Landespreis für Heimatforschung digital für Lienzinger Geschichte(n) - die Serie in meinem Blog

Fünf Landespreise an Autoren oder Autorenteams. Fotos: Michael Bode

Lienzingen bei Mühlacker oder ist es Mühlacker bei Lienzingen? Scherzhafte Frage von Karlheinz Geppert aus Rottenburg, Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen e. V. und der Jury zur Vergabe des Landespreises für Heimatforschung, in seinem Schlusswort. Er nahm den Faden auf bei der Preisverleihung am Donnerstagabend in Offenburg, nachdem der Ortsname Lienzingen immer wieder gefallen war - bei der Überreichung des Ditigal-Preises für meinen Blog Lienzinger Geschichte(n), bei der des Preises für das Fachwerkbuch über den Enzkreis an Mit-Preisträgerin Susanne Kaiser-Asoronye bis hin zu Holger Wahl, dessen Dokumentation über Weinsberg im Ersten und Zweiten Welkrieg einen Platz im Haus der Geschichte in Stuttgart erhält wie die Arbeiten der anderen Preisträger auch. 

Ein Beispiel der Serien-Beiträge

Welcher Ort nun schöner sei, Weinsberg oder Lienzingen - die Frage des Moderators Markus Knoll war denn auch rein rhetorisch. Lienzingen sei das schönste an Mühlacker, hatte ich ihm zuvor ins Mikrophon gesprochen. Süß, wie Susanne Kaiser-Asoronye bei Facebook später notierte: Als der Moderator sagte: Lienzingen zu Mühlacker gehörend .. und Günter dann: „aber net freiwillig ... wir wurden Zwangseingemeindet“ ... ich glaube, jeder im Saal googelt jetzt nach dem Ort. Einen besseren Botschafter gibt es nicht. 

Das alles - und das 3,26-Minuten-Video über mich - machte neugierig auf Lienzingen, unser Etterdorf mit dem unter Schutz gestellten historischen Ortskern, auf das Cafe Kirchenburg, den Nachtwächter, den Hirsch, auf Fachwerk und Kulturdenkmale. Reaktion aus dem Publikum: Da muss ich auch einmal hin. 

Die Feier im Offenburger Salmen. Unterhaltend, herzlich, informativ, wertschätzend – der Lienzinger Delegation hat sie ausgesprochen genossen. 

Blick in den Saal. Zwiete von oben in der ersten Reihe MdL Stefanie Seemann aus Mühlacker.

Lienzingen-Festspiele an historischer Stätte. Im Salmen in Offenburg: Hier verabschiedete 1847 die sogenannte Offenburger Versammlung um Friedrich Hecker und Gustav Struve die 13 Forderungen des Volkes. Dieses Papier fand große Resonanz in der Freiheitsbewegung 1847/48 in ganz Deutschland. Es war der erste Grundrechte-Katalog in Deutschland. 

Der Salmen als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung war denn auch einer der Veranstaltungsorte der Heimattage Baden-Württemberg, in dessen Rahmen die Verleihung des Landespreises für Heimatforschung stattfand. Zwei Stunden lang Programm - unterhaltend, informativ, gehaltvoll. Film-Portraits der Preisträger jeweils vorneweg, dann Überreichung der Urkunde durch den Vizepräsidenten des Regierungspräsidiums Freiburg,  Klemens Ficht sowie Offenburgs Oberbürgermeister Marco Steffens und Karlheinz Geppert, schließlich kurzes Interview mit dem Moderator. 

Der Landespreis für Heimatforschung ging an sechs Autorinnen und Autoren beziehungsweise Autorenteams aus Eppingen, Fellbach, Hemsbach, Bretten, Mühlacker und Stegen. Er ist mit insgesamt 17.500 Euro dotiert und belohnt seit mehr als 40 Jahren ehrenamtliches Engagement mit lokalgeschichtlichen Fragestellungen.

Mit Susanne und Dieter Kaiser: In ihrem Fachwerkbuch ist Lienzingen gut vertreten.

Kunstministerin Petra Olschowski sagte anlässlich der Verleihung: Ich freue mich besonders, dass wir auch wieder Schülerinnen und Schüler ehren, die sich intensiv mit den vielfältigen Aspekten ihrer Heimat beschäftigen. Sie wachsen in einer Welt auf mit globaler Vernetzung und gestiegener Mobilität. Da ist es umso wichtiger, dass wir uns mit dem eigenen Lebensumfeld, mit Traditionen und unserer Geschichte vor Ort auseinandersetzen. Die mit dem Landespreis für Heimatforschung ausgezeichneten Arbeiten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Identität Baden-Württembergs.

Die Kenntnis und das Verstehen der eigenen Heimat sind wichtig für unsere kulturelle Identität. Die Heimatforschung trägt dazu bei, die Vielfalt örtlicher und regionaler Traditionen Baden-Württembergs bewusst zu machen. Sie kann zu einem tieferen Verständnis von Heimat führen und dazu beitragen, die Heimat anderer in Toleranz zu achten, betonte Regierungsvizepräsident Klemens Ficht.

Heimatforschung erstreckt sich auf ein breites Themenspektrum, das von der Orts-, Siedlungs- und Naturgeschichte über Themen zur Migration bis hin zu lokalen Traditionen und Lebensläufen herausragender Persönlichkeiten reicht. Aus 84 eingereichten Bewerbungen wurden die ausgezeichneten Arbeiten ausgewählt, so das Ministrium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in einer Mitteilung. Der unabhängigen Jury gehörten Vertreterinnen und Vertreter des Landesausschusses Heimatpflege sowie Persönlichkeiten aus der Forschung und dem Schulbereich an. Neben den mit einem Preisgeld von insgesamt 17.500 Euro dotierten Auszeichnungen wurden auch acht Arbeiten mit Anerkennungsurkunden für das geleistete Engagement gewürdigt. 

Mit Moderator Markus Knoll

Erst zum zweitenmal gab es den Preis Digital - eben für die Lienzinger Geschichte(n)

Anerkennung, Ehre und Qualitätsnachweis - das ist für mich der mit 2500 Euro dotierte Preis für die 2019 gestartete Kategorie Lienzinger Geschichte(n), extra reserviert dafür eine  eigene Unterdomainadresse für die Serie mit inzwischen mehr als 60 Beiträgen. Wie es dazu kam? Als bei der Eröffnung der städtischen Christbaumständer-Ausstellung im Lienzinger Rathaus Ende November 2019 jemand erstaunt fragte: Was, Lienzingen war einmal selbstständig? - gab das den Anstoß, die Nachkriegsgeschichte meines Heimatortes bis 1975 aufzuarbeiten und die Ergebnisse - für alle zugänglich - ins Internet zu stellen. 

Inzwischen sprengen die Themen die Nachkriegszeit. Aber irgendwie hängt sowieso alles zusammen. Wichtige Quellen: Die sechs Bände mit den Protokollen der Gemeinderatssitzungen von 1944 bis 1975, aber auch weitere Akten aus dem Stadtarchiv Mühlacker, aber auch der Fundus des Landesarchivs Baden-Württemberg (Online-Abfrage unter dem Stichwort Lienzingen), eigene Unterlagen, Zeitzeugen... Fachkundige Unterstützung leistet die engagierte Leiterin des Stadtarchivs Mühlacker, Marlis Lippik, die die Beiträge in den Bestand des Archivs einreiht. Seit Neuestem ist der Blog auch gelistet bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. 

Ach ja, dass ich mehr als 45 Jahre Lokalredakteur der Ludwigsburger Kreiszeitung war - nach einem zweijährigen Volontariat bei der Pforzheimer Zeitung 1969/71 - hinterließ Spuren. Recherche und Texten. Schließlich gehört das zum alltäglichen journalistischen Geschäft. Leichter Vorteil!

Apropos Heimattage: Das wäre doch auch ein Projekt für Mühlacker zu 100-Jahre-Stadtrecht 2030. Vielleicht nimmt OB Frank Schneider den Ball auf. Er kam auch zur Preisverleihung nach Offenburg ebenso wie  unsere Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann, weitere Kollegen aus Gemeinderat und Kreistag, Lienzinger und Familie. 

Gratulant MdB Gunther Krichbaum

Freude II: Über alle parteipolitischen Grenzen hinweg gratulierten die Abgeordneten von Grün und Gelb bis zu meinem Mit-Schwarzen. Schön war, dass Stefanie Seemann (Grüne, Mühlacker) extra nach Offenburg kam, um bei der Preisverleihung anwesend zu sein. Im MT wird sie heute zitiert: Die Lienzinger Geschichte(n) bereichern auch meine Sicht auf die Kultur im ländlichen Raum, sagte Stefanie Seemann. Bächle mache sich in seinem Blog für alte Häuser stark. Sein großes Verdienst sei sein Plädoyer, auch Häuser, die schon abgerissen wurden, im kollektiven Gedächtnis zu behalten, so Seemann. Ihr Landtagskollege Erik Schweickert (FDP, Niefern-Öschelbronn) lobte die Ausgezeichneten dafür, mit ihrer Arbeit zum besseren Verständnis ihrer Heimat beizutragen und damit einen erheblichen Beitrag zur kulturellen Identität zu leisten. Und aus Berlin meldete sich der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (CDU, Pforzheim)und gestand, dass er besonders gerne den Beitrag las über den Lienzinger, der Präsident des VfB Stuttgart war.

 

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