Der 24. Lienzinger Maibaum - in zwei Minuten und sieben Sekunden

18 x Maibaumstellen in Lienzingen. In so viel Beiträgen bloggte ich zu diesen Ereignis, fest terminiert auf den 30. April abends, Jahr-für-Jahr. So gesehen lokalhistorische Reminiszenzen - eine bewusste Erinnerung an etwas Vergangenes, die oft mit nostalgischen oder gefühlvollen Momenten einhergeht. Das gilt gerade für die Tradition, die sich im Mühlacker Stadtteil herausgebildet hat. Dank des örtlichen Männergesangvereines Freundschaft, der dieses Lienzinger Maibaumstellen erfunden hat und es jedes Jahr von neuem aufleben lässt. Zuerst an der Ecke Friedenstraße/Bädergasse, mit der Fertigstellung des Platzes bei der historischen Kelter im Rahmen der Orskernsnaierung folgte der Umzug an die Zaisersweiherstraße.

Und es sind gerade solche Anlässe wie das Maibaumstellen heute Abend auf dem Areal, die begeistern (schon gar bei sommerlichem Wetter). Der renaturierte Scherbentalbach in diesem Bereich ist eine Attraktion für Kinder, das Element Wasser belebt. Die Kelter mit ihrem Vordach, 1922 als Dreschhalle gebaut (als solche letztmals 1955 genutzt), der gehfreundliche Pflasterbelag, die Großzügigkeit des Areals - alles stimmt.

Auch diesmal war es eine große Gaudi. Kinder und Erwachsene strömten bei blauem Himmel zu diesem gemütlichen Treffpunkt des 2100 Einwohner zählenden Ortes, dem Schmücken des Baumes durch die Mädchen und Buben, dann das Aufrichtgen des Baumes, bis er nach zwei Minuten und sieben Sekunden fest in der Verankerung gerade steht. Kerzengarde, aber mit Schwankungsbreite - der 24. große Maibaum. Nach einer der lokalen Zeitrechnungen, nach der anderen der 24. Dabei wird mitgezählt auch das kleine Bäumchen, das im Corona-Jahr 2021, ohne Fest und Brimborium, ganz still rechtzeitig zum 1. Mai in die Halterung in der Grünfläche zwischen den Fahnenmasten einbgebracht wurde. Als Zeichen der Lebensfreude und Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Woher kommt eigentlich die Tradition des Maibaumstellens generell? Ein Maibaum ist ein geschmückter Baum oder Baumstamm, der in der Regel am 1. Mai – im Badischen und Schwäbischen, in Ostfriesland und in Tschechien bereits am Vorabend des 1. Mai – aufgerichtet wird. In den meisten Regionen, besonders in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich, ist das feierliche Aufstellen eines Baumstammes auf dem Dorfplatz üblich. Das spezielle Brauchtum mit dem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest, das in der Regel am 30. April, am 1. Mai oder an Pfingsten stattfindet, ist in vielen Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreitet, in Skandinavien jedoch eher zu Mittsommer.

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