Wie das Dorf zur zweiten Schule kam: Zoff mit dem Pfarrer, streitbarer Schultheiß, ein Klassenteiler von 90 und die Blutegel-Pleite

Die räumliche Nähe zu Kirche und Pfarrhaus, genügend Platz für das freistehende Gebäude, ein Viehstall,  weitere bildungsferne Nutzungen unter den Geschossen mit den Klassenzimmern und der Lehrerwohnung, so ein Holzlager und eine Futterkammer. Entscheidende Kriterien, die beim Schulbau im Lienzingen des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts gefordert waren. Doch bis zur Entscheidung erlebte das Dorf einen heftigen Streit ums Projekt mit mächtigen Beteiligten aus Knittlingen, Maulbronn, Ludwigsburg und Stuttgart. Eine ganze Behördenhierarchie mischte kräftig mit. Und die evangelische Kirche immer dabei. Lienzingen als Beispiel für lokale Entscheider vor mehr als 150 Jahren.

Bestandsaufnahme 1836, colorierter Plan des Mühlacker Geometers Schneider über das Gebiet rund um die Kirchenburg als Grundlage für Gespräche zur Lösung des Raummangels der Schule im heutigen Gebäude Kirchenburggasse 14. (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Signatur StAL FL 20-18_Bü 503)

Wann bauten die Lienzinger ihr zweites Schulhaus? Jenes mit der prägnanten Zwillingstreppe zur heutigen Kirchenburggasse hin – die leider inzwischen amputiert ist. Falsch ist jedenfalls das Jahr 1835, das in der amtlichen Beschreibung des Oberamtes Maulbronn steht.  Damals stritten sich die Lienzinger noch, ob es eine Erweiterung im Bestand sein darf oder eine ganz neue Schule. In der dicken Bauakte im Staatsarchiv Ludwigsburg fehlen ausgerechnet zu Baubeginn und Arbeiten die exakten Daten. Also lässt sich das Jahr nur erraten. Und da ist selbst ein sonst ungeliebter nörgelnder Schornsteinfeger als Zeit-Zeuge willkommen.

Ein weiteres schönes Archivstück, auch von Geometer Schneider 1836 gezeichnet: Der dritte der von Abele vorgeschlagenen vier Standorte einer neuen Schule, hier an der Staatsstraße nach Maulbronn (heute Knittlinger Straße) auf einem der Gärten rechts oder links. Vorteil: „gesunde Lage“. Nachteile: zu weit weg von Kirche und Pfarrhaus, Unruhe der Landstraße bei Kriegszeiten.

Wunderschön sind die handgezeichneten Pläne in den Bauakten aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg, über den heutigen Bereich Kirchenburggasse und Kirchenburg, anno 1836 angefertigt von Geometer Schneider aus Mühlacker für Kreisbaurat Abel, der die Aufgabe von Oberamt und Gemeinde hatte, einen Bauplatz für eine neue Schule zu „ermitteln“. Abel habe sich bereits am 29. Mai 1835 abends nach Lienzingen begeben.

In meiner Blog-Serie Lienzinger Geschichte(n) ein weiteres Kapitel: Der Schulbaustreit

Ein Aktenpaket im Staatsarchiv Ludwigsburg erweist sich als unerschöpfliche Quelle der Recherche über die Art und Weise der seinerzeitigen Abwägung unterschiedlicher Varianten, die  durchaus als effizient bezeichnet werden kann, möglicherweise effizienter als heutzutage. Zu finden ist die Kladde im Landesarchiv Baden-Württemberg unter der Signatur StAL FL 20-18_Bü 503 (Bl. 131 bis 183, Jahre 1834/39, von insgesamt knapp 200 Dokumenten zur Lienzinger Schule -  reichend bis zum Jahr 1960 mit dem Programm der Einweihung des dann dritten Schulgebäudes). 
Orientierungsplan des Schauplatzes des Streits um eine neue Schule in Lienzingen. (Quelle: Kartendienst der LUBW)

Das Gebäude  mit zwei Lehrzimmern, die Wohnungen des Schulmeisters und des Unterlehrers entstand gewissermaßen in einem groben Zeitfenster und unter Zeitdruck: Da sich der Schornsteinfeger im März 1837 darüber beklagt, dass im neuerbauten Schulhauß der falsche Kamin eingebaut worden ist, muss der Termin vor März 1837 liegen, aber wohl nach März 1836, wo's noch um die Finanzierung geht, wobei das eine flotte Erbauung gewesen wäre. Mit 1837 liegt der Fragesteller nicht falsch. 

Inzwischen Wohn- statt Schulhaus, heute Kirchenburggasse 15 (Foto: Antonia Bächle, 2021)

Jedenfalls monierte Kaminfeger Danneker aus Dürrmenz, dass diese Camin in dieser Gegend nicht passend seien, u[nd] auch gefährlich werden. Die Gemeinde reichte die Beschwerde ans Oberamt weiter – und das nahm sie zur Kenntnis und legte den Brief wohl ab. Niemand hatte Lust auf neuen Streit – nach der Vorgeschichte der neuen Schule allzu verständlich (Blatt 172).

Dabei hatten nicht nur kommunale Gremien kräftig mitgemischt  - aber nicht allein entscheidend. Auch der Ortspfarrer sowie übergeordnete Behörden wie das Oberamt in Maulbronn und die Regierung des Neckarkreises in Ludwigsburg verschärften den Druck.

Mehrere Varianten standen zur Debatte und beschäftigten die Gemüter stärker,  als es einem Dorffrieden gut tut. Vom sparsamen Vorschlag für eine Verbesserung im bestehenden Schulhaus, gegen den der Pfarrer Einspruch erhob, weil er vorher nicht darüber informiert wurde, das Konzept vom Mühlacker Werkmeister Friedrich Link (in manchen Dokumenten auch Linck geschrieben), schließlich das Gutachten des Kreisbaurats Abel aus Ludwigsburg mit einer klaren Präferenz für eine große Lösung statt einem Stückwerk. Vor allem gab es Vorgaben - um nicht zu sagen Druck - des Württembergisch Evangelischen Consistoriums, das gar einen von der Gemeinde schon abgeschlossenen Kaufvertrag mit dem örtlichen Chirurgen und Blutegelzüchter Eberhardt Friedrich Mehrer über Räume für Schulzwecke einfach kassierte. Zudem in letzter Minute trotz vom Konsistorium anerkannter Dringlichkeit die Frage, ob der außerordentliche Holzeinschlag als Finanzierungsbeitrag sich mit einer nachhaltigen Forstwirtschaft verträgt.

Die Regierung des Neckarkreises mit Sitz in Ludwigsburg verlangt via Oberamt Maulbronn von der Gemeinde Lienzingen, innerhalb von vier Wochen den Finanzierungsnachweis für die geplante neue Schule vorzulegen. Das Schreiben vom 2. April 1836 trägt die Unterschrift des Kreispräsidenten und Staatsrats Karl August von Bühler.

Den Reiz der alten Schriftstücke machen Schreibweise, Granmatik und ihre Eigenarten aus. Um die deshalb häufig im Originaltext wiedergegebenen und absichtlich weitgehend ungekürzten Dokumente besser einordnen zu können, gehören die handelnden Personen, ihre jeweilige Rolle, ihr Einfluss beschrieben. Somit entsteht auch ein Bild von Zuständigkeiten und dem Verwaltungsaufbau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Denn das einstige langjährige Herzog- und anschließend kurzzeitige Kurfürstentum Württemberg wurde zum 1. Januar 1806 – von Napoleons Gnaden – Königreich. Wilhelm I. setzte 1816/19 eine umfassende Reform der Verwaltung durch. Dabei ging es auch um die institutionelle Rolle der evangelischen Kirche, die sich gerade im Lienzinger Schulhausbaustreit mit ihren großen Kompetenzen stark auswirkte. 

Gemeinde saß gelegentlich zwischen allen Stühlen

Im  Viereck aus Gemeinschaftlichem Oberamt (weltliches Oberamt Maulbronn und kirchliches Dekanatsamt Knittlingen), der Regierung des Neckarkreises mit Sitz in Ludwigsburg und dem Königlichen evangelischen Consistorium in Stuttgart sowie den kommunalen Gremien mussten die Lienzinger in dieser Auseinandersetzung manchmal das Gefühl gehabt haben, zwischen allen Stühlen zu sitzen.

1835: Pfarrer M. Neuffer unterzeichnete ein Schreiben im Namen des Gemeinderats.

Heinrich Friedrich Krauß (1775-1844), Jurist, war von 1819 bis 1838 Oberamtmann des Oberamtes Maulbronn, das wiederum zum Neckarkreis gehörte, seit 1818 einer der vier Kreise des Königreichs und von 1918 an der Republik Württemberg (1924 aufgelöst).  Die Oberämter glichen den heutigen Landkreisen, die seinerzeitigen Kreise den jetzigen Regierungspräsidien. Gottlob Eberhard Hafner (1785-1858), evangelischer Theologe, amtierte von 1828 bis 1844 als Dekan in Knittlingen (heute Dekanat Mühlacker). Das Dekanat Knittlingen hatte eine besondere Rolle. Als Special-Superintendentur Maulbronn nach der Reformation in Württemberg, eventuell 1555, für das damalige Klosteramt Maulbronn eingerichtet, war es Teil des Generalats Maulbronn mit Sitz in Knittlingen. Weiterer Beteiligter: Der Präsident der Regierung des Neckar-Kreises mit Sitz in Ludwigsburg, Staatsrat Karl August von Bühler (1765-1848).

Vorsitzender des Gemeinderates und des Dorfgerichts auf Lebenszeit

Lienzingen zählte mit weiteren 22 Gemeinden zum Oberamt Maulbronn, vormals zum etwa 20 Orte umfassenden Territorium des Klosters Maulbronn.  Die  Nomenklatur in der Gemeinde: Gleichzeitig unterste örtliche Stelle zur Durchsetzung von Hoheitsrechten, andererseits aber auch der Vertreter der selbst verwalteten Dorfgemeinschaft saß der Schultheiß sowohl dem Rat als auch der eigentlichen dörflichen Verwaltungsbehörde, dem Dorfgericht vor. Gemeinderat und Dorfgericht waren wohl häufig personell weitgehend identisch. 

Seit 1819 war Vorstand der Gemeinde und Vorsitzender des Gemeinderats der Schultheiß, hauptamtlich vom Oberamt bestellt mit entsprechendem Gehalt und auf Lebenszeit aus einem Dreier-Vorschlag von der  Bürgerschaft gewählt. Bürgermeister hieß der Gemeindepfleger, quasi der Finanzmann im Rathaus. Erst seit 1930 sind die Verwaltungschefs mit der Amtsbezeichnung (Ober-)Bürgermeister versehen.

Eifrig mitgemischt im Lienzinger Schulhausbaustreit hat das Königliche evangelische Consistorium in Stuttgart, denn die lokale Aufsicht über die Volksschulen unterstand dem örtlichen Pfarrer. Gewichtige Worte mit sprachen deshalb auch der Dekan in Knittlingen und das Consistorium, vergleichbar mit dem heutigen Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche.

Neben dem Gemeinderat wählte die Bürgerschaft noch einen Bürgerausschuss, die zweite Kammer – alle zwei Jahre die Hälfte, die einzelnen Mitglieder jeweils auf vier Jahre. Der Bürgerausschuss sollte auch den Gemeinderat kontrollieren, der sieben oder mehr Mitglieder zählte und ebenfalls ein Mandat auf Lebenszeit hatte. Die Schultheißen während des Lienzinger Schulstreits von 1834/36 waren 1831 bis 1835 Friedrich Wilhelm Fehleisen und von 1835 bis 1852 Christian Geißler, jung (Quelle: Konrad Dussel, Ortsbuch Lienzingen, 2016, S. 144). Pfarrer Neuffer unterschrieb die erste schriftliche Stellungnahme aus dem Rathaus vom 11. März 1834 zum Gutachten Link, adressiert an das Königliche gemeinschaftliche Oberamt Maulbronn.

Die Schulen unterstanden auf lokaler Ebene vor und nach Inkrafttreten des Volksschulgesetzes des Königsreichs Württemberg am 29. September 1836 der Aufsicht des jeweiligen Pfarrers, die Oberaufsicht hatte der Dekan. Der Dekan und der Oberamtmann - also die kirchlichen und weltlichen Chefs - bildeten das Gemeinschaftliche Oberamt in Schulsachen zur Wahrung der äußeren Ordnung, für wirtschaftliche Angelegenheiten und Dienststrafsachen. 

Weltliche und religiöse Machtzentren gerieten in Streit

Das ist der Hintergrund der Spannungen zwischen Schultheiß und Ortsgeistlichem in jenen Jahren in Lienzingen, der zum Schulhausbaustreit führte, den letztlich die Kommune nach drei Jahren verlor.

Die alte, also erste Schule von Lienzingen, 1561 erbaut (rechts im Bild) platzte Ende der zwanziger/Anfang der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts aus allen Nähten. Die Gemeinde plante einen zweiten Lehrraum in dem Teil des Hauses gegenüber einzurichten, der dem Chirurgen, Wundarzt und Blutegelzüchter Eberhardt Friedrich Mehrer gehörte (links im Bild), doch Pfarrer und übergeordnete Behörden stoppten die Pläne. Das Mehrer-Haus ist heute Kirchenburggasse 5. (Foto: Günter Bächle, 2022)

Die Lienzinger und ihre Schulen – fast eine Liebesgeschichte. Wenigstens dem Grunde nach. Das Rechnen, Lesen und Schreiben galt hier viel schon vor Jahrhunderten, auch wenn  Ausmaß und Intensität vor dem heutigen Inhalt von Bildung verblassen dürften.  Jedenfalls gehörte Lienzingen zu den 150 Pionier-Dörfern im Herzogtum Württemberg, die  zwischen der Reformation - 1535 - und vor der von Herzog Christoph (1515-1568) anno 1559  erlassenen Großen Kirchenordnung eine eigene Schule gründeten. Christoph vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertiert, machte sie erstmals zur Pflicht in allen Gemeinden, die sogenannten deutschen Schulen. Damit entwickelte sich auch Baugeschichte. Drei Kapital schrieben die Lienzinger. So zu der durchaus unterhaltsamen Historie des Weges zum zweiten Schulgebäude, das heute noch steht. In dem ich die ersten drei Jahre meiner gleichfalls nicht immer stolperfreien schulischen Karriere absolvierte. Übrigens: erster Stock,  links, zwei Jahrgänge in einem Klassenzimmer.

Drei Standorte in mehr als 460 Jahren Lienzinger Schulgeschichte

Drei Schulgebäude in mehr als 460 Jahren, somit drei Standorte. Die erste Schule sei höchstwahrscheinlich 1561 auf dem Platz der heutigen Kirchenburggasse 14 (jetzt Café Kirchenburg) gebaut und 1739 saniert worden, so die promovierte Historikerin Petra Schad (in: Ortsbuch Lienzingen, 2016). 1837 ließ die Kommune, einige Schritte weiter, heute Kirchenburggasse 15, das zweite errichten - genutzt bis 1960. Seitdem wird die jeweilige Dorfjugend unterrichtet in der Schule an der Ecke Friedrich-Münch-Straße/Dr.-Otto-Schneider-Straße, von der Stadt Mühlacker 1995/96 für 2,71 Millionen Euro um vier Klassenräume erweitert. 

1834 bis 1836 Streitobjekt, obwohl es noch garnicht stand - Heute Kirchenburggasse 15: Das 1837 errichtete Gebäude, das bis 1960 Schule war und das die Gemeinde Lienzingen 1969 an einen Privatmann verkaufte. Heute wird es ausschließlich für Wohnzwecke genutzt. (Foto: Antonia Bächle, 2021)

Um just dieses Schulhaus Nummer 2 dreht sich dieses weitere Kapitel der Lienzinger Geschichte(n). Die Verantwortlichen des etwa 1000 Einwohner zählenden Dorfes zerbrachen sich vor gut 170 Jahren den Kopf, wie die Raumprobleme ihrer Schule gelöst werden können.  

Die Gemeinde musste 1834/36 handeln, Schulraum fehlte massiv.

Die größeren Schulkinder, 94 an der Zahl, wurden in der Schulstube im Schulhaus vom Schulmeister und die kleineren Kinder, 70 an der Zahl, seit 1828 in einem Zimmer auf dem Rathhaus, eine ziemliche Streke vom Schulhaus entfernt, vom Provisor (dem Hilfs- oder Unterlehrer) gelehrt und unterrichtet, steht in einem Aktenvermerk von 1834. Da die Gemeinde Bedarf an dem Raum im Rathaus anmeldete, mus nothwindig für weiteren Gelaß der Schule daselbst gesorgt werden. 

Damit gemeint waren das erste Schulgebäude (heute Kirchenburggasse 14, Café Kirchenburg) und das seit 2019 als städtisches Museum genutzte, anno 1719 errichtete Rathaus (heute Friedenstraße 10). 

Der Situationsplan von den Gärten und deren Umgebung, auf welche ein Schulhaus gebaut werden will, schreibt Friedrich Link, Werkmeister aus Mühlacker, am 28. Februar 1834, zu Beginn seiner Untersuchungen im Auftrag der Gemeinde Lienzingen: 1 Michael Straubs Witwe Scheuer, 2 Heinrich Kientsch Würz- und Grasgarten, 3 Allmand Platz, 4 Allmand Wasser Wette, 5 Schüpfbronnen, 6 Gerbergruben, 7 Comun=Waschhaus, 8 Mateus Christian Feuchts Haus, 9 Kirchhof. Der Plan ist nicht nach Norden, sondern nach Süden ausgerichtet (Zahlen-Eintrag: Karin Jauch, 2022).

Also insgesamt 164 Kinder laut Aktenvermerk vom 7. März 1834. Gab es seinerzeit zwar noch kein Statistisches Landesamt, aber doch Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahl?

Indessen aber hat die Kinderzahl wieder so zugenommen, daß das alte Schulzimmer nicht reicht

Fast scheint es so gewesen zu sein. Denn knapp zwei Jahre später schrieb das Königliche Dekanatamt Knittlingen dem Oberamt Maulbronn,  dass es auch annehmen zu können glaube, die Schülerzahl werde sich in Lienzingen so ziemlich gleich um 160 bis 170 halten. Die Veranlassung zu dem Consistorial-Erlasse hat ohne Zweifel an Bericht gegeben den ich im August v[origen] J[ahres] in Bezug auf das pojectirte, neue Schulgesetz erstatten mußte. Nach demselben erfordern 181 Schüler 3 Lehrer, und zufällig waren der Schüler in Lienzingen nach dem damaligen Stand 188, welche Zahl jedoch wieder senken wird, war sich Dekan Hafner bewusst (Blatt 150). In einer Passage des Protokolls vom 11. März 1834 findet sich diese hübsche Information:  

Indessen aber hat die Kinderzahl wieder so zugenommen, daß das alte Schulzimmer allein von den Schulkindern des Schulmeisters voll wird, und es ist zu erwarten, daß selbige schon im nächsten Jahre nicht mehr darin Platz haben. 

Der neue Klassenteiler lag bei 90, was das Problem verschärfte. Rechneten die örtlichen Entscheidungsträger zunächst mit weiterhin zwei Räumen, so wären nun möglicherweise drei notwendig gewesen. Eine der zwischen den beteiligten Stellen hin- und hergeschobenen Planungsvarianten sah Platz für gut 200 Kinder vor. Das Königliche evangelische Consistorium schrieb, die Zahl der Schüler werde stabil bei 180 bis 190 sein. Letztlich baute die Gemeinde für etwa 220 Kinder.

Werkmeister Friedrich Link übernimmt Auftrag der Gemeinde

Eine Bestandsaufnahme der Nutzung des ersten und aktuellen Schulgebäudes legte im Auftrag des Lienzinger Gemeindevorstehers der Mühlacker Werkmeister Friedrich Link am 28. Februar 1834 vor - verbunden mit einem Situationsplan von den Gärten und deren Umgebung, auf welchen ein Schulhaus gebaut werden könnte.

Das alte Schulhauß steht zunächst bey der Kirche und nahe bey dem Pfarrhaus und es ist daßelbe 19‘ 2‘‘  (also 19 Fuß und zwei Zoll) breit,  43‘ 5‘‘ 58 lang, 2 Stock hoch mit Hölzernen Stokwerken versehen. Im 1tn Stock befindet sich 1 Schulzimmer, eine kleine Kuche worin sich ein Backhofen befindet und 1 Voröhrn (=Hausflur/ Diele).  Das Schulzimmer enthält über Abzug der Kuche und des  Voröhrens 531 3/10 ?‘. Im 2tn Stock befindet sich die Wohnung des Schulmeisters bestehent in einer Wohnstube 2 Kammern, 1 Kuche, 1 Speiskämmerle und 1 Voröhrn (aus: Aktenvermerk 7. März 1834, Gutachter Friedrich Link, Blatt 173 ff).

Wer heutzutage einen Blick wirft auf dieses, vor wenigen Jahren sanierte Fachwerkgebäude links vor der Holzbrücke zur Kirchenburg, wundert sich: Der Lehrer und seine Familie wohnten seinerzeit in beengten Verhältnissen im zweiten Stock in sechs winzigen Räumen inklusive Flur. In der ersten Etage drängelten sich um die 90 Mädchen und Buben beim Unterricht, nebenan hatte die Lehrerfamilie ihre Küche mit Backofen. Gemeinderat und Bürgerausschuss sahen dringenden Handlungsbedarf. Ihr Blick fiel auf das große Eckgebäude auf der anderen Seite der Kirchstraße, genauer auf jenen Teil, der dem Chirurgen und Züchter von Blutegeln, Eberhardt Friedrich Mehrer, gehörte. Beide Kollegien einigten sich im November 1833 auf den Kauf des Anwesens. 

Die Geschichte von Chirurg, Wundarzt und Blutegelzüchter Eberhardt Friedrich Mehrer aus Lienzingen. Aus: Gemeinnützige Blätter zur Belehrung und Unterhaltung: als gleichzeitige Begleiter der vereinigten Ofner und Pester Zeitung von Christoph Rösler. Jan. 1828 · Univ. Dr., 832 Seiten (Quelle: Google Play Bücher, alle drei Faksimile)

Die Immobilie – Haus, Scheuer, Hofraum – teilten sich gemeinschaftlich Mehrer und Christoph Luz sen. zur Hälfte. Ins Visier nahm die Kommune jenen Teil von Mehrers Eigentum, welcher noch auser dem hälftigen Antheil zwischen Haus und Scheuren einen Anbau besitzt. Dort sollte die Schule mit bereits zugesagter oder erwarteter – das ist nicht so genau festzustellen - höherer Genehmigung erweitert, die Fläche zuvor aufgekauft werden. Sowohl Lageplan als auch Angaben in den Akten lassen daraus schließen, dass es sich um das Anwesen gegenüber dem Pfarrhaus handelt mit einer Durchfahrt zum Hof und steilen Treppen zu den Wohnungen im ersten Stock, es also die heutige Kirchenburggasse 5 ist (Blatt 175 ff).

Varianten boten sich an, Werkmeister Link untersuchte sie auf das penibelste, hielt sie in einem Gutachten fest, stellte sie mit Maßen und Kosten gegenüber, gelangte dann zu einer Empfehlung.

Variante 1: Der Schulmeister müsste seine Wohnung im Obergeschoss der Schule aufgeben, ins Mehrerische Haus umziehen und so die bisherige Unterkunft seiner Familie für den zweiten Klassenraum freimachen. Gleichzeitig ließe sich der Schulraum im ersten Stock  durch den so möglich werdenden Verzicht auf Küche und Backofen sowie die Verkleinerung der Diele erweitern. Allerdings hätte als Zugang zum oberen neuen Klassenzimmer außen an der Giebelseite eine Treppe gebaut werden müssen. Immerhin seien dann, so argumentierten die Verfechter dieser Idee, alle Schüler unter einem Dach. Link rechnete die Gesamtfläche aus und schrieb in seinen Vermerk:

Thut zusamen in beiden Schulzimmer im alten Schulhaus 1365 Quadratfuß, davon 710 im unteren Schulraum (1 Quadratfuß =  821 Quadratzentimeter, Anm. d. A.). Die lichte Höhe des oberen Raumes betrage an den Zargen acht Fuß, gegen Mitte nur fünf bis sechs Fuß, weil dort die Deken bedeutend eingeschlagen seien.

Variante zwei: In der alten Schule bliebe alles wie dato vorhanden, der notwendige zweite Klassenraum würde in dem ehemaligen Mehrer-Gebäude geschaffen.

Hier wären zu verwenden, die bisherige Wohnstube und Schlaufkammer (= Schlafzimmer) und noch ein Theil von der Kuche, so daß die bisherige Wand zwischen der Kuche und dem Öhrn in gleicher Richtung durch die Kuche fortgeführt würde und somit würde dieser Raum betragen auf 31‘(=Fuß) 7‘‘ (=Zoll) breit vergl. 16‘ 8‘/2‘‘ lang  thut 534‘ /10 ?‘ Die Lichthöhe in diesem Gelaß ist (…) hoch. Neben der Schlaufkamer in dem Anbau zwischen dem Haus und der Scheuer, befindet sich zwar noch eine Kammer, im Lichten 18‘ 6‘‘ breit und 13‘ lang, aber im Lichten nur 6‘ 9‘/2‘‘ hoch, und ist daher der Niedern wegen nicht wohl zum Schulzimmer zu verwenden tauglich (Blatt 176).

Also: Variante 1 brächte 1365 Quadratfuß als gesamte Nutzfläche für den Unterricht. Variante 2 gut 534 Quadratfuß plus dem Raum im ersten Stock der alten Schule, die mit 531 Quadratfuß unverändert bliebe, zusammen 1065 Quadratfuß. 

Die Originale von Geometer Schneider von der Diplom-Geografin Karin Jauch lesbar gemacht. Grün umrandet die heutige Kirchenburggasse 5..

Für die erste Variante errechnete Link Einrichtungskosten von ongefahr 255 fl. 

Nochmals der Plan für einen eventuellen Bauplatz für eine neue Schule (siehe oben): 2 A Schmiedgallischer Hofraum, 3 B Gottfried Lindauer Baumgarten, 3 C Mehrerischer Bauplatz 4 Ackerfeld, 4 D Friedrich Lindauer Gmeinsgarten, 5 Staatsstraße nach Maulbronn, 6 Fußpfad, 7 Der Ort, 8 Gaerten, 9 Aufgenommen von Geometer Schneider aus Mühlacker 1835, 10 Nordpfeil (Blatt 146)

Der Gutachter lieferte eine exakte Übersicht über Maße, Räume, ihre Nutzungen, bezog jeden noch so kleinen Winkel ein, klopfte sie auf den Bedarf der Schule ab, ob sie dafür taugten. Kokettierte im Zeitgeist:  Nach dem ohnmasgeblichen Ermeßen des gehorsamst Unterzeichneten (Link über Link)) sei die Lösung vorzuziehen, beide Klassenzimmer im bisherigen Schulgebäude unterzubringen, denn das zweite einzurichtende Schulzimmer im zweiten Stock des bisherigen Schulhauses werde auch nicht höher als das bisherige in der ersten Etage. Zudem lasse sich so auch für lange Zukunft hinlänglich Raum für die Schule gewinnen. Zudem spreche für beide Schulzimmer in einem Gebäude, dass ein jeweiliger Provisor besser unter der Aufsicht stehe als bei einer getrennten Lösung.

Mehrer-Haus: Treppe zu steil für die Schulkinder - wäre gefährlich zu paßieren gewesen

Wohingegen beim zweiten Vorschlag – im Mehrer-Haus – zwar der jetzt  erforderliche  Raum für die gegenwärtige Schulkinderzahl vorhanden sei, aber nicht für die Zukunft gesorgt wäre, wenn sich die Kinderzahl bedeutent vermehrt. Link brachte weitere Minuspunkte dieser Variante zu Papier. Die von beiden Hausbesitzern Luz und Mehrer gemeinschaftlich genutzte Stiege, welche im Mehrerischen Haus in den zweiten Stock führe, in dem das neue Schulzimmer eingerichtet worden wäre, sei auserordentlich steil und (wäre) für die Schulkinder gefährlich zu paßieren gewesen. 

Steil ist sie heute noch. 

Die Stufen der Treppe seien zu schmal, zudem mangle es auch an dem nötigen Raum, um einen Abtritt (=Toilette), für die Schulkinder auf eine schikliche Weise anzubringen. Anzunehmen ist nach Links Bewertung, daß in einem gemeinschäftlichen nehmlichen Stokwerk (…) , in welchem auch der andere Mithaus=Besizer wohnt, durch die Schulkinder leicht auch Ohnannehmlichkeiten verursacht werden kont.

Was nun den von der Gemeinde mit Mehrer abgeschlossenen Kaufvertrag betrifft, so listet er genau auf, was sie dafür erhält: eine halbe Scheuer ein Stock hoch sowie 51 Fuß und  5 Zoll lang, 32 Fuß 8 Zoll breit mit Tenne, einen Anbau zwischen Haus und Scheuer, ein Teil des gewölbten Kellers. Mitten durch die lange Seite führe eine Durchfahrt in den Hof und in die Scheuer. Zudem: Im Hausanteil des Mehrers im Erdgeschoss und Sockelgemäuer befinde sich ein getrenntes – allein Mehrer gehörende - Kellerle, ein Viehstall, im ersten Stock eine Wohnstube mit eisernem Ofen und irdenem  Aufsatz, Schlafkammer, Küchele und Anbau.  

Die zentralen Punkte in Links Untersuchung 1834: Mehrer-Haus (gelb umrandet), alte Schule (grün) und Pfarrhaus (violett). (Quelle: Google map)

Fürwahr verzwickte Eigentumsverhältnisse. Die Nutzung richtete und regelte sich teilweise auch nach der Tageszeit, denn die Tenne inmitten der Scheuer war gemeinschaftlich, die halbe Tenne im Dachraum gehörte Mehrer allein  und der Bahrn – die waagrechte Balkenlage im Dach - zur rechten Seite der Tenne beiden Parteien zusammen. Der Hausanteil sei gut verblendet, die Stuben in beiden Stockwerken seien in gutem, die Böden im Dachwerk hingegen in geringem Zustand, wiederum in gutem das Holzwerk am Haus so wie am Anstoß und an der Scheuer.

Die Gemeinde sagte zu, für dieses ganze Paket 1811 fl. (=Florentiner Gulden, Währung von 1559 bis 1892, Wert eines Guldens um 1820 etwa 21 Euro) zu bezahlen. Unter den angeführten Umständen und nach den örtlichen Verhältnißen erscheint nach dem Ermeßen des gehorsamst Unterzeichneten der Ankaufspreis der Mehrerischen Gebäude als billig und nicht zu hoch. 

Friedrich Links Gesamtrechnung:

Schulerweiterung nach dem ersten Vorschlag, also Ankauf des Mehrer-Anteils:  1811 fl 

Die Einrichtung im alten Schulhaus ohnhgefähr 255 fl, zusammen also 2066 fl. 

Er beleuchtete auch die Frage, ob es nicht zweckmäßiger sein würde, den Ankauf der Mehrerischen Gebäude aufzugeben, das bisherige Schulgebäude zu verkaufen und dagegen ein neues Schulgebäude zu erbauen. Basis seiner Kostenberechnung waren folgende Maße: 

Ohngefähr 50‘ lang 36‘ breit und 2 Stock hoch. Wobei aber vordersamst zu bemerken ist, daß hiezu im Innern des Orts zunächst dem Rathhaus und ohnweit der Kirche nur ein ordentlicher Bauplaz vorhanden wäre, welcher aber die Gemeinde schwerlich durch freiwillige Übereinkunft von dem Eigenthümer käuflich an sich zu bringen im Stande seyn wird. Und in diesem Fall müßte ein neues Schulgebäude außerhalb dem Ort aufgeführt werden.

Sein Kostenvoranschlag für einen Neubau einschließlich Preis für den Bauplatz, unter Abzug des Wertes des erforderlichen Eichenholzes aus dem gemeindeeigenen Wald sowie den der Kommune sowieso zu leistenden Fuhr- und Handfron-Diensten: ohngefähr 3400 fl.

Neues Schulhaus um 734 Gulden teurer als Erweiterungen im Bestand

Hiervon abgezogen der Aufwand nach dem ersten Vorschlag für die Erweiterung der Schule, also der Erwerb der Mehrerischen Gebäude mit 1811 fl., der eingesparten Einrichtungskosten im alten Schulhaus 255 fl. Aus dem Verkauf des dann nicht mehr benötigten Schulgebäudes würden sich etwa 600 fl. erlösen lassen, mache unterm Strich 2666 fl. aus. Ergo: Die Mehrkosten für ein neues Schulhaus lägen bei 734 fl. Die Gemeinde hätte dann nur ein Gebäude zu unterhalten. Die Signatur: Vorstehendes beurkundet Mühlaker den 28 Febr[uar] 1834 [eigenhändige Unterschrift] Fried[rich] Link, Werckmeister (Blatt 182).

Vita des Lienzinger Pfarrers Neuffer (Landeskirchliches Archiv, Stuttgart)

Das Link-Papier ging ans Gemeinschaftliche Oberamt Maulbronn/Knittlingen, das einen Monat später den Eingang des Gutachtens genauso bestätigte wie des Protokolls des Ruggerichts (einmal im Jahr tagende Beschwerdeinstanz der Bürger gegenüber der Obrigkeit) vom 18. März und die Anweisung, einen Bauplatz für ein Schulhaus in Gemeinschaft mit dem Gemeinderat zu Lienzingen zu ermitteln. Die Unterlagen sollen dann dem Oberamt vorgelegt werden. Unterschrieben von Krauß und Hafner (Blatt 172). 

Doch dann krachte es heftig im Flecken. Der Lienzinger Ortsgeistliche Gottfried Heinrich Neuffer - er amtierte von 1821 bis 1843 in der als gut eingestuften Pfarrei - fühlte sich brüskiert vom Gemeindevorstand. Denn der Geistliche erfuhr vom Kauf des Hauses Mehrer durch die Kommune und deren Absicht, dort ein zweites Klassenzimmer zu schaffen, erst durch das Gutachten von Friedrich Link. Offenbar war dem Ortsgeistlichen zumindest der Untersuchungsumfang des Auftrags an den Mühlacker Werkmeister verschwiegen worden. Man räumte das Versäumnis in einem Brief vom 11. März 1834 an das Königliche Gemeinschaftliche Oberamt Maulbronn unumwunden ein.

Weshalb nur zwei Flächen rot umrandet sind, lässt sich wohl damit begründen, dass aus den vier Standort-Vorschlägen einer wird, der dann auch realisiert wurde. Beide Flächen (nicht genordet!) unterhalb der Kirchenburg. In diesem Bereich wurde dann gebaut.

Als der Pfarrer nachträglich um seine Meinung gebeten wurde, war er schon sauer, lehnte alle kleineren Lösungen inklusive dem Erwerb des Mehrer-Anwesens ab und setzte voll auf Neubau: 

Diese war dann, daß die gdste. Herrschafft schwerlich ihre Genehmigung zur Einrichtung einer Schule, die zum Theil nicht einmal 8 Schuhe (= Fuß. 1 Fuß = 10 Zoll = 28,65 Zentimeter) in die Höhe bekommen würde, … ertheilen werden und überhaupt das Beste wäre, wenn ein neues Schulhauß erbaut würde. Denn dazu fehlen es der Gemeinde, die nach dem Vaihinger Intelligenzblatt 1200 f. zum Ausleihen parat hat, nicht an Mitteln. (…) Für die Kinder und den Schulmeister wäre (bei einem Neubau) besser gesorgt. Man hätte dann auch nur ein Hauß im Baun zu erhalten und ein Platz dazu würde sich, wenn man ernstlich wolle, finden. 

Notfalls werde, wenn sich innerorts kein Bauplatz finden lasse, die neue Schule am Ende des Ortes gebaut wie zum Beispiel in Illingen, einem Ort, der bedeutend größer sei als Lienzingen. Neuffer schrieb, er habe die Hoffnung und es bleibe dem Gemeinderat  überlassen, dem Königlichen Gemeinschaftlichen Oberamt ein Anbringen nach seinem Sinne vorzulegen.

Seitenhieb gegen den Ortspfarrer

Gehorsamst Unterzeichneter wollte  nicht vom früheren Beschluss des Gemeinderats vom November 1833 und von seiner Ansicht zur Sache abgehen und die war pro Kauf des Mehrer-Anwesens für den Einbau des zweiten Klassenzimmers, er - der Schultheiß - habe für sich und den Gemeinderat keinen neuen Grund gefunden, davon abzuweichen. Allerdings mochte er sich auch nicht gegen den Wunsch der Gemeinde wehren, aus der jetzigen Wohnung des Schulmeisters einen Klassenraum zu machen, also die Variante  1 umzusetzen. 

Dann einen Seitenhieb des Schultes gegen den Theologen:

So lästig es auch für den Pfarrer seyn mag, eine Schule, in der sich die Ausdünstungen der Kinder so wenig in die Höhe ziehen können, öfters zu besuchen. Daß der Schulmeister selbst eine eisenmässige Natur haben muß, um sich in einer solchen Athmosphäre gesund zu erhalten, das springt von selbst in die Augen (Aktenvermerk vom 11. März 1834, Blatt 171 rechts).

Schon am 6. März 1834 verteidigte Schultheíß Fehleisen als Vorsitzender des Gemeinderats den beschlossenen Kauf der Immobilie des Chirurgen Mehrer. Dies sei in  Ermangelung eines disponiblen tauglichen Bauplatzes geschehen, zudem nur unter der Bedingung, dass von Seiten der höheren Behörde die eine oder die andere beabsichtigte Benutzung genehmigt werde.

Andere Motive? Das Mehrersche Schuldenwesen bei der Gelegenheit auch erledigen

Doch dann lässt der Hinweis aufhorchen, vom Ankauf des Mehrerischen Hauses hänge die Erledigung des Mehrerschen Schuldenwesens ab. Offenbar gaben nicht ausschließlich here Gründe den Anstoß, in diesem Zuge auch das Raumproblem der Schule zu lösen. In den Schulbauakten finden sich keine weiteren Hinweise außer jenem, der Chirurg habe außer der an die Gemeinde verkauften eine weitere Wohnung, die er beim Zustandekommen des Geschäftes mit der Kommune beziehe, ansonsten auch verkaufe (Blatt 171 links).

Restposten an Blutegel? 1842 einen Verkaufsversuch unternommen

Der in Lienzingen praktizierende Chirurg und Wundarzt Eberhardt Friedrich Mehrer handelte mit Blutegeln, die er in einem Teich in Lienzingen, an der Straße nach Zaisersweiher, züchtete. 50.000 Blutegel ergaben wohl einen Zentner, Bedarf hatten vor allem Hospitäler in halb Europa. Ein ganz großes Geschäft zunächst, das ihn aber letztlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. 1828 hatte er beim Oberamt Maulbronn ein solches Geschäft beantragt. Die Behörden des Landes stimmten zu, der Oberamtsarzt kontrollierte regelmäßig die Anlage und stellte Mehrer ein gutes Zeugnis aus. Doch die Rentabilität verfehlte er, so dass 1837 das Aus kam. Zudem war seine Familie inzwischen auf 16 Köpfe gewachsen, erforderte somit auch höhere Ausgaben. Mehrer versuchte, sein Haus zu verkaufen. 1844 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus. Mit Rücksicht auf seine Armut und sein sonstiges gutes Verhalten genehmigte der Lienzinger Gemeinderat dem edlen Menschenfreund einen Zuschuss von 500 Gulden. Er kam wohl ein Jahr später zurück, wirtschaftlich offenbar erholt, doch dann verlieren sich seine Spuren (Quelle: Johannes Bastian: Eberhard Mehrer und seine Blutegelzuchtanlage in: Ortsbuch Lienzingen, Verlag Regionalkultur, 2016, S. 128 ff). 

Alle Kosten des Kirchen- und Schulwesens muss die Gemeinde tragen

Ob auch die Lienzinger Stiftungskasse in den finanziell schwierigen Jahren dem Chirurgen Zuwendungen machte, ist ungeklärt, aber nicht auszuschließen. Schultheiß Fehleisen schrieb verehrungsvoll beharrend jedenfalls in der zitierten Eingabe vom 6. März 1834 an das Königliche Gemeinschaftliche Oberamt in Maulbronn, die Gemeinde bitte in jedem Falle um eine baldige Entscheidung dieses Gegenstandes. Endlich finden wir noch zu bemerken nöthig, daß die hiesige StiftungsCasse ganz unvermöglich ist, folglich alles Kirchen und Schulhausbauwesen auf der Gemeindepflege liegt  (Blatt 167 ff).

Der Grundriss für die neue Schule. Entwurf von Kreisbaurat Abel, der Wünsche des Vorstands der Gemeinde aufnahm und allgemein auf Zustimmung stieß. Die Planung legte er 1836 vor.

Die Entscheidung traf am 18. März 1834 ein in Form des Dekrets des Königlichen evangelischen Consistoriums, also der gemeinsamen kirchlichen und weltlichen Verwaltung in Kirchenangelegenheiten. Überbringer: das Oberamt. Die Adressaten: Gemeinderat und Bürgerausschuss. Betreff einer neuen Schulhauseinrichtung. Darin lehnte das Konsistorium die kleinen Lösungen mit alter Schule und Mehrer-Haus klar ab (ganz verworfen). Es forderte einen Neubau entweder auf der Stelle des alten oder auf einem anderen Platz – am besten mit Lehrerwohnung und Provisorzimmer. 

Das Konsistorium untermauerte seine Entscheidung mit Details. Im gegenwärtigen Schulhaus zwei Lehrzimmer und die Schulmeisterwohnung im Mehrerschen Haus einzurichten, hätte Minuspunkte: die geringe Raumhöhe, die Verkleinerung des Flurs. Bei Wegfallen der Küche (und dadurch von Wänden) im unteren Stock könne die Tragfähigkeit der Decke in Frage stehen. Nachteilig seien bei der Aufteilung der beiden Klassenräume auf zwei Gebäude beim Mehrer-Haus die sehr steile Treppe, potenzielle Unstimmigkeiten mit der anderen Mietpartei, ungenügender Platz für die Toilette, geringe Deckenhöhe (Blatt 164 ff).

Königliches Oberamt befahl, den Kaufkontrakt mit Mehrer aufzuheben

Das Königliche Oberamt befahl deshalb im selben Schriftstück,  dass der Gemeinderat den Kaufkontrakt mit Mehrer für aufgelöst erklären müsse, da die Verlegung der Lehrerwohnung  und des Provisorzimmers in das Mehrersche Haus durchaus nicht angemessen ist. Der Befehl des Oberamtes bestand noch aus zwei weiteren Punkten:

  • Gemeinderat und  Bürgerausschuss haben unter Zuziehung des Werkmeisters Link von Mühlaker über die zu Erbauung eines neuen Schulhauses geeigneten Pläze sich zu besprechen und über die Acquisition des tauglichsten mit dem Besitzer Unterhandlung zu eroeffnen. Sofort nach deren Abschluß ist durch Werkmstr. Link ein Bauplan mit KostenuiberSchlag [Einschub links] zu unternehmen und dem K[öniglichen] Oberamt vorzulegen. 
  • Endlich sind der nöthigen Einleitungen zu treffen daß mit dem Bauwesen im nächsten Frühjahr begonnen werden kann.

Vollzug meldete der Gemeinderat von Lienzingen dem Königlich Gemeinschaftlichen Oberamt Maulbronn und Knittlingen aber erst am 11. Mai 1835. Schultheiß Fuhleisen schrieb nach Regierungsresolution vom März 1834 betreffs des Schulhausbaus, Baurat Abel, Ludwigsburg, sei als Bauverständiger gewählt worden. Abel habe sich bereits am 29. Mai  abends nach Lienzingen begeben, um einen Bauplatz zu ermitteln. Abel habe auch verschiedene Vorschläge gemacht, welche zu keinem Resultat geführt hätten (Blatt 163 links).

Teil 1 des Grundrisses: 1 Grundriss des zweiten Stocks, 2 = A Schulzimmer für 110 Kinder je sieben Quadratfuß pro Kind oder 129 bei 6 Quadratfuß je Fuß, 3 Zimmer des Provisors (Unterlehrer), 4 = B Schulzimmer für 110 Kinder je sieben Quadratfuß pro Kind oder 129 bei 6 Quadratfuß je Kind, 5 Grundriss des ersten Stockes, 6 Schlafzimmer, 7 Küche, 8 Speisekammer, 9 Magdkammer.

Schultes Fuhleisen kündigte namens des Lienzinger Gemeinderats am 5. Juni 1835 an, Abel werde seine Vorschläge mit einem Gutachten dem Königlich gemeinschaftlichen Oberamt vorlegen. Schließlich schaltete sich noch die Regierung des Neckar-Kreises in Ludwigsburg ein, die via Oberamt der Kommune mitteilte, man

habe den Bericht vom 18. Nov. 1834 / 30. März 1835 betreffend das Schulhausbauwesen in Lienzingen eingesehen und will hienach das k[önigliche] Oberamt beauftragt haben, den Gemeinderath daselbst vorerst zu ungesäumter Wahl eines Bauverständigen anzuweisen. Mit diesem hat so dann, derselbe unter gutächtlicher Einvernehmen des Ortgeistlichen, die Auswahl eines passenden Bauplazes in reifliche Erwägung zu ziehen, und sofort in Vollzug zu bringen, hierauf über das projectirte Bauwesen alsbald Riss und Überschlag fertigen zu laßen und diese dem Oberamt zu übergeben, welches dieselbe nach Maasgabe der Verordnung vom 19ten April 1823 einem vom Gemeinderathe hiefürgewählten Techniker übergeben, die Genehmigung des K[öniglich] evangel[ischen] Consistoriums zu dem Bauwesen in der projectirten Weise einholen und sodann für rechtzeitige Ausführung des Bauwesens besorgt seyn wird.

Wegen Aufbringung der nöthigen Mittel hiefür wird das K[önigliche] Oberamt den Gemeinderath zur Berathung und Beschlußnahme auffordern und über das Resultat der leztern je nach Umständen entweder in eigener Instanz …g...iren [?] oder dasselbe der höhern Behörde vorlegen. Endlich versieht man sich zu dem Oberamt, daß es nicht verfehlen werde, wegen der nöthigen Beschleunigung dieses Gegenstandes die geeigneten Maasregeln zu ergreifen. Ludwigsburg den 14tn April 1835 [eigenhändige Unterschrift] Bühler.

Grundriss Teil 2: 1 Wohnzimmer des Schullehrers, 2 Flur, 3 Kammern. 4 Grundriss des Souterrains, 5 Viehstall, 6 Keller, 7 Vorplatz, 8 Futterkammer, 9 Holzlager 10. verfasst durch Kreisbaurat Abel (Blatt 147 ff).

Wie die Gemeinde das Projekt finanziere? Wegen Aufbringung der nötigen  Mittel wird das Oberamt den Gemeinderat zu Beratung und Beschluss auffordern und über das Resultat dann zu berichten, steht im Aktenvermerk vom 28 April 1835. Das Königliche evangelischen Consistorium in Stuttgart teilte dem Oberamt am 27. November 1835 mit, dass es sich ebenfalls an die Königliche Kreisregierung gewendet habe wegen eines baldmöglichsten Berichts zum Gutachten des Abel. Es habe sich bereits im April an die Gemeinde Lienzingen gewandt, zudem bei der Königlichen Kreisregierung nachgehackt (...) wie die Entscheidung zum Schulhausneubau beschleunigt werden könnte. Der Vermerk trägt das Datum vom 30. März 1835.

Das Konsiostorium, praktisch der heutige Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche Württemberg, schickte wieder ein Mahnschreiben, diesmal am 13. November 1835:

Da die Erbauung eines neuen Schulhauses [Einschub links] in dem verwichenen Sommer nicht zu Stande gekommen ist, woran nach dem Berichte des gemeinschaftlichen Oberamtes vom 16. Jul[is] namentlich die noch nicht entschiedene Wahl des Bauplatzes schuld war, so wird dem gemeinschaftlichen Oberamt schon jetzt aufgetragen, alles Ernstes darob zu halten, und dafür zu sorgen, daß während dieses Winters alle, angebliche und wirkliche, Hindernisse von dem Ortsvorsteher beseitigt werden und mit Eintritt des künftigen FrühJahrs 1836 gebaut werde. Ob und daß man sich auf den Beginn und raschen Fortgang des Bauwesens im nächsten Frühling verlassen dürfe, ist binnen 3 Monaten anzuzeigen, damit das evangelische Consistorium, wenn wider Erwarten neuer Aufschub zu fürchten seyn sollte, an die K[önigliche] Kreisregierung zeitig sich wenden könne (Blatt 155 ff).  

Das Oberamt Maulbronn – Knittlingen gab am 7. Dezember 1835 vorläufig Entwarnung: Im nächsten Frühjahr solle mit dem Bau begonnen werden, Abel werde seine Vorschläge präsentieren. 

Im Jahr 1912 verschickte Ansichtskarte von der Lienzinger Schule (Foto: Sammlung Appenzeller)

Sollte nun für zwei oder drei Klassen geplant werden? Die Meinungen darüber gingen auseinander. Wenn der Klassenteiler 90 gesetzlich werden sollte, brauche Lienzingen in nicht zur ferner Zeit drei Lehrzimmer, und auf diesen sehr wahrscheinlichen Fall sollte bei dem jetzigen Bau im Interesse der Gemeinde Rücksicht genommen werden. Zwar habe der Baurat geschrieben, es könnten im zweiten Stock im Falle des Bedarfs zwei Kammern des Schulmeisters zu einem dritten Lehrzimmer verwendet werden, in dem 40 bis 50 Kinder Platz fänden, doch das gemeinschaftliche Oberamt erhielt am 5. Januar 1836 vom Evangelischen Konsistorium den Auftrag, auf Voranstehendes das Weitere zu besorgen

Zwei Klassenzimmer reichen, urteilte der evangelische Dekan Hafner aus Knittlingen am 29. Januar 1836, verbunden mit der Rückgabe der Akten an das Oberamt Maulbronn, sozusagen sein weltliches Pendant. Da die Schule in Lienzingen derzeit etwa 170 Kinder zähle, so sei nach den bisherigen Normen die vorgeschlagene Einrichtung zweier Lehrzimmer mit dem bezeichneten Raum vollkommen hinreichend und auch sonst werde gegen den Entwurf nichts eingewendet - außer, dass in dem Provisorszimmer ein kleiner Ofen fehle. Das Konsistorium betonte, sein Erlass vom 5. Januar 1836 versage nicht die Genehmigung, sondern wolle nur auf künftige, vielleicht bald eintretende Bedürftniße aufmerksam machen. Da der angeschlossene Stiftungsräthliche Protokollauszug die Möglichkeit der Befriedigung solcher Bedürfnisse, wenn sie etwa eintreten sollten, nachweist, so hat das ev[angelische] Consistorium gegen die Ausführung des Bauwesens nach dem vorgelegten Riße nichts einzuwenden. - Stuttgart den 22. Jan[uar] 1836

Geschafft! Mit Unterschriften die Einigung über den Kauf des Bauplatzes für die neue Schule hinter dem Rathaus bezeugt.

Das Gemeinschaftliche Amt Lienzingen sollte sich nach dem Dekret des Königlich evangelischen Konsistorium vom 5. Januar 1836 zu dem möglichen Bedarf eines dritten Schulzimmers äußern. Außerdem sollten der Stiftungs- und der Gemeinderat über die Kostenaufteilung einen Beschluss fassen. Nach einem „Überschlag“ (Kalkulation) betrugen diese 5867 fl. (= Florentiner Gulden) 50 Kreuzer, für den Bauplatz 900 fl., zusammen 6767 fl. 50 Kreuzer. Gleichzeitig sollten sich die Gremien erklären, ob sie die  Beteiligung von Abel oder des Oberamtmanns an den Verhandlungen wünschten (Blatt 143).

Die Kommune hatte aber noch weitere Hausaufgaben zu erledigen. So forderte die Kreisregierung in Ludwigsburg über das Oberamt Maulbronn die Pläne sowie einen Finanzierungsplan mit Angaben zur Nutzung des Gemeindewaldes an und setzte dafür eine Frist von vier Wochen.  Unterschrieben: Bühler.

Neue Hausaufgaben für die Kommune, die eigentlich froh war, den gordischen Knoten durchschlagen  zu haben. Neues Thema: Wie würde sich der zusätzliche Holzeinschlag auswirken, wäre die Nachhaltigkeit der Holznutzungen trotzdem garantiert? Dazu musste der Stiftungs- und der Gemeinderat einen Fragenkatalog beantworten. 

Da das Holz, welches gehauen werden soll, im ganzen Wald herum heraus gehauen wird, so ist nichts weniger als ein Eintrag der Nachhaltigkeit der Holznutzungen zu befürchten, 

antworteten am 8. April 1836 im Auftrag des Gemeinderats Schultheiß Geißler und Gemeindepfleger Holzapfel, Ratsschreiber. Das Holz sei teilweise abgängig, stehe außerhalb des Waldes an den Gütern und Wegen. Der Bestand des kommunalen Waldes sei gut, dieser umfasse eine Fläche von 1036 Morgen (= 1 Morgen = 4728 Quadratmeter).

Das Oberamt Maulbronn wollte wegen des Gesuchs der Gemeinde, den außerordentlichen  Holzhieb zu genehmigen, unter anderem die Höhe des Abstreichakkorts (= vertragliche Vereinbarung). Die Anwort der Kommune: Das für den Schulhausbau abgegebene Holz habe einen Wert von 1100 fl., die Fronleistungen von 60 fl.. Der Bauplatz koste abzüglich des Erlöses der darauf gestandenen Gebäude 764 fl. 

Finanziert werde das Projekt mit dem Erlös des vorzunehmenden außerordentlichen Holzhiebs und mit Aufnahme von Kapitalien. Eine außerordentliche Umlage könnten die Bürger nicht praestiren (= leisten). Begründet wurde dies mit den bedeutenden Fronen und der Notwendigkeit, die übrigen laufenden Ausgaben, hauptsächlich die Unterhaltung der Straßen und der übrigen kommunalen Gebäude zu bestreiten. Zudem würden die Früchte auf der Markung nicht geerntet, bei denen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stünden. Somit ließen sich Frondienste zugunsten des Schulbaues einsparen.

Protokollbuch als Briefe-Sammler. Peinlichst war darauf zu achten, dass zwischen dem Protokollauszug und dem eigentlichen Schreiben meist Unterschiede im Datum waren.

Grünes Licht für den beantragten Einschlag gab das Oberamt Maulbronn am 4. März 1836 , wiewohl zwei Tage zuvor das Königliche Forstamt in Bönnigheim einschränkend bemerkte, die Gemeindewaldungen würden durchgängig schon mehr in Anspruch genommen als die Nachhaltigkeit eigentlich gestatte.

Der Abschluss der Abwägungsrunde zum Standort der neuen Schule: Das Gutachten von Baurat Abel aus Ludwigsburg diente – in Kombination mit dem von Werkmeister Linck aus Mühlacker - als eine allseits akzeptierte Entscheidungsgrundlage. Abel schrieb: 

Ich habe mich bald nach dem Empfang (des Auftrags) nach Lienzingen begeben und in Gemeinschaft mit dem Pfarrer, Schultheiß und einigen Gemeinderäthen die in Wurf gekommenen Bauplätze untersucht. Von der Gemeinde beauftragt, von der Kreisregierung dringend empfohlen,  lieferte er nun die Resultate seiner Arbeit ab – in  der Anlage Riß und Überschlag über die Erbauung eines neuen Schulhauses in Lienzingen. Wenn auch mit zeitlichem Verzug, wie er offen ansprach. Durch eine Krankheit, die mich lange Zeit hinderte, arbeiten zu können, sowohl als auch durch eine Baadreiße bin ich abgehalten worden, diesen Gegenstand bälder zu vollenden.

Zeit bleibe genug, um die nötigen Steine zu brechen und anzukarren, damit im Frühjahr 1837 mit den Arbeiten am Schulgebäude begonnen werden könne,  so der Schultes. In dem an ihn ergangenen schultheißenamtlichen Schreiben drehte es sich um Pfosten, die in die Schulzimmer gestellt werden müssten, um die darüber befindlichen Zwischenwände zu tragen. Da das Häuschen des Essich von schlechter Beschaffenheit ist, so sollte der Erlös aus dem alten Schulhaus den Ankauf jedenfalls decken.

Was nun den Plan selbst betrifft, so wurde mir bemerkt, daß man von Seiten des Ortsvorsteher wünsche, daß das Schulhaus nach dem von mir in Ensingen, Vayhinger Oberamts erbauten, aufgefähr werden möchte. Ich habe deßwegen auch nach jenem den Plan den dißeitigen Verhältnißen gemäs, eingerichtet. Es liegen zwerlei Grundriß bei, der eine bezeichnet den fall, daß man die Wohnung des Schullehrers im ersten Stock und die Schulzimmer in den zweiten Stock verlegt.

Die 2te Zeichnung bezeichnet den umgekehrten Fall. Wenn die Wohnung unten stattfindet, so kommen im 2ten Stock keine Zwischenwände auf unterhalb befindlichhohle Räume, und das Ganze gewinnt dadurch an Dauer. Kommen aber die Schulzimmer in untren Stock so ist es für die Kinder, besonders kleineren Kinder, bequemer und minder gefährlich beim Nachhaußegehen, wo sie sich gewöhnl[ich] allzusehr antreiben und deßwegen gerne fallen. Und der Schullehrer hat das angenehme, daß seine Familie oberhalb wohnend, weniger durch sperren vielen Plaz und verbergen immer einige Kinder dem Auge des Lehrers. Ich schlage uno deßwegen ein Mittel vor, das wirklich häufig gebraucht wird. Daß nehmlich statt hölzerne Säulen, die schön gehobelt immer auch Kosten von ca. 40 f. ausmachen, dünne Säulen von gegoßenen Eisen gestellt werden, die noch beßern Dienst leisten und doch nur ganz wenig das Auge belästigen.

Würden die Schulzimmer in den obren Stock verlegt, so müßten die obren Durchzüge durch Hängwerkeaufgehängt werden und beinahe gleicher Aufwand für eiserne Bänder und Träger aufgehen.  Die Schulzimmer sind so geräumig gezeichnet, daß sie 106 Kinder in eines faßen können, zusammen also 212 Kinder. Diese dürfen sich aber auf 240 vermehren,. ohne daß ein Mangel an Plaz entstünde. Würde aber auch der Raum für diese nicht mehr reichen, so wäre nur die Zwischenwand in den 2 Kammern, mit A und B bezeichnet, heraus zunehmen und ein Ofen an das dortige Kamin zusezen, so könnten noch weitere 60 untergebracht, der Schulmeister aber unter Dach entschädigt werden.

Ein Schulbau wie von Abel in Ensingen gewünscht

Die Lienzinger Ortsvorsteher wünschten sich ein Schulhaus wie von Abel in Ensingen konstruiert, 1834 für rund 4000 Gulden an der Straße nach Illingen gebaut und am 22. Oktober 1834 eingeweiht. Zu dieser Zeit gab es 134 Schüler. Ein großzügiges Gebäude, errichtet aus Sandsteinquadern mit einer Freitreppe, unten mit 13 und oben mit elf Stufen, die zu einer Doppeltüre im Hochparterre führten. Im Untergeschoss ein gewölbter Keller,  zwei Ställe und eine Futterkammer (Peter Schaller in Ensingen, Kulturland am Fuße der Eselsburg 1071-2021, 2021, Stadt Vaihingen an der Enz, S. 236 f). Deshalb in Lienzingens Schulgebäude der erhöhte Sockel,  in dem Viehstall, Holzlege und Futterkammer untergebracht werden konnten. 

Will jedoch die Gemeinde die Scheuer Nro. 78 a dazu kaufen, wenn anders der Schullehrer so reichlich mit Früchten und Güter besoldet ist, und der oben bemerkte Gelaß nicht reichen sollte, so wird der Kosten sich um ca. 400 f. vermindern. Der Überschlag beläufft sich auf 5867 f. 50 x Er wird sich wahrscheinlich aber durch Abstreich bedeutend vermindern, weil meines Wißens mehrere Steinbruche in der Nähe sich befinden. Die Erbauung des obren Stocks mit eiche Holz, würde kaum 100 bis 150 f. weniger ausmachen, weil dieses wirkl[ich] auch sehr theuer ist, und doch beiweitem nicht gleiche Dauer versprechen, auch offtmaliges Verpuzen und Verblenden der Außenwände veranlaßen würde.

Kreisbaurat Abel zu seinen Gedanken und Plänen, zu Pro und Kontra der einzelnen Bauplätze, die  – welche  Überraschung – sich innerhalb des Dorfes anboten. Er ließ von Geometer Schneider aus Mühlacker einen Lageplan zeichnen, ein beeindruckendes Dokument des Dorfkerns von Lienzingen anno 1836. 

Beil[age] Lit. A. 5 Der erste derselben ist dem jezigen Schulhaus gegenüber, worauf gegenwärtig das Wohnaus des Fried[rich] Erber, Schmid, steht. Ich habe um meine Angaben näher bezeichnen zu können, durch den Baumeßer Schneider den Plaz aufnehmen laßen. Er ist unter den hier beyliegenden 3 Situationsplänen mit Lit. A bezeichnet. Aus diesem Plan ergibt sich, daßein neu zu erbauendes Schulhaus, wenn man es nicht dreistökigt machen wollte, was eine Unschiklichkeit in Betreff des in verschiedenen Stöken vertheilten Schulzimmer nach sich zöge, hier keinen schiklichen Plaz fände.Weil, wie die rothe Linien mit a b c d bezeichnet, ein Theil davon in den Allmandplaz fiele, der, siehe Lit A B C D, einen ca. 15 bis 18 Schu[h] tiefen Graben bildet, der den erhöht liegenden Kirchhof umgibt, zu welchem man nur durch eine Brüke bei x x gelangen kann. 

Es wird nur schwer seyn, eines der Gutstüke zu kaufen, da sie vermögl[ichen Bürgern gehören sollen. Doch sollte anzunehmen seyn, daß sie immer noch wohlfeiler kommen, als der Ankauf eines Häußchens, um nach seinem Abbruch eine Baustätt darauf zu bekommen. Sumpfig zu seyn, es läßt sich kein Keller hier anbringen, und die Wohnungen u[nd] Schulgelaß [?] würden ungesund werden. Um so mehr, da sich nach starkenRegengüßen, als einem der mindesten Punkte der Orts, das Regenwaßer hier zu sammlen scheint. 

Beilage Lit. B Der 3te Plaz ist auf der westlichen Seite des Ortes an der Staatsstraße nach Maulbronn, auf einem der Gärten rechts oder links der Straße. Hier würde das Schulhaus unstreitig eine gesunde Lage bekommen. Nur etwas ist dabei, was bei dem 3 andren Pläzen nicht stattfände, die Entfernung von Kirche und Pfarrhaus, und namentl[ich] bei Kriegszeiten des Unruhigen der Landstraße. Sollte jedoch mit dem nachfolgenden Bauplaz es nicht zu Stande zu bringen seyn, was jedoch nicht wohl zu bezweifeln ist, so möchte ich den Plaz Nro. 3 den Vorzug vor den 2 andren geben, weil des dabei als minder angemeßen kann.  Der Unterbau bis ins Niveau der obren Straße würde daher sehr viel kosten. Die aber etwa darin einzurichtende Gegenstände, Keller, Viehstall nicht gut ausfallen, weil sie einerseits gegen Grund kömen und somit keiner gesunden durchgehender Lufftwechsel dabei angebracht werden könnte. Andererseits aber auch der Übelstand einträten, daß man nicht mehr bequem in den Graben an den Unterbau des jezigen Schulhauses gelangen könnte, in dem sich Viehstall befindet, und endlich, seyn es die Wohnung oder Schulzimmer, welchen  Theil man in den Stock über der Erde (von Niveau der Kirchgaße aus genommen) einrichten wollte. 

Durch die nahe Umgebungen der Kirchhofmauer (die wegen dene[n] innen daran angebauten Keller undBehälter um der örtlichen Lage Lienzingens willen unentbehrlich sind, nicht minder gemacht werden kann). So wie der Wohnungu[nd] Scheuer des Jung Fried[rich] Eßichs verdunkelt würden. Der 2te befindet sich auf der westlichen Seite des Dorfs und der Kirche auf Gutstüken. Die Kirche liegt aber, wie schon bemerkt, sehr hoch, und diese Gutstük sehr nieder, so daß man auf einer ziemlich hohen Treppe dazu hinunter zu steigen hat. Diese Gutstüke scheinen doch nicht in den Grade ist, daß es als absolutesHinderniß angesehen werden könnte. Weil erstl[ich] die Entfernung in größern Städten vom Meßner zur Kirche und Pfarrhaus häufig größer ist, und fürs andre in frequenten Ortstraßen der Lermen leicht auch bedeutender wird, als er hier an der Landstraße stattfinden mag.

Beilage Lit C: Der 4te Plaz ist hinter dem Rathaus, jedoch nicht unmittelbar an demselben, sondern an der s. g. 12 Baadstraße. Hier wäre aber das Häußchen des  Johannes Eßig zu kaufen (Nr. 78 auf dem Rißchen) um Theils auf der area deßelben, theils jedoch auf einem ganz kleinen Theil des Schnuerlischen [?] Gartens und den Zwischenraum deßelben, nach Maasgabeder blau eingezeichneten Baufläche, das Schulhaus zu erbauen. Dieser Bauplaz hätte den Vorzug vor allen übrigen, daß er ziemlich nahe am Pfarrhaus und Kirche ist, und ein Gebäude darauf frei zu stehen könne. Um aber hinterwärts noch in die Scheur 78 a fahren zu können, müßte ihm die bezeichnete Stellung 13 gegeben werden, und wenn es nicht möglich wäre bei a e gehörig den Rang zu bekommen, so würde nötig noch bei c d etwas vorzufahren. Das Gebäude würde daher auf dem engsten Theile vom Huberschen Haus 30‘ auf der Nordseite 43‘, auf der Ostseite gegen der Scheuer 18, vergl[eiche] aber 20 ‚ entfernt bleiben, was hier genügt, als das Haus ganz massiv von Stain gebaut werden solle.

Gehorsamster Diener Fried[rich] Linck ist ein Brief vom 18. Dezember 1835 an das Königl[ich] Hochlöbliche Oberamt unterzeichnet: Habe ich die Ehre im Anschluß die mir von demselben schon unterem 27tn Merz 1834 zu gekommenen Akten, die Ausmittlung eines Bauplazes zu einem Schulhaus in Lienzingen betreffent, nebst einem hiezu gefertigten Situationsplan und einem Kostenzettel auf den Bauwesen zu Aus….[?] diesen gehorsamst zu übersenden.

Kaminfeger Danneker von Dürrmenz machte heute die Anzeige, daß in dem neuerbauten Schulhauß zwei neu modische Kamine aufgeführt u[nd] dieselben nicht zum besteigen seyen, daß man sie nach der gehörigen Ordnung reinigen könne, weil diese mit einer Tratbürste gereinigt werden sollen. Da die hiesigen Gegend nicht mit Steinkohlen u[nd] Dorf gefeuert, sondern mit Buchen= u[nd] Eichenholz, u[nd] dieses einen Glanz= u[nd] harten Ruß erzeuge, wo man diesen mit großer Mühe u[nd] mit dem Eißen abhauen u[nd] abtragen müße. Folglich mit der Bürste nicht gehörig abbringen kann, würde man aber Steinkohlen oder Dorf brennen, zu den Lienzinger Schulhausbauacten so würde solcher Ruß gut abzubringenseyn, weil es nur Staub erzeugt. Es werde aber an des Danneker Arbeit nichts ermangeln, nur müße er bemerken, das diese Camin in dieser Gegend nicht pasend seyen, u[nd] auch gefährlich werden. Hiemit mache er die Anzeige, daßihme keinen Nachtheil gebe. Die Angabe l[aut] Danneker. So wird beschloßen dis einem Königl[iche] Oberamt zur weiteren Verfügung zu übergeben. D[en] 2. Merz 1837 Hochachtungsvollster Schultheiß Geißler (transkribiert Karin Jauch)

Alle Veröffentlichungen, die mit dem Kauf zu tun haben, mussten von der Gemeinde/Kommune und dem Pfarramt gemeinsam getragen werden. Link räumte ein, Pfarrer und  Ortsvorstand seien nicht ganz einig gewesen über diesen Platz, welcher im Situationsplan enthalten sei. So habe er, Link, bisher die Einsendung dieser Akten unterlassen. - Hochachtungsvoll / Mühlacker den 28t Dec[ember] 1835 

Ein Auszug aus den Protokollen des Stiftungsrats vom 11., 17. und 21. Dezember 1835 lässt allerdings auf eine Einigung in Lienzingen schließen: Der Standort hinter dem Rathaus (heute Kirchenburggasse 15). Der notwendige Grunderwerb gelang wider Erwarten doch. Schultheiß Fehleisen  beziehungsweise Gemeinderat Betz schickten den Protokollauszug über den Ankauf eines Platzes für das neu zu bauende Schulhaus via Oberamt Maulbronn dem evangelischen Consistorium in Stuttgart. Die Gremien einigten sich demnach auf den Vorschlag von Baurat Abel (Blatt 152 rechts).

Wörtlich:

Nachdem der Überschlag des Baurath Abel zu Erbauung eines neuen Schulhauses allhier samt dessen Gutachten über den zu erwählenden Platz dem hiesigen Gemeinderathe und Bürgerausschusse vorgelegt worden war, so vereinigte man sich nach reifer Erwägung und genauer Berechnung der Kosten darin, daß der im Abelschen Gutachten als der tauglichste bezeichnete Platz erkauft werden solle. Auf diesem steht das Haus (Beilage Lit. C.) welches die Bürger Johannes Essig, Friederich Meinhardt u[nd] Gottl[ieb /-lob ?] Münzingers Wittib besitzen und bewohnen, und diese wurden also vorgefordert, um einen Kauf mit ihren abzuschließen. 

Dieser kam nun folgender Massen zu Stande, daß Friedrich Meinhardt und die Wittwe Munzinger das […]liche Schulhauß miteinander erhalten und zwar so, daß die Munzingerin die obre Hälfte bekommt, Meinhardt aber die untren, daß beide Stall und Keller gemeinschaftlich besitzen, die obern Kammern aber mit einander theilen sollen. Ausserdem erhält Meinhardt noch an baaren Gelde 250 f., die Munzingerin aber 100 f. Auch darf Meinhardt sein Anbaule an der Scheuer und die Münzingerin ihren Viech= und Schweinstall mitnehmen. Johannes Essig bekommt 550 f. baares Geld und darf seinen Schweinstall, seine Fenster, die Stiege, die er erst kürzlich hat machen lassen u[nd] den Ofen mitnehmen. 

Die sämtlichen Verkündgelder (=Kosten der Bekanntgabe) über den Kauf müssen von der Commun gelitten werden. 

Den Kaufvertrag unterzeichneten Johannes Essig, Johann Friedrich Meinhardt und Sabina Münzinger. 

Die Verhandlung beurkunden: Pfarrer M. Neuffer, Schultheiß Fehleisen, Gemeinderäte Betz, Lutz, Joh[annes] Lindauer, Geiger, Holzapfel, Conradt, Gottfr[ied] Lindauer, Bürgerausschuss-Mitglieder Roos, Gfr. Schneider, Betz, Im. Schneider, Ernst Schneider, Georg Deubler, J. Straub. (Blatt 152).

Im Oktober 1960: Schüler und Lehrer ziehen in die neue Grundschule. Abschied!

Das Gebäude gehörte dann bis 1969 der Gemeinde Lienzingen. Der Gemeinderat konnte sich nach dem Umzug ins neue Schulhaus Friedrich-Münch-Straße/Ecke Dr.-Otto-Schneider-Straße zunächst nicht entscheiden, wie die Immobilie zwischen Rathaus und Schulgasse genutzt werden soll. So richtig getraute sich das Gremium nicht, sich von dem Steinhaus zu trennen, legte Wert auf den Einbau von Wohnungen. Gleichzeitig scheuten sich Bürgermeister Richard Allmendinger und die zehn Räte vor einem drohenden Sanierungsaufwand.

Der Verkauf an einen Mieter scheiterte, weil Interessent H.  den verlangten lückenlosen Nachweis der Finanzierung nicht beibringen konnte, so dass der Gemeinderat am 24. April 1969 einem externen Bewerber den Zuschlag für das Gebäude Nr. 116 an der Schulgasse (heute Kirchenburggasse) erteilte - der Mühlacker Bullinger GmbH, einem Kartonagen-Hersteller, für 40.000 Mark, die es im Herbst 1970 für knapp 60.000 Mark an ihren damals 23-jährigen Mitarbeiter Luigi Sica  veräußerte, einem in Lienzingen lebenden Italiener. In dessen Eigentum befindet sich das Gebäude heute noch und er versuchte frühzeitig, die Räumlichkeiten für ihn bestens auszunutzen (auch: Konrad Dussel, Ortsbuch Lienzingen - Altes Haufendorf, moderne Gemeinde, 2016, Verlag Regionalkultur, S. 227 ff). 

Im Ratsprotokoll wird das Projekt, das die Bullinger GmbH übernahm, so beschrieben: Gebäude Nummer 116 Schulhaus mit Treppe, Abtritt, Schülerabort und Hofraum mit 5 ar 60 qm. Der Käufer tilgte die Restschulden der Gemeinde auf dem Objekt mit zusammen rund 25.000 Mark, den Rest erhielt die Gemeinde auf ihr Girokonto (STAM, Li B 327, S. 272). 

Das alte Schulhaus - aus der doppel- wurde eine einläufige Treppe. Der jetzige Eigentümer nahm sich die Freiheit. Und keine Behörde schritt gegen diese Amputation ein.

Gelingt der Stadt, woran die Lienzinger Altvorderen scheiterten?

Kirchenburggasse 5 ist indessen stark sanierungsbedürftig. Ob der Stadt Mühlacker gelingt, was der Gemeinde Lienzingen vor etwa 160 Jahren verwehrt wurde, nämlich der Kauf? Zwei der drei Anteile stehen im Eigentum der Kommune, den dritten Teil nennt ein Einwohner mit türkischen Wurzeln sein Eigen. Richtigerweise will die Stadt das gesamte Anwesen in ihre Hand nehmen, um die Chancen auf einen sanierungswilligen Käufer zu erhöhen, der dann nicht mit drei Parteien verhandeln müsste. Erleichtern würde die Umsetzung des Projekts die zweite Aufnahme des Ortskerns Lienzingen ins Landessanierungsprogrammes im Jahr 2023.

Transkription Karin Jauch, Holzgerlingen

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