Drum, Lords, versäumet keine günst‘ge Stunde - Zitatenreiche Betrachtung allzeit passend
William Shakespaer, der Haupt-Lieferant kluger Sprüche, dem Generationen von Rede-Schreibern dieserhalben dankbar sind. Die Älteren kennen sicherlich noch das Musical Kiss Me, Kate und daraus der Jazzschlager: Schlag nach bei Shakespear. Oder: Der Meister wusste es schon damals besser. William Shakespeare (1564-1616) wurde in Stratford-upon-Avon nordwestlich von London als Sohn des Bürgermeisters und Handschuhmachers John Shakespeare geboren. Der Meister wusste es frühzeitig besser.
Zum Beispiel:
Dein Ohr lei‘ jedem, wenigen deine Stimme/
Nimm Rat von allen, aber spar das Urteil
Fünfhundert Jahre später hört sich das bei unserem Ministerpräsident Winfried Kretschmann so an:
Alle werden gehört, aber nicht alle erhört.
Die Wahrheit über William Shakespeare - englischer Dichter, Theaterunternehmer und Schauspieler, dessen Dramen zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur gehören: Das überlieferte Gesamtwerk umfasst um 38 Bühnenstücke, sechs Versdichtungen sowie 154 Sonette.
Wir hier leben in einer schwierigen Zeit. Finanzprobleme generell bei den Kommunen, schwindendes Vertrauen in staatliche Institutionen, Zweifel am demokratischen System, mangelnde Bereitschaft zu wirklichen Reformen. Ein Enz-Steg wird zur Messlatte der Stadtpolitik erhoben, die Beteiligung in der Innenstadt an lokalen Wahlen liegt teilweise unter 20 Prozent. Was ist als Stadt zu tun?
Antworten darauf sollte Shakespeare geben. Dieser mit Zitaten des englischen Dramatikers stark gewürzte Text wäre fast eine Rede geworden. Meine für eine Vereidigung. Habe ich wegen dem Wildwuchs an Zitaten dann doch verworfen. Villeicht bei anderer Gelegenheit. Irgendwie ist der alte Shakespeare ewig modern.
Der erste Zweck von allem Tun ist, die Mächte zu befrieden.– (oder meint er, die Banken zu bedienen?).
Nicht nur als bange Frage, sondern die klare Aussage von Shakespeare:
„Unsere Feste, nun sind sie vorbei.“ (Aber nein! Mühlacker Frühling, Martinimarkt, Triathlon, Mahle-Lauf und Straßenfest – wer will uns das alles nehmen? Lässt sich alles retten angesichts leerer Kassen?)
Wir können es auch auf allgemeine, philosophisch Art sehen:
Wie Zeit, Art und die Umstände des Lebens beschaffen sind, wünschte ich von Herzen. dies wäre nicht gescheh‘n, da es nun einmal so ist, so richte es wieder ein zu deinem Besten.
Wiewohl man weiß:
Die Not bringt einen zu seltsamen Schlafgesellen.
Da steckt doch ein Stück Zuversicht drin, die Schlafgesellen verheißen Hilfe in der Not. Deshalb gilt‘s, Hiobsbotschaften positiv umzudeuten und gestärkt daraus hervorzugehen, nicht mit dem Status quo zufrieden zu sein.
Machen wir’s Shakespeare nach, der trotz Krisen rät: Erheitre deinen Blick: Ein tiefer Fall führt oft zu höherm Glück. (Aus „Cymbeline“, vierter Akt, zweite Szene) Er musste es wissen: 1593 wütete in London die Pest, alle Theater wurden geschlossen. Schlechte Zeiten für einen Dramatiker. Doch der Bühnenautor lieferte nun Poesie auf Bestellung: Sonetten, eine aus Italien stammende klassische Gedichtform aus vier Strophen und 14 Versen. Für ihn waren sie neu, er verfeinerte sie – Die erwähnten 154 Sonetten schreibt man dem Engländer zu. Stellen Sie sich vor, die Pest wäre nicht ausgebrochen?
Und als der Bishops ‘Bán, also die bischöfliche Zensur, verfügte, dass ohne ausdrückliche Genehmigung des Kronrates keine Historiendramen mehr geschrieben werden durften, weil sich da Kritik an der Regierung in Satire verpacken ließ, war auch dieses Geschäftsmodell des Dramatikers zunichte, denn er lieferte solche Stücke am Fließband: Heinrich IV., Heinrich V., Heinrich VI., Richard II, Richard III und König Johann. Shakespeare jammerte und klagte nicht, sondern suchte und fand einen Weg aus seiner so urplötzlich von oben ausgelöster Finanzkrise. Er verlegte die Handlungen einfach ins alte Rom, nach Dänemark, Venedig oder Schottland – und diese Stücke waren wohl auch noch erfolgreicher - Hamlet, Macbeth, Othello und König Lear.
Fragen wir uns doch mal: Hätte Shakespeares ohne Pest und Zensur seine Geschäftsmodelle auch geändert? Der Fachmann vermutet: Nein, er hätte wohl ein Leben lang Historiendramen geschrieben. Diversifikation der frühen Form. Oder um es mit dem Meister selbst zu sagen:
Leid kann zu Weisheit und tieferem Glück führen.
Zitate, gut einzusetzen auch im kommunalpolitischen Geschäft. Zum Trost, zur Aufmunterung, zur Bestätigung. Sogar Sprüche im Überfluss.
Denn an sich ist nichts weder gut noch böse,
das Denken macht es erst dazu!
Denken wir also Gutes und damit auch ans Stadtsäckel.
Shakespeare machte durch Kreativität aus der Not eine Tugend. Denn ein Problem oder eine Krise sind immer auch eine Möglichkeit, sich neu auszurichten.
Das gefällt der Optimisten-Fraktion im Gemeinderat, zu der ich mich auch zähle. Die ständigen Jammerer und Pessimisten sehen lieber den tiefen Fall als das höhere Glück – eben, frag‘ nach bei Shakespeare. Der weiß:
Kein Weiser jammert um Verlust:
Er sucht mit freudigem Mut ihn zu ersetzen!
schreibt schon Andreas Sturm in seinem Buch „Das Shakespeare-Prinzip, 13 Wege zum Erfolg“, erschienen im Woll-Verlag im sauerfändischen Schmallenberg –. Sturm, nach dem Studium von Anglistik und Evangelischer Theologie Lehrer an einem hessischen Gymnasium, Autor, Kurpfälzer, und immerhin leibhaftiger baden-württembergischer Landtagsabgeordneter. Das Shakespeare-Prinzip als Erfolgsprinzip auch für Mühlacker?
Drum, Lords, versäumet keine günst‘ge Stunde
Die unser Unternehmen fördern mag.
Nicht immer vertagen, nicht immer wieder neue Gutachten beauftragen, sondern rasch entscheiden:
Besser drei Stunden zu früh als eine Minute zu spät.
Wir sollen die Dinge nicht aussitzen und damit Zeit verlieren.
Die Zeit verdarb ich, nun verderbt sie mich. (Heinrich V.)
Manche Menschen fremdeln inzwischen mehr denn je mit staatlichen und kommunalen Verwaltungen. Die Gegenstrategie muss heißen: rundum Glaubwürdigkeit. Das ist gerade in unserer Zeit der Schlüssel zum Erfolg. Aber auch Dankbarkeit und Wertschätzung den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Es geht nicht darum, keine Fehler zu machen oder nie die Meinung zu ändern. Wenn sich Umstände ändern, kann eine frühere Entscheidung falsch sein.
Auch Fehlentscheidungen zuzugeben, die Gründe dafür offenzulegen und eine neue Strategie zu präsentieren – das sind auch Teile des Gesamtbildes Glaubwürdigkeit. Mäßigung, nicht nervös werden, keine voreiligen Kontras auf Kritik unter anderem in den sozialen Medien sowie in als bösartig empfundenen Leserbriefen. Oder Zeitungskommentaren.
Wer steilen Berg erklimmt,
hebt an mit ruhigm Schritte. (Heinrich VIII)
Geduld, Achtsamkeit – sonst geht einem auch rasch die Puste aus. Kurs halten, aber nicht die Augen verschließen vor drohender Unbill.
Doch ich muss gehen und die Gefahr da treffen/
Sonst sucht sie andres Orten mich und findet
Mich schlechter noch gerüstet
heißt es denn auch in Heinrich IV, zweiter Teil.
Ratsam ist, Vertrauen in die eigene Leistungskraft, in die Fähigkeiten der Menschen zu haben. Denn:
Oft ist’s der eigne Geist, der Rettung schafft,
Die wir beim Himmel suchen. Unsrer Kraft
Verleiht er freien Raum, und nur dem Trägen
Dem Willenlosen, stellt er sich entgegen.
Aus „Ende gut, alles gut“.
Kein Weiser jammert um Verlust,
er sucht mit freud’gem Mut ihn zu ersetzen.
Schon gar, angesichts dieser gesammelten Weisheit des Dramatikers:
Zitat 1:
Alle Schwierigkeiten sind leichter, wenn man sie kennt (aus: Maß für Maß)
Zitat 2:
Auf die Tat kommt es an, nicht auf den Titel.
Zitat 3:
Allein die Kappe macht den Mönch nicht aus.
Wobei wir beim Grundsätzlichen wären:
Vierter Akt, erste Szene, Ein Zimmer im Schlosse, Auftritt Prinz Hamlet.
Was ist der Mensch,
Wenn seiner Zeit Gewinn, sein höchstes Gut
Nur Schlaf und Essen ist? Ein Vieh, nichts weiter.
Gewiß, der uns mit solcher Denkkraft schuf,
Voraus zu schaun und rückwärts, gab uns nicht
Die Fähigkeit und göttliche Vernunft,
Daß ungebraucht sie in uns schimmle. Nun,
Sei's viehisches Vergessen oder sei's
Ein banger Zweifel, welcher zu genau
Bedenkt den Ausgang - ein Gedanke, der,
Zerlegt man ihn, ein Viertel Weisheit nur
Und stets drei Viertel Feigheit hat -, ich weiß nicht,
Weswegen ich noch lebe, um zu sagen:
»Dies muß geschehn«; da ich doch Grund und Willen
Und Kraft und Mittel hab, um es zu tun.
Gutes Vorbild sein:
Doch sollte vernünftigerweise kein Mensch ihm mit einem
Schein von Furcht einnehmen damit er nicht, indem er sie
verrät, seine Armee mutlos macht.
Wahr ist es, die Gefahr ist groß,
Um desto größer sei denn unser Mut.
Wer Worte macht, tut wenig: seid versichert,
Die Hände brauchen wir uns nicht die Zungen.
Rasch handeln nach dem shakespearenden Motto:
Überflüss’ge Ängste/ Haun wir hinweg,
damit der Fruchtzweig lebe.
Hoffen auf Merinungswandel bei König Lear ist auch heute noch aktuell:
Aus Spöttern werden oft Propheten .
Ob dieses folgende Zitat des Dramatikers wortwörtlich genommen werden sollte?
Drum, da der Klugheit Kern und Würze Kürze ist,
Und Langatmigkeit nur ihr fader äußerer Putz
Fass Dich kurz. Zumal der Bursch in Heinrich V. erkennt:
Dass Männer von wenig Worten die besten sind. (natürlich auch Frauen)
Aus Hamlet als sein persönliches Motto allen zu empfehlen:
Dies über alles: Sei Dir selber treu.



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