Nach der OB-Entscheidung: Die Sache mit der Wahlbeteiligung
Wie war sie nun, die Beteiligung an der Wahl des neuen Oberbürgermeisters in Mühlacker? Schlecht, gut oder im Vergleich besonders gut respektive besonders niedrig. Die Antwort: je nach Sichtweise gut, mittelmäßig oder schlecht. Die nachstehende Grafik für alle Kommunalwahlen in Mühlacker seit mehr als 50 Jahren beweisst: Sie war durchwachsen:
Dazu passst eine Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vor wenigen Tagen. Danach lag 2024 der Durchschnitt in Baden-Württemberg bei knapp 53 Prozent. Die niedrigste Wahlbeteiligung verzeichnete mit 16,3 Prozent - nur Amtsinhaber Jürgen Großmann (CDU) am Start - die Stadt Nagold (Landkreis Calw) bei der Hauptwahl am 22. September 2024, die höchste mit 89,9 Prozent die Gemeinde Böllen (Landkreis Lörrach), die kleinste Kommune des Landes, bei der Hauptwahl am 10. November 2024. Mühlacker hatte im ersten Wahlgang 49,68 Prozent, im zweiten 44,4 Prozent.
Die Hitliste der Kommunalwahlen in Mühlacker seit 1973 zeigt: Es gibt kein Muster dafür, dass eine der Entscheidungen – Oberbürgermeisterwahl, Gemeinderat oder Kreistag – generell am höchsten im Kurs liegt. Es kommt auf das jeweilige Angebot an, auf den Zeitpunkt und auf die personellen Konstellationen. So erlebte Mühlacker in diesen gut fünf Jahrzehnten bei einer OB-Wahl nur 2017 einen einzigen Bewerber, nämlich Amtsinhaber Frank Schneider. Lediglich 18,27 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urne – so wenig wie bei keiner anderen Wahl in diesem gesamten Zeitraum. Ergibt Rang 31 und somit letzter Platz.
Weshalb gerade die Gemeinderatswahl 1994 mit 65,73 Prozent den ersten Platz einnahm und damit allen anderen den Rang ablief, lässt sich erahnen – erstmals reichten die Grünen in Mühlacker eine Liste ein. Ergo: Mehr Bürger wurden angesprochen und fühlten sich mit ihren politischen Vorstellungen vertreten.
Die Gemeinderatswahl im September 1975 war die erste nach dem Abschluss der Eingemeindungen: mit 60,70 Prozent kam sie aber nur auf Rang vier.
Die OB-Wahl am 24. Oktober 1993 mit den prozentual am meisten Wählern war für die am 1. Januar1994 begonnene achtjährige Amtszeit (Platz 6 mit 59,85 Prozent) – hier entschied sich im zweiten Wahlgang die Nachfolge von Gerhard Knapp (SPD), der nicht mehr weitermachen wollte. Erstmals trat mit der von SPD und Grünen – und auch von mir – unterstützten Andrea Klöber aus Leonberg eine Frau an. Zudem schickte erstmals mit den Republikanern (REP) eine erklärt rechtsstehende Partei einen Kandidaten ins Feld: den Pforzheimer Landtagsabgeordneten Klaus Rapp. Gewählt wurde aber der Bürgermeister von Michelfeld im Kreis Schwäbisch Hall, Klaus Schönfeld, hinter dem das bürgerliche Lager stand, mit 5396 Stimmen (Klöber 3945, Rapp 391, Sonstige 64).

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