Das Gefühl

Wie ein schwarzes Band - die neue Logistikhalle gleich neben dem Wohngebiet Eckenweiher. Entspricht aber dem Bebauungsplan. (Fotos: Günter Bächle)

Die Menschen im Eckenweiher erleben häufig das Gefühl, von der Stadt benachteiligt zu werden. Sie empfinden, dass ihre Interessen gegenüber den Belangen des angrenzenden großen Betriebs Mahle (früher Behr) zurückstehen müssen. Dieses Empfinden wurde verstärkt durch den Bau der Logistikhalle von Lang & Cie. Real Estate AG zwischen Osttangente und Siedlung im vergangenen Jahr (Nutzfläche:16.500 Quadratmeter für Porsche Logiostik GmbH) sowie der Zustimmung des Gemeinderats diese Woche zu einem Wohnheim für 80 Geflüchtete am Ende des Wallfahrtsweges - obwohl beides nichts miteinander zu tun haben. Mit dem Groß-Prfojekt Halle wurden sie auf dem linken Fuß erwischt, denn es gab vorab keine Informationen. Tatsächlich entspricht das Projekt ganz vom Bebauungsplan vom März 1982. Keine einzige  Befreiung war notwendig. Der B-Plan kam seinerzeit auch im öffentlichen Verfahren zustande.

Besonders groß ist die Sorge, dass die Eckenweiherstraße bis zur Osttangente verlängert und so zu einer Durchgangsstraße werden könnte – obwohl dies nie offiziell vorgesehen war. Diese Angst bekam vor rund sechs Jahren neuen Auftrieb, als die Stadt Mühlacker mehrere Hektar Wiesen zwischen dem letzten Haus und der Osttangente zu Gewerbebaulandpreisen erwarb. Es ist zu erwähnen, dass die CDU-Vertretung im Ausschuss, darunter auch ich, gegen diesen Kauf gestimmt haben. Letztlich schwor der Gemeinderat doch noch jeglichen Gewerbeplänen in diesem Bereich ab, wodurch diese Flächen zu den teuersten Wiesen der Stadt wurden. Dennoch entbindet das Viertel dies nicht grundsätzlich von der Übernahme gesellschaftlicher Aufgaben.

 

Manfred Metzger schuf die Skulptur: der Klosterstifter Walter von Lomersheim.

Historischer Rückblick

Die Geschichte des Eckenweihers reicht bis ins Hochmittelalter zurück und ist eng verknüpft mit der religiösen sowie wirtschaftlichen Entwicklung der Region. So erinnert am Stadteingang aus Richtung Lienzingen ein Denkmal von Manfred Metzger an Walter von Lomersheim, der 1138 ein Zisterzienserkloster am Eckenweiher gründen wollte und dafür sein Erbe stiftete. Da der Ort jedoch als ungünstig für das Kloster befunden wurde, zogen die Mönche etwa zehn Jahre später weiter nach Maulbronn.

Bedeutung durch die Eisenbahn

Etwa 700 Jahre später gewann der Eckenweiher erneut an Bedeutung, als hier zwei Eisenbahnstrecken zusammentrafen. Die Diskussion um den Standort des Bahnhofs Mühlacker zeigt, wie umstritten dieser war. 1845 äußerte Staatsminister Christian von Boeckh in der Zweiten Badischen Kammer Skepsis gegenüber einem Bahnhof am abgelegenen Eckenweiher Hof. Die Namensgebung des Bahnhofs war ebenfalls umstritten, da Gemeinderäte sich angeblich weigerten, den Bahnhof nach Dürrmenz zu benennen, und der wenig bedeutende Weiler Mühlacker schließlich Namensgeber wurde. Gemäß den Aufzeichnungen wurden die Flächen des Eckenweiher bereits 1832 der Gemarkung Dürrmenz zugeschlagen (Quelle: Uwe Hagmann und Matthias Lieb zum 150-Jahr-Jubiläum des Bahnhofes Mühlacker: Der sonderbare Gedanke, am Eckenweiherhof einen Bahnhof zu bauen. 2003. Herausgegeben von der Stadt Mühlacker).

Mit der Industrialisierung und dem Ausbau des Verkehrsnetzes wurde das Gebiet durch den Bau der Westbahn und einer Zweigstrecke nach Karlsruhe infrastrukturell erschlossen. Das Eckenweiher indessen erhielt gut 150 Jahre später doch noch einen eigenen Bahnhof, die Haltestelle Rösslesweg. 

Seit etwa 25 Jahren: Der Eckenweiher-Bahnhof - die Haltestelle am Rößlesweg

Siedlungsentwicklung ab 1960er-Jahren

Markungssteine im Wald beim Eckenweiher. Linker Stein links unten das Lienzinger Wappen.

Die systematische Planung der Siedlung begann in den 1960er-Jahren, als die Stadt Mühlacker auf den steigenden Wohnraumbedarf reagierte. Anfang der 1970er-Jahre wurden zunächst mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser errichtet. Die Menschen arbeiteten im Ziegelwerk, bei Steuler und dann auch beim Behr.

Strukturwandel und Erweiterung

In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde das Wohngebiet durch Reihenhäuser, Einfamilienhäuser und kleinere Mehrparteienhäuser erweitert. Die Architektur reicht von funktional bis modern. Im Laufe der Zeit wurde die Bewohnerschaft immer vielfältiger und umfasst heute Menschen verschiedenster Herkunft. Die Nachfrage nach Wohnraum besteht weiterhin.

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