Baulücke soll verschwinden, doch niemand weiß, wann das der Fall sein wird

Die Lücke - Blick vom hinteren Bereich aus (Fotos Februar 2026, Günter Bächle)

Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe besteht darauf, dass in Lienzingen die Baulücke in der Friedenstraße neben dem alten Rathaus geschlossen wird, räumt dafür aber der Stadt dafür mehr Zeit ein. Das geht aus einem Antwortschreiben hervor. Die Stadt bietet das Grundstück seit Monaten auf der Immobilienplattform der Sparkasse Pforzheim Calw für 70.000 Euro an.

 

Rechts Rathaus, links Haus Geiger

Mein Brief an das RP in der Sache AZ 21-2553.2-1/043Mühlacker: Ich bezog mich dabei auf die Zustimmung der Behörde vom 3. Februar 2022 zu dem von der Stadt Mühlacker seinerzeit beantragten Abbruch des Gebäudes Friedenstraße 12 -  innerhalb der laut § 19 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg (DSchG) geschützten Gesamtanlage Etterdorf Lienzingen. Eigentümer ist die Stadt, die deshalb in die Pflicht genommen werden muss. Ich habe im Aufsichtsrat der Stadtbau Mühlacker GmbH gefordert, die Stadtbau-Geschäftsführung solle sich Gedanken machen zur Wiederbebauung. Ich teile auch die Aussage in der Genehmigung, dass ein Neubau sowohl die Kubatur als auch die Gestaltung des Bestandsbaues wieder aufzugreifen hat.Bei den Wahlveranstaltungen im Zuge der inzwischen abgeschlossenen OB-Wahl in Mühlacker war diese bauliche Lücke in Lienzingen durchweg ein wichtiges Thema. Die Menschen haben kein Verständnis, dass mit der Wiederaufbauverpflichtung offenbar nach Belieben verfahren wird, während ihnen vom LAD Auflagen gemacht werden, wobei ich diese Auflagen für sinnvoll ansehe.

Die Stadtverwaltung habe mitgeteilt, dass das zuständige Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement aktuell die Fläche in Zusammenarbeit mit einem Immobilienmakler vermarkte. Es habe zwar verschiedene Interessenten für einen Kauf gegeben, aber noch keine weitergehenden Verhandlungen, so die Karlsruher Behörde.

Die Stadt habe nachvollziehbar mitgeteilt, dass sie weiterhin eine Veräußerung und Wiederbebauung des Grundstücks anstrebe, eine zeitnahe Umsetzung durch die derzeit sehr schwierige Lage im Bausektor allerdings erschwert werde. Ziel bleibe jedoch die Wiederbebauung des Grundstücks. Es besteht keine rechtliche Handhabe der höheren Denkmalschutzbehörde, die Stadt Mühlacker selbst zu einer Bebauung des Grundstücks zu verpflichten, so Markus Breithaupt vom Referat 21 | Raumordnung, Baurecht und Denkmalschutz des Regierungspräsidiums.

Die Abbrucharbeiten Ende Januar 2022. (Foto: Archiv Günter Bächle)

Auch wenn der aktuelle Zustand nicht zufriedenstellend sei, seien die offenkundigen Bemühungen der Stadt Mühlacker, um einen Verkauf des Grundstücks und die aktuellen Erschwernisse zu berücksichtigen. Wir gehen nach der aktuellen Rückmeldung der Stadt Mühlacker davon aus, dass die Auflage 3.2. bei gegebener Möglichkeit umgesetzt wird. Bis jetzt gibt es, so das RP, keine Anzeichen, dass die Auflage 3.2 umgesetzt wird. Die Stadt biete zwar seit Monaten dieses Grundstück auf der Immobilienplattform der Sparkasse Pforzheim-Calw feil, doch bisher ohne Echo von Privaten.

Rückblick: Die Friedenstraße 12: Poststelle, Gemischtwarenhandel, später Friseurgeschäft. Davor stand, 1928 errichtet, die erste Tankstelle des Dorfes an der Reichsstraße 35.

Die besondere Note des Gebäudes war das gelbe Klinkermauerwerk. Zierglieder aus rotem Klinker befanden sich zwischen Erd- und erstem Obergeschoss sowie auf der Giebelseite des Zwerchhauses, bestehend aus Bändern und einfachen geometrischen Formen, steht in der Ortsanalyse von 2011. Das Gebäude unterscheide sich von den meisten anderen in der Friedenstraße durch seine vorgeblendete Klinkerfassade und die ungewöhnliche Kubatur. Es sei im Vergleich mit anderen Häusern dort jung, wobei der Bauforscher Tilmann Marstaller schätzt, dass es älter war. Errichtet worden war es um 1900. Es unterschied sich innerhalb des historischen Straßenzuges der Friedenstraße durch seine Kubatur und durch seine Trauf-Ständigkeit. Die Denkmalexperten stuften das Haus aus sozialgeschichtlichen und siedlungstopografischen Gründen als erhaltenswert ein. Versuche, wenigstens die Fassade zur Friedenstraße in stehen zu lassen, scheiterten im Gemeinderat.

Friedenstraße 12 im Jahr 1930. Gemischtwarenladen von Gottlob und Luise Common mit Frida Stickel und Lore Rieger. Tankstelle von 1928 (Marke: Olexin). (Foto Sammlung Lore Rieger)

Im Januar 2022 begann die Stadt mit dem Abbruch des Hauses. Zunächst ohne Genehmigung des Denkmalamtes, weshalb die Arbeiten behördlich zunächst eingestellt wurden. Doch dann stimmte die Landesbehörde zu, aber mit den Auflagen. Wie stabil sind diese Vorgaben aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe?

Beobachten wir weiter.

 

 

 

 

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