. Außerdem ist ein attraktiver ÖPNV-Voraussetzung für eine Mobilitätswende hin zu Klimaschutz, Luftreinhaltung und besseren Lebensverhältnissen in der Stadt und auf dem Land.
Ordnen wir die Lienzinger Fehler-Parade gleich kreispolitisch ein.
Wir sind, was unseren ÖPNV angeht, gut aufgestellt. Wir haben viele Linien und zahllose Haltestellen, sagte Landrat Bastian Rosenau Amnfang November 2025 in seiner Rede zum gerade eingebrachten Entwurf des Kreishaushalts 2026. Der Nahverkehrsplan von 2021 ist zu einem großen Teil umgesetzt. Wir sind gut unterwegs, unsere bewährten Buslinien noch zuverlässiger zu machen. Und wir arbeiten aktuell an mehreren richtungsweisenden Projekten: sei es die Qualität und Zuverlässigkeit der Buslinien (…) Wenn wir über Verkehrskonzepte sprechen, dann geht es meist um CO2 und Klimaschutz. Das ist jedoch zu kurz gedacht, und da weiß ich mich mit Ihnen über Fraktionsgrenzen hinweg sehr einig: Wir sprechen hier über die Schülerbeförderung. Über ältere Menschen, die sich kein Auto leisten wollen oder es nicht mehr fahren können. Über die Lebensqualität in unseren Gemeinden. Und wir sprechen über Menschen, die regelmäßig mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren.

Haltestelle Knittlinger Straße: Links Fahrplan von der Haltestelle Kelter - hält der 702 Bus jetzt da und nicht an der Kelter, obwohl er an der Haltestelle Kelter vorbeikommt?
Doch wer vergeblich an einer Haltestelle – auch einer Ersatzhaltestelle – wartet, in die falsche Richtung geschickt wird, zu spät oder gar nicht ans Ziel kommt, sich dafür auch niemand von den Verantwortlichen interessiert, empfindet er/sie/es den ÖPNV keineswegs als gut aufgestellt.
Die kommunale Verkehrswende entscheidet sich nicht in Sonntagsreden, sondern im Alltag. Selbst bei komplizierten Umleitungen der Busse wie jetzt in Lienzingen.
Wobei wir uns wiederum fragen müssen: Ist Lienzingen nicht überall?
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