60 Jahre älter und kein bisschen leiser

Konfirmation am 20. März 1966...

Genau 60 Jahre liegen zwischen zwei bedeutenden Terminen, die für uns wichtig sind. Die Konfirmation am 20. März 1966 in der Peterskirche in Lienzingen (oben) – und heute erinnert uns die Feier der Diamantenen Konfirmation daran.

Wieder standen wir vor dem Altar der wunderschönen Lienzinger Dorfkirche – diesmal jedoch mit weniger Herzklopfen und ohne die Aufregung, als Pfarrer Gerhard Schwab vor der ganzen Gemeinde unser Wissen abfragte, bevor wir die vollen Rechte innerhalb der evangelischen Kirche erhielten. Nervös war ich damals. Lampenfieber. Der allererste Auftritt von uns 14- und 15-Jährigen in einer ganz großen Runde. Vom Pfarrer vor dem Publikum im Sonntagsgottesdienst befragt zu werden, was vom Konfirmationsunterricht hängen geblieben war, konnte den Pulsschlag spürbar erhöhen. Dann ging jedoch alles gut, und ich musste nicht dem pragmatischen Rat Schwabs folgen, sich bei aufkommender Nervosität vorzustellen, dass all die Menschen, die da vor uns sitzen, nur Unterwäsche tragen würden …

und 60 Jahre später: Diamantene Konfirmation am 29. März 2026.

Mit dem feierlichen Segnungsgottesdienst bekräftigen Jugendliche ihre Taufe, bekennen sich zum christlichen Glauben und werden als mündige Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen. Sie berechtigt zum Abendmahl und zur Übernahme des Patenamts. Und heute war es die Erinnerung an die Konfirmation vor sieben Jahrzehnten – und das erneute Glaubensbekenntnis.

Das Wort leitet sich vom lateinischen confirmatio (Befestigung, Bekräftigung) ab. Heute gab es wieder unser persönliches Ja zur Taufe, die - bei mir - Anfang November 1950, wenige Tage nach meiner Geburt, im Storchennest in der Hermann-Hesse-Straße in Mühlacker erfolgte, vom Pfarrer der Sankt-Andreas-Gemeinde in Dürrmenz. Deshalb steht dort (und nicht im Pfarramt Lienzingen, was ich viele Jahre nicht wusste) auch der Taufspruch Aus der Apostelgeschichte 4,12. In einem schön gestalteten Gottesdienst mit der Prädikantin Silvana Schubert aus Diefenbach erneuerten wir heute das Glaubensbekenntnis. Sie segnete uns nach einem Halbkreis vor dem Altar, wie zuvor auch die größere Zahl der Teilnehmer an der Goldkonfirmation. Wir dachten auch an jene, die heute aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnten.

Das erneuerte Bekenntnis – davon überzeugt und mit Freude. Und in keinem anderen ist das Heil; auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir selig werden. 

Aber Konfirmation ist auch dies: Gemeinsam feiern, sich erfreuen mit Familie, Freunde, Jahgangskameraden/innen.

Ein Blick retour.

Mein Vater war im April 1964 gestorben, meine Mutter und ich wohnten in der Herzenbühlstraße 25 (heute 5). Ärmliche Verhältnisse nennt man das auch heute noch (das Gebäude wurde 1972 abgerissen). Für meine Mutter mit kleiner Witwenrente war ein solcher Festtag eine – auch finanzielle – Kraftanstrengung, für sie zudem körperlich mit einem teilweise steifen linken Arm und einem Bein, das kürzer war als das andere. Aber für ihren Bua machte sie aus dem Tag einen Festtag, lud Paten und zwei Tanten ein, warf das weiße Tischtuch über den Wohnzimmertisch, platzierte in der Mitte zuerst eine große Suppenterrine…  Das war für mich eben kein Alltag, sondern eine seltene Ausnahme.

Daran erinnerte ich mich heute, als wir alle anschließend in den Hirsch zum Essen gingen. Des Miteinandersein, das Gespräch, der Austausch von Erinnerungen – da kommt manches zusammen. Ein besonderer und angenehmer Tag. Ganz passend zur diamantenen Konfirmation.

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