Der Zehnte: Stephan Retter - jetzt vereidigt und verpflichtet als Mühlacker OB
Der neue OB - Meine Rede als Erster ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, zur Verpflichtung und Vereidigung von Stephan Retter als Oberbürgermeister der Stadt in der Gemeinderatssitzung am 13. Januar 2026
Keine Angst, meine Damen und Herrn, Sie sind nicht im falschen Film –
Auch wenn ich nun bitte:
Film ab (kurzer Film von der Bauarbeiten am Sender in Mühlacker 1930)
Am Anfang war der Sender, ohne ihn gäbe es womöglich kein Stadtrecht für Mühlacker und somit auch keinen Oberbürgermeister. Irgendwie hängt alles zusammen. Entflechten wir:
So wie die Vaihinger das Jahr einteilen in vor und in nach dem Maientag, so kann Mühlacker, der alte Rivale im mittleren Enztal, zeitrechnungsmäßig durchaus mithalten.
Die Mühlacker Zeitrechnung beginnt jedoch weitaus später als die Vaihinger, nämlich im Jahr 1930. Eben mit dem Bau des Großsenders Mühlacker. Und deshalb darf sich Mühlacker - auch auf den Ortsschildern - Senderstadt nennen. Hoffentlich immer mit Sender.
Sie wissen es sicherlich, und wenn Sie es noch nicht wissen, sei es Ihnen gesagt:
Nach dem Bau des ersten Großsenders Mühlacker im Jahr 1930 bekam die Landgemeinde Dürrmenz-Mühlacker - im Oberamt Maulbronn gelegen - durch Entscheidung des Staatsministeriums die Eigenschaft einer Stadt verliehen - unter Kürzung ihres Doppelnamens in Mühlacker. So steht es geschrieben in einem Fünf-Zeiler auf der Titelseite der Ausgabe vom 20. November 1930 des Staatsanzeigers für Württemberg.
Mühlacker, die heutige Kernstadt, zählte vor nun 96 Jahren zirka 6000 Einwohner, heute sind es etwa 15.500, gesamtstädtisch deutlich mehr als 26.000. Und die haben einen neuen Chef im Rathaus. Streng genommen ist die Vereidigung und Verpflichtung eines Bürgermeisters nur ein kurzer formaler Akt – Gelöbnis und Handschlag. Doch ein OB-Wechsel nach 16 Jahren ist mehr als eine Formsache, sie ist Wegmarke in der Geschichte einer Kommune – sie hat Aufmerksamkeit und Einordnung verdient. Was war, was wird?
Das Video über Rundfunk Mühlacker soll hinführen auf diese Mühlacker Zeitrechnung:
Zuerst Teil eins. Was war vor Stephan Retter, der das OB-Amt am 1. Januar 2026 angetreten hat, im Bürgermeisteramt der Stadt, die – wir wissen es nun – seit 1930 im kommunalen Adelsstand ist? Hier – auch fotografisch unterlegt - die Ahnengalerie der Bürgermeister der – so ihr eigener Werbeslogan - jungen Stadt Mühlacker.
- Die Bürgermeister-Liste führt an Richard Woerner. Er war seit 1918 Ortsoberhaupt, blieb es bis 1945 und war somit der erste Bürgermeister der Stadt Mühlacker – also insgesamt 27 Jahre lang, zuerst zwölf Jahre Bürgermeister der Gemeinde Dürrmenz-Mühlacker, dann 15 Jahre der Stadt Mühlacker. Woerner war am 2. April 1945 vom Kreisleiter der NSDAP entlassen und durch Karl Schmid ersetzt worden. Schmid war ein strammer Nazi, von 1937 bis 1945 Bürgermeister von Illingen, aber nur vom 2. bis 6. April 1945 gleichzeitig Bürgermeister in Mühlacker. Am 7. April rückten französische Truppen ein, aber schon am Vortag hatte Schmid die Stadt fluchtartig zusammen mit dem NS-Kreisleiter in Richtung Aurich verlassen – diese 5-Tage-Bürgermeister können wir guten Gewissens übergehen, er wird hier nicht mitgezählt.
- Vom 7. April bis 17. Juni 1945: Theodor Imanuel Linder, Studiendirektor an der Realschule Mühlacker. Er war von 1935 bis zur Befreiung Mühlackers durch die Franzosen 2. Beigeordneter (ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters). Ihn hatten die Franzosen als „Notbürgermeister“ eingesetzt, wie es in dem vom Stadtarchiv herausgegebenen Buch „Bis zum bitteren Ende“ heißt.
- Am 7. Juni 1945 löste ihn Fritzmartin Ascher ab, jüdischer Gymnasiallehrer aus Pforzheim, der die Nazi-Zeit überlebte in Mühlacker als Milchkutscher, Fabrikarbeiter, Straßenkehrer und Totengräber. Ascher sprach gut Französisch, die Befreier forderten ihn schon vorher als Übersetzer an. Die Amerikaner lösten im Juli 1945 die Franzosen als Besatzer ab und bestätigten ihn als vom Gemeinderat gewählter Bürgermeister. 1947 und 1948 war Ascher Landrat in Waiblingen, leitete danach viele Jahre das Gymnasium in Crailsheim und war dort Stadtrat der SPD.
Weiter in der Ahnengalerie der Mühlacker Stadt-Bürgermeister:
- 1947–1950: Paul Herrmann, anschließend Landrat in Sinsheim und später Landtagsabgeordneter der CDU für den Wahlkreis Sinsheim
- 1951–1966: Erich Fuchslocher, von 1966 bis 1973 Landrat in Vaihingen an der Enz
- 1966–1993: Gerhard Knapp – er durfte als erster das „Ober“ vor die Bezeichnung Bürgermeister setzen, und zwar 1973, als Mühlacker durch die Eingemeindung von Lomersheim, Enzberg und Mühlhausen zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. Er trat 1993 nicht mehr an, wurde mit seinem Abschied Ehrenbürger wie 1949 Richard Wörner
Schließlich
- 1994–2002: Klaus Schönfeld, entschied sich nach acht Jahren gegen eine erneute Kandidatur. Er zog sich in den Kreis Schwäbisch Hall zurück, wo er vor der Station in Mühlacker schon Bürgermeister war, und zwar ihn Michelfeld
- 2002–2010 Arno Schütterle – der vormalige Beamte im Landwirtschaftsamt und Grünen-Regionalrat im Verband Region Stuttgart wurde abgewählt
- 2010-2025: Frank Schneider, zuvor Rechtsanwalt, Fraktionsvorsitzender der FDP im Gemeinderat von Mühlacker. Er verzichtete nach einer Wiederwahl und somit zwei Amtsperioden im Jahr 2025 auf eine erneue Bewerbung.
Das waren neun.
Eine fürwahr illustre Schar.
Am längsten Chef im Rathaus der Stadt Mühlacker war mit 27 Jahren Amtszeit Gerhard Knapp, danach folgt auf der Basis Zeitrechnung von 1930 schon auf Platz zwei Frank Schneider mit 16 Jahren Dienst. Dicht hinter ihm Erich Fuchslocher und, mit seinem Stadt-Anteil, Richard Woerner, am kürzesten amtierte Imanuel Linder mit einem Vierteljahr.
Wenn Sie richtig mitgezählt haben, kommen Sie mit mir zum Ergebnis:
Stephan Retter ist das zehnte Stadtoberhaupt von Mühlacker.
Exakt 4607 Bürgerinnen und Bürger von Mühlacker wollten ihn in der Stichwahl vom 9. November 2025 als Oberbürgermeister. Das waren 55,63 Prozent. Was mir als einem früheren Lokalredakteur, 45 Jahre Wanderer zwischen den Welten, zwischen Ludwigsburg beruflich und Mühlacker privat und kommunalpolitisch auffiel: Nach Gerhard Knapp ist Retter der zweite OB von Mühlacker, der aus dem Bottwartal kommt, dem „Tal der Liebe“. Gütegarantie? Freilich: Aufgewachsen ist er im Strohgäu, der Getreidekammer von Württemberg.
Verweilen wir doch noch im Jahr der Stadterhebung. Die ganze Titelseite der Ausgabe vom 21. November 1930 widmete der Dürrmenz-Mühlacker Bote, Vorläufer des heutigen Mühlacker Tagblatts, dem historischen Ereignis unter anderem mit einem
Gruß an die jüngste im Kranz der Schwäbischen Städte
von Heimatdichter Karl Knöller. Ich zitiere den letzten Vers:
Mit dem Ring, der Treue Zeichen /
Mit dem Rad, der frischen Tat /
Schreite in die fernsten Zeiten/
Wachse, blüh, früh und spat“.
Im namentlich nicht gekennzeichneten Leitartikel, der die Mittelspalte mit dem Gedicht, optisch einzwängt, findet sich folgende Passage, die mich irgendwie an die aktuelle Windkraftdiskussion erinnert:
Zu Anfang war die Sorge groß, ob der Sender das Landschaftsbild nicht beeinträchtige und ein Missklang mit dem einzigartigen Bild der mit den Felsen verwachsenen Ruine Löffelstelz entstehe. Die Sorge war unnötig. Im Gegensatz, man empfindet eine Steigerung. Wir wünschen, dass der Sender, an Schwabens Grenuze und nach Westen schauend, durch viele Jahre deutschen Dienst versieht.“
Unerfreuliches dagegen meldete unter der Überschrift Festsitzung des Gemeinderates das Maulbronner Tagblatt (Der Bürgerfreund) in der Ausgabe vom 28. November 1930 aus der neuen Stadt Mühlacker:
Dem Ernst der Zeit entsprechend, feierte der Gemeinderat die Erhebung der Stadt nicht durch irgendwelche mit Ausgaben verbundene Festlichkeiten, sondern beschränkte sich auf eine Festsitzung, die am Mittwochnachmittag zur Entgegennahme der amtlichen Verkündigung der Erhebung zur Stadt im Rathaus stattfand. Vom Rathaus wehte die blau-gelbe Stadtfahne.
Ein Stadterhebung ohne Fest. Ob wir das heute auch hinbrächten? Ob die frisch gebackenen Stadträte ganz auf dem Trockenen saßen? Auch der Dürrmenz-Mühlacker Bote thematisierte, jedoch schon am 21. November, diesen Akt schwäbischer Sparsamkeit. Dass das Staatsministerium dem Wunsch der Gemeinde nach Erhebung in den Stand einer Stadt folgte, sei allenthalben mit großer Freude und Genugtuung aufgenommen worden. Doch, ich zitiere: Jeder sieht die wachsende Not, die besonders an die Türen der Rathäuser klopft; jeder weiß, dass Millionen von Volksgenossen notleidend sind. Unmittelbar nach der Kirchweih wieder zu festen, den Vereinen allerlei Ausgaben zuzumuten, wäre eine Unmöglichkeit gewesen.
Soweit der Blick zurück auf eine Stadterhebung in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Die klammen Finanzen ziehen sich durch die Zeiten. Das Mühlacker Tagblatt titelte in der Ausgabe am 23. November 1980: Schon vor 50 Jahren war die Stadtkasse leer. Also, nix Neues.
Nun der zweite Grund des digitalen Auftaktes der heutigen, etwas ungewöhnlichen Gemeinderatssitzung: Den neuen OB erwarten in Mühlacker große – nicht immer vergnügungssteuerpflichtige Aufgaben. Jedoch die schönste Aufgabe wird 2030 das Jubiläum 100 Jahre Stadtrecht sein. Richtig angepackt, die Menschen mitgenommen, stärkt es das Wir-Gefühl ganz so wie eine Gartenschau, fördert den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft, tut Mühlacker einfach gut. Das kann für Stephan Retter und den Menschen in ganz Mühlacker die zweite Gartenschau werden was Imagegewinn, Aufbruchstimmung und Freude, ja Euphorie betrifft. Wer Verwaltung und Saxophon kann, kann auch Jubiläum. Und Lokalgeschichtliches liegt unserem neuen Oberbürgermeister. So war er in Münchingen im dortigen Heimatverein aktiv. Dessen Motto „Altes erhalten, Neues gestalten“.
Mit der Vorbereitung eines solchen herausragenden Jubiläums kann nie zu früh begonnen werden. Deshalb mein dezenter Hinweis auf den Arbeitskreis des Stadtarchivs zur Herausgabe des Ortsbuches Mühlacker, das 2030 fertig sein soll. Erstes Treffen ist am 20. Januar, 19 Uhr, Kursraum der VHS. Daten sind auf der Web-Seite der Stadt zu finden. Machen Sie mit! Unser neuer Alt-OB Frank Schneider tut es auch.
Die Senderstadt und ihre Zukunft. Mühlacker hat Potential, großes Potential. Gemeinsam werden wir Mühlacker weiter voranbringen, Schwächen beseitigen, Stärken ausbauen. Das ist das Ziel. Gefordert sind Optimismus und Kreativität. Krisen wie die jetzige sind immer auch eine Möglichkeit, sich neu auszurichten. Ich bin fest davon überzeugt, dass alle 26 Mitglieder des Gemeinderats sich mit Ihnen, Herr Retter als dem 27. Ratsmitglied und den Bürgern aufmachen auf einem gemeinsamen Weg, unsere Heimatstadt noch attraktiver zu machen.
Neuer Mann, neuer Stil, neue Impulse. Man merkt, dass mit Stephan Retter jemand aus einer neuen Generation Verwaltungsmensch in Mühlacker gewählt wurde. Seien wir Möglichmacher und keine Verhinderer, folgen wir bei neuen und überraschenden Ideen nicht gleich den Kritikern, ohne diese Ideen genau geprüft zu haben, hören wir auch auf die Befürworter, lassen nicht jeden kritischen Leserbrief als Stimmungsbarometer nehmen. Der Wähler hat uns unseren Platz zugewiesen – als OB oder als Gemeinderatsmitglied mit den jeweils damit verbundenen Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortung, und diesen müssen wir gerecht werden.
OB zu sein, ist keine One-Man-Show. Er braucht seine Kolleginnen und Kollegen im Rathaus, er braucht den Gemeinderat, umgekehrt wir auch ihn und sein Team. Der Gemeinderat ist kein Parlament, sondern gesetzlich ein Verwaltungsorgan wie der Bürgermeister - beide sind zur Zusammenarbeit verpflichtet, zum Miteinander.
In der Öffentlichkeit, aber auch in den Medien immer noch beliebt ist die vordemokratische Figur eines Bürgermeisters, der führt, der die Richtung vorgibt so, als sei er der Wegweiser, weil nur er die richtigen Wege kenne. Nehmt Abschied von solchen Bildern! Wir brauchen aktive Menschen in und außerhalb der Rathäuser, die Ideen entwickeln, in die Debatten einbringen sowie Fachleute, die ihre Meinungen dazu sagen – Ideen, über die dann im Gemeinderat entschieden wird. Ich brauche keinen Führer, sondern gute Sitzungsvorlagen, die uns in die Lage versetzen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Damit noch einige Worte zum quasi Innenverhältnis: OB – Verwaltung - Gemeinderat.
Es war so eine Art Arbeitsplatzbeschreibung eines Bürgermeisters gemäß Paragraf 42, Absatz 1 und 44, Abs. 1 der Gemeindeordnung Baden-Württemberg, die der OB bei seiner Neujahrsansprache im Uhlandbau vorlegte: Er ist der Vorsitzende des Gemeinderats und der Leiter der Verwaltung. Für jede Funktion besteht ein eigener gesetzlicher Handlungs- und Gestaltungsspielraum, die allerdings miteinander verzahnt sind.
Sicherlich stößt der neue OB beim Gemeinderat auf breite Zustimmung, wenn er die Kommunikation mit und Information für den Gemeinderat ausbaut und zusichert, ein Punkt komme nur dann auf die Tagesordnung, wenn mit dieser gleich die Beratungsunterlagen verschickt werden. Das ist richtig. Dies und der umfassende Informations- und Unterrichtungsanspruch des Gemeinderats sind auch in der Gemeindeordnung Paragraf 43, Abs. 5 festgelegt. Summa Sumar um sollte dies, wie von ihm erwartet, zu einer Reduzierung von Anfragen und Anträgen führen, zur Entlastung im Verwaltungsbetrieb.
Diese Wirkung lässt sich verstärken, wenn auch Beschlüsse des Gemeinderates, die auf Gund von Fraktionsanträgen gefällt wurden, umgesetzt werden, ohne dass die jeweilige Fraktion immer nachfragen muss. Da Sie, lieber Herr Retter, zudem regelmäßig OB-Sprechstunden einführen, was ich sehr begrüße, werden auch wir Stadträte entlastet, denn manche Beschwerde, Idee oder Frage wird dann bei ihnen direkt landen – dann können Sie sich selbst mit dem zuständigen Amt verständigen. Der OB als Kümmerer.
Um die von Ihnen gezeichnete Arbeitsplatzbeschreibung für den OB abzurunden: Nach Paragraf 23 sind Organe der Gemeinde der Gemeinderat und der Bürgermeister. Der Gemeinderat braucht gute, verständliche und umfassende Vorlagen, die ihn in die Lage versetzen, nach Information und Diskussion zügig zu beschließen. Die Verwaltung muss diese Beschlüsse dann auch zeitnah umsetzen. Eigentlich logisch. Oder?
Der Gemeinderat ist die Vertretung der Bürger, er ist das Hauptorgan, er legt die Grundsätze für die Verwaltung der Gemeinde fest und entscheidet über alle Angelegenheiten der Gemeinde, sofern der Bürgermeister nicht kraft Gesetzes zuständig ist oder ihm der Gemeinderat bestimmte Angelegenheiten überträgt. Der Gemeinderat überwacht die Ausführung seiner Beschlüsse und sorgt beim Auftreten von Missständen für deren Beseitigung durch den Bürgermeister.
Da sind wir nun bei den in der Verwaltung bei manchem so unbeliebten Anfragen und Anträge aus dem Gemeinderat. Ganz grundsätzlich: Nach 24, Abs. 3 kann ein Viertel der Gemeinderäte in allen Angelegenheiten der Gemeinde verlangen, dass der Bürgermeister das Gremium unterrichtet und auch Einsicht in Akten gewährt (das hat in Mühlacker bisher keinen Seltenheitswert, kann sich aber ändern). Zudem müssen Anträge der Fraktionen in die Tagesordnung der übernächsten Sitzung aufgenommen werden. Nach Absatz 4 hat das einzelne Mitglied des Gemeinderates das Recht, dem Bürgermeister schriftliche, elektronische oder in einer Sitzung mündliche Anfragen über einzelne Angelegenheiten im Sinne von Absatz 3, Satz 1 zu stellen, die binnen angemessener Frist zu beantworten sind. Das Nähere regelt die Geschäftsordnung des Gemeinderates. Wir haben für Antworten einen Monat Frist festgelegt – es klappt zunehmend besser, ist bei einzelnen Ämtern schon ganz gut. Dass dies künftig bei allen der Fall sein wird? Es ist zu hoffen
Anfragen und Anträge sind kein Armenrecht für die Ratsmitglieder. Es sind die einzigen Instrumente, die der Gemeinderat als Gremium oder das einzelne Ratsmitglied hat, seiner gesetzlichen Kontrollaufgabe, für die er/sie gewählt wurde, nachzukommen. Wer – auch aus dem Gremium – die Zahl kritisiert, schadet dieser Aufgabe. Der notwendige Bedarf an Arbeitszeit zu Beantwortung und Bearbeitung muss bei der Bedarfsberechnung für Stellen berücksichtigt werden. Wer Anfragen oder Anträge versucht, lächerlich zu machen, will wohl das Kontrollrecht schmälern. Als Leiter der Verwaltung sicherte Stephan Retter in den Fraktionen die Einhaltung der Fristen zu.
Neuer Mann, neuer Stil - auch bei der Neujahrsrede. Sie, lieber Herr Retter, legten einen gelungenen Start in Mühlacker hin – die Stadt, in der sie automatisch, als OB das Bürgerecht besitzen, die Ihnen und Ihrer Familie Heimat werden möge. Sie setzen auch nach Ihrem Amtsantritt zum Beispiel ihre Gespräche auf dem Wochenmarkt fort, mieteten sich zudem eine kleine Wohnung so wie angekündigt. Haben Sie weiterhin diese Ausdauer. Die Treue zum eigenen Wort überzeugt die Menschen am meisten, wohl auch jene, die sie nicht gewählt haben. Denn aus Spöttern werden oft Propheten, heißt es bei William Shakespeare, dessen Vater übrigens Bürgermeister und Stadtkämmerer war.
Obwohl der Gemeinderat weder Vorgesetzter noch Dienstvorgesetzter des Bürgermeisters ist, wird der (Ober-)Bürgermeister im Namen des Gemeinderates von einem aus der Mitte des Gemeinderats zu wählendes Mitglied vereidigt. Es ist mir eine Ehre, dies tun zu dürfen. Der Eid entspricht dem von allen Beamten, auch den Wahlbeamten auf Zeit zu leistender Diensteid. Die Vereidigung und Verpflichtung haben in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates stattzufinden.
Neben der Vereidigung wird der Bürgermeister auch verpflichtet, das heißt, in feierlicher Form auf seine besonderen Amtspflichten gegenüber der Gemeinde und ihren Einwohnern sowie dem Staat hingewiesen. Auch die Verpflichtung – das geschieht durch Handschlag - hat nur formale Bedeutung, die Rechtsgültigkeit von Amtshandlungen hängt nicht von der Vornahme der Verpflichtung ab.
Lehnt jedoch der gewählte Bürgermeister die Leistung des Eides ab, ist er aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen.
Nachdem ich annehme, dass Sie das Amt antreten wollen, bitte ich Sie zu Vereidigung und Verpflichtung, auf dass ich Ihnen dann die Amtskette umlege – Letzteres wird ein schweres Unterfangen.




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