Schon 1966: Mühlacker gegen "Bürgermeister zur Probe" und für den einzigen kommunalen Verwaltungsfachmann
Wiederholt sich Geschichte? Nein! Doch manche Ereignisse ähneln sich. Zum Beispiel die Bürgermeisterwahl im Jahr 1966 und die OB-Wahl 2025 in Mühlacker weisen gewisse Parallelen auf.
Ein Rückblick: 1966 wechselte Erich Fuchslocher (FDP), damals Bürgermeister von Mühlacker, als Landrat nach Vaihingen an der Enz. In den heimischen Rathauskreisen war bereits klar: Der damalige Bürgermeister von Sersheim, Gerhard Knapp, der auch einflussreicher Kreisverordneter der Freien Wähler im Vaihinger Kreistag war, sollte ihm nachfolgen. Er trat zur Wahl an und schien potenzielle Konkurrenten abzuschrecken.
Am Ende standen nur drei Namen auf dem Wahlzettel: Gerhard Knapp (37 Jahre), Bürgermeister, Sersheim; Gunter O. Mülker (35 Jahre) Diplom-Volkswirt, Verwaltungsassessor beim Landesarbeitsamt Baden-Württemberg, Steinheim an der Murr sowie Dr. Leo Peichl (48 Jahre), Diplom-Landwirt, Sachverständiger bei der Finanzverwaltung des Landes, Ludwigsburg-Oßweil. In der Lokalpresse stand, ein weiterer ersthafter Interessent, der noch am Tag zuvor in Mühlacker gewesen sei - es handle sich um einen Bürgermeister von außerhalb - habe sich in beinahe letzter Minute entschieden, seine Bewerbung nicht einzureichen. Hans Blauth (27 Jahre), Stadtinspektor bei der Stadt Worms, wohnhaft in Pleidelsheim, zog seine Bewerbung wieder zurück.
Angesichts dieser begrenzten Auswahl an Kandidaten musste der Gemeinderat sich öffentlich verteidigen. Stadtrat Adam beklagte, dass fälschlicherweise in der Öffentlichkeit die Meinung vertreten wurde, der Gemeinderat trage die Schuld an der geringen Anzahl von Bewerbern. Sein Kollege Craiß warf die Frage auf, ob vielleicht der Kreisrat oder der Kreistag seine Hand im Spiel hatte und ob bereits entschieden war, dass nur ein Fachmann gewählt werden soll, was auf eine gezielte Personalentscheidung hindeutete. Stadtrat Wißmann schloss sich diesen Äußerungen an und wies darauf hin, dass vermutet wurde, der Gemeinderat oder die Stadtverwaltung hätten Maßnahmen ergriffen, um potenzielle Bewerber abzuschrecken.

Mit der Feststellung, dass die geringe Anzahl an Bewerbern angesichts der Größe der Stadt Mühlacker überraschend war, löste Bürgermeister-Stellvertreter, Stadtrat und Oberstudiendirektor Karl Maneval (CDU) eine Debatte im Gemeinderat aus, über die das Mühlacker Tagblatt am 26. Februar 1966 berichtete. Knapps Mitbewerber waren Verwaltungsassessor Gunther Mülker und Dr. Leo Peichl. Favorit Knapp gewann im ersten Wahlgang mit 59 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 60,5 Prozent (2985 Stimmen für Knapp, 1644 für Mülker und 183 für Peichl).
Fast fünfzig Jahre später bei der aktuellen Bürgermeisterwahl zeigt sich, dass das ursprüngliche Bewerberfeld nun ähnliche Dynamiken aufweist. Drei Kandidaten aus dem Gemeinderat und zwei, die mit Verwaltung nichts am Hut haben: Das soll alles gewesen sein? Niemand darunter mit Erfahrungen einer Kommunalverwaltung? Reicht das? Nicht nur ich meinte: nein! Da kam er dann rechtzeitig zum Straßenfest am zweiten September-Wochenende: der Retter! Nomen est omen. Stephan Retter, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer von Steinheim an der Murr im Kreis Ludwigsburg.
Der einzige Kandidat mit langjähriger und führender Tätigkeit in der Kommunalverwaltung. Das war Retter. Sein Pluspunkt, der ihm im zweiten Wahlgang den Sieg brachte. Und hier wiederholte sich, was 1966 auch geschah: Mühlacker braucht keinen Bürgermeister zur Probe. Ganz ähnlich brachte die CDU Mühlacker eine ähnliche Botschaft 2025 zu Retter unters Volk: Wir wollen keinen OB-Lehrling.
Als Knapp – 1972 im Willy-Brandt-Fieber zur SPD konvertiert – 1974 erneut antrat, bemühten sich 45,14 Prozent der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe. Genau 98,9 Prozent machten ihr Kreuzchen hinter den Namen des Mannes, der seit 1. Januar 1973 nach dem Aufstieg Mühlackers zur Großen Kreisstadt nun ein Ober vor den Bürgermeister setzen durfte.
1986 versuchten der nach Mühlacker eingeheiratete örtliche Geschäftsmann, der Berliner Helmut Liehr und Remstal-Rebell Helmut Palmer, Vater des heutigen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer, den Rathauschef aus dem Sattel zu heben, was gründlich misslang. Doch den ganz so strahlenden Sieger wie zuvor Knapp immer sein konnte, verhinderten die Wähler (Beteiligung 52,7 Prozent): Knapp 79,1 Prozent, Liehr 10,1 und Palmer 9,8. In Großglattbach schnitt Gerhard Knapp mit 70,3 Prozent am schlechtesten ab – trotz eifriger Werbung der Ortshonoratioren für den OB.



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