Lokal und real - die Energiewende
Energiewende regional. Laut lokalen Energieberichten soll der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 50 Prozent unseres Strombedarfs steigen. Wie sieht dann unsere Landschaft aus? Das beschäftigt die Menschen. Einen Einblick gibt es in Iptingen und Großglattbach. Dort war ich jetzt unterwegs – passend zum Thema mit meinem Stromauto bei allerdings nicht sehr freundlichen 32 Grad Celsius. Aus Gesprächen weiß ich, dass momentan in unserem Stadtteil Großglattbach weniger die geplanten Windräder im Fokus stehen als mögliche Waldbeeinträchtigungen während der Bauzeit, besonders durch die Zuwegung. Vor Ort zeigte sich: Direkter Eindruck ist unersetzlich. Deshalb muss auch der Gemeinderat her.
Drei Projekte an meiner Strecke:
Solarpark Ortental in Wiernsheim
Der Solarpark Ortental im Wiernsheimer Ortsteil Iptingen ist bereits aus der Ferne als markantes Merkmal der Umgebung erkennbar. Er mutet er an wie ein riesengroßer Teppich, der sich an die Erde schmiegt, als wolle er ihr Schutz bieten. Die Anlage zählt zu den größten ihrer Art in der Region. Sie wurde 2023 von der wpd onshore GmbH & Co. KG aus Bietigheim-Bissingen projektiert und in Betrieb genommen. Der Solarpark umfasst 17.884 Photovoltaik-Module und erzielt eine Gesamtleistung von zehn Megawatt im Jahr 2023.
66 Wechselrichter sind auf der gesamten Anlage verteilt, die den Gleichstrom der Module in einen Wechselstrom wandeln und diesen ins Netz einspeisen. Der durchschnittliche Ertrag im Jahr liegt bei zwölf Millionen Kilowattstunden und versorgt etwa 4000 Haushalte mit Grünstrom lokal. Bei einer Leistung der Anlage von zehn MWp lassen sich 6200 Tonnen CO? vermeiden (Angaben des Betreibers) Unter den aufgeständerten Modulen können Schafe und Gänse auf einer Blühwiese futtern. Freilich: Die müssen sich gerade meinem Blickfeld entzogen haben.
Die wpd onshore GmbH ist ein bundesweiter Akteur der Energiewende und gründete für Photovoltaikprojekte die Tochter wpd Solarpark Wiernsheim Ortental GmbH & Co. KG mit Sitz in Bremen (Stephanitorsbollwerk 3, HRA 28923). Ihr Geschäft umfasst Bau, Betrieb und Verkauf von PV-Anlagen sowie der erzeugten Energie.
Fotovoltaikanlage in Großglattbach
Einen Solarpark auf einer Fläche von 8,99 Hektar wird es bald auch in Großglattbach geben, geplant von der Firma Inter Bio-Trade GmbH. Die Module sitzen schon nahe dem Waldrand, sind noch verpackt, warten auf den Einbau. Das gesamte Plangebiet mit Stall, Streuobstwiese und Eingrünung (freiwachsende Hecken) weist eine Fläche von etwa neun Hektar auf. Extra dafür stellte die Stadt den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Freiflächen-Photovoltaik-Anlage Gewann Seite auf, nachdem die örtlichen Landwirte Sandra und Simon Baral im Rathaus mit ihren Plänen vorstellig geworden waren. Im Gemeinderat gab es keine Widerstände.
Bis jetzt handelt es sich um landwirtschaftliche Fläche. In Bezug auf den Ertrag besitzt die Fläche allerdings eher eine geringere Bodenqualität, so dass sich die Entwicklung hin zu einer Fläche, die die Aufstellung von Sonnenkollektoren ermöglicht, als geeignetere Nutzungsform an diesem Standort darstellt. (Stadtverwaltung Mühlacker). Zudem sei das Errichten der PV-Anlagen auch aus topografischer Sicht sinnvoll, da das Areal nach Süden abfalle.
Es ist ein Projekt der Firma Inter Bio-Trade GmbH. Wiernsheimer Straße 4, 75449 Wurmberg. Gegenstand laut Handelsregister Amtsgericht Mannheim HRB 710454: Der Handel, die Logistik, die Lagerung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, insbesondere von Erzeugnissen aus ökologischer Landwirtschaft. Die Vermietung und Verleihung von Maschinen und Fahrzeugen. Stammkapital: 25.000 Euro. Als Geschäftsführer wird Karlheinz Baral angeführt.
Solarpark im Gewann Seite: Konflikte mit Zauneidechsen und Feldlerchen
Vor Baubeginn forderte der Naturschutzverband Baden-Württemberg die Umsiedlung von Feldlerchen und Zauneidechsen. Das Projekt überschneidet sich mit dem landesweiten Biotopverbund und dem Generalwildwegeplan. Auch regionale und lokale Wildwechsel sollen laut Bebauungsplan geschützt werden. Kritiker bemängeln, dass solche Anlagen auf Äckern das Spannungsfeld zwischen Ernährung, erneuerbaren Energien und Artenschutz verschärfen; sie bevorzugen die Installation von Fotovoltaik auf Dächern.
In Großglattbach liefern Photovoltaikanlagen mit insgesamt rund 1,5 MW jährlich etwa 1,3 Millionen kWh Strom – genug für ca. 400 Haushalte. Die meisten Anlagen stehen auf ungenutzten Dächern, was lokale Energie stärkt. Es gibt noch weiteres Potenzial.
Laut aktuellen Berichten der lokalen Energiebehörden liegt der Anteil erneuerbarer Energien in unserer Region derzeit bei etwa 35 Prozent des Gesamtverbrauchs. Ziel ist es, diesen Anteil bis 2030 auf mindestens 50 bis 60 Prozent zu erhöhen. Dazu sind weitere Ausbauprojekte und innovative Lösungen erforderlich. Ziel ist es, mehr Energie lokal zu erzeugen und zu nutzen sowie die regionale Wertschöpfung zu fördern. (Quelle: KI)
Geht auch bei der Windkraft noch mehr?
Mit schwindender Erinnerung an die Energiekrise steigt die Kritik an erneuerbaren Energien – etwa wegen Lärm, Schattenwurf, Einschränkungen für die Landwirtschaft und Umweltfragen. Dialog und Transparenz sollen durch Bürgerbeteiligung Akzeptanz und Wissen fördern.
Die Stadtwerke Mühlacker planen gemeinsam mit der Kommunal-Partner GmbH Tübingen vier Windräder im Stadtwald bei Großglattbach. Die ersten Antragsunterlagen liegen beim Landratsamt Enzkreis vor, weitere Dokumente folgen. Detailinformationen gibt es auf der Webseite Windpark Großglattbach.
Partizipation und Transparenz
Windkraft ist effizient und umweltfreundlich, sorgt aber für Diskussionen über Lärm, Schattenwurf und Bürgerbeteiligung. In Großglattbach und Serres kritisieren viele, dass das Projekt ohne genügend Mitsprache umgesetzt wurde und fordern mehr Information und Beteiligung. Auch Befürworter bemängeln fehlende transparente Kommunikation der Kommunalpartner.
Auch in der Planung zeigen sich Lösungen: Natürliche Pufferzonen sorgen für Abstand zu Wohngebieten (im Entwurf des Regionalverbandes Nordschwarzwald für den Teilregionalplan Windkraft: 850 Meter – mehr als in anderen). Alternativ werden Industrieflächen und alte Deponien geprüft. Neue Windräder sind leiser, Solarparks bleiben landwirtschaftlich nutzbar oder schützen die Natur. Nach Ablauf der Nutzungszeit wird Wert auf umweltgerechte Entsorgung oder Recycling gelegt.
Einige Gemeinden bieten Bürgerbeteiligungsmodelle, bei denen Anrainer Anteile an den Energiewerken erwerben können. Nur leider die Stadtwerke Mühlacker nicht. Hier tut man sich genauso schwer mit der Öffentlichkeitsarbeit wie die Kommunal-Partner. Weil es letztlich das Projekt der Kommunal-Partner ist, fallen die Entscheidungen nicht in Mühlacker, sondern in Tübingen.
Für die Menschen vor Ort ist dies ein kommunales Projekt
Der Windpark an der Grenze zwischen Großglattbach und Serres entsteht auf städtischer Waldfläche, die Stadt erhält Pacht und eine Ertragsbeteiligung. Auch wenn von Tübingen aus die Umsetzung dirigiert wird (mit einer kleinen Nebenrolle der Stadtwerke Mühlacker) - für die Menschen vor Ort ist dies ein kommunales Vorhaben, ihre Ansprechpartner sind die Stadträte.
Deshalb muss die Stadt die zugesagte zweite Infoveranstaltung in Großglattbach durchsetzen. Und wir müssen uns im Gemeinderat – das zeigte mir die Wald-Tour – auch die konkreten Pläne über die Abwicklung der Baustellen und die Zuwegung zu den vier Standorten vorlegen lassen. Dazu gehören auch Lokaltermine. Nicht sein kann es, dass wegen Zuwegung und Baustellen in alte und gesunde Waldgebiete eingegriffen wird, schon gar, wenn in Steinwurfnähe eine freie landwirtschaftliche Fläche dafür genutzt werden kann. Das verträgt sich aber nicht mit der Vorgabe des Landratsamtes, Baustellen und Zuwegung ausschließlich im vom Regionalverband ausgewiesenen Vorranggebiet unterzubringen.
Genauso wichtig ist es aber auch, dass Kommunal-Partner und Stadtwerke sich als öffentliche Unternehmen verstehen mit der besonderen Verpflichtung zur permanenten Bürgerinformation. Das hat sich noch nicht bei allen Entscheidenden durchgesetzt. Die Sinne dafür müssen geschärft werden.
Gewöhnt haben wir uns offenbar an die Hochspannungsleitungen, die auch die Landschaft zwischen Großglattbach und Serres zerschneidet. Was ist schöner – diese Monster-Trasse oder ein Windrad? Ich behaupte, Letzteres. Doch wir wissen: Die Schönheit der Landschaft liegt im Auge des jeweilig












Kommentare
Noch keine Kommentare