Schönheitskonkurrenz an der Fuchse

Schönheitskonkurrenten ab B10 und Fuchsensteige: mobiler Hühnerstall ./. ThyssenKrupp

Teils Heiterkeit, teils Verstimmung - eine Anfrage im Gemeinderat nach mobilen Hühnerställen löst beides aus, je nach dem Grad der Betroffenheit. Das erlebe ich, seit die Antwort der Stadtverwaltung in der Zeitung stand. Und es bleibt ein Thema: Mit einem Augenzwinkern reagiert seit wenigen Tagen ein Lomersheimer Landwirt an der Fuchsensteige auf die Frage, wie ein Landschaftbild mobile Hühnerställe verträgt. 1000mal schöner sei ein mobiler  Stall mitsamt gackernden freilaufenden Hühnern und Hähnen als die Hallen von ThyssenKrupp auf der anderen Seite der B10. Dem will ich nicht mal widersprechen. Ich fand auch den Leserbrief dieses Landwirts heiter bis ernst. Nicht brachial.  Sogar lesenswert, auch wenn meiner Position deutlich widersprochen wird. Mobile Hühnerställe - bleibt trotzdem ein Phänomen.

Zur Klarstellung: Es war keine Anfrage der CDU-Fraktion, sondern von mir als Stadtrat. Der Anstoß dazu kam aus der Landwirtschaft. Ein Lienzinger hatte mich angesprochen, weil ihm nicht die gesamte von ihm beantragte Fläche von der Stadt für seinen versetzbaren mobilen Hühnerhof genehmigt worden war. Erst dadurch erfuhr ich, dass diese mobilen Hühnerställe  ein Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen. Sinn der Anfrage war deshalb zunächst, Informationen einzuholen. Dadurch aber nahm ich mobile Hühnerställe erst recht wahr. Und mir fiel auf, dass sie auf teilweise guten Böden stehen, die im Zusammenhang mit der Gewerbegebietsdiskussion als unverzichtbar für die Nahrungsmittelproduktion bezeichnet wurden. Bei dieser Argumentation denken die Menschen weniger an Eier, mehr an Getreide, Mais und Kartoffeln. Große Mengen statt kleinen Schalenprodukten, wiewohl ein Ei natürlich Nahrungsmittel ist, ein leckeres zudem. Doch Nahrungsmittelproduktion sehe ich  in dieser postulierten Bedeutung nicht in mobilen Hühnerställen. Der Widerspruch ist offensichtlich. Aber das ist meine Meinung und die darf ich auch äußern. Aber es ist allein die Entscheidung des Landwirts, wo er die Baulichkeiten aufstellt.

Ich habe nichts gegen mobile Hühnerställe. Die CDU sicherlich auch nicht. Und kein Landwirt muss mich vorher fragen und ist mir auch keine Rechenschaft schuldig, wie in einem andere Leserbrief unterstellt wird.

Privilegiert: landwirtschaftliche Halle unterhalb der Lienzinger Weinberge

Das Problem steckt tiefer: Es ist die baurechtliche Privilegierung der Landwirtschaft. Sie darf im Außenbereich, was sonst niemand darf. Zum Beispiel große Hallen bauen wie unterhalb der Lienzinger Weinberge. Hallen, die ins Auge stechen. Und das Landschaftsbild stören, natürlich mehr wie jeder mobile Hühnerstall. Bei Gartenhaus-Besitzern oder Weingärtnern mit Wengerthäusle wird mit jedem Quadratmeter baurechtlich geknausert, weil ihre Vorhaben nicht das Privileg der Landwirtschaft genießen.

Eine Privilegierung, die nicht mehr in die Landschaft passt, aber die die Agrar-Lobby mit allen Mitteln verteidigen wird (und diese Lobby hat Einfluss). Was stört mehr? Die Halle von ThyssenKrupp oder jene unterhalb der Lienzinger Weinberge? Oder beide gleichermaßen. Die Beurteilung liegt im Auge des Betrachters. Bei beiden wird Fläche zugebaut. Gibt es einen Flächenfrass der guten Art bei privilegierten Vorhaben?

Doch zurück zu Hühner & Co sowie ihren mobilen Ställen. Die Eier freilaufenden Federviehs werden sicherlich nicht verschenkt, sondern verkauft. Wer sie erstehen will, muss bezahlen. Und das Geld muss vorher verdient werden. Möglicherweise bei ThyssenKrupp.

S19-049-60_Mobile_Huehnerstaelle.pdf

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