Geschichte(n): Heidenwäldle-Vertrag bringt Lienzingen eine Million für eine neue Halle

Die Karte über den Tausch von 1963 über den aktuellen Stadtplan gelegt. Links die rote Fläche, die Lienzingen an Mühlacker abgab, rechts die blaue Fläche, die Lienzingen dafür bekam. Jeweils 8,7 ha. Montage: Stadtverwaltung Mühlacker (Geoinformation)
Ex-Lienzinger Markungsteil nördlich Beliner Ring. (2020) Bild: Antonia Bächle

Lienzinger Geschichte(n):  Erst der nördliche Nachbar macht das "Heidenwäldle" in seiner jetzigen Größe möglich. Taktik, Störfeuer, Unmut und dann doch 1964 Zustimmung nach mehr als  dreijährigen Vertragsverhandlungen. Das größte Grundstücksgeschäft der Gemeinde Lienzingen seit Jahrhunderten dürfte das gewesen sein. Trotzdem passte das Kernstück der Vereinbarung auf eineinhalb Seiten der Größe DIN A 4, getippt auf der Schreibmaschine mit mehreren Durchschlägen. Im zweiten Schriftstück ging es ums Geld. Am 12. November 1965 unterschrieben die Bürgermeister von Lienzingen und Mühlacker, Richard Allmendinger und Erich Fuchslocher, das kommunale Abkommen über einen Markungstausch von 8,7 Hektar. Der kleinere Partner ließ sich den Handel mit gut einer Million Mark entschädigen. Und finanzierte damit 1966 den Bau seiner Gemeindehalle.

Mit einer „Bekanntmachung“ vom 12. Januar 1966 teilte das Regierungspräsidium Nordwürttemberg in Stuttgart im Gesetzblatt auf Seite 26 der Öffentlichkeit seine Genehmigung unter der Nummer 14 - 512/35 Mühlacker-Lienzingen/1 mit: die Umgemeindung eines unbewohnten Gebietsteils der Gemeinde Lienzingen von 8 ha 70 ar 32 qm in das Gebiet der Stadt Mühlacker und eines unbewohnten Gebietsteils der Stadt Mühlacker von 8 ha 70 ar 6 qm in das Gebiet der Gemeinde Lienzingen. Rechtswirksam wurde der Tausch dieser zweier Kommunen des Landkreises Vaihingen am 1. Februar 1966.

Willkommen in der Waldsiedlung 2020. Bild: Antonia Bächle

So stehen die Häuser nördlich der Ernst-Reuter-Straße, des Berliner Rings (hier springt an einer Stelle die alte Markungsgrenze etwas zurück), an der Louise-Schroeder-Straße und östlich des Berliner Rings bis kurz vor der dreispurigen Zufahrtsstraße sowie die Reihenhäuser zwischen Berliner Ring und katholischem Gemeindezentrum auf ehemals Lienzinger Markung. Hier sind die Karten zum Tauschvertrag und der heutige Stadtplan von der Geo-Information der Stadtverwaltung Mühlacker übereinander gelegt: 1963_Flaechentausch_Heidenwaeldle_Plan_mit_KAT_2019.pdf

Zuerst Fläche vom Land

Um die Siedlung realisieren zu können, tauschten schon 1962 Staatsforstverwaltung und Stadt Mühlacker jeweils 27,7 ha Fläche. Zudem musste die Kommune für das dem Heidenwäldle vorgelagerte, 2,54 ha große Flurstück Nr. 2413/2 dem Land Baden-Württemberg 223.432 Mark bezahlen, schon abgezogen ein  Sozialrabatt von 2,50 Euro pro Quadratmeter, den die Stadt nachträglich bezahlen müsse, wenn es nicht innerhalb von drei Jahren für den öffentlich geförderten Wohnungsbau verwendet werde, hieß es am 29. Oktober 1963 im Gemeinderat, der einstimmig dafür war (Stadtarchiv Mühlacker=STAM, GR 73, S.112).

Doch die mit dem Land getauschte und gekaufte Fläche reichte nicht. In seiner Sitzung vom 16. Juli 1963 ließ Bürgermeister Fuchslocher den Mühlacker Gemeinderat wissen, der vom Gremium am 10. Oktober 1961 genehmigte Bebauungsvorschlag des Baudirektors Gerber von der Regionalen Planungsgemeinschaft Württemberg-Mitte (RPW) mache einen Markungstausch von je rund 8,3 ha mit Lienzingen erforderlich (STAM, GR 79, S. 56).

Mit dem Erlös aus dem Heidenwäldle-Geschäft 1966/67 von der damals selbständigen Gemeinde Lienzingen gebaut: die Gemeindehalle - inzwischen von der Stadt Mühlacker saniert.

Mit erster Planung an Grenze gestoßen

Im Herbst 1961 beschloss der Rat der Senderstadt die Aufstellung eines Bebauungsplans „Heidenwäldle“, beauftragte mit den Planungen die RPW, begründete diesen Schritt mit dem Ziel, in den Besitz eines etwa 18 ha großen, günstig gelegenen Baugebiets zu gelangen. Seit Anfang 1961 bemühte sich die Stadtverwaltung um einen Waldtausch mit der Forstverwaltung. Um die  Pläne optisch zu verdeutlichen, stand ein von der RPW geliefertes Model der künftigen Mustersiedlung dem Technischen Ausschuss des Gemeinderats am 13. Juni 1961 zur Verfügung.

Die Begründung für die Notwendigkeit des Wohngebiets erinnert an die aktuelle Diskussion um Mangel an preisgünstigem Wohnraum und der Bebauung der alten Ziegelei, die nur unwesentlich größer ist als das Heidenwäldle. „Seit Aufhebung der Preisstopp-Verordnung treten bei der Beschaffung von Bau- und Siedlungsgelände außerordentliche Schwierigkeiten auf, so dass es der Stadt nicht mehr möglich ist, wie in früheren Jahren das zur Befriedigung des Bedarfs erforderliche Baugelände aufzukaufen und bereitzustellen“, heißt es im Protokoll der Mühlacker Ratssitzung vom 10. Oktober 1961 (STAM, GR 74, S. 77).

Zuerst um 6,5 ha nachgefragt

Erstmals am 3. März 1961 befasste sich der Lienzinger Gemeinderat - in Punkt 9 - mit dem, wie es zuerst hieß, Waldtausch. Der Bürgermeister sagte, die Stadt Mühlacker möchte von Lienzingen 6,5 ha Waldgelände unmittelbar angrenzend an die Landesstraße Mühlacker-Lienzingen in westlicher Richtung ("Trinkwald") und biete im Gegenzug Staatswald im „hinteren Haidenwäldle“ sowie einen finanziellen Ausgleich des Minderwerts. Doch die neun anwesenden der zehn Lienzinger Räte lehnten sich zurück und gaben die Parole aus: abwarten! Und so schrieb Allmendinger ins Protokoll: „Bei der Beratung herrschte völlige Übereinstimmung darüber, dass die Gemeinde Lienzingen kein Interesse an einem Grenzaustausch hat.“ So könne man den Wünschen des größeren Nachbarn „in Ruhe entgegensehen“. Die Stadt müsse entweder ihr Ziel zurückstecken oder aber Lienzingen ein Angebot unterbreiten, das eine weitere Verhandlung lohne. Unter Umständen sei die Gemeinde selbst daran interessiert, dort ein Siedlungsvorhaben zu verwirklichen. Beschlossen wurde nichts (STAM, Li B 326, S. 82).

STAM, x02-02-02 (1968-1969) Heidenwäldle - Geoplan, Ausschnitt aus ger Großbild C 1-5

Damit war klar: Die Lienzinger sahen sich in der Position des Stärkeren. Selbst dort eine Siedlung zu realisieren, war - allein schon wegen der Entfernung zum Mutterort - wohl nicht ernst gemeint, sollte offensichtlich zusätzlich preistreibend wirken. Eine Politik, die durchaus im Interesse der damals knapp 1200 Einwohner zählenden Gemeinde lag. Das Thema tauchte dann erst in der Sitzung vom 11. Januar 1963 wieder auf, doch eher am Rande, als Zukunftsaufgaben besprochen wurden wie weitere Baugebiete, Abwasserentsorgung, Ortsverschönerung. Bürgermeister Allmendinger, ein Pragmatiker, berichtete über den Stand der Verhandlungen mit Mühlacker, „worüber der Gemeinderat eingehend beriet. Diesbezügliche Beschlüsse wurden nicht gefasst“, endet sein Protokolleintrag. (S. 181) Unterdessen hatten die Mühlacker Stadträte für die weiteren Verhandlungen mit Lienzingen neben dem Bürgermeister noch Stadtrat Bernhard Braun (SPD) aus dem Eckenweiher benannt (GR 15.01.1963) (STAM GR 79, S. 10).

Vorentscheidung im Sommer 1963

Zur Sache ging es erst am 16. August 1963: Da lag den Gemeinderäten, die im Rathaus tagten, das offizielle Angebot der 12.100-Einwohner-Stadt Mühlacker vom 6. August 1963 vor. Die Nachbarn wollten 8,3 ha Gemeindewald und boten als Kaufpreis 830.000 Mark, plus einem von der Forstdirektion ausgerechneten Bestandswert von 140.749 Mark. Da die Lienzinger nicht auf Markungsfläche verzichten wollten, sollten sie im Gegenzug die Abteilung VIII in ihr Gebiet einverleiben dürfen. Doch letzteres passte ihnen nicht, weil das einer halben Enklave gleichkomme, denn die Fläche ziehe sich an der Mühlhäuser Markungsgrenze bis zur Bahnlinie hin („ein ausgedehnter Geländeeinschnitt zwischen zwei Markungen“). Dagegen wollte Lienzingen die Abteilung IX des Stadtwaldes, was die Lienzinger Markung abrunde. Hier erwarte die Gemeinde ein Entgegenkommen (STAM, Li B 326, S. 222).

Das gesamte Paket lag an diesem Augusttag des Jahres 1963 vor, so dass breit diskutiert werden konnte. Sämtliche Probleme seien angesprochen und in sachlicher Form erörtert worden, steht in der Sitzungsniederschrift, die sich in den Beständen des Stadtarchivs Mühlacker befindet. Weil zwei Ratsmitglieder fehlten, ging das Ortsparlament zwar ohne Beschluss auseinander, doch der Schultes appellierte, angesichts anstehender größerer Projekte könnten „auch Erscheinungen auftreten, (...) die den gesamten Einsatz des Gemeinderats erfordern. Der Gemeinderat würde gut tun, wenn er bei den schwierigen Problemen auch einmal hinter dem Bürgermeister stehe. Er hoffe, dass wohl auf diesem Gebiet Klarheit herrsche“, steht im Protokoll zu lesen (STAM, Li B 326, S.  223).

Spekuliert auf Behr

STAM, : x04-01-2 (1969-05) St Johannes, katholisches Gemeindezentrum Heidenwäldle, Berliner Ring 5, Rs von Norden - Ernst Händle jr, sw 362-16.

Doch die Senderstädter Gremien blieben beim Wunsch der Lienzinger in dem Punkt Abteilung IX des Staatswaldes hart - das neue Lienzinger Markungsgebiet lag also weit ab vom Schuss. In der Ratssitzung vom 17. September 1963 empfahl Bürgermeister Fuchslocher, zu versuchen, die Lienzinger Gemeinderäte zu den weiteren Verhandlungen beizuziehen, von denen er sich eine größere Bereitschaft zum Entgegenkommen verspreche  (STAM, GR 79, S. 97). Am 29. Oktober 1963 berichtete Fuchslocher über die Verhandlung mit einer fünfköpfigen Lienzinger Abordnung acht Tage zuvor im Mühlacker Rathaus. Der Streitpunkt Abteilung IX sollte zusammen mit der Forstdirektion gesondert geprüft werden. Fuchslocher sagte bei dem Treffen, Mühlacker wolle in der Abteilung IX einen Parkwald anlegen. Hintergrund des Streits: Lienzingen spekulierte mit einer Erweiterung der Firma Behr in diesen Bereich des Staatswaldes und hoffte, so am Gewerbesteuersegen teilhaben zu können. Doch der Mühlacker Stadtrat Maneval (CDU) sagte bei der Zusammenkunft im Mühlacker Rathaus, dass er sich nicht denken könne, dass sich Vertreter der Stadt für eine Erweiterung hergeben könnten, zitiert ihn Allmendinger im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 8. November 1963 (STAM, Li B 326, S. 236).

Geschickt verwebte Allmendinger den Mühlackerer Wunsch mit einem Ziel von Lienzingen: Angesichts der beabsichtigten Betriebsaufnahme des Ziegelwerks Mühlacker auf dem 1960 von ihm erworbenen Gelände zur Lehmausbeute sei die Gemeinde an einer raschen Betriebsaufnahme stark interessiert, die Frage der Gewerbesteuer solle noch vor Abschluss des Waldverkaufs geregelt sein. Hier kam Mühlacker entgegen. (STAM, GR 79, S. 113). Am 29. Oktober 1963 und damit vor dem Markungstausch sagten die Stadträte ja zur vorgesehenen Gewerbesteuer-Zerlegung der Ziegelwerke: Lienzingen sollte von einschließlich 1963 an jährlich 2000 Mark erhalten, die das Unternehmen der Gemeinde überwies. Allmendinger hatte ein erstes Ziel erreicht.

Zustimmung bei Bürgerversammlung

Dann ging es Schlag auf Schlag: Bei einer Bürgerversammlung am 16. November 1963 im Hirsch-Saal gab es Zustimmung zu einem großen Grundstücksgeschäft mit Markungstausch, ist dem Protokoll der Mühlacker Gemeinderatssitzung vom 3. Dezember 1963 zu entnehmen. In den Sitzungsniederschriften des Lienzinger Gemeinderats findet sich nur die Ankündigung der Versammlung (GR 8.11.1963) (STAM, Li B 326, S. 236). In einer späteren Sitzung wird das Ergebnis nicht erwähnt.

Markungstausch im Januar 1966 vom Regierungspräsidium Nordwürttemberg genehmigt und am 1. Februar 1966 in Kraft getreten

Vor der Bürgerversammlung stellte der Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sitzung am 8. November 1963 die Weichen. Lienzingen verzichtete auf die Abteilung IX und bekam nun 2000 Mark von den Ziegelwerken, so dass allein noch der Grundstückshandel mit Mühlacker als Kerngeschäft am 8. November 1963 zu entscheiden war. Eine einmütige Auffassung in dieser Sache schien nicht erreichbar zu sein, so der Protokolleintrag. Bei der namentlichen Abstimmung votierten der Bürgermeister sowie die Gemeinderäte Hafner, Bolay, Bonnet, Benzenhöfer, Geiger und Windpassinger mit einem Ja zum Verkauf des Waldteiles von 8,3 ha. Nein sagten die Räte Pfullinger, Schmollinger und Straub. Schmollinger begründete seine Ablehnung mit dem Beharren der Stadt auf der Abteilung IX.

Ergebnis: 7 ja, 2 nein, 1 Enthaltung

Die entscheidende Abstimmung über das gesamte Paket fiel, als der Lienzinger Gemeinderat am 21. Februar 1964 öffentlich tagte. Ihm lag der Vertragsentwurf vor, den Allmendinger Punkt für Punkt durchging. Die namentliche Abstimmung: wieder 7 mal Ja, 2 mal Nein, eine Enthaltung (Schmollinger).

Zu einem unerwarteten Störfeuer führte eine Wortmeldung von Gemeinderatsmitglied Schmollinger am Ende der Sitzung vom 22. November 1963, die der Bürgermeister als Paragraf 9 in die Niederschrift aufnahm. Für den Kauf des Gemeindewaldes, so Schmollinger, sei ein interessierter Käufer aufgetreten, der für das Objekt 1,4 bis 1,5 Millionen Mark biete. Es handle sich um den Baustoffhändler Ernst Lutz aus Hohenstein, der gut betucht sei. Daraufhin bekam Allmendinger die Vollmacht, mit Lutz Verbindung aufzunehmen (STAM, Li B 326, S. 240).

Mühlacker stellt Ultimatum

Die Sache taucht in folgenden Protokollen aus dem Lienzinger Gemeinderat nicht mehr auf, dafür in dem der Mühlacker Bürgervertretung von deren Sitzung am 3. Dezember 1963. Darin wird zunächst der Kaufpreis für 8,4 ha mit insgesamt 970.749 Mark angegeben und dann vom Interesse des Baustoffhändlers aus dem Kreis Heilbronn berichtet. Sofort nach Bekanntwerden hatte demnach Bürgermeister Fuchslocher bei den zuständigen Stellen erreicht, dass ein Verkauf an Lutz und eine selbstständige Bebauung durch diesen unterbunden werde. Der Händler zog daraufhin sein Angebot zurück. Gleichzeitig setzte die Stadt der Gemeinde Lienzingen ein Ultimatum: Sie müsse innert 14 Tagen das Mühlacker Angebot annehmen, ansonsten werde die Stadt ihre Planung für die Wohnsiedlung „Heidenwäldle“ ein für alle Mal ohne Einbeziehung dieses Gelände verwirklichen (STAM, GR 79, Seite 118, § 242). Doch in derselben Sitzung legte die RPW einen Entwurf für den Bebauungsplan „Heidenwäldle II“ vor. Bürgermeister und Stadträte hatten sich in den Wochen zuvor auf große Fahrt begeben, um moderne Siedlungen in den Räumen Stuttgart und Karlsruhe sowie in der Nordschweiz anzuschauen.

STAM, : x08 - Berliner Ring (1969-05) Heidenwäldle, nach NW, li Hochhaus an der Königsberger Str - Ernst Händle jr.j

Gut ein Vierteljahr später, bei der Sitzung des Gemeinderats Mühlacker am 10. März 1964, meldete Bürgermeister Fuchslocher den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit Lienzingen, was vom Kollegium mit Genugtuung aufgenommen worden sei, wie der Protokollant vermerkte. Der Vorvertrag sei am 26. Februar 1964 abgeschlossen worden. Für die 8,7 ha bezahlte die Stadt 870.000 Mark, also 10 Mark pro Quadratmeter. Für den Wert des Holzbestandes kamen noch 140.749 Mark drauf, allerdings stand eine endgültige Bewertung des Holzes durch die Forstdirektion noch aus.  Unterm Strich also 1.010.749 Mark und der Markungstausch (STAM GR 81,, S.30).

Gleich weitergeplant

Mühlacker konnte nun seine Pläne für die moderne Siedlung  „Heidenwäldle“ realisieren - in der Sitzung am 10. März 1964 ging es ums Eingemachte: um die Württembergische Heimstätte GmbH und ihr Ratio-Bauherstellungsprogramm für günstiges Bauen. Der einstimmige Beschluss: Beauftragung der Württembergischen Heimstätte GmbH und Überlassung eines Baugeländes von rund 6,1 ha (STAM, GR 81, S. 31ff). Die ersten Häuser wurden wohl 1966/67 hochgezogen.

Und Lienzingen? Die Gemeinde hatte die Million praktisch schon verplant für den Bau der Gemeindehalle. Im Oktober 1966 fällte der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für eine Halle, auch um  zusammen mit dem 1957 eingeweihten Kindergarten und der 1960 bezogenen neuen Schule ein kleines Dorfzentrum zu entwickeln. Die Halle kostete letztlich 1,22 Millionen Mark, davon 1,02 Millionen Mark reine  Baukosten. Gestartet worden war jedoch - beim Baubeschluss  - mit Baukosten von 750.000 Mark. Allmendinger wusste, dass dieser Betrag nicht reicht. Freimütig bekannte der Bürgermeister in den Ortsnachrichten im Oktober 1969: Hätte ich doch mit offenen Karten gespielt, so wäre der Bau der Halle ins Wasser gefallen (Konrad Dussel, „Lienzingen“, Verlag Regionalkultur, 2016, S. 231f).

Eingeholt

Noch einmal eine Rolle spielte dieser Markungstausch im Mai 1975 vor dem Staatsgerichtshof Baden-Württemberg, als Lienzingen gegen seine Zwangseingemeindung nach Mühlacker klagte und verlor. Die Senderstadt befürwortete dagegen den Anschluss mit der Begründung, sie stoße mit ihren Entwicklungsmöglichkeiten im Enztal aus verschiedenen Gründen an Grenzen. Andererseits trage Lienzingen selbst vor, dass noch beträchtliche Gebiete erschlossen werden könnten. Mühlacker sei schon bei der Planung  der Siedlung „Heidenwäldle“ an Grenzen gestoßen und auf einen Markungstausch mit Lienzingen angewiesen gewesen (Günter Bächle in Konrad Dussel, „Lienzingen", 2016, Verlag Regionalkultur, S. 242 ff). Ein Statement mit bitterem Beigeschmack.

Nördlich des Berliner Rings, ehemals Lienzinger Markung. (2020) Bild. Antonia Bächle

Und das Heidenwäldle? Dann kamen mit den Baufirmen auch die Archäologen.    Es ist reich an Zeugnissen einer langen Geschichte, als es noch zu Lienzingen gehörte. Aber jetzt sind wir ja eine Stadt.1055 Menschen wohnen im Heidenwäldle - Die Waldsiedlung ist damit so groß wie Mühlhausen, aber nur der Einwohnerzahl nach.

1055 Einwohner im Heidenwäldle

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