Vision: Das Gigabit-Zeitalter - Aber jetzt reicht's nicht mal überall zu 50 Megabit/sec

Schnelles Internet soll überall in der Region Nordschwarzwald kein Traum bleiben

Die Bundesregierung hat einen flächendeckenden Ausbau von Gigabitnetzen bis 2025 versprochen. Ob die selbst gesteckten Zielvorgaben diesmal erreicht werden? Ursprünglich sollte bis 2018 eine bundesweit flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadrate von 50 Mbit/s gewährleistet. Allein im Kreis Calw zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Von den 25 Gemeinden im Kreis erreichen fünf nicht einmal eine Breitbandabdeckung von 50 Prozent. In Enzklösterle haben sogar 14 Prozent der Haushalte gar keinen Internetzugang, vom Breitbandanschluss ganz zu schweigen.

Das Bild, das beim Breitbandgipfel des Regionalverbandes Nordschwarzwald im Kursaal zu Hirsau, gezeichnet wurde, fiel ernüchternd aus. Doch die Zukunft lässt hoffen.  Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher der Denkfabrik 2B AHEAD, forderte jedoch feste Zeitvorgaben - 2025 - für den Glasfaserausbau. Die Politik dürfe das alles nicht einfach treiben lassen in der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet.

Jürgen Lück, neuer und erster Konzernbevollmächtigter der Telekom für den Südwesten und Simon Japs, Director Public Policy der Unitiymedia/Vodafone, bekamen als Netzbetreiber ihr Fett ab. Sie pickten sich beim Ausbau mit Glasfaser nur die Rosinen heraus wie den Ballungsraum Stuttgart, der ländliche Raum bleibe dabei im Hintertreffen, lautet der Vorwurf. Die Telekom sei bereit, in Gespräche einzusteigen. Stuttgart sei aber keine Blaupause für die Region Nordschwarzwald. Lück ("ich bin gerade bei der Bestandsaufnahme") plädierte für Kooperationen und forderte eine Verkürzung der amtlichen Genehmigungsverfahren. Was die Telekom an konkreten Ausbaumaßnahmen in der Region plant? Wir wissen es immer noch nicht.
 
Japs betonte, Vodafone habe 200.000 Kunden im Nordschwarzwald undd wolle auf Gigabit aufrüsten. Beide sagten, in 20 Jahren sollten ihre Investitionskosten ins Netz zumindest gedeckt sein. Trotz öffentlicher Förderung würden 80 Prozent der Kosten des Ausbaus an den Betreibern hängen bleiben.

Bis jetzt hat das Land 2019 mehr als 170 Förderanträgen aus der Region Nordschwarzwald stattgegeben, 2015 sei es nur einer gewesen, sagte Andreas Schütze, Amtschef im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration.  Doch gebe es auch Schwierigkeiten wie die Topgraphie des Schwarzwalds oder die Rentabilität für Telekommunikationsunternehmen. Michael Zügel, Referatsleiter für digitale Infrastruktur im Landesinnenministerium, hob hervor, 80 bis 90 Prozent der Ausgaben verursache der Tiefbau beim Breitbandausbau. Derzeit seien Tiefbauunternehmen auch sehr gut ausgelastet. Die Folge: höhere Preise, weniger Anbieter.

 

Podiumsdiskussion beim Breitbandgipfel in Hirsau

Dietmar Fischer, Bürgermeister von Bad Liebenzell, warf der Politik Versagen vor. Das Problem sei seit 20 Jahren bekannt. Der Grundfehler sei mit der Privatisierung der Netze passiert. Da hätte man die Telekommunikationsunternehmen auf eine 100-prozentige Abdeckung verpflichten müssen. Wimsheims Bürgermeister Mario  Weisbrich kritisierte die vom Land im nächsten Doppelhaushalt vorgesehenen Fördermittel von 250 Millionen Euro als zu wenig. Alleine der Enzkreis wolle 50 Millionen beantragen.

Bad Wildbads Rathauschef Klaus Mack, neuer Vorsitzender des Regionalverbandes Nordschwarzwald, beklagte, die Privatwirtschaft habe im ländlichen Raum große Lücken gelassen, die man erst kommunal auf Kreisebene füllen könne. Bisher seien dafür im Kreis Calw 14 Millionen Euro von kommunaler Seite ausgegeben worden.

Die angepeilten 50 Mbit/s sind eigentlich schon zu wenig. Wir brauchen Verbindungen im Gigabitbereich, um beispielsweise Anwendungen aus der Cloud nutzen zu können, so IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. In ländlichen Gebieten seien die bisherigen Standards sogar existenzgefährdend.

Mit deutlichen Worten hatten zuvor Unternehmer in der Diskussion die jetzige Netz-Lage beklagt. Alles gehe zu langsam voran. Und das sollte in doppeltem Sinn verstanden werden.

Nebenbei: Dass die Region NSW ein mediales Manko nicht nur beim Internet hat, zeigte sich auch in der Berichterstattung über den Gipfel. SWR Radio und Fernsehen berichteten, die PZ und der Schwabo, aber der Raum Mühlacker efuhr zwar via PZ, aber nicht durchs MT.

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