1948/49 keine guten Zeiten für Gemeinderäte: Mangelwirtschaft, Zuteilung, Wohnungsnot und politische Atteste

Drei Ausschüsse des Lienzinger Gemeinderats 1948/49

Neuer Bürgermeister, neuer achtköpfiger Gemeinderat, demokratisch gewählt: Lienzingen erlebte einen personellen Umbruch und stand gleichzeitig vor einem gewaltigen Aufgabenberg. 1948, 1949 und 1950 formierte sich mit der Bundesrepublik Deutschland der neue Staat in den britischen, amerikanischen und französischen Zonen. Im Juni 1948 Währungsreform, die Deutsche ersetzte die Reichsmark, im selben Jahr noch begann im Parlamentarischen Rat die Arbeit an der neuen Verfassung, die im Mai 1949 mit der Annahme des Grundgesetzes die Basis bildete für die Bundestagswahl wenige Monate später. Gleichzeitig vollzog sich mit der Gründung der DDR  und dem Verlust der Gebiete jenseits von Oder und Neiße  die Teilung Deutschlands.


Lienzinger Geschichte(n) als Blogserie. Keine guten Zeiten. Mangelwirtschaft, (Zwangs-)Zuteilung, Wohnungsnot, das Ausstellen politischer Zeugnisse, ein Ratsausschuss für Spinnstoffwaren – heiße Themen, Auf- und Vorgaben prägten die Arbeit der Lienzinger Gemeinderäte gerade in jenen Jahren, in denen die Bundesrepublik entstand. Die Rathaus-Mannschaft setzte alles daran, das schwere Los der Menschen zu verbessern.


Die Auswirkungen wie Flucht und Vertreibung spürte auch heftig die knapp 1000 Einwohner zählende Gemeinde Lienzingen in der amerikanischen Zone, im Land Württemberg-Baden (das gemeinsame Land in der umgekehrten Reihenfolge der Namen entstand erst 1952) und im Kreis Vaihingen an der Enz. Ein kleiner Ort mit langer Geschichte. Wie so viele andere Orte die stabile Basis der Bundesrepublik.

Ein Zwanziger erster Generation (1948)

Das Dorfleben in der Nachkriegszeit. Jetzt, 70 Jahre später, sind uns manche Themen fremd, über die der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Richard Allmendinger (38) zu beraten und zu beschließen hatte. Apropos Bürgermeister: Das Ortsparlament bewilligte ihm mit seiner Wahl am 10. Oktober 1947 – damals noch durch den Gemeinderat -  in puncto Gehalt nach dem Ortsvorsteher-Gesetz von 1933 die höchste Stufe bei Gemeinden mit mehr als 1000 Einwohner (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, Li B 323, S. 42). Die Begründung hätte alle überzeugen müssen: Allmendinger, bis Oktober 1945 Obersekretär bei der Gemeinde Wernau am Neckar, bezog dort ein Monatsgehalt von 380 Reichsmark. Wäre er streng nach den Buchstaben des Gesetzes eingruppiert worden, wäre es auf 270 Reichsmark geschrumpft – der Betrag wie in Kommunen mit weniger als 1000 Seelen. Das hätte für ihn eine besondere Härte bedeutet, schon gar, weil Lienzingen kurz vor der entscheidenden Schwelle stand: 1947 genau 957 Einwohner, 975 am 22. März 1948. Also Tendenz steigend. Die Rechtsaufsicht beanstandete den Beschluss, doch das Ortsparlament wiederholte ihn am 22. März 1948   und beantragte gleichzeitig eine Ausnahmegenehmigung beim Innenministerium.

  • Gehälter festgelegt bis zur Währungsreform 1948

Ebenfalls am 22. März legten die Bürgervertreter die Gehälter der Bediensteten fest – die Regelung sollte bis zur Währungsreform gelten: Monatlich netto 88 RM für den Gemeindepfleger. 143,52 RM für jede der beiden Schreibgehilfinnen. 127,60 RM für den Amtsboten sowie 136,72 RM für den Forstwart und 98,66 RM für den Fronmeister. Die Liste zeigt: inklusive Schultes eine siebenköpfige Gemeindeverwaltung (STAM, Li B 323, S. 76 f). Mit Allmendinger stand erstmals wieder seit Kriegsende ein Verwaltungsfachmann an der Spitze des Dorfes, die nun nicht mehr die Dienste des Verwaltungsaktuars und Ex-Bürgermeisters Kienzle aus Maulbronn benötigte. Das war bei Allmendingers Vorgänger Jakob Straub der Fall: Er war nicht vom Verwaltungsfach, sondern pensionierter Stellwerkmeister.

  • Streiflichter aus zwei Jahren: 1948 und 1949 
  • Problem Nummer 1: Mangelwirtschaft, Zwangszuweisung, Zuteilung, Bezugskarten

Landwirt Friedrich Kälber wollte Holz für Bretter, die er für die Instandsetzung einer Hütte benötigte. Dem Gesuch wurde stattgegeben, sofern sich noch die Möglichkeit biete. Maurer Adolf Mamber benötigte, um seine instandgesetzte Scheunenwand abstützen zu können, sechs Baustangen von rund sechs Meter Länge. Die Gemeinde habe, so die Räte in ihren Beratungen am 22. März 1948, keine derartigen Stangen. Zudem sei die Zuweisung von Stangen aus dem Holzeinschlag von 1948 an Mamber nicht möglich, da dieser im vergangenen Jahr berücksichtigt worden sei. Weil Stammholz knapp war, konnte die Kommune dem Wunsch der Witwe  Schell, das ihr zustehende Brennholz gegen Eichenstammholz einzutauschen, nicht gleich folgen. Sie benötigte das Material zur Aufstockung ihres Wohnhauses (STAM, Li B 323, S. 62,76,81).

Bürgermeister und Gemeinderäte unterzeichneten alle Protokolle

Die Rationierung von Gütern des alltäglichen Lebens dauerte an, die Haushalte erhielten unterschiedliche Bezugskarten- und Nachweise. Die Verteilung der bezugsscheinpflichtigen Erzeugnisse nahm der Gemeinderat vor. Sollen andere Räte ihre Kollegen kontrollieren? Ja, sagte der Landkreis und ordnete mit Erlass vom 5. April 1948 an, dafür ein spezielles Gremium zu bilden. Doch die Lienzinger rebellierten. Ihre   Botschaft war klar: Sie wollten sich nicht gegenseitig bespitzeln müssen. Deshalb lehnten die Bürgervertreter am 14. April 1948 ab, einen Überwachungsausschuss für die Kartenstelle zu bilden, der alle drei Monate der Kreisbehörde in Vaihingen an der Enz hätte berichten müssen. Verfehlungen bedeutender Art könnten niemals auftreten, argumentierten die Lienzinger Kommunalpolitiker, da die soziale Kontrolle in einer kleinen Gemeinde eh schon gegeben sei. Den schlussendlich akzeptierten Kompromiss schlug Bürgermeister Allmendinger vor: Die Mitglieder des Ausschusses für Spinnstoffwaren sollten die Ausgabe von Schuhwaren kontrollieren, die des Schuhverteilungsausschusses die Ausgabe der Spinnstoffwaren (STAM, Li B 323, S. 83).

  • Problem Nummer 2: Wohnungsnot – In den Ausschuss musste ein politisch Verfolgter

Ergänzen musste der Gemeinderat am 16. März 1948 die Besetzung des Wohnungsausschusses, um der Vorgabe des Wohnungsgesetzes nachzukommen, solchen Personen den Vorzug zu geben, die dem nationalsozialistischen Regime Widerstand geleistet hatten. So rückte nun Paul Bopp in den Ausschuss ein als politisch Verfolgter (STAM, Li B 323, S. 72). Bopp, ehemals Mitglied der Kommunistischen Partei, war in der Nazi-Zeit wegen kritischer Äußerungen zum Vorgehen des NS-Staates gegen amerikanische Hybridreben denunziert, bald darauf abgeholt und ein halbes Jahr lang im Schutzhaftlager Welzheim eingesperrt worden (Konrad Dussel, Lienzingen – Altes Haufendorf, moderne Gemeinde, 2016, Verlag Regionalkultur, S. 182). Am 7. Mai 1949 verließ Gemeinderatsmitglied Hermle auf eigenen Wunsch den Wohnungsausschuss, da seine Mitgliedschaft in diesem Ausschuss für ihn als Gewerbetreibender unliebsame Folgen habe. Für ihn rückte der Mechaniker Wilhelm Ott nach (STAM, Li B 323, S. 161).

In einer geheimen Abstimmung beschloss der Gemeinderat am 24. August 1948 den Bau eines Zweifamilienhauses auf Kosten der Kommune (heute Brühlstraße 14) – fünf Ratsmitglieder stimmten dafür, zwei dagegen (STAM, Li B 323, S. 109). Am 30. November 1948 beschlossen die Räte den Bau einer Holzbaracke zur Unterbringung von Flüchtlingen beim späteren Gärtnereibetrieb Mannhardt, die dann bis 1962 stand und nach einer wechselhaften Geschichte 1962 abgebrochen wurde (STAM, Li B 323, S. 125). Immerhin: Für beide Projekte der Kommune legte der Gemeinderat am 14. März 1949 fest, bei einem gemeinsamen Richtfest am folgenden Mittwoch und der Feier im Adler sollten die Handwerker und Hilfsarbeiter jeweils fünf Deutsche Mark für Getränke erhalten. Jagdpächter Friedrich Münch spendierte Wildschweinbraten (STAM, Li B 323, S. 147). Ein Herz zeigte das Gremium, als eine der vier Familien in der Wohnbaracke bat, für sie die Monatsmiete von 20 auf 18 Mark zu reduzieren, da sie bei bestem Willen nicht mehr bezahlen könne (GR 30. Juni 1949, STAM, Li B 323, S. 204).

In einer Bürgerversammlung hatten die Lienzinger gefordert, die Siedlung Brühl nach Westen zu erweitern bis zur B35. Laut Bürgermeister Allmendinger – Ratssitzung am 30. November 1948 - erschien die Forderung ihre volle Berechtigung zu haben, doch bezweifelte er, dass die zuständigen Stellen der Ausweitung des Baugeländes in solchem Ausmaß zustimmen würden, da wohl nicht behauptet werden könne, der Bedarf an Baugelände sei erheblich. Nun setzte die Kommune auf einen geplanten Grundstückstausch mit dem Staatsrentamt (STAM, Li B 323, S. 125).

Der Bürgermeister lud die häufig in engen Wohnverhältnissen lebenden Flüchtlingsfamilien zu einem gemeinsamen Gespräch ein, bei dem auch der Wunsch nach Gartenland geäußert wurde. Sie erhielten einen Landstreifen entlang des Hartwaldes, konnten aber weder Rodung noch Bau eines Brunnens finanzieren. Die Räte stimmten am 29. Oktober 1948 der Übernahme auf die Gemeindekasse zu (STAM, Li B 323, S. 120). Diese Schrebergärten bestehen heute noch. Sie liegen aus Richtung Mühlacker rechter Hand nach dem Ende des Waldes.

  • Problem Nummer 3: Folgen der Nazi-Diktatur, Urteile der Spruchkammern und politische Zeugnisse

Der Gemeinderat lag am 2. Februar 1948 die Beschwerde von Emma Huber vor, weil ihr Name von einem Beamten der US-Militärregierung von der Wahlliste gestrichen worden war, genauso wie die von Antonie Brüstle und Wilhelm Ott. Sie waren von der Spruchkammer als minderbelastet eingestuft und ihnen befristet das Wahlrecht aberkannt worden. Trotzdem durften sie bei der Gemeinderatswahl ihre Stimmzettel abgeben. Die Gemeindeverwaltung folgte danach zwar den Anweisungen der Militärregierung, doch Emma Huber wehrte sich mit der Begründung, Einspruch gegen den Entscheid der Spruchkammer eingelegt zu haben, der aber – so der Gemeinderat – keine aufschiebende Wirkung habe (STAM, Li B 323, S. 61 f).

Undenkbar wäre dies heutzutage, doch in den ersten Nachkriegsjahren mussten die Gemeinderäte auch politische Zeugnisse ausstellen. So stand bei der Sitzung am 15. Juni 1948 als erster Punkt auf der Tagesordnung der Antrag von Lehrer Karl Kießling, ihm ein politisches Führungszeugnis auszustellen. Kießling war im September 1941 an die Volksschule Lienzingen versetzt worden, konnte die Stelle aber nicht antreten, da er 1939 zum Heeresdienst einberufen worden war. Der Gemeinderat bescheinigte ihm nun, dass er sich hier nicht politisch betätigte. Gegen seine Verwendung im hiesigen Schuldienst würden von hier aus, keine Einwände erhoben. Kießling wurde einige Zeit später Leiter der Lienzinger Schule(STAM, Li B 323, S. 93).

Noch ein anderer heikler Fall stand auf der Tagesordnung des Ortsparlaments, und zwar am 30. Juni 1949: das politische Zeugnis für Hans Stanger, verwandt mit Ex-Bürgermeister Karl Brodbeck. 1910 geboren, kam 1939 nach Lienzingen. Die Spruchkammer in Karlsruhe hatte ihn am 31. März 1948 als belastet eingestuft. Er wollte ein Gesuch um Strafmilderung einreichen, bat deshalb den Gemeinderat um die Ausstellung eines politischen Zeugnisses. Dem folgte das Gremium. In dem Zeugnis heißt es, Stanger habe sich seit dieser Zeit, also seit 1939, einwandfrei geführt und seit seiner Entlassung aus dem Internierungslager zu erkennen gegeben, dass er sich vom Nationalsozialismus abgewandt habe, er geeignet und bereit sei, am Wiederaufbau eines friedlichen, demokratischen Deutschlands mitzuarbeiten. Der Gemeinderat äußerte die Überzeugung, dass Stanger auch nur in Folge seines jugendlichen Alters damals den verlogenen Propagandamethoden der Nazis zum Opfer gefallen und deshalb in die Partei und die SA eingetreten sei. Der Gemeinderat befürwortete daher eine Milderung der gegen den, schwer Kriegsbeschädigten getroffenen Entscheidung, insbesondere eine niedrigere Einstufung (STAM, Li B 323, S. 204).   

  • Problem Nummer 4: Von 16 bis 65 Jahre: Dienstverpflichtet für den Holzeinschlag
Holz - wichtiger Einnahmeposten der Gemeinde Lienzingen. Bürger von 16 bis 65 Jahren 1948 zum Holzmachen verpflichtet

Für Lienzingen als Einnahmequelle von besonderer Bedeutung: der Wald. Immer wieder tauchte der Holzeinschlag als Thema auf. So am 2. Februar 1948. Insgesamt 2405 Festmeter seien einzuschlagen, lautete die staatliche Vorgabe. Gegen den Bescheid legte der Bürgermeister Einspruch ein und forderte eine Reduzierung des Solls auf 1875 Festmeter. Was aber entscheidend war: Die Kommune verpflichtete sämtliche Bürger im Alter von 16 bis 65 Jahren zum Arbeitseinsatz, sie mussten jeweils mindestens sechs Festmeter Holz einschlagen. Trotz Einsprüchen hielt das Gremium an dieser Dienstverpflichtung fest (STAM, Li B 323, S. 60 f).

Apropos Holzeinschlag: Solidarität war gefragt auch unter Kommunen. Ob immer freiwillig, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls lieferte die Gemeinde Lienzingen der Stadt Asperg aus dem Einschlag 1948 rund 400 Raummeter Brennholz. Im Gegenzug schickte Asperg – neben dem Geld fürs Brennmaterial - zwei Schreibtische für das Rathaus, nachdem Lienzingen noch zwei Festmeter Eichenstammholz dem Handwerker zukommen ließ, der die Schreibtische fertigte. Gleichzeitig ersparten sich so die Asperger, das Holz selbst im Lienzinger Wald einschlagen zu müssen. Realwirtschaft pur (STAM, Li B 323, S. 93).                                                                      

Das Sparbuch des Vereins zur Erhaltung von Frauenkirche und Friedhof in Lienzingen

Das Guthaben des nicht mehr existierenden Vereins in Höhe von 2772 Reichsmark floss 1948 an die Lienzinger Gemeindekasse (STAM)

Ganz außer der Reihe war ein Tagesordnungspunkt der Ratssitzung am 14. Januar 1948: Die Erbschaft des vor dem Ersten Weltkrieg bestandenen Vereins zur Erhaltung der Frauenkirche Lienzingen; seit Jahren nicht mehr aktiv, eng verbunden mit Paul Mildenberger, von 1908 bis 1914 Pfarrer in Lienzingen. Jedenfalls lagen noch 2772 Reichsmark und 16 Pfennige als restliches Vermögen des Vereins auf einem Konto der Kreissparkasse, Zweigstelle Maulbronn, die nun der Gemeinde als Eigentümerin der Frauenkirche zufielen. Der Gemeinderat bestimmte, das Geld sei so anzulegen, dass es für die Unterhaltung des Gebäudes jederzeit greifbar sei (STAM, Li B 323, S. 58). Zudem stiftete der Mühlacker Fabrikant der Gemeinde 2000 Reichsmark zur Instandsetzung der Kanzlei im Rathaus (STAM, Li B 323, S. 83).

  • Stroh-Mangel: Für eine Reichsmark gab es Laub für die Landwirte

Höchst ungewöhnlich: Die Gemeinde gab 1948 Laub aus dem Gemeinde- und Staatswald an die örtlichen Landwirte ab, die es zum Streuen im Stall verwendeten. Denn es bestand als Folge außergewöhnlicher Trockenheit ein akuter Mangel an Stroh. Sie konnten nun im Rathaus Lose kaufen zum Stückpreis von einer Reichsmark. Das Ortsparlament machte dafür am 14. April 1948 den Weg frei (STAM, Li B 323, S. 81).

Aber auch die Freude an Festen ließen sich die Lienzinger in schwierigen Zeiten nicht nehmen. Der Turnverein wollte am 13. Oder 20. Juni sein 50-Jahr-Bestehen feiern. Der Gemeinderat stimmte zu, dass die Kommune ein Kinderfest organisiert. Zwar lägen die gegenwärtigen Zeitverhältnisse zu derartigen Festlichkeiten nicht sehr günstig, doch 50 Jahre seien ein besonderer Anlass, der auch geehrt werden sollte (STAM, Li B 323, S. 72).

Bei einer Doppelsitzung am 8. und 10. Dezember 1948 beschlossen die Räte, ihr Sitzungsgeld zu spenden, 25 Prozent an die Evangelische Kirchengemeinde für einen neuen Ofen und 50 Prozent zur Finanzierung einer neuen Glocke im Kirchturm. Das restliche Viertel landete auf einem Sparbuch (STAM, Li B 323, S. 128). Zur Streitschlichtung in der Gemeinde setzte der Rat ein im Gesetz Nr. 241 gefordertes Friedensgericht ein (STAM, Li B 323, S. 161).

Bekämpfung der Sperlinge, steht über dem Punkt 1 der Ratssitzung am 7. Mai 1949. Jeder gefangene gefiederte Sperling sei an Gemeindepfleger Emil Geissler abzuliefern, der wiederum darüber eine Liste anzulegen und die ausgesetzte Prämie - jeweils 2,5 Pfennige von Gemeinde und Landkreis - auszubezahlen habe (STAM, Li B 323, S. 161).

  • Telefon Nummer 238, Eugen Benzenhöfer - Wer den Bürgermeister nach Dienstschluss sprechen musste

Der Gemeinderat kümmerte sich um viele Kleinigkeiten des Alltags. Das zeigt die Tagesordnung der Sitzung vom 30. Juni 1949:

  • Für die Bezirksrinderviehschau in Vaihingen an der Enz wurden als Vertreter die Gemeinderäte Häcker und Roos benannt
  • Der Zuschuss an die Stadtgemeinde Mühlacker für den Besuch der Hauswirtschaftsschule betrug nun 20 statt 14 Mark pro Schülerin und Jahr, was das Gremium akzeptierte, da die bisherige Umlage in keiner Weise mehr dem erhöhten Aufwand entspräche
  • Die EVS in Enzberg hatte bei einer Kontrolle festgestellt, dass die Lampenstellen der Schmiede, des Backhauses und des Feuerwehrmagazins nicht am Zähler angeschlossen waren. Außerdem lebten in dem Haus bei der Kelter, an der Zaisersweiherstraße, zwei Familien, deren Verbrauch über einen gemeinsamen Zähler erhoben wurde, was in der Regel zu Streitereien führte. Deshalb wurde beschlossen, jeweils einen eigenen Zähler anzubringen.
  • Oder: Laut Erlass des Landratsamts Vaihingen vom 22. Juni 1949 musste der Bürgermeister auch jederzeit außerhalb der Dienststunden telefonisch erreichbar sein. Richard Allmendinger war dies: Unter der Telefonnummer 238 von Eugen Benzenhöfer. Das wurde dem Landratsamt entsprechend mitgeteilt (STAM, Li B 323, S. 174).
Bürgermeister Richard Allmendinger mit dem langjährigen Amtsboten Wilhelm Scheck (1981, Foto: STAM, Smlg. Gerhard Schwab). Scheck, Jahrgang 1899, war der letzte Amtsbote Lienzingens, der - bis Anfang 1969 - die amtlichen und andere Nachrichten noch "ausschelte". Für die Dorfjugend ein Erlebnis.

Ähnlich war es am 4. November 1949. Die Themenvielfalt der Gemeinderatssitzung reichte von der Vergrößerung der Pflanzschule über die Ausbesserung des Bodens in der Turnhalle neben der Kelter bis zur Festsetzung der Polizeistunde allgemein auf 12:00 Uhr, gemeint war wohl 24:00 Uhr, und am Kirchweihsonntag auf 2:00 Uhr. Zudem suchten die Musiker Fode, Haug und Selinger einen Übungsraum. Sie waren im Schulgebäude fündig geworden, der Gemeinderat hatte keine Einwände gegen die Zusatz-Nutzung. Es folgte die Information, die Gastwirtschaft zur Krone sei neu verpachtet worden und zwar an den Metzgermeister Willy Langenstein aus Schmie. Der Gemeinderat entschied, keine neuen Auflagen zu verhängen (STAM, Li B 323, S. 200).

  • Neue Projekte zeichneten sich ab: In der Schule war es zu eng, deshalb Unterricht auch im Ratssaal

Eng zu ging es in der Volksschule, weshalb der Gemeinderat am 7. September 1948 zustimmte, vorübergehend den Ratssaal freizugeben für etwa 10 bis 12 Wochenstunden für den Schulunterricht. Schulleiter Wilhelm Wagner sagte, vorgesehen seien dort Handarbeits- und Religionsunterricht. Es sei nicht möglich, in den vorhandenen zwei Schulräumen im Gebäude an der Kirchenburggasse, in denen jeweils vier Jahrgänge parallel von einem Lehrer unterrichtet wurden, bei der jetzigen Zahl von Schülern auch noch diese beiden Fächer unterzubringen, sagte Wagner, der aus Bessarabien nach Lienzingen kam und sich viele Verdienste für das Dorf erworben hat – sagt sein ehemaliger Schüler (STAM, Li B 323, S. 111).

Dass neue Aufgaben warteten, zeigte sich an einem Punkt der letzten Sitzung des Jahres 1949 am Tag vor Heiligabend. Der noch junge Fußballverein hatte am 15. Dezember 1949 beantragt, ihm ein Gelände an der Kohlplatte für einen Sportplatz zur Verfügung zu stellen. Der Platz könnte gleichzeitig auch von Turnverein und Schule benutzt werden. Im Protokoll von Bürgermeister Allmendinger heißt es: Bei der Aussprache traten verschiedene Mängel auf, die gegen die Anlegung des Sportplatzes dort sprechen. Der Vorschlag, den Platz zunächst mit den Vereinen gemeinsam zu besichtigen, wurde nach weiterer Beratung durch den Gemeinderat zum Beschluss erhoben (STAM, Li B 323, S. 209).

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