16 Jahre OB - eine Bilanz
16 Jahre Oberbürgermeister Frank Schneider. Eine Ära geht zu Ende, in der Mühlackers Gesicht sich sichtbar verändert hat – und zwar positiv.
Dafür stehen zunächst, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Familie Schneider, meine Damen und Herrn jedweder Ehre
drei Beispiele:
Die Gartenschau 2015 mit der Renaturierung der Enz: Die ganze Stadt ist mit Herzblut dabei, an der Spitze ihr OB. Die Gartenschau gelingt rundum, Mühlacker ist zurecht stolz, Aufbruchstimmung herrscht. Ein Meisterstück! Von den Daueranlagen in den Enzgärten profitieren noch Generationen. Nachhaltigkeit zählt. Gartenschau-Feeling bleibt. Dass das alles knapp zehn Millionen Euro kostete, war (fast) vergessen. Die Gartenschau, das war sein und der ganzen Bürgerschaft Erfolg.
Genauso wie das zweite Jahrhundert-Projekt: Das neue Stadtquartier Ziegelhöhe – Wohnraum, auch öffentlich geförderter, für 1400 Menschen, dazu Einkaufsmärkte, die Mühlackers Stellung als Einkaufsstadt stärken. Meisterlich – auf dem Gelände der früheren Ziegelwerke Mühlacker. Sozusagen auf leisen Sohlen brachte unser OB mit der Hofkammer des Hauses Württemberg den richtigen, landsmannschaftlich passenden, soliden und vor allem solventen Investor nach Mühlacker, zuvor geschickt vermeidend, dass die Fläche europaweit ausgeschrieben werden muss. Nicht allein für Letzteres sind wir ihm noch ungemein dankbar.
Das dritte Beispiel: Die Ortskerne von Dürrmenz, Mühlhausen, Lienzingen und Lomersheim sind wieder vital geworden. Sanierungsgebiete – ein Erfolgsrezept von Stadt und Land. Sie stärken die Wohn-, Aufenthalts- und Freizeitqualität unserer gewachsenen Zentren, stärken somit auch das Wir-Gefühl. Denken Sie daran, wie das frühere Kanne-Areal in Dürrmenz umgestaltet wurde zum Wohn-Quartier. Oder schauen wir nach Lienzingen zu dem bei der Kelter entstandenen Dorfplatz als neuem und auch angenommenen Treffpunkt der Menschen. Oder verharren wir auf dem früheren Keefer-Gelände in der Innenstadt mit seinem durch den Abbruch des Gebäudes möglich gewordenen Freizeit-Areal für Jung und Alt.
Doch auch das Bewahrende gehört zur Ära Schneider (nein! Ich meine nicht die Verkehrsregelung in der Bahnhofstraße!), sondern diese beiden Beispiele:
- Lienzingen erhielt die Zusatzbezeichnung Etterdorf, der gut erhaltene mittelalterliche Ortskern wurde gänzlich unter Schutz gestellt – das wohl erste Dorf im Land mit einem solchen Gütestempel
- Und – auch das gehört gottseidank dazu – der Sender blieb doch stehen!
- mittelalterliche Ortskern wurde gänzlich unter Schutz gestellt – das wohl erste Dorf im Land mit einem solchen Gütestempel
- Und – auch das gehört gottseidank dazu – der Sender blieb nicht nur stehen, Mühlacker heißt nun auch ganz offiziell Senderstadt!
16 Jahre Frank Schneider. Was erwarten die Menschen von einem OB? Zügig, kostengünstig, unkompliziert die Aufgaben zu lösen. Schon vor gut fünfhundert Jahren meinte der italienische Diplomat, Polit-Stratege, Dichter und Philosoph Machiavelli, dass Politiker Probleme bloß aufschieben, sich nicht eifrig genug um eine Lösung kümmern. Ein guter Fürst müsse sich seinen Bürgern verpflichtet fühlen.
Im Jahr 2025 ist das immer noch aktuell: «Gute Regierungsführung besteht nicht in der Verwaltung von Problemen, sondern in ihrer Lösung.» Das sagte die neue demokratische Gouverneurin des US-Bundesstaats New Jersey, Mikie Sherill – und besiegte den Trump-Kandidaten.
Oder, um an die Rede von Bürgermeister Dauner anzuknüpfen, nein, nicht Bruno Pressack oder Bibi Blocksberg war es, sondern Bob, der Baumeister, ebenfalls aus diesem Genre. Bob, der Baumeister ist klug. Der beantwortet sich seine selbst gestellte Frage „Können wir das Schaffen?“ immer lautstark und mit viel Optimismus selbst mit einem entschiedenen und überzeugenden „Ja, wir schaffen das!“ Ach, da fällt mir unsere Alt-Kanzlerin ein – aber das ist eine andere Geschichte.
Frank Schneider, der Gemeinderat und die Verwaltung jedenfalls schafften das. Drei Zahlen, die die Stadtkämmerei auf meine Bitte hin zusammenstellte, belegen dies: In seiner 16-jährigen Amtszeit wurden
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191.455.036,39 € |
Für Investitionen der Stadt ausgegeben, |
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21.770.802,57 € |
In die Unterhaltung der Grundstücke und bauliche Anlagen gesteckt sowie |
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24.153.714,68 € |
In die Unterhaltung des sonstigen unbeweglichen Vermögens gesteckt, also unter anderem zum Abbau des Sanierungsstaus an Schulen, Kindergärten etc. |
- Summa summarum also 237.379.553, 64 Euro allein für Investitionen, Sanierungen und Unterhaltungsarbeiten.
Ist das nichts?
Worte und Taten, vergleichen wir sie in einer detaillierten Bilanz der Ära Schneider. Hier kann uns dieses blaue Heft wunderbar helfen – der Werbeflyer des Kandidaten Frank Schneider zur OB-Wahl 2009.
Sein erster Programmpunkt: „Bürgernähe leben“. Er wolle das Rathaus zu einem Ort der Kommunikation wandeln, textete er - die Bürger sollten dort ernst genommen werden und auch Antworten auf ihre Fragen erhalten. Auch ihre, des Bürgers Meinung sei ihm wichtig. Fällt Ihnen, meine Zuhörenden, etwas auf? Das ist ein Dauerbrenner, eine Endlosschleife, wie der jüngste OB-Wahlkampf wieder zeigte. Dabei hielt Schneider Wort: Erinnern Sie sich noch an die Zukunftswerkstätten in allen Stadtteilen mit World-Café, Strategie- und Bilanzwerkstatt? Dafür gab es vom Kommunalverband Jugend und Soziales Baden-Württemberg das Qualitätssiegel „demografiesensibel, familienfreundlich, bürgeraktiv“. Seitdem stehen in jedem Haushaltsjahr 100.000 Euro für bürgerschaftliches Engagement und Projekte bereit. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten? Nutznießer sind bisher vor allem der Bürgertreff Alte Schreinerei in Mühlhausen, Herzenssache Lienzingen und die Arbeitsgemeinschaft der Vereine in Enzberg. Da geht mehr!
Also, auch hier: Haken dran!
Doch fahren wir weiter in der Schneider Agenda von 2009: Das Ziel „Vereine zu fördern“ – das war zweifellos rundum der Fall – Zuschüsse für neue Pferde, neu Heizungen, Rasenbeläge, Paddle-Tennis, der Erwerb eigner Räume. Investitionen wurden gefördert, die Jugendarbeit auch.
Also, Haken dran!
Ziel 3: DSL in allen Stadtteilen Ein leistungsfähiger Internetanschluss sei inzwischen so wichtig wie der Bäcker, der Metzger oder die Kinderbetreuung, schrieb der Kandidat. In der Tat: Zuerst gab es in allen Stadtteilen, schnelleres Internet, inzwischen wird die Stadt auf gebuddelt gar für gigaschnelles Internet – die Stadtwerke bauen ein dichtes Glasfasernetz. Und der Oberbürgermeister sitzt dem Aufsichtsrat der Stadtwerke vor. Bund und Land bezahlen den 50-Millionen-Euro-Invest zu 90 Prozent. Dank sei Stuttgart und Berlin.
Auch hier, Haken dran!
Bleiben wir beim Geld. Sein Programmpunkt Nummer 4: „Haushalt sanieren“. Der Kandidat listet auf: Einnahmen erhöhen, Ausgaben senken, auf mittelfristige Sicht eine neue Gewerbeflächen somit neue Arbeitsplätze schaffen. Inzwischen wissen wir und erfahren dies derzeit ganz deutlich: Den Haushalt zu sanieren ist eine Daueraufgabe. Und was ein neues Gewerbegebiet betrifft, so verweigert sich hier eine Mehrheit des Gemeinderates vehement, negiert OB-Appelle zur Flächenausweisung. Die Waldäcker sind jedenfalls ausverkauft. Wie sagt er doch zurecht? „Ich habe nur eine von 27 Stimmen im Rat.“ Zahlenmäßig schon, aber seine Stimme hat mehr Gewicht.
Von seinem Vorgänger geerbt, vererbt Schneider das Thema Mühlehof, jetzt aber als „Loch“, seinem Nachfolger. Immerhin schrieb er in seinem Programm 2009: „Jetzt ist es Zeit für eine Lösung für den Mühlehof, dies kann auch ein Abriss mit verbundenem Neuaufbau sein“. Trotzdem – oder gerade deshalb? – wurde er gewählt. Die Lösung kam, nämlich der Abbruch – aber dann blieb das Projekt stecken. Tatsächlich entschied sich der Gemeinderat, gleich nach dem Abbruch mit dem Neubau der Stadthalle zu beginnen. Der Termin des Einzugs: das Jahr 2025. Das Votum des Gemeinderats fiel einstimmig aus, die Vorarbeiten der Verwaltung zur Umsetzung liefen, doch dann erklärten Stadträte ein solches Projekt für nicht finanzierbar und schoben es aufs Wartegleis.
Doch der OB gab nicht auf, wagte einen zweiten Anlauf - mit der Neuen Mitte. Und wiederum stimmten zuerst alle im Rat grundsätzlich dem Konzept zu, als aber eine Machbarkeitsstudie den Plan als machbar bewertete, setzte eine heftige Absetzbewegung im Gemeinderat ein. Eine Bürgerbeteiligung zur Neuen Mitte brachte zwar ein gutes und brauchbares Ergebnis, aber da war die Karawane schon weitergezogen und strich in einer Klausursitzung des Gemeinderats die Stadthalle in der Stadtmitte, erklärte gleichzeitig eine Stadthalle für notwendig, verschwieg aber, wo sie dereinst stehen soll. Dazu passt ein – allerdings abgewandelter – Spruch des legendären Komikers Karl Valentin: Mögen hätt ich schon wollen, aber getraut hab ich mich nicht getraut!
Zum Haken reicht’s nicht.
Weiter im Flyer.
„Mühlacker stärken, Kinderbetreuung verbessern, neue Wege gehen, Ganztagesbetreuung aufbauen, flexibles Angebot in der Kinder- und Schülerbetreuung“ – Diese Zusage hat er auf jeden Fall erfüllt. Auch durch den Neubau der Kindertagestätte im Käppele und der fürs Rabennest an der Hauptmannstraße.
Aber diesmal: Haken dran!
In der Erfolgsbilanz des nach 16 Jahren scheidenden Oberbürgermeisters stehen zum Beispiel die neue Lindach-Sporthalle, für Schulen und Vereine gleichermaßen wichtig, der Erweiterungsbau des Theodor-Heuss-Gymnasiums – der Solitär, die Sanierung der Wendlerschule in Lomersheim und der Mehrzweckhalle in Lomersheim und – mit 12,3 Millionen Euro größtes Projekt - die neue Hauptfeuerwache. Machen wir weiter mit der Neugestaltung von Bischof-Wurm- und Marktplatz in Dürmenz, der Erweiterung und Modernisierung der Kläranlage Lomersheim, das neue Feuerwehrhaus in Enzberg, die außensanierte Halle in Lienzingen, die Ertüchtigung des Uhlandbaues. Zur Erfolgsbilanz gehören das Wohngebiet Pforzheimer Weg in Großglattbach, jetzt auch die Wohngebiete Pferchäcker in Lienzingen und Bauerngewand in Mühlhausen. Mit der Beseitigung der 110-kV-Leitung in Enzberg – jahrelang erhofft und jetzt erst erreicht – entstehen auch in Enzberg neue Möglichkeiten für den Wohnungsbau.
Millionen-Projekte wie die Feuerwache und die Lindach-Sporthalle, aber auch das Jugendhaus, die die Stadtpolitik – obwohl dringlich – jahrelang vor sich herschob ganz nach dem schwäbischen Spruch „M’r sott“. Für Nicht-Schwaben: Man sollte. Der „M’r“ hieß dann Frank Schneider. Ihm gelang die Realisierung.
Des Weiteren: Die Gründung der Stadtbau Mühlacker GmbH als städtisches Tochterunternehmen zur Schaffung öffentlich geförderter Wohnungen, aber auch für kommunale Infrastrukturmaßnahmen: In der Amtszeit von OB Schneider als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtbau wurden in den vergangenen Monaten noch auf den Weg gebracht die beiden Kindertagesstätten „Ziegelwiesen“ in Lienzingen und „Ziegelhöhe“ in der Kernstadt.
Weiter in der Bilanz: eine Rarität für Mühlacker – Gelder für ein Forschungsprojekt. Land und Europäische Union unterstützen mit mehreren Millionen Euro das gemeinsame Projekt von Stadtwerken Mühlacker und Firma Geltz, Torfersatz aus den Gärresten unserer Biomethananlage zu gewinnen und ein Projekt zur Stromspeicherung. Für das setzte sich der OB als Mitglied des Aufsichtsrats der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald ein. Ein wichtiges Leuchtturmprojekt für die Region.
Denken wir aber auch an die Stärkung der Jugendarbeit mit der Übernahme der Schulsozialarbeit und der mobilen Jugendarbeit auf die Stadt zusammen mit der Anstellung einer Stadtjugendreferentin.
Mühlacker, vor allem aber die Innenstadt veränderten sich in diesen Jahren deutlich. Mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben hier und mittendrin der OB mit seiner Familie in der Hindenburgstraße. Neue Aufgaben, größere Aufgaben: Die Integration von Migranten, die große Zahl von Geflüchteten mit allen Folgen für Schule und Kindertagesstätten, mehr Deutschkurse - Mühlacker wartet nicht ab und schaut zu, die Stadt nahm teil an dem Forschungsvorhaben des Deutschen Institutes für Urbanistik in Berlin „Vielfalt in den Zentren von Klein- und Mittelstädten – sozialräumliche Integration, städtische Identität und gesellschaftliche Teilhabe" und stellte eine erste Integrationsbeauftragte an.
Aber es sind auch die kleinen Dinge, die wichtig sind und das Leben der Menschen versüßen: Zum Beispiel das Christbaumständer-Museum im alten, rundum sanierten Fachwerk-Rathaus von Lienzingen, eine OB-Idee – wer sie besucht hat, ist begeistert. Vergessen wir auch nicht unsere Städtepartnerschaften mit Bassano del Grappa und Schmölln in Thüringen. Er pflegt die Partnerschaften. Das Gemeinsame, das Versöhnende, die Freundschaft liegt einem Menschen mit seinem Naturell.
Eine wunderbare und großartige Bilanz! Auch wenn COVID drei Jahre lang die Arbeit erschwerte.
Nach meiner Erfahrung seit 2001 kann ich sagen: Er verharrt nicht im Gegeneinander, sondern setzt auf das Miteinander – das schließt unterschiedliche Positionen in Sachfragen nicht aus. Gegenseitiges Vertrauen, Loyalität, Empathie für diese unsere Heimatstadt – all dies schätzt gerade der Gemeinderat an seinem Vorsitzenden, aber auch die Mitarbeitenden, wie die Umfrage von Bürgermeister Dauner belegt. Frank Schneider glaubt ans Gute im Menschen - bis zum Beweis des Gegenteils, insofern ganz in den juristischen Kategorien.
Wie regierte nun Frank Schneider?
Bürgermeister und Oberbürgermeister fühlen sich gesegnet mit den Vorzügen der Süddeutschen Ratsverfassung, die in einer Hand vereint den Vorsitz im Gemeinderat, die Leitung der Verwaltung und die Vertretung der Stadt nach außen. Wenn Sie so wollen: Bundespräsident, Bundeskanzler und Bundestagspräsident in einem. Der große Unterschied: Die Süddeutsche Ratsverfassung kennt zwar das Ausscheiden aus dem Amt, durch Tod und durch Rücktritt, nicht aber die Abwahl. Das garantiert Stabilität, Kontinuität und Verlässlichkeit. Kurzum: Eine starke Position, die Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet, die Frank Schneider nutzte, wie die Bilanz seiner Amtszeit beweist.
In der kommunalen Wirklichkeit zeigt sich das Spannungsverhältnis zwischen dem Hauptorgan „Gemeinderat“ und dem Organ „Oberbürgermeister“. Der Wissensvorsprung der Verwaltung einerseits, aber andererseits der latente Verdacht von Gemeinderäten, nicht alles zu erfahren, was sie nach ihrer Meinung erfahren müssten. Aber auch die Lust der Fraktionsvorsitzenden am Mitregieren und die Last, die dadurch für eine Verwaltung entstehen kann, erfordert ein geschicktes Austaxieren und lieber viel als zu wenig Kommunikation. Schneider kann sich in die Gemütslage von Ratsmitgliedern gut hineinversetzen, schließlich saß er zuvor auf der anderen Seite des Tisches. Aber dazu später mehr.
Das Gemeinde- beziehungsweise Stadtoberhaupt ist als einziges Mitglied des Gemeinderats in allen drei Phasen des kommunalen Geschehens entscheidend mit dabei: in der Phase der Entscheidungsvorbereitung, der Vorbereitung und rechtsgültigen Entscheidung im Gemeinderat sowie in der Phase der Entscheidungsausführung.
Außerdem hat der Bürgermeister das Recht, „in dringenden Angelegenheiten (...), deren Erledigung auch nicht bis zu einer ohne Frist und formlos einberufenen Gemeinderatssitzung aufgeschoben werden kann“, an Stelle des Gemeinderats zu entscheiden. Von diesem Instrument machte OB Schneider in seinen16 Jahren auch Gebrauch, aber mit Maß und Ziel, nach gründlicher Abwägung und möglichst vorheriger Mitteilung wenigstens an die Fraktionsvorsitzenden. Er bringt das notwendige Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Hauptorgan auf, meldet sich lieber einmal zu viel als Zuwenig.
Und wenn eine Vergabe etwa eines Gutachtens politisch heikel war, legte er dies dem Gemeinderat zur Entscheidung vor, auch wenn er selbst zuständig war. Er war nie „auf Krawall gebürstet“, wie man so schön sagt. Auch nicht im Umgang mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe als Rechtsaufsicht und schon gar nicht während dessen Baustelle Herrenwaagbrücke. Er legte selbst – (oder muss man sagen: gerade deshalb?) größten Wert auf einen guten Draht zu Ihnen, sehr verehrte Frau Regierungspräsidentin Felder, als mancher Stadtrat fast täglich Ihre Behörde wegen angeblicher oder tatsächlicher Bau-Fehler attackierte.
Manche mögen Zurückhaltung, Vertrauen, Vertraulichkeit, kurzum die leisen Töne als politische Schwäche auslegen, was in Wirklichkeit doch menschliche Größe ist.
Unser bisheriger Oberbürgermeister ist kein Mann der lauten, schon gar nicht der schrillen Töne. Er ist kein Freund der Konfrontation, sondern geschickter Vermittler und Kompromissfinder.
Auch das ist Frank Schneider. Er pflegt Führung auf ruhige Art, bezieht Position, führt gegensätzliche möglichst zusammen. An schwierige Themen geht er nach Juristen-Manier mit Distanz heran. Er behält die Gesamtschau, zerlegt aber den Komplex in Einzelteile, macht sie so für die Stadträte verstehbar. Diese müssen schließlich über unterschiedlichste Themen entscheiden, sollen sich auf vielen Feldern auskennen. Alles im Ehrenamt und somit neben dem Beruf. Deshalb müssen Vorlagen und Anträge verständlich sein. Zwar sagte Schneider schon frühzeitig, als OB gewählt, nicht als Jurist angestellt zu sein. Doch das schloss nicht aus, ein komplexes Thema juristisch zu sezieren, auf dass sie alle Räte verstehen und so deren Entscheidungsfindung erleichtern.
Am 1. Januar 2010 hatte Rechtsanwalt Frank Schneider sein neues Amt angetreten. Nun war er Chef im Rathaus seiner Heimstadt. Der Traum des Sohnes vom – wie er im Oktober 2001 augenzwinkernd bei der Kandidatenvorstellung im Mühlehof sagte - „Zahnweh Schneider“ aus der Bergstraße, also des Zahnarztes Schneider, erfüllte sich. Dass er dieses Amt anstrebte, wurde mir schon neun Jahre zuvor klar gemacht. Denn im entthronte mit 66 Prozent gegen 34 Prozent der Stimmen den Amtsinhaber Arno Schütterle. Acht Jahre später – nun Alleinbewerber – wurde Frank Schneider im Amt bestätigt. 2004, war der Jurist mit satten 5000 Stimmen in den Gemeinderat eingezogen, wurde Vorsitzender einer dreiköpfigen FDP-Fraktion.
Dass er sich erstmals 2001 um das OB-Amt bewarb, zwar im zweiten Wahlgang unterlag, aber trotzdem sein Ziel nicht aus dem Auge verlor und es acht Jahre später wieder versuchte, belegt: Wir haben es mit einem politischen Langstreckenläufer zu tun.
Frank Schneider trat 2009, als OB-Kandidat an mit dem Slogan „Mühlacker einen“ und traf damit den Nerv der Menschen, die die Dauer-Fehde zwischen Gemeinderat und damaligem OB satthatten. „Mühlacker einen“ blieb immer sein Motto. Das Motto eines ehrlichen Maklers. Nach seinem Amtsantritt vor fast 16 Jahren verlor sich der Eindruck, Mühlackers Gemeinderat sei ein zerstrittener Haufen. Das war er nicht mehr - trotz manchen kontroversen, leidenschaftlich geführten Debatten. Entscheidend war, dass Mühlacker nun wieder einen von allen akzeptierten Vorsitzenden des Gemeinderats und Leiter der Verwaltung hatte.
Ein wichtiges Dauer- Thema während der 16 Jahre Amtszeit des Oberbürgermeisters Schneider war: Wie erreichen wir Bürgerinnen und Bürger? Vor allem jene, die keine Zeitung mehr lesen? Oder eine andere Sprache sprechen? Oder die sich mit ihrer Stadt nicht besonders identifizieren? Wie und wo vermitteln wir die Realität, die Ratsentscheidungen, das Verwaltungshandeln? Denn auch eine Stadt muss ihre Leistungen „verkaufen“, an die Öffentlichkeit bringen. Wir sollten das Licht nicht unter den Scheffel stellen. Eine Formulierung aus der Bergpredigt Jesu und bedeutet, dass man seine Fähigkeiten und guten Taten nicht verstecken oder kleinreden soll. Jedoch bedarf dies auch personeller Ressourcen. Diese zu schaffen, gelang Frank Schneider, auch wenn das ein mühsames Geschäft war und ist, hier Mehrheiten zu gewinnen. Es sind Personalkosten… aber gute und intensive Öffentlichkeitsarbeit lohnt sich.
Kommunalpolitik ist mehr als zu bauen, zu sanieren, zu verwalten. Kommunalpolitik braucht auch Publikum, braucht Vermittler und Erklärer. Da sind wir bei Frank Schneider und die mediale Öffentlichkeit.
Sich an den öffentlichen Auftrag der Presse zu erinnern kann, auch für Kommunalpolitiker von Vorteil sein und ihre Nerven schonen.
Die Gretchenfrage: Wie auskunftsfreudig ist das Rathaus? Den Redaktionen gegenüber ist es meist zu verschlossen, auch in Mühlacker. Sagen die Journalisten. Ein Blick in das Landespressegesetz Baden-Württemberg lehrt: Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt. Wenn sie sich aber Nachrichten aus nichtöffentlicher Sitzung beschaffen konnte, machte das den OB fuchsteufelswild. Aber wenn selbst aus geheimen Sitzungen des Kontrollausschusses des Bundestags Geheimes nach außen dringt…
Kurz noch zu einem Bereich, der auch die Kommunikation in den vergangenen Jahren stark veränderte: soziale Medien und Internet? Es gab mal eine Frank-Schneider-Seite im Netz. Momentan beschränkt sich diese Präsenz auf das Grußwort aus der städtischen Web-Seite. Mühlackers OB schraubte seine Präsenz in diesen Plattformen zurück. Das ist gar nicht so schlecht. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die Zeit der Likes, die Zeit schnell getippter, um nicht zu sagen hingerotzter, auch beleidigender Kommentare über Kommunalpolitik bei Instagram, Facebook & Co. Und in Leserbriefen. Sachliche Kritik ist stets willkommen, der Streit um den richtigen Weg bringt uns voran Aber nicht das: ehrenamtlich Tätige, aber auch Hauptamtliche zu verunglimpfen, zu verspotten, zu beleidigen? Davon sind nicht einmal mehr auf Harmonie eingestellte Oberbürgermeister wie Frank Schneider sicher, wie mancher Leserbrief auch bei uns zeigte. Muss man sich das antun?
Meine Damen und Herrn, die gesamte Bilanz belegt:
Frank Schneider hat Probleme gelöst ganz im Sinne von Bob, dem Baumeister. Oder sollen wir nun sagen: Frank, der Baumeister? Doch seinem Nachfolger bleiben noch Aufgaben zu lösen, neue werden sich auftun. So ist der Zeiten Lauf. Der neue OB tritt jedenfalls in große Fußstapfen.
Frank Schneider entschied sich, nach zwei Wahlperioden nicht mehr anzutreten. Ein bisschen befördert haben hat dies sicherlich seine neue Rolle als Opa, die er mit sichtbarer Freude ausfüllt.
Doch von der Kommunalpolitik lässt er nicht ganz. Zumindest bis 2029 ist er Regionalrat und Kreisrat, aber auch Aufsichtsrat der Regionalen Kliniken Holding, unter deren Dach unsere Enzkreis-Krankenhäuser sind.
Frank Schneider gilt der aufrichtige Dank der Bürgerschaft für seinen unermüdlichen Einsatz als Oberbürgermeister von Mühlacker.
Der Dank des Gemeinderates gilt ihm für die gute Zusammenarbeit mit dem meist erfolgreich umgesetzten Willen zur Einigung.
Herzlicher Dank der Familie Schneider, insbesondere Patricia Schneider und den Söhnen Philipp und Moritz, die ihn stark unterstützten. Es waren hoffentlich auch für Sie erfüllte Jahre.
Der ganzen Familie wünschen wir alles Gute und Gottes Segen.
Vor der OB-Wahl 2001 sagte der damalige Kandidat Frank Schneider, er werde als Oberbürgermeister gute Arbeit für Mühlacker leisten schon allein deshalb, weil er auch nach Ende seiner Amtszeit erhobenen Hauptes durch seine Heimatstadt gehen wolle.
Lieber Herr Schneider, lieber Frank, das können Sie, das kannst Du!
Denn:
Frank Schneider hat sich als Oberbürgermeister um seine und unsere Heimatstadt verdient gemacht.
(Meine Rede als Erster ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Mühlacker bei der Verabschiedung von Oberbürhgrmeister Frank Schneider am 4. Dezember 2025 im Uhlandbau in Mühlacker)


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